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INHALTSVERZEICHNIS

UNGARN UND DIE NACHBARN

– Professor Alois Wiesler –

EINIGE BEMERKUNGEN ZUR AUSSPRACHE IM UNGARISCHEN

Zum Unterschied zu manchen anderen Sprachen – wie z. B. Englisch oder Französisch – ist die Schreibung im Ungarischen sehr lauttreu. Das heißt es wird wirklich so gesprochen wie geschrieben.

Es ist also verhältnismäßig einfach, Ungarisch zu lesen – auch wenn man es nicht versteht.

WICHTIG ist zu wissen, wie die einzelnen Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen ausgesprochen werden. Es gibt auch einige dem Ungarischen ganz typische Laute, die man als Ausländer fast kaum ganz richtig trifft. Aber – das macht nichts – Sie haben halt einen Akzent im Ungarischen. Es gibt genug Ungarn, die einen Akzent im Deutschen haben – wir finden diesen Akzent mitunter sogar charmant, insbesondere wenn Marika Rökk ihn gesprochen hat.

V O K A L E :

Im Ungarischen gibt es nur kurze und lange Vokale. Im Vergleich zu den deutschen Vokalen sind die kurzen Vokale halblang.

Die Laute, die im Deutschen und im Ungarischen gleich oder sehr ähnlich sind und in beiden Sprachen gleich geschrieben werden, sind hier nicht erwähnt.

á langes reines a wie in „Tat”, „Rat“
a ein eigenartiger, typischer ungarischer Laut, an dessen Aussprache man den Fremden gleich erkennt. Eigentlich klingt es fast ähnlich wie ein o etwas offenausgesprochen, wie etwa in „Koffer”, „noch”
é geschlossenes langes e wie in „Tee”, „Leben”
e kurzes offenes ä, etwas offener als in „nämlich”, „ähnlich” – mehr zum a hin
í geschlossenes langes i wie in „sie” oder „wie
ó geschlossenes langes o wie in „Tor” oder „Moor”
ő geschlossenes langes ö wie in „Flöte” oder „Möbel”
ű geschlossenes langes ü wie in „müde” oder „Süden”
y erscheint als Selbstlaut nur sehr selten und wird dann wie ein i ausgesprochen. Bei Verbindungen ly, ny bzw. ty ist es kaum zu hören.

KONSONANTEN:

Die folgenden Konsonaten sind im Ungarischen und im Deutschen gleich: b, d, f, g, h, j, k, l, m, n, p, r, t.

c wie das deutsche z in „Zweig”, „Zug”
cs t und sch eng verschmolzen wie in „Tschechisch” oder „Kutsche”
gy ganz typischer, charakteristischer ungarischer Laut. Doppelzeichen für einen einzigen Laut der zwischen dj und dsch (stimmhaft) liegt. Bei magyar ist es eher dj, bei hegy ist es eher ein weiches dsch – magyar sprich madjar – hegy sprich hedsch (sehr weich und stimmhaft).
Am besten Sie bleiben bei dj.
ly wird als j ausgesprochen wie in „Juli” oder „jung”
ny wird als nj ausgesprochen, so wie in „Kognak”
s wie das deutsche sch (stimmlos), so wie in „Schule” oder „schön”
sz wie das deutsche s (stimmlos), so wie in „Sonne”, „List”, „Wasser”, „Hass
ty wird wie ti ausgesprochen, etwas verwischt, so wie im französischen Wort „métier”
v wie ein deutsches w, so wie „Wasser” oder „wie”
z ein stimmhaftes s, es wird ein s gesprochen und dazu gesummt, so wie die Bienen sssssummen
zs ist ein stimmhaftes sch wie in „Genie”, „Journal”, oder im Englischen „John”, „June”

Anmerkungen:

1.  Im Ungarischen liegt die Betonung (Akzent) immer auf der ersten Silbe des Wortes.

2.  Die stimmhaften Konsonanten (b, d, g) sind genau von den stimmlosen (p, t, k) zu unterscheiden. Sonst kann es zu lächerlichen Missverständnissen kommen. Z.B.: „por” (Staub) – „bor” (Wein).

3.  Das Nichtbeachten der Vokallänge im Ungarischen macht ein Wort unverständlich, und führt ebenfalls zu Zweideutigkeiten. Z.B.: „örült” (er freute sich) – „őrült” (närrisch) oder „kor” (Alter) – kór (Krankheit).

Lange Konsonanten werden doppelt geschrieben und länger als deutsche Doppelkonsonanten ausgesprochen. Bei der Verdoppelung von Konsonanten, die aus zwei Buchstaben bestehen (cs, gy, ly, sz, ty, zs) wird nur der erste Buchstabe doppelt geschrieben. Gesprochen wird aber ein langer einheitlicher Laut, z.B. asszony (Frau) wie ein Lasso.

Ungarisch ist leichter als viele glauben

Der Ursprung der ungarischen Sprache liegt hinter dem Uralgebirge, dort wo das heutige Baschkirien liegt. Etwa vor 1200 Jahren sind die Magyaren westwärts gezogen und in Europa eingedrungen. Nach der Schlacht am Lechfeld bei Augsburg (955), die für die Magyaren sehr ungünstig ausging, ließen sie sich in der ehemaligen römischen Provinz Pannonien nieder.

In einem schmerzhaften Prozess mussten sich die in nomadischer Gesellschaft lebenden, heißblütigen Ungarn den Völkern des christlichen Europas anpassen. Am 26. Dezember 1001 wurde der erste ungarische König Stephan (später, der Heilige) gekrönt.