Gesamtherstellung:

NOREA DRUCK & VERLAG

9020 Klagenfurt • AUSTRIA

Illustrationen:

Philippa Hell-Höflinger

Lektorat:

Josef G. Pichler

Alle Rechte beim NOREA Verlag, A-9020 Klagenfurt

© 2012 NOREA Verlag, Klagenfurt

ISBN 978-3-85312-101-6

eBook-Herstellung und Auslieferung:
HEROLD Auslieferung Service GmbH

Michael Hans Schmitz

Brandenburger Steg
und andere Stolperpfade

Alle Jahre wieder

Satire

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Inhaltsverzeichnis

Herzplatz

Lebensmitte

Auch mit zehn wär’ man gern zwanzig.

Wird man dies nach Jahren dann,

glaubt ein jeder, dass es bliebe –

wie die erste große Liebe

und der immergrüne Tann.

Alle Sinne scharf geschliffen,

nichts vom Körper scheint verbraucht.

Jeden Ruhm kann man erwerben,

was man will, schlägt man in Scherben,

und am Ende sich dann auch.

Es fehlt immer an Erfahrung,

dennoch nie an gutem Rat.

Lebenssäfte muss man kosten,

bis der Jugend Schwerter rosten

und man Baum wird aus der Saat.

Reifer will man gar nicht werden,

aber reif wird man dann doch.

Jeder Baum trägt seine Kerben.

Lebensklugheit kittet Scherben.

Und das Herz liebt immer noch.

Zeitlos

Lass die Sterne nicht verlöschen,

die in unseren Herzen steh’n,

lass die Augen unsrer Liebe

nur das Schöne um uns sehn.

Mit Gedanken zueinander

bleibt die Seele voller Wärme

und es flattern bunte Träume

wie die großen Vogelschwärme.

Lässt das Weitergeh’n der Zeit

keine Jugend ewig gelten,

zieht doch ewig unsre Liebe

unbeirrt durch alle Welten.

Frühling

Ich springe über alle Stühle

und steig dir in die Bluse rein,

ich hab’ die Frühlingslustgefühle

und trinke dich wie süßen Wein.

Schon kreiselt alles voll im Rausch,

die Vögel schmettern Melodien,

ich fasse dich am weichen Bausch,

um uns ins Glück zu zieh’n.

Du steckst mir meine Kerze an

in deiner Tiefe lichterloh.

Die Fahrt ins Wunderland fängt an

und endet nirgendwo.

Traumfrau

Bist du nicht an meiner Seite,

bleibt die Welt ja trotzdem rund.

Aber was ist diese Welt

ohne deinen Mund?

Was sind Worte, die ich sage,

wenn du sie nicht hörst?

Was sind Schwüre, die wir denken,

wenn sie keiner schwört?

Sind wir auch auf einem Stern,

bleiben wir doch zwei.

Jeder weiß: Was nie begann,

geht auch nie vorbei.

Was du denkst, ist nicht das Leben,

was du fühlst, ist nicht das Glück.

Ewig sehnt sich deine Seele

vorwärts und zurück.

Und du?

Zweifel stand in ihren Augen,

die mich prüfend angeschaut.

Deutlich war für mich zu spüren,

dass ihr Herz mir nicht vertraut.

Als ich sie zur Rede stellte,

hat sie schüchtern mich geküsst,

und dann leise nur gefragt:

Weiß ich, was du für einer bist?

Sternenzähler

Ich zähl’ mit dir die Sterne,

egal, ob du schläfst.

Ich halte deine Hand,

egal, wo du bist.

Ich glaube an dich,

egal, was du tust.

Ich bin ein glücklicher Narr

und pfeife auf alle,

die die Liebe versäumen.

Rendezvous mit Rita

Zum Rendezvous bestellt,

denk ich mir prompt,

die kommt.

Als dann die Zeit erreicht,

denk ich mir prompt:

Sie kommt – vielleicht.

Flüchtig

Die Frau im Arm

als schöne Blüte

hast du so fest

wie den Wind

in der Tüte.

Schatz

Ich kenne kein größeres Durcheinander

als dich,

keine unregelmäßigeren Öffnungszeiten,

kein überraschenderes Angebot,

keine härtere Währung.

Kopfstand

Liebe ist ein kontinuierliches Durcheinander

mit einem klaren Ziel

und die schnellste Form der Fortbewegung

mit den Beinen nach oben.

Single möbliert

Pssst! Zum Teufel mit dem Bett,

das so knarrt beim Rauf und Runter,

und zum Teufel mit der Wirtin,

die auf Anhieb sofort munter.

Ach, wie herrlich dieses Rauf –

pssst, Runter!

Edel oder rein

Will man ins Hirn

und flüstert deshalb Latein,

oder will man ins Herz,

oder wo will man rein?

Alles du

Du bist mal oben und mal unten,

mal ganz dezent, mal burschikos,

und wenn man denkt, dass man dich hat,

scheint man dich auch schon wieder los.

Du bist begierig und enthaltsam,

du bist entflammt und unterkühlt,

teils ruhig und teils aufgewühlt.

Mal aufrecht und mal leicht gebückt,

oft ganz normal, doch auch verrückt,

ausweichend oder zu mir drängend,

abkoppelnd oder an mir hängend,

ein Typ der Tat in Lust und Schwof

und gleich danach ein Philosoph.

Irrwisch

Soll ich dir folgen, liebes Kind?

Am besten, ich bleib’ einfach steh’n,

denn bei den Kreisen, die du läufst,

werd’ ich dich schneller wiederseh’n.

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Herzplatz

Du nimmst

nach mir

in mir

den meisten

Platz weg.

Zu spät