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Jon Jaxxon

Chip-Menschen 2050


Die Social-Fiction-Story ist der Fantasie des Autors entsprungen, allerdings auf dem Nährboden der heutigen Realität, die ihr Gesicht mit Nächstenliebe und Gemeinwohl tarnt.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Offenbarung

 

***



"Und der erste Engel ging hin

und goss seine Schale aus auf die Erde,

und es ward ein böses und arges Geschwür

an den Menschen,

die das Malzeichen des Tieres hatten

und die sein Bild anbeteten."



(Offenbarung 16,2)



***

Die Hauptdarsteller

 

Unsere Erde ist gerettet

Unsere Erde ist gerettet

 

2038 ist ein Freudenjahr. Party global. Tage- und nächtelange Feste, über drei Monate. Die Welt hatte eine solche Euphorie noch nicht erlebt. Die Menschen liegen sich in den Armen, noch nie war eine größere und innigere Liebe zu spüren. Sinnestaumel, Freudentränen und Harmonie wo man hinsieht. Überall auf dem Globus feiern die Menschen die Rettung unseres Planeten, sie alle sind über Nacht Freunde geworden - schwarz, weiß, braun, rot, gelb … was zählt die Hautfarbe, die Nationalität, die ethnische Ausrichtung? Was zählt ist: Leben!

 

Eine globale Umarmung lässt die Menschheit in Glückseligkeit schweben, die Liebe zu unserem Planeten verbindet über alle physischen und psychischen Grenzen hinweg.

 

Um die sprichwörtliche Haaresbreite ist unser Heimatplanet an einer alles vernichtenden Apokalypse vorbeigeschlittert. Der Asteroid "Chikan" raste mit einer Geschwindigkeit von annähernd 12.000 km pro Stunde auf uns zu und würde bei einem Aufprall unseren bisher blauen Planeten in eine rote Feuerkugel verwandeln. Die totale Vernichtung allen organischen Lebens drohte. Eine Kollision schien unausweichlich. Sieben angstvolle Tage waren es - entweder bis zum Inferno oder bis zum Freudenfest. Praktisch "in letzter Minute" gelang unserer globalen Asteroiden-Abwehr die Zertrümmerung des gigantischen Gesteinsbrockens mittels Atomraketen gut zweieinhalb Millionen Kilometer vor unserer Hemisphäre.

 

Alle irdischen Sorgen sind vergessen. Die Medien sind voll von erfreulichen Meldungen. Goodnews statt Badnews. Auch die Wirtschaftswelt hat sich auf das einmalige Ereignis eingestellt und vermarktet es. Kein Produkt, keine Verpackung, kein Verkaufsvorteil mehr ohne einen Hinweis auf die Freude über den Fortbestand unserer Erde.

 

Eventveranstalter starten gigantische Kampagnen und offerierten Freundschaftsparties, Länder-, Kontinent- und Weltreisen. "Komm' mit auf unsere Party-Tournee rund um unsere schöne Welt!" - "Genieße unsere einmalige Erde, lass' die Herzen eins werden, fühle den freudigen Pulsschlag des Anderen." - "Jeder Tag ist es wert, ihn in vollen Zügen zu genießen!"

 

Alle sollen auf ihre Kosten kommen, für jeden ist was dabei. World-Joy-Tours macht es möglich! Joy comfort. Joy business. Joy premium. Joy first class.

 

Doch die Seelen verbindende Freude soll nur 28 Tage dauern.

 

Freudenparty mit Feuerregen

Freudenparty mit Feuerregen

 

"Trip on P's", die Musikformation, ist seit einem Monat auf Partytournee. Nach Stationen in Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Österreich, Spanien, Italien, Griechenland, Russland ist die Progressivmusik-Crew auf dem Weg zurück in ihr Heimatland Old-Germany.

 

Seit 2036 gibt "Trip on P's" - mit Bob, John, Asuma, Claire und Emilio – Live-Konzerte, überwiegend in Clubs und vor Privatpublikum. Der Gedanke zu dieser noch auf der experimentellen Stufe befindlichen Musikart kam von Bob, der schon als klassischer, singender Gitarrist seine Sporen verdient hatte, wenn man unter "klassisch" den Trend der 2030er Jahre verstehen kann, der vornehmlich das melodische Spiel mit eigenen Instrumenten lebendig hält.

 

Die P's stehen für "Physiologie, Psychologie und Psychedelic", für eine Musik-form, die an sich nichts Neues ist, denn gute Musik bringt seit je her die körperlichen und die psychischen Seiten und Saiten zum Schwingen, sofern sie natürlich den Geschmack der Zuhörer trifft. Neu ist der Grad der Intensität, mit der das Publikum in einen psychedelischen Kollektivzustand versetzt wird. Die für diese Gefühlslage entscheidenden Impulse gehen in erster Linie vom Publikum selber aus, wobei sich in wechselwirkender Folge Stimmen, Gesprächsfetzen und Ambiente, gemixt mit den musikalischen Tönen und Sounds der Band zu einer raumfüllenden Klangarchitektur aufbauen.

 

Die Performance entwickelt sich live während des Bühnenauftritts. Meist beginnt die Vorstellung mit einem sachte einsetzenden Ambient-Klang-Gebilde, das sich an der momentanen durchschnittlichen Pulsfrequenz der anwesenden Gäste orientiert. Über deren Köpfen schwirren drei bis fünf Geräusche und Stimmen aufnehmende Mikro-Copter, die die empfangenen Signale an den Rechner weitergeben, um von Emilio, dem Technic-Composer, mit dem variationsreichen Equipment gemixt zu werden. Begleitet werden die eingehenden Impulse von Asumas und Claires improvisierendem Scatgesang und ihren über Sensoren vertonten Körperbewegungen, dazu von live bespielten Instrumenten, der Keyboard-Orgel mit John und der Gitarre, die Bob spielt.

 

Die Ausformung der melodisch und rhythmisch gemischten Fragmente ergeben den charakteristischen Stil der Band. Mit der Vielzahl der Signale und dem allmählich anschwellenden Geräuschpegel steigert sich die Klanggestalt zu einem mystisch anmutenden Arrangement eines großen Orchesters, denn alle Anwesenden werden zu Mit-Komponisten. Das wesentlich Mystische daran ist die allmähliche Anpassung der Herzschlagfrequenzen und der seelischen Gefühlslage zu einem gleichschwingenden Kollektiv.

 

Geschmacksfragen erübrigen sich, weil der Sound unwillentlich als der eigene empfunden wird. So ist der Erfolgsfaktor, sprich das Anwachsen der Follower- und Fangemeinde der "Trip on P's", vorprogrammiert.

 

In dieser Weltrettungs-Phase und des daraus quellenden euphorischen Hochs stößt die Musikform offene Türen auf. Die Band wird ausnahmslos bei allen ihren Auftritten bejubelt, obwohl den Bandmitgliedern der auf den Einsatz von Elektronik zurückgehende Erfolg fast unbehaglich ist, so alle zwar technikaffine sind, aber dem Ausmaß der in das tägliche Leben eingreifenden Kontrolltechnologie sehr kritisch gegenüber stehen.

 

Besonders Bob quält ein Unbehagen, denn schon die Mikro-Copter, die die Band zum Einfangen der Worte und Geräusche einsetzt, sind ihm ein Dorn im Auge, assoziiert er sie doch mit den allgegenwärtigen, hinterlistigen, staatlich eingesetzten Überwachungsdrohnen. Letztendlich, das ist sein beruhigendes Argument, liefern die Mikro-Copter wichtige Kompositionselemente, nämlich das Tonmaterial vom Publikum, selbstverständlich mit dessen Einwilligung.

 

Das Zusammenspiel, bestimmend aus den akustischen Signalen der Gäste, der gesanglichen und instrumentalen Improvisation und einer modernen Chip-Technologie, wobei letztere nur eine der Werkzeuge im Gesamtklangbild darstellt, kennzeichnet den Musikstil von "Trip on P's".

 

Anfragen von Wirtschaftskonzernen, die sich von einer TriponP-Performance gar die psychische Beeinflussung von Mitarbeitern und Kunden versprachen, selbstredend nach Unternehmensvorgaben, wurden von Bob, mit Zustimmung der anderen, stets abgelehnt. Entscheidungen dieser Art stehen in diesen Stunden jedoch nicht auf dem Plan. Alle kosten die schönen Erlebnisse der vergangenen vier Wochen aus. Die sorglose Stimmung hat, wie fast überall auf der Erdkugel, Besitz ergriffen von den Menschen.

 

"Flughöhe viertausend Feet", meldet Widger, der Pilot des Oktibus, "Wir sind bald zu Hause Leute, soeben haben wir die Alpen hinter uns ... äh, unter uns gebracht … noch ein paar läppische fünfhundert Meilen."

 

Die Freundesgruppe fliegt in einem Oktibus der neuesten Generation, ein Land-Luft-Flugzeug mit kreisförmigem Rumpf, wie eine Torte aussehend, mit acht Rotoren auf dem Dach sowie vier Räderpaaren unter seinem Carbonkörper. Der Oktibus kann senkrecht starten und landen und besitzt, wie viele Flugzeuge heute ein intelligentes Kommunikations- und Energiemanagement, das den Oktibus zum Beispiel selbständig in die Kette anderer Flugkörper einreihen kann.

 

Im Volksmund spricht man bei der gemeinschaftlichen Fortbewegungsart scherzhaft von "Polonaise", benannt nach einem volkstümlichen Tanz, bei dem sich die Leute hintereinander stellten, die Hände auf die Schulter des Vordermannes oder der Vorderfrau legten und sich dann als "Schlange" über die Tanzfläche bewegten. Ende des 16. Jahrhunderts des vorherigen Milleniums entstand die Form als Prozessionstanz an den Höfen des polnischen Groß- und Kleinadels. Die Bezeichnung "Polonaise" kam später, als der Tanz sich zunächst in Frankreich verbreitete und danach in den Ballsälen der europäischen Adelshöfe populär wurde.

 

Zwar fehlt im Technomanagement der Oktibusse der Lustfaktor eines Tanzes, dagegen ist die Energieeinsparung durch Reduzierung des Luftwiderstandes gewachsen und Unfälle sind praktisch auf Null gesunken. Kontinuierlich kommunizieren die Flugkörper miteinander, gleichen die Daten, das Ziel, den Flugkanal, die Wunschgeschwindigkeit ab. Ein chinesischer Hersteller von Air-Omnis hat speziell für das Reisen in Polonaise einen Frontliner entwickelt, der seitlich, oben und unten Flügel ausfahren kann, wodurch sich der Luftwiderstand für die hinteren Flugkörper vermindert. Der Effekt: Energieeinsparung und Schalldämmung.

 

Der Ausblick ist fantastisch. Die Panoramafenster lassen einen Ringsumblick zu. Neben, unter und über dem eigenen Flugkanal fliegen weitere Züge, die Fans und Gäste winken einander zu oder laden sich gegenseitig zum virtuellen Mitfeiern über die Beamerwalls ein.

 

Zwischen den einzelnen Flugkanälen ist ein geringer, etwa einhundert Meter messender Abstand, denn die gps- und chipgesteuerten Maschinen halten exakt ihren Kurs. Aus Sicherheitsaspekten wurden die Flugkanäle für die Dauer der Welt-Party um fünfhundert Feet nach oben verlegt, um so außer Reichweite der abertausenden Feuerwerke zu sein.

 

"Wie viele Milliarden werden wohl in diesem Monat in der Luft verpulvert?", sinniert John, sein Blick wandert über das Lichtermeer am Boden. "Soviel, dass die Industrie auch Freudentänze veranstalten kann." Die Antwort kommt von Bob. Beide ahnen nicht, dass sich der Freudenfunkenteppich wie ein Kinderspiel ausmacht im Vergleich zu dem Feuerregen, der bald mit überirdischer Macht folgt.

 

Die Stimmung ist entspannt. Vier Wochen Bühnenpräsenz fordern ihren Tribut. Die Freunde relaxen, sie genießen das ruhige Dahingleiten und den Abstand zu der feiernden Menge am Boden.

 

Emilio hat die Mitschnitte ihrer Gigs zu einem Filmclip zusammengefügt und präsentiert seine Ergebnisse auf der Beamerwall. Sein augenblickliches Publikum verfolgt die Bilder mit gelegentlichen Kommentaren, alle sind froh, dass der Partyalarm vorbei ist. Sie haben es sich bequem gemacht.

 

"Noch vierhundert Meilen bis zum Heimatdock", tönt es leise aus den Boxen. Claire und Asuma, die beiden jüngsten Crewmitglieder juckt es in den Beinen, sie schauen sich an und wie auf Kommando ergreifen sie ihre Bodymikros, um eine Sondervorstellung zum Besten zu geben.

 

Soweit kommt es nicht, denn statt ihrer tänzerischen Darbietung drängt sich eine eigenartige Klangerscheinung in den Vordergrund.

 

"He, was ist das, hört ihr das??" Asuma wendet sich an Emilio. "Dreh doch mal den Sound runter!" Sie verharren drei, vier Sekunden und horchen.

 

"Ach, nur ein Gewitter ...", meint Claire.

 

"Nein, nein, seid mal still, Leute ..." Widger, der Pilot, wünscht es sich. Die Diskussionen verstummen.

 

Ein mächtiges Grollen, das der Warnung eines in seinem Mittagsschlaf gestörten wilden Tieres aus der Tiefe seiner Höhle gleichkommt, nähert sich schnell. Begleitet wird das Dröhnen von unaufhaltsam anschwellenden Vibrationen, die sich bald des gesamten Flugkörpers bemächtigen. Die Stärke nimmt zu, steigert sich bis zum Schütteln der Maschine, das an die Schleudertrommel eines antiken Wäschetrockners in den letzten Umdrehungen erinnert, die sich jedoch nicht verlangsamen, sondern immer stärker anschwellen. Die Schwingungen kontraktieren die Bauchmuskeln der Passagiere, ergreifen die Knie- und Fußgelenke, um dann die Unterkiefer der Passagiere, die nicht schon ihre Zähne krampfhaft zusammengebissen haben, klappern zu lassen. Wie von einem Presslufthammer bearbeitet, will eine ungestüme Kraft die Flugmaschine in Einzelteile spalten, will sie zerreißen.

 

Angstvolle und fragende Blicke bleiben ohne Antwort. Eine Bedrohung ohne Gesicht ist furchteinflößend. Der einzige Gedanke ist: festhalten.

 

Plötzlich wird der vor dem Oktibus fliegende Helikopter wie von Geisterhand aus dem Flugkanal gerissen und gut hundert Yards nach oben geschleudert, überschlägt sich auf seinem Schleuderkurs einige Male, prallt gegen das Leitfahrzeug eines anderen Zuges, ein, zwei, drei Explosionen folgen, die brennenden Restteile schießen nach allen Seiten, treffen weitere Flugkörper, welche Feuer fangen oder auseinanderbrechen. Ein Feuerregen, vermischt mit qualmenden Wrack- und zerrissenen Menschenkörpern prasselt auf die darunter fliegenden Objekte.

 

Der eigene Oktibus bleibt, trotz des Bebens und der anschlagenden Metallstücke, erstaunlich stabil. Ein weiteres Donnern überrollt das Fluggerät. Mit einem Ruck schwingt es sich um fünfundvierzig Grad nach rechts in die Schräge, bleibt aber mit seiner Schieflage in der Flugbahn, schließt sogar die Lücke, die der herausgeschleuderte Heli hinterlassen hatte. Das Energie-Management-System ist also noch intakt. Jedoch hat der abrupte Schwenk den Piloten aus dem Sitz geschleudert, er klebt wie eine verbogene Stoffpuppe an der Seitenscheibe.

 

Wer sich nicht festgeschnallt hatte, den zerrt die Gravitationskraft erbarmungslos nach unten. Bob greift mit der rechten Hand nach Asuma, sie krallt sich mit ihren Fingernägeln in die Handinnenfläche ihren Freundes, es schmerzt, aber es tut gut, Asuma zu spüren, ihre Beine hat sie fest unter ihren Sitz verankert, Bobs linke Hand gräbt sich in den Bezug, seine Füße hat er gegen die Rückenlehne des Vordersitzes gestemmt.

 

John ist kopfüber unter einen der vorderen Sesseln geschleudert worden und ist nun zwischen den Sitzreihen eingeklemmt, er zappelt mit den Beinen, kann sich jedoch nicht aus seiner Lage befreien.

 

Da folgt der nächste Stoß, der den Oktibus mit einer Drehung um die Längsachse nun komplett auf die Seite legt. Die Zentrifugalkraft zehrt an allem. Bob bemerkt, dass er keinen Körperkontakt mehr zu Asuma hat. Der Platz neben ihm ist leer. Mit aller Kraft wendet er den Kopf gegen die Fliehkraft abwechselnd nach links und rechts, doch er kann seine Freundin nicht erblicken.

 

Einem in der linksseitigen, oberen Flugtrasse befindlichen Helicopter brechen die Rotoren ab, sie wirbeln nach unten, knapp an der Pilotenkanzel des Oktis vorbei. Der flugunfähig gewordene Heli folgt mit rasender Geschwindigkeit. Ein Zusammenprall scheint unausweichlich und damit der sichere Tod aller. Noch sind es vielleicht achtzig Meter und die Freunde können für Bruchteile von Sekunden die zu Fratzen verzerrten Gesichter erkennen. Die gellenden Angstschreie der eigenen Besatzung gehen durch Mark und Bein. Die letzten Schreie im irdischen Leben?

 

Der Oktibus reagiert mit einer knappen horizontalen Ausweichbewegung. Zwei Meter zischt das von oben stürzende Flugteil am Rumpf vorbei, um Sekunden später zwischen Hunderten von feiernden Menschen am Erdboden zu zerschellen. Zu schnell, um den Vorbeiziehenden einen Abschiedsgruß zuzuwinken.

 

Ohne weitere Vorwarnung zieht der Oktibus seine Front nach oben, gepolsterte Schotten fahren aus und teilen den Innenraum in Bruchteilen von Sekunden in acht Kabinen. Wie auf einer Abschussrampe steht die Torte nun fast senkrecht in der Luft, erst verhaltend, um dann wie eine fliegende Untertasse nach oben zu schießen, mit ruckartigen Schwenkern, die alles durcheinanderwirbeln, was in der Maschine nicht niet- und nagelfest ist. Mit Spurtgeschwindigkeit erreicht die Flugtorte eine Trasse oberhalb des Höllenszenarios, stabilisiert sich und wechselt langsam in die horizontale Position. Die Kabinenschotten fahren ein und der Oktibus wird wieder zu einem Großraumflieger mit Reiseatmosphäre - wenn nicht die leeren Sitzplätze wären. Langsam rappeln sich die Reisenden auf, einige verharren noch benommen am Boden oder auf den Polstern, je nach dem, wo sie die unerwartete Lageveränderung hin befördert hatte.

 

Sie befinden sich nun weit über den in Rauch und Feuer gehüllten Flugtrassen, aber noch unterhalb der Bahnen der Überschallmaschinen."Flughöhe achttausend Feet", meldet der Autopilot. "Ich begrüße Euch zu einem bezaubernden Ausflug. Anschnallen nicht erforderlich." Ironie des Schicksals.

 

John schleicht sich vom Heck aus nach vorn. Bob kommt auf die Beine, er fiel nicht tief, denn das Kabinenschott hatte ihn davor bewahrt. Sein erster Gedanke ist: Wo ist Asuma?

 

"Asuma, Asuma!", schreit Bob. Kein Lebenszeichen. "Asuma!" Da, nur zwei Sitzreihen entfernt, hebt sich ihr Arm, sie ist unverletzt, bis auf eine Wunde am Kopf, aus dem ein feiner Rinnsal Blut fließt. Sie umarmen sich.

"Das Schicksal kann uns nicht trennen." Asuma sagt es in ihrem typisch weiblich-weichen Ton, der dieser Situation die Härte nimmt.

 

Bob schaut auf die Blutspur, die ihre pechschwarze Haarpracht wie eine modische Strähne ziert. "He, warst du beim Friseur?" Das ist Galgenhumor.

 

Asuma, die europäische Asiatin, und Bob, der deutsch-italienische Europäer, sind seit zwei Jahren ein Paar. Bob sah sie auf einer Bühne singend und gestikulierend, wobei ihn ganz besonders ihre ungewöhnliche Gestik interessierte. In seiner Eigenschaft als Journalist bekam er leicht eine Gelegenheit, Asuma näher kennenzulernen und sie zu der merkwürdigen Art ihrer Arm- und Handbewegungen zu befragen. Es handelte sich um die Kommunikation mit Gehörlosen im Publikum.

 

Asuma war die erste Gesangsinterpretin, die die Gebärdensprache in ihre Show einbezog. Schon immer hatte sich Bob für altertümliche Systeme und Techniken interessiert. Natürlich aber war er nicht nur aufgrund seiner beruflichen Funktion und seiner Wissbegierde von Asuma begeistert. Ihre für eine zierliche Frau etwas zu dunkle, jedoch wohltuende Stimme, ihre geishahafte Erscheinung in einem hochgeschlossenen, enganliegenden Kleid, bannten seine Aufmerkamkeit. Kleider tragende Frauen sind rar geworden und Bob wertete Asumas Outfit als Zeichen ihres weiblichen Selbstbewusstseins. Asuma wiederum gefiel Bobs authentische, die im Showbusiness selten anzutreffende, natürliche Art, die fern jeder Weichspülerei überzeugen konnte - mit einer Ausnahme: wenn es um Komplimente machen ging, konnte Bob recht softie werden.

 

Das Cockpit ist immer noch ohne Pilot. Diese Frage ist jedoch, angesichts des Höllenschauspiels ringsherum, zunächst zweitrangig. Doch da kommt er auf allen Vieren gekrochen, kreist einige Male mit dem Kopf, wahrscheinlich um den Stoß abzuschütteln, auch Claire und Emilio sehen unbeschädigt aus. Alle sind unverletzt.

 

"Wir leben!”, gellt ein Stimme. Und dann schreien sie alle. "Wir leben!" Wir leben! Wir leben!" Diese Freudenschreie haben sie vor knapp einem Monat schon zigtausend Mal gehört, doch in diesen Stunden werden sie anzahlmäßig geringer sein.

 

Viele noch vor wenigen Minuten harmonisch in ihrer organisierten Bahn dahingleitenden Flugkörper brennen, speihen Feuer aus ihren Bäuchen, kollidieren mit anderen Maschinen oder umherfliegenden Wrackteilen, um dann wie metallene Fackeln auf dem Erdboden aufzuschlagen. So muss es in der Empfangshalle der Hölle aussehen. Rauchfontänen, die ihr Gift hoch in die Atmosphäre pusten und im Sekundentakt immer wieder Detonationen, berstende Flugkörper, es regnet Metall und menschliche Körperteile, Arme, Beine, Torsen von bis vor einer Viertelstunde noch in Freuden taumelnden, fröhlichen Menschen.

 

Das Tageslicht hat sich weitgehend verabschiedet, nur zwischen den schwärzlichen Rauchwolken dringt ab und an ein heller Fleck durch, das einen fernen, blauen Himmel erahnen lässt. Das Anlanden in der Heimatregion ist unmöglich. Niemand von den Freunden weiß zur Stunde, was genau sich abgespielt hat. Dass eine Katastrophe mit gigantischem Ausmaß fast ein halbes Land in Mitteleuropa dem Erdboden gleichgemacht hat, werden sie später erfahren.

 

Das geschah 2038, vor zwölf Jahren.

 

 

 

 

 

Dystopie

 

*  Dystopie  *

 

 

Im Jahre 2050 ist die Erdbevölkerung auf mehr als dreizehn Milliarden Menschen angeschwollen. Die großen Städte, so genannte Gravitations-Centren, wuchern auf zwanzig Millionen Einwohner an. In diesen Mega-Stadtmetropolen verdichtet sich das Volumen zu einer undefinierbaren Masse, die kein gesundes Sozialgefüge mehr zulässt, die psychische Verfassung der Menschen ist krankhaft verzehrt, die Verhaltensweisen und das Zusammenleben sind entartet, sie gleichen dem wilden Wachstum von Krebsgeschwüren. Egoismus, Einzelgängertum, Abgesondertheit und Gartenzaundenken blähen sich in nie gekanntem Ausmaß in allen privaten Bereichen auf und die ätzende Säure wird immer noch mit den Worthülsen "Individualismus und Selbstverwirklichung" gelobt. Allein die Machtbesessenen nutzen dieses Blendwerk für ihre Absichten.

 

Im Kleinen wie im Großen. Was das schemenhafte Leben der Mehrzahl der Einzelnen prägt, macht sich ebenso in den größeren Organismen, den Nationen, bemerkbar. Der Schritt zu "übergeordneten" Kräften ist auf dieser Ebene jedoch vollzogen. Viele ehemals selbständige Nationen gingen per "freundlicher" Übernahme in die vier alles beherrschenden Großmächte auf.

 

Schon in den frühen Dreißigern entglitt den Kleinen ihre Majorität in eine führungsschwache Bedeutungslosigkeit, weltweit, aber auch innerhalb ihrer eigenen Völker. Überdies konnten sie ihre unvorstellbar hohen Schuldenberge nicht mehr tilgen, die Folgen waren Kollaps, Absturz in den Ruin und schließlich der Verlust ihrer Selbständigkeit.

 

Regierungen gibt es in der Begrifflichkeit der Jahrzehnte zuvor nicht mehr. Nach der Weltwährungsreform im Jahr 2033 erfuhr die Mächteverteilung eine neue Gewichtung.

 

Aus ihr gingen die "Räte der Menschheit" hervor.

Vier Großmächte

Vier Großmächte

 

Unser Planet Erde wird von vier Großmächten gesteuert, die sich übereinstimmend "Councils of Humanity" nennen.

 

Erstens: Die "USW United States of the World", wozu die damalige USA, die Länder und Nationen Südamerika, Alaska, Australien, Großbritannien, Japan und Kanada gehören;

Zweitens: Die "UFA – United Folks of Asia", die von China, Russland, Indien, Korea, Vietnam und Iran gestellt wird;

 

Drittens: Die "SAA – States of Africa Arabica" bestehend aus Afrika, den Arabischen Staaten und seinen Anrainern;

 

Viertens: Die "AOE - Alliance of Europe", die sich aus den europäischen Ländern und denen jenseits der "SAA" bis zum Nordpool rekrutiert.

 

Die "Councils of Humanity" werden aus Vertretern und Gesandten weltweit agierender Interessengruppen gebildet, sie schwingen das Zepter, größtenteils miteinander, doch auch konkurrierend.

 

Seit Jahren sind Bestrebungen der UFA im Gange – beispielhaft sind die Etablierung eigener, autarker Kapital- und Handelsmärkte, Weltbanken und Börsen - sich mit den "States of Africa-Arabica" zu verbünden, um somit als vereinigte "AAA - Asia-Africa-Arabica" die absolute Topstellung in der Weltherrschaft anzustreben.

 

In immer schärfer werdender Konkurrenz treffen besonders die USW und die UFA bei dem Besitzanspruch auf die Arktis und Antarktis aufeinander, denn die Kontinente um Nord- und Südpol gelten als die letzten unausgeschöpften Erdöl- und Gas-Reservoires des blauen Planeten.

 

Energieformen und Rohstoffe

 

Energieformen und Rohstoffe

 

Die schwindenden "oberflächlichen" Ressourcen zwingen zu neuen Wegen, nämlich zu den tiefer liegenden Energiereserven.

 

Das Erdinnere mit dem ewigen Magma ist Ziel von waghalsigen Experimenten, aber waghalsig waren die "oberflächlichen" Atomkraftwerke auch. Vulkane sind mit ihren Schloten der direkte Draht zu einer ewig währenden Energiequelle. Auf den Vulkanen werden Kraftwerke gebaut, die die schier unerschöpfliche Hitze des Erdkerns, die Gase in den Magmakammern sowie den Wasserdampf in anwendbare Energie umwandeln.

 

Auch sind die Vulkankraftwerks-Betreiber bestrebt, seltene Metalle und sogar Gold aus dem Vulkangestein zu lösen. Ehemals wirtschaftlich im Abseits gestandene Regionen, wie die des Schwarzen Kontinents oder die Tausende von Inseln umfassende Pazifikregion, nehmen den Platz der ehemaligen Ölförderländer ein und wachsen zu starken Wettbewerbern auf dem Energieweltmarkt.

 

Auch der nähere Weltraum wird langsam erobert. Wertvolle Edelmetalle wurden schon früher in einer Vielzahl von Asteroiden vermutet und der wirtschaftliche Ehrgeiz führte im letzten Jahrzehnt zum Bau der ersten planetaren Minen.

 

 

Politik ohne Parteien

Politik ohne Parteien

 

Politische Parteien sind längst Geschichte. Deshalb macht der parlamentarische Lobbyismus keinen Sinn mehr; die Einflussnahme fließt nun direkt. Es werden keine Personen mehr als Volksvertreter gewählt, stattdessen kann das Volk nach vorgegebenen Themen und Programmen mitentscheiden, welche Interessenvertreter - von Finanzkonsortien, Wirtschaftskonzernen, Hightech-Formationen, IT-Giganten, Religionsgemeinschaften oder Einzelunternehmen entsendet - sie bei der Umsetzung der Programme favorisiert.

 

Ganz bewusst wird die Vielzahl der Themen hochgetrieben, um sie für den einzelnen Wähler unüberschaubar zu halten. Vermarktet wird dieser nebulöse Umstand jedoch als das "Recht auf detaillierte Mitbestimmung und Mitgestaltung".

 

Die enormen Auswahlmöglichkeiten und deren Selektion zwingen zum Einsatz von weltweit vernetzten Quantenrechnern und damit zur Anwendung der personifizierten Chip-Technologie. Menschen ohne diese technische Ausstattung wird die politische Mitbestimmung und soziale Mitgestaltung erschwert, wie auch der Zugang zu allen anderen so genannten Annehmlichkeiten des Erdenlebens.

 

 

Die Würde des Menschen

Die Würde des Menschen

 

Aufgrund des zunehmenden Verlustes der politischen Regierbarkeit, besonders der Mega-Ballungsräume, sehen sich die "Councils of Humanity" zu neuen globalen Konzepten genötigt. Sie verkünden pathetisch und überschwänglich ein "ehrenhaftes gesellschaftliches Verständnis zum Wohle der Menschheit".

 

Laut internationaler Verfassung ist die Würde des Menschen immer noch unantastbar, der Passus hat jedoch eine Erweiterung erfahren, wonach sich die Würde nunmehr an der "Entwicklung und dem Wohlergehen der Menschheit als Kollektiv" orientiert. Das Recht des Individuums wird zwar ununterbrochen gepredigt, der Maßstab ist jedoch das Kollektiv und das alles verbindende Element ist der Identitäts-Chip; er wird als zentrales Instrument zum Erreichen des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens gepriesen.

 

"… denn selbst der Satan kann sich in seiner Gestalt in einen Engel des Lichts verwandeln. Es ist also daran nichts Sonderliches, wenn auch seine Diener ein Kostüm der Gerechtigkeit tragen werden …"

 

Völkerwanderung und Religion

Völkerwanderung und Religion

 

Obgleich auf fast identischen Grundmanifesten fußend, ist die westliche Welt, insbesondere die europäische, in zwei große Religionsgemeinschaften gespalten: Christen und Moslems. Welche der beiden Richtungen sich behaupten und zur beherrschenden Weltreligion aufsteigen wird, erahnen nur wenige.

 

Auf einem gesellschaftlichen Segment hat die "interkulturelle Zusammenführung" den größten Effekt erfahren, nämlich bei der Annäherung an die Kulturen, die der "reizenden" Weiblichkeit schon seit biblischen Zeiten einen züchtigen Vorhang diktierten. Naturgegebene weibliche Attribute zu zeigen, ist gefährlicher denn je. Erst durch Anpassung der abendländischen Sichtweise an eine verhüllende Kleiderordnung sind Frauen gegen die alltäglich gewordenen Bedrohungen, Belästigungen und Schändungen einigermaßen gewappnet.

 

Bereits vor fünfunddreißig Jahren begann eine auf Europa überschwappende Flüchtlings- und Asylanten-Welle, vornehmlich aus Krisengebieten des afrikanischen und orientalischen Kontinents kommend, die unaufhaltsam zu einer Völkerwanderung anwuchs. Von einem hypertoleranten Verhalten der abendländischen Völker und einer pervertierten Generation begünstigt, das bei den vielen damals Regierenden in krankhaft-masochistisches Gebahren entglitt, wuchs der Strom von Flüchtigen, Vertriebenen, Asylsuchenden zu einer Maskerade, der sich - vorausschaubar - kriminelle und terroristische Subjekte untermischten. Die europäischen Unionisten waren sich bis in die dreißiger Jahre hinein, uneins mit dem Umgang der unplanmäßigen Übervölkerung. Manche Nationen wollten im Zusammenstoß der Kulturen ein großes gesellschaftliches Zukunftsproblem erkennen, andere hießen "Refugees" als Mitbürger willkommen.

 

Ein harmonisches Mitbürgertum, gedacht in der Form einer friedlichen Koexistenz, wurde nie erreicht. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt, dass sie sich - mit zeitlich angepassten Nuancen - wiederholt.

 

Im sechsten Jahrhundert nach der westlichen Zeitrechnung begannen muslimische Kriegsheere, das südliche bis mittlere Europa zu erobern, keineswegs um zu missionieren, sondern mit der Entschlossenheit, den ihrer Ansicht nach ungläubigen Okzident zu enthaupten - im Namen des "Propheten". Friede sei mit ihm.

 

Fünf Hundert Jahre später folgten die christlichen Kreuzzüge, mit dem Auftrag, die Länder zurückzuerobern, mit nicht minderem "Missionseifer" und ebensolcher Brutalität. Viel Leid überzog Jahrhunderte lang Orient und Okzident.

 

Heute, im vierten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends, bemühen sich Opinionleader und meinungsmachende, staatlich beaufsichtigte Medien geflissentlich, das Bild von brutalem Gemetzel und länderübergreifenden Eroberungsschlachten allseits in das Land der Siencefiction zu verbannen. Größere kriegerische Glaubensschlachten seien, abgesehen von immer noch schwelenden Kleinkriegsfeuern, "Gott und Allah sei gedankt", höchst unwahrscheinlich.  

 

Den Councils, die mit allen Religionsrichtungen geschickt kooperieren, gehen Allah oder Gott an der Hutschnur vorbei. Für sie ist jede Menschenmenge willkommen, weil sie Kundenpotenzial für den Chip-Absatz darstellt.

 

Auch mit dieser Absicht werden Gesetze geschaffen, die allen Menschen eine "ausreichende Identidität" mittels ID-Chip vorschreibt. Nicht alle aber sind bereit zu einer Registrierung und Anpassung, so wird die vielzitierte Willkommenskultur im Westen ab absurdum geführt. Das Bild einer auf leisen Sohlen daherkommenden Gefahr, mit undurchschaubarem Antlitz getarnt, wird verdrängt.

 

 

Bargeld adé

Bargeld adé

 

Losgetreten wurde die Diskussion um das Jahr 2000. Kriminalität, Geldwäsche, Terrorismus, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung ... das waren präsentable Themen, die endlich den bargeldlosen Zahlungsverkehr forderten. Ein zusätzliches Argument lieferte der sonst sehr pragmatisch eingestellte Handel selber, indem er das Bargeldhandling nun als eine kostenintensive Belastung reklamierte.

 

Es lag auf der Hand, dass Regierungen den elektronischen Zahlungsweg unterstützten, so doch jede einzelne Geldbewegung nachvollzogen und überprüft werden konnte. In mehreren Ländern war das Transfervolumen von physischem Geld bereits limitiert. Bargeld lacht schon lange nicht mehr.

 

Großangelegte Kampagnen hämmern den Menschen ein, dass Geldscheine und Münzen nicht nur altmodisch, sondern auch unpraktisch und sogar schmutzig und gefährlich seien. Vertraglich gebundene Mediziner bestätigen und belegen, dass mit den "Blüten" auch Krankheitserreger übertragen würden.

 

Hinter den Pseudoargumenten für ein Bargeldverbot lässt sich das Bestreben nach uneingeschränktem Ausspähen gut verstecken. Unangetastet bleibt auch die Tatsache, dass die Finanzindustrie und damit die Globalplayer Billiardenumsätze wittern, denn sie verdienen an jeder virtuellen Transaktion.

 

 

Eine Weltwährung

Eine Weltwährung

 

Die vier Weltmächte einigten sich auf die Einführung von nur einer Währung, die ausschließlich in virtueller Form besteht. Physische Zahlungsmittel sind vom Tisch. Das virtuelle Geld bekam den Namen "Viron". Ein Viron entspricht heute etwa dem Wert eines US-Dollars zum Zeitpunkt der Weltwährungsreform im Jahr 2033.

 

Tauschbörsen gewinnen viel Zuspruch und sprießen allerorts aus dem Boden. Nur sie bieten noch eine kleine Chance, den in allen Phasen total registrierten, kontrollierten und verchipten Handel teilweise zu umgehen. Doch auch die Tauschwege sind selbstverständlich gesetzlich geregelt und die Menschen gehen immer ein Risiko ein, wenn Güter und Dienstleistungen eine bestimmte Größenordnung erreichen.

 

 

 

 

Eine Sprache für alle

Eine Sprache für alle

 

Alle Menschen sind seit 2045 verpflichtet, neben ihrer angestammten Sprache, das "Unics", ein Mix aus chinesisch, russisch, spanisch und englisch, zu erlernen und im öffentlichen Leben sowie bei allen geschäftlichen Aktionen anzuwenden.

 

Durch die Einführung von "Unics" soll das "babylonische Zeitalter" der tausend Sprachen verschwinden, aber in erster Linie versprechen sich die Globalplayer einen gigantischen Produktions-, Dienstleistungs- und Absatzmarkt. Alle Bereiche, in denen die Sprache als verbindendes Element auftaucht, erfahren eine Umgestaltung. Jegliche Korrespondenz, Lehrmittel, Verträge, Verbraucherhinweise, Gebrauchsanleitungen, öffentliche Verkehrs- und Informationsflächen müssen neu formuliert und produziert werden. Eine unerschöpflich sprudelnde Geldquelle ist aufgetan.

 

Nur im privaten Umgang ohne Vertragsverpflichtung ist die Pflege der National- und Muttersprache weiterhin erlaubt.

 

 

 

Telemedizin

Telemedizin

 

Die Gesundheitsindustrie hat sich zu einer der einträglichsten Wirtschaftszweige gemausert. Medizinische Maßnahmen erfordern generell eine ausreichende Identität. Sofern sie nicht vorhanden ist, müssen Patienten vor einer Behandlung der Chip-Implantation zustimmen; wird die Zustimmung abgelehnt, trägt der Patient das volle Risiko des Eingriffs. Versicherungskonzerne sehen zudem bei einer Chip-Verweigerung Gründe für ein Haftungsrücktrittsrecht. "Friss oder stirb" ist die Losung.

 

Klagen von Interessenverbänden und Bürgern gegen den Zwang zum Mikro-Chip hatten und haben wenig Aussicht auf Erfolg, denn die Gerichtshöfe für Menschenrechte, die im Hintergrund von den Kommissionen der "Councils" gezügelt werden, verdeutlichen mit ihren Urteilen immer wieder, dass die physische Einbringung eines ID-Chips weder als Körperverletzung, noch als Einschränkung der persönlichen Freiheit oder als Verletzung der Menschenrechte zu sehen ist. Grundlage dieser Rechtsprechung ist die neue Verfassung, die die Entwicklung und das Wohlergehen der Menschheit "am Kollektiv" bemisst und sie somit über den Anspruch des Individuums stellt.

 

Scharen von bei den Pharma- und Versicherungskonzernen in Lohn und Brot stehenden Juristen lassen sich listige Reglementierungen einfallen. So steht die bei einer Operation angewandte Technik künftig unter Patentschutz, wobei der Patient zwar das Eigentumsrecht an seiner ureigenen Anatomie, an den - noch eigenen - Organen oder Gliedmaßen behält, hingegen bei einer so bezeichneten Reparation, unter der nun alle medizinischen Eingriffe fallen, nur eine zeitlich begrenzte Lizenz beanspruchen kann.

 

Wohl räumen die Gesetze eine Art Mithilfe des Patienten bei seiner Genesung ein, den Hauptanteil an dem Wiederherstellen der Gesundheit wird jedoch der Medizintechnik zugeschrieben. Die ausführenden Mediziner, Chirurgen und Klinikbedienstete dürfen nur unter Lizenzvergaben der privatwirtschaftlich geführten Kliniken praktizieren und besitzen keinen Einfluss auf die Auslegung der Gesetze.

 

Chip-Trägern gewähren die Patent- und Lizenzinhaber ein erweitertes Recht an den erfolgreich behandelten Organen und Körperteilen, die sich auf die Nutzung bis zum klinischen Tod bezieht.

 

Wer seine Organe und andere Körperteile bereits zu Lebzeiten freiwillig für eine Spende im Falle des Ablebens zur Verfügung stellt, genießt in der Regel eine bevorzugte medizinische Behandlung, da sie dem Erhalt der Funktionalität dient und somit den gewinnträchtigen Organhandel anschiebt.

 

Noch mehr Anreize bieten Versicherungen in Kooperation mit Medizingesellschaften durch spezielle Verträge, nach denen die Versicherten die Rechte an ihren derzeit im Körper befindlichen Organen und funktionierenden Gliedmaßen gegen eine monatliche Rente vorzeitig verkaufen können; eine Art Vorschuss auf die spätere Inbesitznahme durch den Rechteinhaber. Unzählige Menschen lassen sich dazu verleiten, diese "menschenfreundliche" Angebote ohne Argwohn anzunehmen, da sie ihnen eine kontinuierliche finanzielle Zuwendung gewährleisten.

 

Wie etliche andere Branchen hat auch dieser Bereich einen neuen Berufszweig hervorgebracht: den des kommerziell ausgerichteten Organ-Maklers. Und wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen, ist die Ausübung der Tätigkeit von bestimmten Bedingungen und einer Zertifizierung abhängig, deren Ausgestaltung wiederum Medizin und Versicherung stark beeinflussen, wenn nicht gar diktieren.

 

Verweigerern der subkutanen Chip-Injektion werden vor einem medizinischen Eingriff zur jederzeitigen Organspende verpflichtet. Begründet wird diese Forderung mit dem Lizenz-Anspruch an der Medizin-Technik, der allein die wiederhergestellte Funktionalität zuzusprechen ist; die „Reparation“ würde so die Eigentumsverhältnisse zugunsten der Lizenzgeber verändern. Der erfolgreich behandelte Patient verliert somit sein Recht am Organ und ist mithin nur Nutznießer einer Lizenz – bis zum Zeitpunkt der Organspende.

 

Bei einem Austausch von komplexen Organen, wie zum Beispiel bei einem Herzen oder einer Niere, verbleibt das Eigentumsrecht ohnehin bei den Lizenzinhabern, die gleichzusetzen sind mit den Verkäufern und Händlern, also bei den global agierenden Konzernen. Updates und Laufzeit in Bezug auf die Nutzung der Organe müssen in vertraglich festgelegten Abständen vom Patienten erneuert und honoriert werden.

 

Bei medizinischen Reparationen, die von den Versicherungskonzernen bezahlt werden, beanspruchen diese außerdem einen Eigentumsanteil, weil sie bereits eine generelle Gebühr an die Lizenzinhaber entrichtet haben. Letztlich ist dieser Umstand aber unerheblich, da die verschiedenen Gesellschaften und Firmen der Medizinindustrie im Endeffekt auf eine Leitkuh in der Matrix hinsteuern.

 

 

 

Des Volkes Freuden

Des Volkes Freuden

 

Linientreue BürgerInnen und Unternehmen dürfen sich an Erleichterungen und Annehmlichkeiten ihres Alltagslebens erfreuen. So sind sie zum Beispiel von Steuerklärungen befreit, denn schließlich werden alle privaten und gewerblichen Bewegungen, jeder Einkauf, jedes Geschäft, praktisch jede Aktivität in allen Lebensbereichen automatisch aufgezeichnet. Der Wegfall der Steuererklärung wird als Steigerung der Lebensfreude und als Präventionsmaßnahme in der Korruptionsbekämpfung publiziert.

 

Glitzernd aufgepeppte Unterhaltungsshows auf den Kommunikations-Kanälen glorifizieren vorbildliches Staatsbürgertum. Der "Bürger-Oscar" - eine begehrte Volkstrophäe - wird Bürgerinnen und Bürger verliehen, bei denen über ein Jahr hinweg keine Verstöße gegen die Gesetze registriert worden sind. Natürlich sind die "Ausgezeichneten" komplett verchipt.

 

 

 

Satisfact-Sex

Satisfact-Sex

 

Zufriedenheit ist das Thema der Zeit. Und der Trend gebärt in der westlichen Sphäre neben vielen anderen "friedliebenden" Strömungen eine stetig größer werdende Genderbewegung, deren Ziel es ist, die endgültige Sozialisierung von gleichgeschlechtlichen Individuen zu erreichen.

 

Parallel mit der Loslösung von Geschlechterzugehörigkeit und Geschlechtsidentität wächst die Unterwanderung der vermeintlichen Männerdomäne.

 

Besonders ein Begriff durchtränkt den Forderungskatalog der Ultra-Feministinnen: "SFS", der SatisFactSex. Er entspringt dem aggressiveren Zweig der Frauenbewegung und fordert das Recht des weiblichen Geschlechts auf sexuelle Befriedigung - entweder durch den männlichen Part oder auf anderem Wege. Mit Hilfe des Subcutan-Chip soll die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert werden. Hetero-sexuelle Männer ohne diesen Überwachungs-Chip werden als frauenfeindliche Wesen angeprangert.

 

Eine ebenso bedrohliche Gruppierung legt die Forderungen der Feministinnen nach ihren eigenen Regeln aus: es sind die Hardcore-Vertreter der "Verhüllungs-Kultur", die nun auch durch die westliche Welt ihr (nirgendwo festgeschriebenes) Recht bestätigt sehen, jederzeit die "Befriedigung der Frau" vornehmen zu dürfen - auch gegen ihren Willen.

 

 

 

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz

 

Die Künstliche Intelligenz ist massiv auf dem Vormarsch. Androiden, Humanoiden, Gynoiden und Cyborgs stellen bereits zahlenmäßig ein Zehntel der Weltbevölkerung. Sie sind in den Alltag der natürlichen Menschen integriert und gelten nicht mehr als seelenlose Maschinen, sondern genießen inzwischen den Status von Halbwesen mit individuellen Rechten.

 

Ziel der 'Councils of Humanity' ist, jedem Menschen mindestens eines der KI-Wesen zur Seite zu stellen … im Haushalt, im Büro, im Gesundheitswesen, in der Touristik, in der Kranken- und Altenpflege, in der sozialen Betreuung von Kindern, von Alleinstehenden und von straffällig gewordenen BürgerInnen.

 

Konsequenterweise bieten sich auch auf dem Vergnügungssektor Gynoiden und Androiden als Freudenpartner an. Der Begriff "Prostitution" findet hier keinen Widerhall mehr, da die Klon-Industrie ihre Patent- und Gebrauchsrechte auch auf diesem zwielichtigen Marktsegment durchsetzte und ein sauberes Image wünschte. Halbwesen sind allgegenwärtig, gesellschaftlich akzeptiert und konsolidiert.

 

 

 

Identitäts-Chip

Identitäts-Chip

 

Immerhin ist für die Implementierung eines ID-Chips noch eine Übergangszeit bis 2060 vorgesehen. Bürgerinnen und Bürger ohne Subkutan-Chip verfügen jedoch nach den Statuten über keine ausreichende Identität und werden grundsätzlich des Terrors und des Unterwanderns sowie des Widerstandes gegen das Allgemeinwohl verdächtigt. Was allerdings "ausreichende Identität" bedeutet, bestimmen die 'Councils of Humanity'.

 

Wo Zwang ausgeübt wird, da entsteht Druck, der sich ein Ventil sucht. Der Zwang zur totalen Offenlegung der Identität per ID-Chip führt zwangsläufig zu illegalen Auswüchsen, zu "Nebenjobs" wie Datendiebstahl und Datenverkauf und somit zu äußerst gefährlichen, kriminellen Handlungen. Bei Überfällen auf Subkutanchipträger werden den unbescholtenen Bürgern die Chips aus der Haut geschnitten oder sie werden grobschlächtig verstümmelt. Personal-Chips ziehen ihre Energie aus der Körperwärme und aus der Blutbahn, sie müssen daher bei einem gelungenen Überfall auf das Wärmeniveau gehalten und erst später neu getrimmt werden, indem sie die Blutwerte des neuen Trägers übernehmen. Dies ist auch im Jahre 2050 nur möglich - ähnlich den Organtransplantationen - wenn die Blutgruppe übereinstimmt. Die Blutwerte allein sind nicht relevant, sie ändern sich auch bei allen anderen Menschen, sind also keine verlässlichen Faktoren.

 

Untergrundaktive Gruppierungen sind technisch und organisatorisch bestens aufgestellt, so gut wie die Organisationen der Councils. Die Kriminalität ist der so genannten Law and Order-Liga, die im Grunde kein Deut besser ist, oft einen Schritt voraus.

 

Fingerscans sind noch up to date. Zwar analysieren Scanner den Sauerstoffgehalt des Blutes und die Blutwerte, sie erkennen, ob Finger künstlich hergestellt oder ob eine abgetrennte Fingerkuppe, zum Beispiel aufgrund eines Raubes oder durch Tod bereits abgestorben ist, doch kriminelle Köpfe eilen oft einen Schritt voraus und hantieren mit Geräten, die Blutwerte simulieren können.

 

Ein gravierender Nachteil von Fingerscans ist die körperliche und örtlich übereinstimmende Anwesenheit von Fingerträger und Scanner. Deshalb soll das umständliche System durch den komfortableren Chip ersetzt werden. Der große Vorteil des ID-Chips liegt in seiner Korrespondenz mit fernen ortsunabhängigen Impulsgebern oder übergeordneten Satelliten.

 

Kontrolle und Manipulation sind die Ziele. Das Konsumverhalten und die Konsumsteuerung, das Medizin-Business, die Pharmaindustrie, die Produktionsabläufe, die Logistik, die Energie- und Rohstoffgewinnung sind Einsatzfelder der Überwachungs- und Registrier-Technologie … nichts soll im Verborgenen bleiben, bis in die Privat- und Intimssphäre dringen die Datenspürhunde.

 

Während die Globalplayer die Sicherung ihrer Billionengeschäfte mit List und Tücke verfolgen, wird die Chip-Technologie in der Öffentlichkeit als die größte menschenfreundliche Errungenschaft aller Zeiten propagiert. Der hochgelobte Chip soll den Segen engelsgleich bringen.

 

Doch dieser Engel hat den kalten Blick.

 

Wir schreiben das Jahr 2050.

 

 

 

 

 

 

 

 

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"Und ich sah ein zweites Tier

aufsteigen aus der Erde;

das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache.

Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus

vor seinen Augen und es macht,

dass die Erde und die darauf wohnen,

das erste Tier anbeten,

dessen tödliche Wunde heil geworden war.

Und es tut große Zeichen, so dass es auch Feuer

vom Himmel auf die Erde fallen lässt

vor den Augen der Menschen und es verführt,

die auf Erden wohnen, durch die Zeichen,

die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist;

und sagt denen, die auf Erden wohnen,

dass sie ein Bild machen sollen dem Tier,

das die Wunde vom Schwert hatte

und lebendig geworden war."

 

(Offenbarung 13)

 

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Was geschah im Jahre 2038

Was geschah im Jahre 2038

 

Bob Ariano macht es sich in seinem Cyberroom bequem. Auf dieser Etage seines Schwimmhauses werden alle technischen Abläufe koordiniert. Über sein Cybercap und dem Multifunktions-Relaxsessel kann er akustisch und sensorisch fast alle Anwendungen im Haus ansteuern, von der Bedienung seines Holograficbooks über die verschiedenen Kommunikationsarten mit der Außenwelt bis zur Funktion der App- und Picturewall und der Lichtdurchlässigkeit der umlaufenden raumhohen Fensterfront. Jetzt am frühen Nachmittag hat Bob es gerne, wenn die Sonne gedimmt einstrahlt.

 

In der Liegeposition kann er gut überlegen und seine Einfälle diktieren. Bob aktiviert sein Holograficbook. Dass es ein geheimes Innenleben besitzt, weiß nicht einmal Brenda, Bobs heutige Partnerin. Er erwarb es auf dem Tauschmarkt mit einem zusätzlichen, aber illegalen Feature: dem Gehirn einer Ratte, dadurch kann er die geografische Ortung verschleiern und Schlupflöcher finden, die wenigen Lücken, die nicht per Satellit zu lokalisieren sind. Ein weiterer Vorteil dieses Rattenorgans liegt darin, dass es nicht von der regionalen Chip-Überwachungszentrale ermittelt und beeinflusst werden kann. Zwar müssen alle Haus- und Zuchttiere mit Chips markiert sein, doch Ratten fallen noch nicht in diese Kategorie. Außerdem werden diese speziellen, mittlerweile technologie-kompatiblen Tiere an gut getranten Orten hochgezüchtet. Bob nimmt an, dass die Zuchtstationen auf einer der Tausenden von Inseln im Pazifik betrieben werden und er dachte auch schon über ein eigenes Vertriebsnetz der Hightech-Organ-Books nach, was nach der heutigen Gesetzen natürlich unerlaubt wäre. Erschwerend kommt hinzu, dass diese HOB's nur über Tauschbörsen zu handeln wären, da Bargeldgeschäfte sowie der Handel mit nicht chipregistrierten Gütern strafbar sind.

 

Was noch vor zwei Jahrzehnten die illegalen Drogengeschäfte waren, ist heute der Handel mit der intelligenten organischen Substanz. "Back to Nature", sagen die Nons lakonisch.

 

Bob steht auf. Die Liegeposition ist für ihn immer ein guter Anfang, um geistig in ein Thema einzusteigen, doch nach einer gewissen Weile kriecht eine undefinierbare Unruhe in ihm hoch, er muss aufstehen, sich bewegen. In der warmen Jahreszeit springt er zwischendurch in den Paternoster und fährt bis in den Pool hinunter, um eine paar erfrischende Schwimmzüge zu machen. Heute bleibt er im Schreibmodus und ordnet seine Notizen zur Memo.

 

"Memo 2050 öffnen!"

 

Aus der Communicationswall beamt die Seite und platziert sich in Raumhöhe vor, seitlich und hinter ihm. Auf den mehrdimensionalen Ebenen sind seine Notizen, Fotos und Recherchen angeordnet. Er steht mittendrin in dieser Infoarchitektur.

 

"Schreibe im Textmodus!"

 

"Im Jahre 2038 stand unsere Erde vor einer alles vernichtenden Bedrohung aus dem Weltall. Ein Asteroid raste auf uns zu und würde bei einem Aufprall alles Leben auf unserem Planeten auslöschen. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 12.000 km pro Stunde näherte sich der Asteroid 'Chikan'. Die globale Asteroiden-Abwehr erkannte zwar die Gefahr, informierte die Weltöffentlichkeit jedoch erst spät und sie versuchte, den galaktischen Brocken  - nur noch vier Millionen Kilometer entfernt - aus seiner Bahn zu werfen.

 

[Setze Marginalie: Die Strecke entspricht etwas mehr als zehn Mal der Entfernung zu unserem Erdtrabanten, dem Mond.]