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Hubert Stigler/Hannelore Reicher (Hrsg.)

Praxisbuch Empirische Sozialforschung

Hubert Stigler/Hannelore Reicher (Hrsg.)

Praxisbuch Empirische Sozialforschung

in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften

StudienVerlag
Innsbruck
Wien
Bozen

 

 

 

2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2012

Internet: www.studienverlag.at

Buchgestaltung nach Entwürfen von Kurt Höretzeder

Satz: Studienverlag/Maria Strobl, maria.strobl@gestro.at

Umschlag: Studienverlag/Kurt Höretzeder, Büro für grafische Gestaltung, Scheffau/Tirol

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über >http://dnb.ddb.de< abrufbar.

ISBN 978-3-7065-5832-7

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur zweiten Auflage

1 Schreib- und Arbeitsstrategien – Wider die Angst vor dem „ersten Blatt“

Birgit Aschemann

1.1 Am Anfang steht eine Idee – Planung und Themensuche als Prozess

Andrea Felbinger & Regina Mikula

1.2 Der Umgang mit Fachliteratur – Vom forschenden Lesen zur wissenschaftlichen Textproduktion

Gerhild Bachmann

1.3 Literatur effizient recherchieren und bewerten

Andrea Felbinger & Regina Mikula

1.4 Wissenschaftliches Schreiben – Vom Exzerpt zum eigenen Text

Regina Mikula & Andrea Felbinger

1.5 Wissenschaftliche Quellen zitieren

Marlies Jauk

1.6 Elektronische Literaturverwaltung und Wissensorganisation mit Citavi: Ein Tool für wissenschaftliche Abschlussarbeiten

Josef Scheipl

1.7 Es wäre schon viel gewonnen, wenn ... Einiges dazu und etwas darüber hinaus

2 Planung und Durchführung – Gebrauchsanweisung für den „richtigen“ Methodeneinsatz

Hannelore Reicher

2.1 Die Planung eines Forschungsprojektes: Überlegungen zur Methodenauswahl

Rudolf Egger

2.2 Qualitative Sozialforschung in den Erziehungswissenschaften

Elfriede M. Ederer & Christiane Nevermann

2.3 Strategien der Gesprächsführung in der Forschung

Hubert Stigler & Günter Felbinger

2.4 Der Interviewleitfaden im qualitativen Interview

Hubert Stigler

2.5 Der Fragebogen in der Feldforschung

Peter Rossmann

2.6 Befragung in (quasi-)experimentellen Designs

Maria Anastasiadis & Gerhild Bachmann

2.7 Das Alltägliche einfangen: Das Tagebuch – ein Weg zur reflektierenden Forschungs- und Schreibpraxis

3 Erfahrungen aus der Feldarbeit: Methodisches Wissen abseits des Lehrbuchs

Wilfried Hackl

3.1 Evaluation pädagogischer Handlungsfelder

Manfred Sonnleitner

3.2 Partizipative Aspekte in der Forschung am Beispiel der Disability Studies

Arno Heimgartner & Angela Pilch Ortega Hernández

3.3 Die partizipative Methode der Forschungswerkstätte am Beispiel eines interkulturellen Handlungssettings

Michael Wrentschur

3.4 Szenisches Forschen: Theaterspiel als Methode – partizipativer Erkenntnisprozesse

Solveig Haring

3.5 Forschen in der Forschungsgruppe – Möglichkeiten der Selbstorganisation im Forschungsprozess

4 Auswertung quantitativer Daten

Hubert Stigler & Hannelore Reicher

4.1 Von der Exploration zum inferenzstatistischen Schluss – Angewandtes Basiswissen zur sozialwissenschaftlichen Datenanalyse

Peter Gasser-Steiner

4.2 Die einfache Korrespondenzanalyse – Ein Verfahren zur explorativen Analyse verketteter Kreuztabellen

5 Vom Text zur Interpretation

Helga Kittl-Satran

5.1 Aufbereitung qualitativer Daten – Von der Datenerfassung zum Primärtext

Arno Heimgartner

5.2 Computerunterstützte qualitative Inhaltsanalyse: Atlas.ti und MAXQDA im Match

Barbara Friehs

5.3 Methodische Ansätze in der Vergleichenden Erziehungswissenschaft

AutorInnenverzeichnis

Vorwort zur zweiten Auflage

Was man lernen muss, um es zu tun,
das lernt man, indem man es tut.
Aristoteles

Mit der nun vorliegenden aktualisierten und erweiterten zweiten Auflage des Praxisbuchs Empirische Sozialforschung in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften wollen wir den aktuellen Entwicklungen im Wissenschaftsbereich Rechnung tragen. Die einzelnen Beiträge wurden überarbeitet und mit neuer Fachliteratur aktualisiert. Weiters wurde das Buch um zwei neue Themen ergänzt: Ein hinzugekommener Beitrag beschäftigt sich mit Fragen des IT-gestützten Arbeitens in der wissenschaftlichen Wissensorganisation und Literaturverwaltung. Ein anderer rückt methodische Aspekte der Vergleichenden Erziehungswissenschaft in den Vordergrund.

Ziel dieses Buches ist es, Studierenden und Interessierten eine Lern-, Reflexions- und Einstiegshilfe zum wissenschaftlichen Forschen zu bieten.

Von der Idee zum Buch

Am Beginn dieses Buchprojekts stand eine Idee, die in einem Tür-und-Angel-Gespräch der beiden HerausgeberInnen auf Institutsgängen erstmals Gestalt angenommen hat: Versammeln wir doch das Basiswissen, das unsere Studierenden benötigen, um empirische Forschungsarbeiten erfolgreich durchführen zu können, in einem Buch. Inspiriert durch unsere langjährigen Erfahrungen aus der universitären Lehr- und Forschungstätigkeit wollten wir eine (forschungs-)praxisnahe Darstellung empirischer Forschungszugänge in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften liefern. Dabei sollten ergänzend zum systematischen Lehrbuchwissen anwendungsorientierte Aspekte der Planung, Methodenauswahl und Durchführung empirischer Studien besonders im Vordergrund stehen. Fragen sollten also beantwortet werden, mit denen wir uns in unserer alltäglichen Wissenschaftspraxis, in Projektsitzungen, Diplomarbeits- und Dissertationsbetreuungsgesprächen, in einschlägigen Lehrveranstaltungen sowie Sprechstunden ständig konfrontiert sehen.

Struktur des Buches

1. Im ersten Teil des Buches Schreib- und Arbeitsstrategien – Wider die Angst vor dem „ersten Blatt“ werden Basics wissenschaftlichen Arbeitens thematisiert: Ausgehend von Projektplanung und Themenfindung (Birgit Aschemann) geht es neben systematischen Aspekten um Anwendungswissen zu Themen wie dem Lesen von Fachliteratur (Andrea Felbinger/Regina Mikula), dem Recherchieren wissenschaftlicher Quellen (Gerhild Bachmann), dem wissenschaftlichen Schreiben (Andrea Felbinger/Regina Mikula) und dem Zitieren von Quellen (Regina Mikula/Andrea Felbinger). Erfahrungswissen zum Einsatz von Softwaretools für Literaturverwaltung und Wissensmanagement (Marlies Jauk) und eine integrierende Sichtweise aus der Coaching-Perspektive von Josef Scheipl runden diesen Teil ab.

2. Die Beiträge des zweiten Teils Planung und Durchführung eines empirischen Forschungsprojektes sind als Gebrauchsanweisung für den richtigen Methodeneinsatz gedacht: Grundsätzliche Überlegungen zur Planung und Methodenauswahl (Hannelore Reicher) und ein systematischer Überblick über qualitative Forschungsansätze (Rudolf Egger) gehen den Beiträgen über Strategien der Gesprächsführung im Forschungsprozess (Elfriede Ederer/Christiane Nevermann) und der Bedeutung von Interviewleitfäden in qualitativen Interviews (Hubert Stigler/Günter Felbinger) voraus. Der Fragebogen in der Feldforschung (Hubert Stigler) bzw. die Befragung in (quasi-)experimentellen Designs (Peter Rossmann) sowie das Forschungstagebuch (Maria Anastasiadis/Gerhild Bachmann) bilden einen weiteren Themenschwerpunkt dieses Abschnittes.

3. Im dritten Teil schließlich geht es um Erfahrungen aus der Feldarbeit, wobei auf methodisches Wissen abseits des Lehrbuches fokussiert wird. Das breite Spektrum an erfahrungsorientierten Darstellungen reicht von der Evaluationsforschung (Wilfrid Hackl), der Methode der Forschungswerkstätte (Arno Heimgartner/Angela Pilch Ortega Hernández) über partizipative Ansätze am Beispiel der Disability Studies (Manfred Sonnleitner) und das Szenische Forschen (Michael Wrentschur) bis hin zum Forschen in der Gruppe (Solveig Haring).

4. Im vierten Teil steht die Auswertung quantitativer Daten im Vordergrund: Ein Beitrag der beiden HerausgeberInnen über anwendungsorientiertes Basiswissen zur sozialwissenschaftlichen Datenanalyse befasst sich mit der Aufbereitung und statistischen Auswertung und spannt dabei den Bogen von der explorativen Datenanalyse bis hin zu inferenzstatistischen Signifikanztests (Hubert Stigler/Hannelore Reicher). Ergänzt wird dieser Teil durch einen Beitrag von Peter Gasser-Steiner über die Korrespondenzanalyse zur multivariaten Auswertung nominaler Daten.

5. Im fünften und letzten Abschnitt Vom Text zur Interpretation runden ein Beitrag zur Aufbereitung qualitativer Daten (Helga Kittl-Satran), ein Vergleich von Softwaretools zur qualitativen Datenanalyse (Arno Heimgartner) sowie ein Beitrag zu den methodischen Aspekten der Vergleichenden Erziehungswissenschaft (Barbara Friehs) das inhaltliche Spektrum des Buches ab.

Als wissenschaftsmethodologisches Credo zieht sich durch dieses Buch das Verständnis, dass qualitative und quantitative Forschungsansätze in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften nicht als gegensätzliche Polaritäten aufzufassen sind, sondern (neben ihrer jeweils eigenständigen Bedeutung) einander ergänzende Forschungsperspektiven und -strategien darstellen.

Den AutorInnen danken wir für die konstruktive und gute Zusammenarbeit auch an der 2. Auflage dieses erfolgreichen Buches und für so manch spannenden und interessanten Diskurs zu den Beiträgen.

Hannelore Reicher

 

Hubert Stigler

Graz, im Februar 2012

1 Schreib- und Arbeitsstrategien – Wider die Angst vor dem „ersten Blatt“

1.1 Am Anfang steht eine Idee – Planung und Themensuche als Prozess

Birgit Aschemann

Jede Abschlussarbeit beginnt zunächst mit dem Keim einer ersten Idee. In diesem Kapitel wird es darum gehen, wie Sie diese Idee erfassen, gründlich überdenken und daraus ein Thema für Ihre Masterarbeit entwickeln können, sodass eine durchführbare Arbeitsplanung entsteht.

Was bedeutet Ihre Abschlussarbeit – für Sie persönlich?

Nach dem geltenden Universitätsgesetz sind Diplom- und Magisterarbeiten definiert als „die wissenschaftlichen Arbeiten in den Diplom- und Magisterstudien, die dem Nachweis der Befähigung dienen, wissenschaftliche Themen selbstständig sowie inhaltlich und methodisch vertretbar zu bearbeiten.“ (vgl. BGBl I 2002/120 § 51 Abs 2 Z 8).

Die Masterarbeit ist damit eine notwendige Prüfungsarbeit im Sinne eines (vor)letzten Leistungsnachweises vor Studienabschluss. Ihre persönliche Bedeutung geht darüber jedoch meist hinaus. So kann die Masterarbeit als erste größere eigenständige Arbeit, als eigener Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung oder als Grundlage für das Doktoratsstudium gesehen werden und bietet die Möglichkeit zur fachlichen Spezialisierung oder zur speziellen Berufsvorbereitung (vgl. Berning/Schindler 1993, S. 17–21).

Es ist sinnvoll, sich von Anfang an zu fragen, welche Bedeutung Ihre Abschlussarbeit für Sie vor allem haben soll (und wo unter Umständen Abstriche gemacht werden können). Ihre persönliche Motiv-Zusammensetzung sollte schon die Wahl Ihres Masterarbeitsthemas beeinflussen. Auch wenn Sie bei der Themenwahl nicht auf eine direkte berufliche Umsetzung abzielen, bietet die Abschlussarbeit eine Reihe von Entwicklungschancen. So werden sich zum Beispiel anlässlich der Masterarbeit Ihre Fähigkeiten im Schreiben und im Projektmanagement verbessern.

Management im Projekt Masterarbeit

Vom Management Ihres Masterarbeits-Projekts können Ihr Wohlbefinden und die Bearbeitungsdauer ganz wesentlich abhängen. Da der Arbeitsprozess und damit das Projektmanagement schon mit der Themensuche einsetzen, stelle ich einige Anmerkungen zum Management voran. Ich wähle dabei Aspekte aus, die im Masterarbeitsprozess oft vernachlässigt werden.

Rahmenbedingungen

Zum einen brauchen Sie gute und bewusst gestaltete Rahmenbedingungen, um Ihre Kraft auf die inhaltliche Arbeit richten zu können – dazu gehören ein Arbeitsplatz und Arbeitsmittel (PC etc.) von entsprechender Qualität.

Parallele Anforderungen oder finanzielle Sorgen können eine konzentrierte und konsequente Arbeit verhindern. Aus der Schreibberatung ist bekannt, dass DiplomandInnen oft das inhaltliche oder methodische Ziel der Abschlussarbeit zu hoch stecken, in der Masterarbeitsphase zu viel nebenbei planen und außerdem manchmal mit Hilfe der Abschlussarbeit zu viel erreichen wollen (vgl. Ruhmann 1997, S. 14 ff). Sie sollten die Masterarbeit daher nach Möglichkeit in eine Phase legen, in der Sie nicht zu sehr durch andere Verpflichtungen gebunden sind. Informieren Sie sich auch über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung, zum Beispiel in der Studienbeihilfenbehörde (Studienabschluss-Stipendium), auf der Internetseite der Universität (Forschungsförderung) und im zuständigen Dekanat (Förderungsstipendien).

Als sehr nützlich hat es sich erwiesen, Arbeitszeit und Freizeit in der Masterarbeitsphase klar zu trennen und den Schreibtisch in einer ähnlichen Weise zu verlassen, als würden Sie von der Erwerbsarbeit nach Hause gehen. Wenn Sie dann außerhalb der Arbeitszeit Einfälle zur Masterarbeit haben, können Sie Ihr Forschungstagebuch benutzen, um Ideen festzuhalten und später wieder aufzugreifen.

Teilen Sie Ihre Arbeit in sinnvolle Rationen auf und achten Sie im Arbeitsprozess auf Pausen. Vermeiden Sie dabei sehr lange Arbeitsunterbrechungen mitten in einem der großen Arbeitsmodule. Insgesamt sollten Sie für Ihre Abschlussarbeit möglichst große zusammenhängende Arbeitsphasen vorsehen, in denen Sie zwar bewusste Pausen einlegen, aber nicht ganz aus der Arbeit herausgerissen werden.

Planung wissenschaftlicher Arbeiten

Die Planung wissenschaftlicher Arbeiten ist unverzichtbar, da viele Teilschritte des wissenschaftlichen Arbeitens kein natürliches Ende haben und eine bewusste Begrenzung erfordern. Daher ist es gut, entlang einer definierten Planung zu arbeiten und das, was Sie im gegebenen Rahmen erreichen können, zu akzeptieren (vgl. Kruse 2002, S. 186). Das Erstellen eines Zeitplans ist dabei ein wichtiger erster Schritt.

Im Prinzip entsteht und funktioniert ein Zeitplan in folgenden Etappen:

•  Arbeitsschritte (Module) definieren,

•  den Modulen Zeiträume zuweisen,

•  den Ablauf und die Zeiträume grafisch darstellen und

•  im Arbeitsprozess laufende Soll-Ist-Vergleiche vornehmen.

Ein sehr guter Vorschlag zur Zeitplanung für die Abschlussarbeit wurde ausführlich von Wottawa (1997, S. 42–52) beschrieben. Diese Anleitung eignet sich vor allem für jene unter Ihnen, die gern Puzzles legen und generell Freude an Planung und Design haben.

Falls Sie sich durch eine so detaillierte Planung zu eingeengt fühlen, haben Sie folgende Möglichkeit:

1.) Setzen Sie Zeitlimits für die wichtigsten Etappen im Masterarbeitsprozess. Dazu gehören zum Beispiel Konzepterstellung inklusive Inhaltsverzeichnis, Literatursuche, Literatur-Verarbeitung, Vorbereitung der empirischen Erhebung, Durchführung der empirischen Erhebung, Auswertungsarbeiten und Interpretation, Erstellen der Rohfassungen für die einzelnen Kapitel, Überarbeitung, Layout und Korrekturen.

2.) Planen Sie jeweils Ihre Arbeitszeit für die kommende Woche – und halten Sie diese ein. Füllen Sie Ihr Wochenpensum mit den Arbeiten, die sich aus den festgesetzten Zeitlimits ergeben.

3.) Vergleichen Sie Ihren Arbeitsfortschritt mindestens einmal wöchentlich mit Ihrer Planung, um den Überblick zu behalten und Änderungen rechtzeitig vorzunehmen. So wird sich auch Ihre Arbeitszeiteinschätzung laufend verbessern. Mit der Zeit lernt man dabei, so engmaschig zu planen, dass die Herausforderung spürbar ist, aber auch so großzügig, dass die Freude an der Arbeit erhalten bleibt.

 

Die Planung wissenschaftlicher Arbeiten setzt eigentlich Erfahrung mit den einzelnen Arbeitsschritten und den eigenen Gewohnheiten voraus. Als DiplomandIn haben Sie vielleicht das Problem, etwas zu planen, das Sie in dieser Form noch gar nicht kennen (vgl. Kruse 2002, S. 186f.). Wenn Sie über keine Praxiserfahrung mit Forschungsprojekten verfügen, ist es günstig, BetreuerInnen oder erfahrene KollegInnen um eine Rückmeldung zu Ihrem Zeitplan und zu Ihrer Zeitschätzung für einzelne Arbeitsprozesse zu bitten. Häufig wird zu wenig Zeit für unbekannte Arbeitsschritte vorgesehen, und organisatorische Tätigkeiten (wie Literaturbeschaffung, Wartung von Arbeitsgeräten oder Organisation von Gesprächsterminen) können in der Planung leicht untergehen. Planen Sie auch für die Themenfindung selbst eine limitierte Zeitspanne ein!

Austausch, Unterstützung und Motivation

Ein Punkt, den Sie sehr früh zu entscheiden haben, ist die Frage, ob Sie Ihre Abschlussarbeit als Einzelarbeit oder gemeinsam mit einem Kollegen oder einer Kollegin planen und durchführen möchten. Das Universitätsgesetz erklärt die gemeinsame Bearbeitung eines Themas durch mehrere Studierende für zulässig, verlangt aber, dass die Leistungen der einzelnen Studierenden gesondert beurteilbar sind (vgl. BGBl I Nr. 120/2002 § 81, Abs. 3). Die Chancen der gemeinsamen Themenbearbeitung sind vielfältig und bestehen in Motivation und Austausch, gegenseitiger Beratung und Verbindlichkeit – die Risiken dagegen in Abhängigkeit, ungleicher Aufwandsverteilung und differenten Zielvorstellungen. Wie jede Gruppenarbeit verlangt die gemeinsame Masterarbeit nach Arbeitsteilung und verbindlichen Regeln und Kommunikationsformen. Das sind wohl auch die Hauptgründe, warum die meisten Abschlussarbeiten als Einzelarbeiten verfasst werden.

Während der gesamten Masterarbeitsphase kann der kollegiale Austausch sehr nützlich und wichtig sein. Das Schreiben einer Abschlussarbeit wird sonst erfahrungsgemäß zu einer recht einsamen Angelegenheit. Dabei sind Sie zwar mit Ihrem Thema und bald auch mit Ihrem Fachwissen allein, das Schreiben mit seinen Grundzügen und Abläufen teilen Sie jedoch mit vielen KollegInnen! Überlegen Sie, in welchem Forum Sie welche Art der Unterstützung bekommen können, und organisieren Sie sich zweierlei: zum einen inhaltliches Feedback und Austausch (zusätzlich zur wissenschaftlichen Betreuung), zum anderen Kontakte zur gegenseitigen Motivation und Unterstützung Ihres Durchhaltevermögens. Nutzen Sie Masterseminare und Referate, um Rückmeldungen zu bekommen, und erkundigen Sie sich rechtzeitig über zusätzliche Unterstützungs-Angebote. An einigen Instituten haben sich DiplomandInnen-Gruppen gebildet; außerdem bieten psychologische Studierendenberatungen manchmal spezielle Studienabschluss-Gruppen an, in denen potenzielle Schwierigkeiten rund um die Abschlussarbeit thematisiert werden.

Der Beginn einer Masterarbeit ist ein guter Zeitpunkt, um über bewusste Einflüsse auf Ihre Motivation nachzudenken. Auch bei der Arbeit an einem geeigneten Thema, das Sie wirklich interessiert, sind Motivationsschwankungen im langen Prozess der Masterarbeit zu erwarten. Hier hilft eine Analyse Ihrer Kraftquellen dabei, Ihr Arbeitsinteresse aufrecht zu erhalten (vgl. Leopold-Wildburger/Schütze 2010, S. 13ff.). Machen Sie sich bewusst, was Ihnen Freude macht, und belohnen Sie sich für kleine und größere Erfolge! Motivierend kann zum Beispiel die Zusammenarbeit mit bestimmten Personen wirken, oder auch die Beschäftigung mit bestimmten Themen oder bestimmten Arbeitsmitteln – also Aspekte im Arbeitsprozess selbst. Später können Freunde, PartnerInnen, Eltern, KollegInnen und BetreuerInnen motivieren und das Durchhaltevermögen stärken.

Wichtiger sind jedoch die Tricks, die Ihnen selbst und unabhängig zur Verfügung stehen. Dazu kann zum Beispiel das Ausmalen eines Zielbildes gehören (ebd.): Wie wird es sich anfühlen, wie wird es aussehen, wenn Sie mit der Arbeit fertig und mit dem Ergebnis zufrieden sind? Wenn Sie wissen, dass ein bestimmtes Schreibgerät oder auch ein bestimmter Kaffeehausplatz Ihrer Kreativität oder Arbeitsfreude förderlich sind, dann nützen Sie dieses Wissen. Sie können auch spielerisch in die Rolle des Forschers oder der Forscherin schlüpfen und diese übertreiben. Eine ausgezeichnete Motivationsquelle ist die Begeisterung für das wissenschaftliche Arbeiten an sich. Mit einiger Freude am selbstständigen Erforschen und kritischen Denken haben Sie dafür die besten Voraussetzungen.

Wie läuft die Suche nach einem passenden Masterarbeitsthema ab?

Viele Schwierigkeiten im Entstehungsprozess von Abschlussarbeiten lassen sich durch eine günstige Themenwahl vermeiden. Die Phase der Entscheidung für ein Thema ist also eine, die besondere Aufmerksamkeit verdient, wenn Sie es im Arbeitsprozess gut haben und Ihre Masterarbeit auch „als Spiel, als Wette, als Schatzsuche“ erleben wollen (vgl. Eco 1991, S. 266). Da der Weg von einem ersten Interesse bis hin zu einem durchführbaren Konzept einige Denkarbeit erfordert, sollten Sie sich möglichst früh mit einem potenziellen Masterarbeitsthema beschäftigen. Günstig ist es, schon eine Seminararbeit im Themenkreis der späteren Masterarbeit zu schreiben oder den gesamten zweiten Studienabschnitt auf das Masterarbeitsthema auszurichten.

Es gibt eine Menge spannender und umsetzbarer Masterarbeitsthemen, die Sie in der Regel im Bereich Ihrer Studienfächer selbst vorschlagen oder aus den Vorschlägen von BetreuerInnen auswählen können.

Es ist auch möglich, sich von einem Wunsch-Betreuer oder einer Wunsch-Betreuerin ein Thema empfehlen zu lassen, das dann in der Regel nahe am Forschungsschwerpunkt der betreuenden Person liegen wird. Die Vorteile dieses Vorgehens sind zahlreich: Ihre Betreuungsperson ist mit dem Thema sehr vertraut und kann Ihnen spezifisch passende Literatur (und Methoden) empfehlen. Er/sie verbindet mit der Themenstellung ein eigenes Forschungsanliegen und wird daher motiviert sein, Sie gut zu unterstützen (was angesichts der Fülle konkurrierender Aufgaben in seinem/ihren Arbeitsalltag nicht selbstverständlich ist). Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass bei solchen Themen ein vorab vereinbarter Fertigstellungstermin eingehalten werden muss und dass eventuelle Lücken in der theoretischen oder empirischen Arbeit sicher zur Sprache kommen. Studierende, für die Anleitung und Interesse ihrer Betreuungsperson einen hohen Stellenwert haben, können von der Wahl eines ausgeschriebenen Themas sehr profitieren. Wolfsberger (2007, S. 79) spricht in diesem Zusammenhang von „den wenigen Glücklichen (...), die ein Thema und eine Fragestellung von einem Professor auf dem Silbertablett serviert bekommen“.

Auch bei Themenstellungen vom Betreuer oder von der Betreuerin sollten Sie überprüfen, ob das Thema für Sie persönlich passend ist.

Um das eigene Thema zu finden, ist es zunächst wichtig, sich zu interessieren, sich einzulassen und zu öffnen – und ein wenig später dann sich zu beschränken, sich festzulegen und sein Vorhaben zu strukturieren.

Vier Phasen der Themenfindung

1. Ideensuche

2. Offene Themenreflexion

3. Themeneingrenzung

4. Schriftliches Konzept

Die Phase der Ideensuche

Sobald Sie Ihre persönlichen Motive und Rahmenbedingungen für die Abschlussarbeit überdacht haben, können Sie sich in die Phase der Ideensuche begeben. Karmasin und Ribing (2007) empfehlen dafür das (frühzeitige) Anlegen einer Ideensammlung.

Mögliche Quellen für Masterarbeitsideen sind zum Beispiel folgende (vgl. Bänsch 1999; Kruse 1998; Roloff 1999; Werder 2000):

•  Inhalte aus Lehrveranstaltungen,

•  Berufstätigkeit, Praktika und andere Kontakte zu Institutionen,

•  aktuelle Literatur (vor allem wissenschaftliche Zeitschriften),

•  Aushänge am jeweiligen Institut und Internetseiten der Abteilungen,

•  potenzielle BetreuerInnen (und ev. deren Forschungsprojekte),

•  Angebote von InteressentInnen oder Forschungstransferstellen

•  und bei gemeinsamer Bearbeitung die Ideen von StudienkollegInnen.

Sie können sich nach Ihren Beobachtungen, Interessen, Irritationen und Erwartungen oder nach Veränderungen oder Veränderungsbedarf im sozialen Umfeld fragen, um zu Ihren persönlichen Themenideen zu gelangen. Werder (2000, S. 16) zählt als Quellen, die Masterarbeiten häufig zugrunde liegen, die folgenden auf: Kindheitstraumata, Schlüsselträume, Tagträume, Einfälle, private oder öffentliche Erlebnisse, Beobachtungen, Gespräche, Lebenskrisen, Zeitgeist oder Modetrends, Berichte in Presse, Film oder Fernsehen, Hinweise von Studierenden oder Wissenschaftlern, Trends in der Forschungsliteratur, Seminararbeiten, Anregungen durch Referate oder Vorträge, Lesefrüchte aus wissenschaftlichen Schlüsseltexten. Wie wir gleich sehen werden, sind nicht alle diese Quellen als Motive für eine wissenschaftliche Beschäftigung gleich gut geeignet.

Welche Kriterien erfüllt ein gutes Masterarbeitsthema?

Unter den folgenden Kriterien sollten Sie jene stärker gewichten, die Ihren persönlichen Masterarbeitsmotiven am stärksten entsprechen:

Das Thema sollte Sie interessieren und Ihnen gleichzeitig nicht zu nahe stehen. Nur mit einem interessanten Thema wird es Ihnen möglich sein, über eine längere Zeit mit Freude, Interesse und Engagement daran zu arbeiten.

Andererseits kann eine übergroße Identifikation mit dem Thema, wie sie bei Lieblingsthemen der Fall ist, Ihre Anspruchshaltung in die Höhe treiben und Gefühle der Überforderung bewirken. Gefährlich ist die Wahl eines allzu persönlichen Themas, an dem Sie nicht nur (berufliches) Interesse haben, sondern von dem Sie persönlich (in Ihrer Geschichte, Ihren wichtigen Beziehungen) betroffen sind. Eine solche Themenstellung wird mit der wissenschaftlichen Bearbeitung zugleich die Lösung dieses Problems von Ihnen fordern und Sie dadurch über die Arbeitszeit hinaus beschäftigen. Das günstige Mittelmaß besteht in ausreichendem Interesse, aber nicht zu hoher Identifikation. Ein derart optimales Maß ergibt sich oft aus Berufserfahrungen oder Berufszielen, aus gesellschaftspolitischem Interesse oder aus Situationen oder Fragen, denen man im Freundeskreis begegnet.

Sehr günstig ist die vorangehende Beschäftigung mit dem Themenfeld der Masterarbeit, die Ihre Planungsphase verkürzt und Ihnen von vornherein eine Idee gibt, worauf Sie sich einlassen. Themenideen, denen bereits eine gewisse Vorerfahrung zugrunde liegt, können Sie gegenüber neuen Ideen bevorzugen.

Weiters können Sie in Hinblick auf Ihre künftigen beruflichen Wünsche prüfen, wie es mit dem „Karriereförderungspotenzial“ Ihres Masterarbeitsthemas aussieht. Namhafte Autoren empfehlen, die angestrebten Berufsziele bei der Themenwahl mit zu bedenken (z.B. Kruse 1998; Werder 2000). Man versteht diese Empfehlung oft erst im Nachhinein, wenn man erlebt hat, wie groß die Vertiefung und Spezialisierung ist, die mit dem Verfassen einer Abschlussarbeit einhergeht. Wenn Sie Ihren Arbeitsaufwand für die Masterarbeit doppelt nutzen möchten, dann können Sie das durch eine Themenwahl im Umfeld Ihrer geplanten Berufstätigkeit erreichen.

Ihr Thema sollte außerdem mit zugänglichen Quellen bearbeitbar sein. Sie sollten mit diesen Quellen umgehen können, ebenso wie Sie mit den methodischen Ansprüchen des Themas bereits Vorerfahrungen haben sollten. Eco (1991, S. 15) meint dazu auch, die anzuwendenden Forschungsmethoden sollten im Erfahrungsbereich der Studierenden liegen – ich möchte ergänzen: Sie sollten im möglichen Lernpotenzial der Studierenden liegen. Ohnehin wird vieles, dessen Können mit der Masterarbeit belegt werden soll, in der Praxis erst im Masterarbeitsprozess gelernt.

Wichtig ist außerdem, den Zusammenhang zur eigenen wissenschaftlichen Disziplin (und zu einem im Studienplan definierten Prüfungsfach) zu überprüfen. Gerade Themenideen aus der Praxis enthalten oft eher wissenschaftsferne Interessen, die dann erst auf eine der Disziplin entsprechende Fragestellung herunter gebrochen werden müssen. Wenn Sie weiter wissenschaftlich arbeiten wollen, ist besonders auf eine Themenstellung zu achten, die für das eigene Fach von Bedeutung ist.

Schließlich erfordert die Themenwahl auch eine Einschätzung Ihrer persönlichen Zeitressourcen. Das Universitätsgesetz sieht dazu vor: „Die Aufgabenstellung der Diplom- oder Magisterarbeit ist so zu wählen, dass für eine Studierende oder einen Studierenden die Bearbeitung innerhalb von sechs Monaten möglich und zumutbar ist.“ (vgl. BGBl I Nr. 120/2002 § 81, Abs. 2). In der Praxis kommt die Bearbeitung innerhalb von sechs Monaten selten vor (die mittlere Bearbeitungsdauer für Diplomarbeiten lag in einer Grazer Stichprobe geisteswissenschaftlicher Studienrichtungen 2003–2004 nach eigener Erhebung bei rund 16 Monaten). Wie sieht denn Ihr persönlicher Zeithorizont aus? Wie viel Zeit möchten Sie für Ihre Abschlussarbeit aufbringen – und wie wichtig ist Ihnen die Bearbeitungszeit im Vergleich zu anderen Kriterien? Wenn Ihr Fertigstellungstermin durch eine äußere Grenze vorgegeben ist, sollte sich das in einer entsprechenden Themenwahl niederschlagen.

Das Thema soll auch nicht zu „groß“ und nicht zu „klein“ sein. Zu umfassende Themen werden aus Unkenntnis der Literatur oder der Anforderungen relativ häufig gewählt – ein Beispiel wäre „Studieren im 20. Jahrhundert“. Besonders eigene Themen werden zu weit gefasst, wenn man großes Interesse und viele Ideen mitbringt, ohne mit der Literatur vertraut zu sein. Solche Themen sind nicht ernsthaft gründlich bearbeitbar, und es fällt schwer, die Arbeit daran abzuschließen. Als Faustregel gilt: Bevor man sich mit dem Thema eingehend befasst, sieht es immer kleiner aus, und je näher man herangeht, desto größer wirkt es. Im Fall breiter Ausgangsideen ist eine bewusste Eingrenzung erforderlich, bei der Ihr Betreuer oder Ihre Betreuerin Sie unterstützen kann. Ein „zu kleines“ Thema (mit zu geringer Literaturbasis) ist bei ernsthafter Recherche dagegen seltener ein Problem.

Wo eine Themenstellung empirische Arbeit erfordert, sollte die Umsetzbarkeit von Anfang als eines der wichtigsten Kriterien mit bedacht werden. Dafür ist es nötig, sich auf Daten oder Personen zu beziehen, die innerhalb weniger Wochen oder Monate erreichbar sind. Bedenken Sie dabei auch eventuelle Kosten der Umsetzung, die bei empirischen Arbeiten relativ hoch liegen können.

In der Praxis wird es bei der Themenwahl meist um einen Kompromiss zwischen Interesse und Vorerfahrung, beruflichen Perspektiven, Machbarkeit und Betreuung gehen (vgl. Kruse 1998; Ogden 1993). Nach diesen Kriterien sollten Sie Ihre Themenidee beleuchten oder modifizieren.

Bewertungskriterien für Themenideen:

•  Ihr Interesse an der Themenstellung

•  Ihre persönliche Distanz zur Themenstellung

•  Ihre Vorerfahrung zum Thema und zur Methode

•  der mögliche berufliche Nutzen des Themas

•  die Bedeutung des Themas für Ihr Fach oder Institut

•  der voraussichtliche Zeit- und Kostenaufwand (im Vergleich zu Ihren Ressourcen)

•  die Chance auf Betreuung dieses Themas

•  der Umfang der Themenstellung (Eingrenzungsmöglichkeiten)

•  die empirische Umsetzbarkeit (z.B. Zugang zum Feld)

Die Phase der offenen Themenreflexion

Wenn Sie Ihre Themenidee in Bezug auf die angeführten Kriterien überprüft haben, sollten Sie noch eine Weile bei einer Haltung relativer Offenheit bleiben und sich Zeit für eine bewusste Themenreflexion nehmen. Um Ihr Thema später sinnvoll eingrenzen zu können, müssen Sie mehr darüber wissen: Sie müssen ein Bild von der Fülle Ihres Themas entwickeln und die Menge der verfügbaren Literatur überprüfen, Ihr Thema in Unteraspekte aufgliedern und über Forschungsfragen nachdenken.

Es gibt ein Reihe von kreativen Möglichkeiten für diese Phase, die zum Beispiel bei Kruse (2002, S. 194ff.) und bei Werder (2000, S. 21ff.) ausführlicher beschrieben sind. Zu den geeigneten Methoden für die Themenreflexion gehören z.B. Brainstorming (alles aufschreiben, was Ihnen zum Thema einfällt), Clustering (Einfälle gruppieren und Verbindungen herstellen), Mindmapping (vom Thema ausgehend Verzweigungen bilden) oder Freewriting (assoziatives Schreiben ohne Unterbrechung). Sie können außerdem Aspekte, Meinungen und Fragen zum Thema sammeln, persönliche Erfahrungen dazu festhalten, Dimensionen des Themas in der wissenschaftlichen Literatur orten, Grundbegriffe und erste Definitionen abklären, Anknüpfungspunkte und Unteraspekte finden und das Thema in Ihrer persönlichen Weise grafisch darstellen. Nutzen Sie einige der aufgezählten Techniken und halten Sie die Ergebnisse schriftlich fest. Damit erkunden und ordnen Sie Ihre Gedanken und können sich später immer wieder auf Ihre frühen Ideen rückbeziehen. Außerdem beginnen Sie auf diese Weise schon früh, für Ihre Masterarbeit zu schreiben und das Schreiben als Medium zum Entwickeln von Gedankengängen zu benützen.

Parallel zu diesen kreativen Techniken sollte Ihre erste Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Literatur zum Thema erfolgen. In diesem Stadium bedeutet das nur, sich einen Überblick über vorhandene, zugängliche und aktuelle, diskursbestimmende Literatur verschaffen – Sie sollten jetzt also vor allem Titel lesen, ausgewählte Übersichtsartikel, Handbuchartikel und neuere Tagungsberichte (vgl. Kruse 2002, S. 198f.).

Anhand dieses Materials können Sie dann beginnen, Ordnung zu machen und Grenzziehungen vorzunehmen – Sie kommen in die Phase der Themeneingrenzung.

Die Phase der Themeneingrenzung

Besonders für kreative und vielseitige Studierende kann der Übergang von den ersten offenen zu den darauf folgenden abgegrenzten Phasen schwer zu finden sein: Man verliert sich leicht in Literatur und Ideen und verzichtet nur ungern auf interessante Aspekte. Dagegen hilft, sich von vornherein eine Zeitgrenze zu setzen, bis wann Arbeitstitel, Konzept und Inhaltsverzeichnis fixiert sein sollen.

Folgende Möglichkeiten für die Themen-Eingrenzung können Sie in Erwägung ziehen (vgl. Kruse 2002; Werder 2000). Sie können Ihren Arbeitstitel „unter besonderer Berücksichtigung von ...“ formulieren und

•  Ihr Thema zeitlich oder örtlich eingrenzen, sich auf einzelne Institutionen oder Personengruppen beschränken,

•  sich bevorzugt auf bestimmte Quellen beziehen,

•  sich auf Zugänge einzelner Disziplinen oder Theorien beschränken,

•  neue Schwerpunkte oder Beziehungen hervorheben,

•  auf Praxisbezüge oder Anwendungsbereiche fokussieren.

Beispiele für diese und weitere Möglichkeiten der Themeneingrenzung sind bei Kornmeier (2010, S. 49) anschaulich dargestellt. Eingrenzungen des Themas sollten generell bewusst und begründet erfolgen. Dadurch zeigen Sie, dass Sie nicht versehentlich wichtige Aspekte übersehen haben.

Die Themeneingrenzung sollte darauf hinauslaufen, eine klare Forschungsfrage zu entwickeln, um die Sie Ihre gesamte Arbeit zentrieren können. Eine solche Frage zu formulieren wird Ihnen zu einer klareren Ausrichtung verhelfen als ein „Thema“. Sie wird nach Beantwortung verlangen, Ihnen helfen, den roten Faden durch Ihre Arbeit zu ziehen und extremen Exkursen entgegenwirken. Für eine gute Forschungsfrage sollten Sie ein unzureichend gelöstes Problem (oder eine vernachlässigte Sicht oder auffallende Beobachtung) feststellen, daraus eine zentrale Frage formulieren und die Relevanz dieser Frage argumentieren (vgl. Rienecker 1999, S. 98). Dabei kann es eine gute Übung sein, Ihre Forschungsfrage schriftlich zu formulieren und mit StudienkollegInnen auszutauschen. Wenn Sie im Anschluss darüber diskutieren, wer an welcher Frage gern arbeiten würde und warum (bzw. warum nicht!), werden Sie wahrscheinlich einiges über die Stärken und Schwächen Ihrer Fragestellung erfahren. Kennzeichen, Grundtypen und Beispiele für gute Forschungsfragen sind ausführlicher bei Samac, Prenner und Schwetz (2009, S. 46–53) und bei Kornmeier (2010, S. 54–68) nachzulesen.

Die Phase der Konzepterstellung

Am Ende Ihrer Themeneingrenzung sind zwei Dinge zu tun:

1. Zum einen sollten Sie ein schriftliches Konzept verfassen, das Sie mit Ihrem Betreuer oder Ihrer Betreuerin besprechen.

2. Zum anderen sollten Sie eine vorläufige Gliederung für Ihre Arbeit schreiben, die Sie als Gerüst für Ihre weiteren Recherchen verwenden können. Dieses vorläufige Inhaltsverzeichnis dient quasi als Arbeitshypothese, die den Schreibprozess begleiten wird (vgl. Eco 1991, S. 140). Später können Sie es modifizieren, wenn Sie im Zuge der Arbeit genauere Vorstellungen entwickeln.

 

Bei der Suche nach einem geeigneten Betreuer oder einer Betreuerin können Überlegungen zur fachlichen oder thematischen Kompetenz, zur Persönlichkeit oder zum Image der gewünschten Betreuungsperson ebenso wie bisherige Studienerfahrungen oder auch Zugangsvoraussetzungen für die Betreuung eine Rolle spielen (vgl. Berning/Schindler 1993, S. 84f.). Was Ihnen dabei besonders wichtig ist, wird mit Ihren persönlichen Motiven zusammenhängen.

Die Betreuersuche für Ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit ist in der Regel eng mit dem Thema verbunden. Wenn Sie mit Ihrer eigenen Themenidee nach wissenschaftlicher Betreuung suchen, sollten Sie Ihren Themenvorschlag für das erste Gespräch in eine schriftliche Form fassen. Wo es dafür keine Richtlinien Betreuender gibt, ist ein etwa zweiseitiges Kurzkonzept für den ersten Betreuerkontakt zu empfehlen, das zumindest Ihre Vorschläge für Thema, Forschungsfrage und Methode des Masterarbeits-Vorhabens enthalten soll.

Dieses Konzept kann als Ausgangspunkt für die gemeinsame Themenentwicklung mit Ihrem Betreuer oder Ihrer Betreuerin dienen.

Andere AutorInnen empfehlen, zusätzlich weitere Elemente ins Konzept aufzunehmen. Dazu gehören zum Beispiel die eigene theoretische Position, eine Einschätzung zum Stand der Forschung und zur Quellenlage, die Diskussion von Erkenntnisobjekt und Problemhintergrund, die theoretische und praktische Relevanz der Fragestellung sowie bei empirischen Arbeiten die Operationalisierung der Variablen und das Untersuchungsdesign, der Auswertungsplan und ein eventueller Kostenplan (vgl. Kruse 1998; Leitner 2000; Leopold-Wildburger/Schütze 2002; Ogden 1993). Die Einbeziehung dieser Aspekte erfordert ein vertieftes Einarbeiten in die Thematik und die Zusammenarbeit mit Ihrer Betreuerin oder Ihrem Betreuer.

 

Strukturierungsvorschlag für ein Konzept

•  Angaben zu Ihrer Person einschließlich Ihrer Erreichbarkeit

•  Arbeitstitel bzw. Titelvorschlag

•  zugrundeliegendes Problem oder Beobachtung

•  Forschungsfrage(n) bzw. wichtigste Fragestellung(en)

•  Ziel(e) und praktische Bedeutung der Arbeit

•  Vorschlag zur geplanten Forschungsmethode (inkl. Zugang zum Feld)

•  erste kleine Literaturliste (wenige wichtige Titel)

•  eventuelle KooperationspartnerInnen oder InteressentInnen

•  Zeitplan einschließlich des geplanten Fertigstellungstermins

Konzepte von unterschiedlicher Genauigkeit können im gesamten Masterarbeitsprozess eine wichtige Rolle spielen. So empfiehlt z.B. Fragnière (1993, S. 80f.) die Verwendung einer kurzen Disposition für den ersten BetreuerInnenkontakt, eines detaillierten Arbeitsprogramms für die Weiterarbeit und eines Redaktionskonzepts für die Planung der einzelnen Kapitel.

Die Arbeitsbeziehung zum Betreuer oder der Betreuerin

Es gibt in der Masterarbeits-Betreuung große Unterschiede in der zeitlichen Dichte und im Kommunikations-Setting und -Stil. Das diesbezügliche Angebot Ihrer Betreuungsperson sollten Sie bei ihr selbst und eventuell bei erfahrenen StudienkollegInnen erfragen. Für eine Abstimmung Ihrer Bedürfnisse sollten Sie auch einschätzen können, „wie viel Betreuung“ Sie brauchen und ob dieses Ausmaß mit den Möglichkeiten Ihres Wunsch-Betreuers übereinstimmt. Gelegentliche E-Mails abwesender ProfessorInnen können für die eine den optimalen Betreuungsrahmen bilden und für den anderen eine große Leere eröffnen. Fragen Sie auch nach eventuell vorhandenen Unterlagen zu den Ansprüchen an die Masterarbeit und nach konkreten Vorgaben bezüglich der Länge Ihrer Arbeit. In einer Empfehlung eines geisteswissenschaftlichen Fakultätskollegiums im Jahr 2002 war z.B. von einem „Umfang von 80 bis 120 Textseiten (à 1800 Zeichen inkl. Leerzeichen) exklusive Dokumentationen u.ä.“ für Diplomarbeiten die Rede (Dekanat der geisteswissenschaftlichen Fakultät, Karl-Franzens-Universität Graz 2002, S. 1).

Für die weitere Zusammenarbeit mit Ihrer wissenschaftlichen Betreuungsperson können Ihnen prinzipiell das Masterseminar, die Sprechstunden und E-Mail oder Telefon zur Verfügung stehen – vereinbaren Sie mit Ihrer Betreuungsperson das bevorzugte Medium. Dabei ist es günstig, wichtige Pläne und Schritte mit der Betreuungsperson abzusprechen, ohne jedoch wegen Kleinigkeiten Kontakt aufzunehmen.

Außerdem können Sie folgende Beiträge zur Professionalisierung dieser Arbeitsbeziehung leisten: Gehen Sie gut vorbereitet und mit klaren Fragen ins Seminar oder in die Sprechstunde. Auf konkrete Vorschläge oder Fragen können Sie viel gezieltere Antworten erwarten, als wenn Sie Ihre allgemeine Unsicherheit zum Ausdruck bringen. Um die Kontinuität im gemeinsamen Arbeitsprozess zu unterstützen, können Sie Ihrer Betreuungsperson nach wichtigen Gesprächen per E-Mail ein Kurzprotokoll schicken. Darin fassen Sie die Hauptergebnisse Ihres Gesprächs zusammen und ersuchen um Bestätigung des Inhalts. Diese Form der Dokumentation entspricht einer üblichen Vorgangsweise in der Projektkooperation.

Die Wahl eines (Arbeits-)Titels

Die schriftliche Themen-Bekanntgabe an der Universität wird in der Regel vor Beginn der Bearbeitung verlangt und erfordert die Angabe eines Titels. Dieser soll überschaubar sein, Interesse wecken und die Arbeit im Kern beschreiben. Beachten Sie, dass der Titel quasi die kürzeste Version Ihrer Arbeit darstellt, und dass wichtige Begriffe daraus als Grundlage für Katalogisierungen herangezogen werden können. Wichtig ist also, dass aus der Titelformulierung der Inhalt schlüssig hervorgeht und der Titel zugleich Interesse im Berufsumfeld auslöst. Dafür kann ein prägnanter und interessanter Titel mit einem spezifizierenden Untertitel gewählt werden.

InteressentInnen und AuftraggeberInnen

Einige Anmerkungen verdienen abschließend Themeninteressen, die von außen an Sie herangetragen werden. Solche können Sie entweder aus Ihrer Rolle als PraktikantIn oder ArbeitnehmerIn mitbringen oder über Institute oder Forschungstransferstellen erhalten. Das Interesse von außen ermöglicht Ihnen die Arbeit an einer Fragestellung mit praktischer Relevanz. Darüber hinaus besteht die Chance, in das entsprechende Berufsfeld hineinzuschnuppern oder einzusteigen; mitunter sind auch Aufwandsentschädigungen möglich.

Andererseits haben InteressentInnen manchmal Wünsche bezüglich des Ergebnisses – und zwar nicht nur legitime Wünsche (die Qualität und Zeitplan betreffen), sondern auch Wünsche in Bezug auf inhaltliche Aussagen. Hier ist eine klare Argumentation für ein objektives Herangehen gefragt. Bei bezahlten Auftragsarbeiten ist eine schriftliche Arbeitsvereinbarung unverzichtbar. Außerdem ist es sehr empfehlenswert, die wissenschaftliche Betreuungsperson von Anfang an einzubinden.

Gerade im Kontakt mit InteressentInnen werden Sie einen Prozess besonders bewusst durchmachen, der Bestandteil jeder gelingenden Masterarbeit ist, und zwar den Prozess der eigenen Professionalisierung. Mit zunehmender Kenntnis der Fachliteratur und des Forschungsgegenstandes, mit zunehmender Sicherheit bezüglich der Erhebungsmethoden, mit wachsenden Fachkontakten und dem Fortschritt Ihrer Arbeit insgesamt werden Sie zur Expertin bzw. zum Experten für Ihr Thema, und diesen Umstand sollten Sie überzeugend kommunizieren. Eco (1991, S. 230) schreibt dazu: „Seid bescheiden und klug, bevor ihr den Mund aufmacht, habt ihr ihn aber einmal geöffnet, so seid stolz und hochmütig. Eine Arbeit über das Thema X zu schreiben bedeutet den Anspruch, dass bis dahin niemand so umfassend und so klar über diesen Gegenstand geschrieben hat“.

Literatur

Bänsch, A. (1999): Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten. 7. Auflage. München: Oldenburg.

Berning, E./Schindler, B. (1993): Diplomarbeit und Studium. Aufwand und Ertrag von Diplom- und Magisterarbeiten an Universitäten in Bayern. München: Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung.

Dekanat der geisteswissenschaftlichen Fakultät, Karl-Franzens-Universität Graz (2002): Empfehlung des Fakultätskollegiums betreffend die Vorgangsweise bezüglich der Diplomarbeiten an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der KFUG. Graz: unveröffentlichter Protokoll-Auszug.

Eco, U. (1977/1991): Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. 4. Auflage. Heidelberg: Müller.

Fragnière, J.-P. (1993). Wie schreibt man eine Diplomarbeit? Planung, Niederschrift, Präsentation von Abschluss-, Diplom- und Doktorarbeiten, von Berichten und Vorträgen. 3. Auflage. Bern: Haupt.

Karmasin, M./Ribing, R. (2007): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Wien: Facultas WUV.

Kornmeier, M. (2010): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht: für Bachelor, Master und Dissertation. Bern: Haupt.

Kruse, O. (1998): Opus magnum: Die Examensarbeit. In: Kruse, O. (Hrsg.): Handbuch Studieren. Von der Einschreibung bis zum Examen. Frankfurt a.M.: Campus, S. 370–386.

Kruse, O. (2002): Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 9. Auflage. Frankfurt a. M.: Campus.

Leitner, E. (2000): Die Betreuung von Diplomarbeiten. Hochschulpädagogische Ziele und methodische Schritte des Betreuungsprozesses. In: Handbuch Hochschullehre 27, G 1.1, S. 1–12.

Leopold-Wildburger, U./Schütze, J. (2010): Verfassen und Vortragen. Wissenschaftliche Arbeiten und Vorträge leicht gemacht. 2. Auflage. Berlin: Springer.

Monsour, M./Corman, S. (1991): Social and Task Functions of the Dissertation Partner: One Way of Avoiding Terminal ABD Status. In: Communication Education 40, S. 180–186.

Ogden, E. H. (1993): Completing Your Doctoral Dissertation or Master’s Thesis in two semesters or less. 2. Auflage. Lancaster/Pennsylvania: Technomic.

Rienecker, L. (1999): Research Questions and Academic Argumentation: Teaching Students How to Do It. In: Kruse, O./Jakobs, E.-M./Ruhmann, G. (Hrsg.): Schlüsselkompetenz Schreiben. Konzepte, Methoden, Projekte für Schreibberatung und Schreibdidaktik an der Hochschule. Neuwied: Luchterhand, S. 95–108.

Roloff, S. (1999): Gut betreut ist halb bestanden. Betreuung von Diplomarbeiten an Fachhochschulen. In: Handbuch Hochschullehre 22, E 3.1; S. 1–24.

Ruhmann, G. (1997): Schreibproblemen auf der Spur. Betreuung und Beratung von Studierenden bei Schreibblockaden. In: Handbuch Hochschullehre 14, E 2.5, S. 1–26.

Rückriem, G./Stary, J./Franck, N. (1997): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. 10. Auflage. Paderborn: Schöningh.

Samac, K./Prenner, M./Schwetz, H. (2009): Die Bachelorarbeit an Universität und Fachhochschule: Ein Lehr- und Lernbuch zur Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Wien: Facultas WUV.

Werder, L. v. (2000): Kreatives Schreiben von Diplom- und Doktorarbeiten. 3. Auflage. Milow: Schibri.

Wolfsberger, Judith (2007): Frei geschrieben. Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Wien: Böhlau.

Wottawa, H. (1997): Projektmanagement und das „Projekt Diplomarbeit“. In: Engel, S./Woitzik, A. (Hrsg.): Die Diplomarbeit. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 37–52.

Empfohlene weiterführende Literatur

Esselborn-Krumbiegel, H. (2002): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Schöningh.

Kruse, O. (2002): Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 9. Auflage. Frankfurt a. M.: Campus.

 

1.2 Der Umgang mit Fachliteratur – Vom forschenden Lesen zur wissenschaftlichen Textproduktion

Andrea Felbinger und Regina Mikula

Eine zentrale Anforderung wissenschaftlichen Arbeitens liegt darin, Ansätze der Fachliteratur in ausreichender Tiefe und Breite in der eigenen Forschungsarbeit zu berücksichtigen. Neben diesem Grundsatz des wissenschaftlichen Arbeitens schafft dies auch einen Erkenntnisgewinn und führt in der Folge zu einer Erweiterung der Fähigkeiten in der Produktion eigener wissenschaftlicher Texte. Mit anderen Worten: Lesen ist ein essenzieller und unerlässlicher Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens und hat somit auch eine bedeutende Funktion beim Verfassen eigener Texte. Lesen ist ein produktiver Akt, eine geistige Tätigkeit, durch die man das vorhandene Wissen eines Faches selbst erschließen kann und mit dem man sich an einer Art „kollektiver Wissenskonstruktion“ (Kruse 2010, S. 9) beteiligt. So gesehen ist Lesen auch „ein direkter Weg zur Begegnung mit der Kultur eines Faches“ (Kruse 2010, S. 13).