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Scott Gier

Im Angesicht des
Untergangs

 

Die Genellan-Chroniken 6

 

Roman

 

Übersetzt von Marcel Bieger

 

 

Blanvalet

Inhaltsverzeichnis

Buch und Autor
Copyright
Teil Eins - Die Schlacht beginnt
1 Planet Erde
2 Rückkehr nach Pitcairn
3 Im Orbit um Pitcairn zwei
4 Schiffe in der Nacht
5 Ausgesetzt
6 Rückkehr in den Hyperraum
7 Verfolgung
8 Angriff
9 Konfusion
10 Mobilisierung
11 Nacht des Schreckens
Teil Zwei - Schlacht um Genellan
12 Invasion
13 Sergeant Gordon
14 Der Raumhafen von New Edmonton
15 Verloren und gefunden
16 Die Aliens landen
17 Der große Strom
18 Rette sich, wer kann
19 Manöver zur Schlacht
20 Mitten ins Getümmel
21 Verzweifelte Maßnahmen
22 Sturz auf Genellan
23 Zermürbungsschlacht
24 Das Blatt wendet sich
25 Danach
Epilog - Rettung

 

 

 

 

 

 

Epilog

Rettung

Kleine kam nach Hause. Pake half dem Mädchen auf ihr Lager und deckte sie mit Fellen zu. Ihrer Tochter stand nun ein Tag der Ruhe zu, dann musste sie den Kindern der arbeitenden Frauen die Brust geben.

»Ich habe ihn nicht einmal zu Gesicht bekommen, Mama.«

»Ja, ich weiß.« Pake umarmte ihre Tochter. Doch Kleines Tränen rannen nicht lange. Dafür musste sie zu viel los werden.

»Er hat so laut geschrien.«

»Ein gutes Zeichen. Er muss ein gesundes Baby sein.«

Die Tür klapperte leise im Wind.

»Ja«, lächelte die junge Mutter. »Und er ist stark. Ich habe ihm den Namen Yung Gum gegeben, der Tapfere.«

»Ein guter Name«, lobte Pake und schaukelte die Tochter, die ihr erstes Enkelkind zur Welt gebracht hatte.

Kleine fielen die Augen zu, und die Mutter löste sich von ihr. Sie befahl ihren anderen Töchtern, sich um ihre Schwester zu kümmern, und begab sich nach draußen.

Der Wind, der vom Talgrund kam, trug die Gerüche der Schmelze heran. Niemand war zu sehen. Die anderen Frauen arbeiteten wohl alle in den Minen.

Pake zog ihre Lumpen zusammen und trottete mit dem Wind im Rücken den Hügel hinauf. Die Wachmänner würden wütend sein, weil sie zu spät kam. Wahrscheinlich würde sie Schläge bekommen. Nicht zu fest, aber ausreichend, um ihr Schmerz zu bereiten.

Der Tag war kalt und dunkel. Sie freute sich schon halb darauf, ins Bergwerk zu gelangen. Unter Tage war es wärmer, und dort wehte auch kein Wind.

Der Weg wurde steiler, und zu ihrer Linken ging es jäh in die Tiefe. Der vom Wind aufgewühlte Staub in der Luft verhinderte, dass sie den Grund oder die Spitze der Höhe sehen konnte.

Vor ihr bewegte sich etwas.

Pake blieb stehen und fragte sich, ob ihre Augen ihr einen Streich gespielt hatten. Warum sollte sich jemand hier draußen aufhalten?

Und dennoch …

Sie schritt vorsichtiger aus. Möglicherweise hatte ein Wachmann sich auf die Suche nach ihr gemacht und würde natürlich erst recht wütend auf sie sein.

Als sie um eine Biegung kam, sah sie dahinter niemanden. Pake atmete erleichtert aus und lief schneller.

Hinter der nächsten Biegung wartete ein Riese auf sie.

Die Frau glaubte zuerst, dass ihr doch ein Wachmann entgegengekommen sei. Doch irgendetwas schien an ihm nicht zu stimmen. Vor allem seine Größe. Einen so hünenhaften Wachmann hatte sie noch nie gesehen.

Als der Fremde die Arme ausstreckte, wandte sie sich zur Flucht.

Doch sie kam nicht weit. Zwei geflügelte Kreaturen senkten sich vor ihr auf den Weg. Grässlich anzuschauende Fledermaus-Monster.

Die Ungeheuer zischten sie an, und Pake blieb fast das Herz stehen. Sie wollte schreien, aber eine große Hand legte sich auf ihren Mund. Dann wurde sie hochgerissen.

Der Riese setzte sich mit ihr in Bewegung. Er lief sehr schnell, als spüre er ihr Gewicht überhaupt nicht. Hinter der Kuppe verbreiterte sich der Weg, und drei weitere Wesen tauchten auf, die kleiner waren als er, aber die gleiche Uniform trugen.

Sie verständigten sich mit Handzeichen und winkten den Hünen heran. Alle trugen gefährlich aussehende Waffen.

Der Riese lief nicht in Richtung Minen, sondern entfernte sich immer weiter von ihnen. Die Ungeheuer begleiteten ihn in der Luft.

Es ging bergauf und bergab, bis die Schritte des Hünen langsamer wurden. Er trug sie in eine Senke, über die der Wind hinwegfegte, und dort weiter in eine Höhle.

Durch einen schmalen Gang gelangten sie in eine Felskammer. Eines der Flugwesen folgte ihnen mit angelegten Schwingen zu Fuß. Der Riese ließ sich nieder, lehnte sich an eine Felswand und hielt Pake wie ein Kind im Schoß.

Obwohl die Kreatur zischte und tschirpte, empfand die Frau keine Angst. Der Griff des Riesen war sanft, und in seinen Armen wurde ihr warm.

Er schien ungeheuer stark zu sein. Wenn er ihr ein Leid hätte zufügen wollen, hätte er das schon längst getan.

Das geflügelte Wesen starrte sie an.

Nun erreichten auch die drei anderen die Felskammer. Sie nahmen ihre Helme ab und redeten in einer fremden Sprache leise miteinander. Pake verstand kein Wort, aber die Sprache gefiel ihr.

Der Riese antwortete ihnen.

Die Frau wagte es, sich umzusehen. Oberlippe und Kinn des Riesen waren von dichtem Haarwuchs bedeckt, aber er hatte die sanftesten braunen Augen, in die sie je geblickt hatte.

Einer der drei sah sie jetzt an und sprach etwas in einer neuen Sprache zu ihr.

Zuerst verstand Pake davon genauso wenig wie vorher. Doch nachdem er seine Worte mehrmals wiederholt hatte, dämmerte ihr, dass er sich eines Dialekts ihrer eigenen Sprache bediente. Sie wiederholte den Satz in Gedanken Silbe für Silbe, betonte sie anders und setzte sie neu zusammen.

Wir sind Freunde.

Noch etwas störte sie an der Aussprache. Sie war viel zu dunkel, bis sie auf des Rätsels Lösung kam.

Ein Mann hatte gesprochen, keine Frau.

»Freund?«, wiederholte Pake.

»Freund«, bestätigte er jetzt in ihrer Sprache.

»Du bist keine Frau?«

»Ja.«

»Also ein Mann?«

»Wir bringen dich von hier fort«, erklärte er.

Pake konnte es nicht fassen. Vor ihr stand ein Mann ihrer Rasse.

Nur mit Mühe gelang es ihr, den Sinn seiner Worte zu begreifen. Er wollte sie von hier fortbringen? Selbst in ihren kühnsten Träumen hätte Pake nie an Flucht gedacht. Wohin hätte sie sich auch wenden sollen?

»Du kommst mit uns«, erklärte der Riese.

Sie starrte ihn erschrocken an. »Das geht nicht. Ich muss zurück. Zu meinen Kindern.«

»Nein, das musst du nicht mehr.«

1 Planet Erde

Während der langen Monate seiner Jungfern-Weltraumfahrt fürchtete Tar Fell die unangenehmen Effekte, die beim Eintritt in das Hyperlicht auftraten. Captain Ito versicherte ihm wiederholt, dass die Konen sich schon noch an die Übelkeit und die anderen körperlichen Beschwerden gewöhnen würden. Aber der Armada-Führer ließ sich davon nicht überzeugen und sah mit immer gemischteren Gefühlen dem Austritt aus dem Hyperraum entgegen.

Der Ausstieg im Sol-System erwies sich denn auch als noch unerquicklicher als der Sprung in das Hyperlicht. Die Vibrationen drohten dem Armada-Meister endgültig den Magen umzudrehen, und er bekam so heftige Schwindelgefühle, dass er schon befürchtete, Geist und Körper hätten sich voneinander gelöst.

Erst nach einer Ewigkeit ließ diese Folter nach, und Tar Fell wagte es, die Augen wieder zu öffnen. Doch noch immer hatte er Mühe, sich auf seine Umgebung und die Realität einzustellen.

Der besorgte menschliche Verbindungsoffizier beobachtete ihn von der technischen Brücke aus. Der Armada-Führer brachte ein mattes Lächeln zustande. Ito wandte sich erleichtert wieder seinen Instrumenten zu.

»Alle Systeme im grünen Bereich«, ächzte General Magoon und brach damit als erster Kone das Schweigen. »Alle Einheiten befinden sich in der Netz-Matrix.«

»Gut«, brachte Tar Fell hervor. Seine Übelkeit verging nur quälend langsam.

Sie hatten es geschafft. Zum ersten Mal waren Konen in den Hyperraum hinein- und wieder hinausgesprungen. Endlich reisten auch die Bärenwesen zu den Sternen.

Immer mehr Stationen meldeten sich, und die Stimmen der Funker schwollen zu einem hysterisch-begeisterten Geschnatter an.

Der Armada-Meister schüttelte die letzten lästigen Nachwirkungen des Austritts ab, und seine Freudendrüsen entluden sich ohne Unterlass. Die Filter in seinem Raumanzug mussten Schwerarbeit leisten.

Sie hatten es geschafft.

Überall auf der Brücke starrten die Raumfahrer auf die Vid-Schirme und die Navigations-Monitore. Tar Fell konnte nicht anders, als sich jetzt auf den Weg zum Oberservationsschirm zu machen, um mit eigenen Augen die Wunder eines fremden Sternensystems zu schauen.

Dort befand sich bereits Botschafterin Kateos. Ihre Brauen waren steil aufgerichtet.

»Wunderbar, nicht wahr?«, bemerkte sie leise.

»So wie alle Zielpunkte, wenn man eine lange und beschwerliche Reise hinter sich hat«, bemerkte der Armada-Führer grimmig, doch lange konnte er seine Begeisterung nicht verborgen halten.

Ein halbmondförmiges Gebilde strahlte wie die hellsten Edelsteine. Die Erde, die Heimatwelt der Menschen, bot einen höchst farbigen Kontrast zur endlosen Schwärze des Weltalls. Kein Wunder, dass die Terraner so viel Aufhebens um Genellan machten. Man hätte die Erde für die Zwillingswelt dieses Planeten halten können.

»Sternenkonstellationen, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben«, bemerkte die Botschafterin ergriffen.

»Wie geht es Ihnen?«, fragte der Captain, der gerade zu den beiden schwebte.

Tar Fell riss den Blick von dem Juwel des Weltraums.

»Ich … ich finde einfach keine Worte, meine Gefühle zu beschreiben«, antwortete Kateos an seiner statt.

»Wie lange wird es dauern, bis wir dort unten landen können?«, fragte der Armada-Meister.

»Admiral Chou hat bereits Kontakt zur Legions-Versammlung aufgenommen«, antwortete Ito. »Ein Orbitallander wird gerade für Sie –«

»Wir benutzen unsere eigenen Schiffe, Captain«, unterbrach die Botschafterin ihn mit stolzgeschwellter Brust. »Armada-Meister Tar Fell, würden Sie mir eine Transportmöglichkeit zur Erde zur Verfügung stellen?«

»Ihr Wunsch ist mir Befehl, Botschafterin«, entgegnete der Armada-Führer und verbeugte sich formell vor der Konin.

»Captain«, wandte Kateos sich an Ito. »Ich möchte vor allen Menschen der Erde eine Ansprache halten. Verstehen Sie, vor allen. Könnten Sie das wohl für mich in die Wege leiten?«

»Ich werde die zuständigen Stellen sofort davon in Kenntnis setzen«, entgegnete der menschliche Verbindungsoffizier. Doch bevor er losschwebte, um den Auftrag auszuführen, hielt er noch einen Moment inne: »Botschafterin, gewähren Sie mir das Privileg, Sie bei Ihrem Flug zur Erde begleiten zu dürfen?«

»Ich bedaure, Captain, aber das ist leider ganz ausgeschlossen«, erklärte Kateos.

Ito starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an. Der beherrschte Mann ließ sich sonst nie etwas von seinen Gefühlsregungen anmerken.

»Natürlich, dann erledige ich jetzt alles«, sagte der Captain, verbeugte sich, stieß sich ab und entschwand.

»Jetzt überraschen Sie mich aber wirklich«, meinte Tar Fell, als der menschliche Verbindungsoffizier außer Hörweite war. »Der Captain ist uns immer eine verläßliche Hilfe gewesen und hat sich unseres Vertrauens als würdig erwiesen.«

»Ich würde dem Mann mein Leben anvertrauen«, entgegnete Kateos. »Aber ich bin die Botschafterin auf dem Planeten Erde. Der gesamten Welt, und nicht bei einer ihrer Regierungen.«

»Verstehe«, sagte Tar Fell. »Ich glaube, hier Bürgerin Sharls Handschrift erkennen zu können.«

»Um ganz ehrlich zu sein«, lächelte sie, »Bürger Hudson hat mich darauf gebracht.«

 

Der Tag, an dem die Konen landen würden, war schon im Voraus von allen Erdregierungen zum internationalen Festtag erklärt worden. Schließlich würde die Menschheit zum ersten Mal Wesen aus einem fremden Sonnensystem zu Gast haben. Bürger des Planeten Kon, die Wesen aus den genellanischen Sagen, die Titanen des Weltraums, würden ihren Fuß auf die Erde setzen.

Als die Flotte dann im Sol-System aus dem Hyperraum sprang, verbreitete sich die Nachricht davon über den ganzen Globus, und das auch noch schneller als ein Gerücht.

Gewalttätige Ausschreitungen und Massendemonstrationen verwandelten sich mit einem Mal in Zusammenkünfte von Neugierigen und Erwartungsfrohen, die sich um die öffentlichen Vid-Schirme versammelten oder vor den Kurzwellenempfängern hockten.

In dieser Zeit kam es zu keinerlei Verbrechen, die Bürgerkriege legten eine Pause ein, und kriegführende Soldaten ließen ihre Waffen und Offiziere im Stich.

Wo immer Menschen sich nicht gerade in Not befanden oder vor einer Naturkatastrophe fliehen mussten, saßen sie in ihren Häusern oder standen vor den Leinwänden – um zu lauschen, zu beten und zu hoffen.

Milliarden verfolgten die Landung via Monitor oder altmodischem Fernsehgerät.

Drei schwarze Zylinder aus dem All senkten sich auf rotorangefarbenen Flammenschwertern herab und landeten majestätisch in den smogverhangenen kanadischen Rocky Mountains. Sie gingen in einer entlegenen Ecke des militärischen Sperrgebiets im Bundesstaat Alberta nieder, wo die Legion für ihre Sicherheit garantierte.

Man hatte sich lange und gründlich auf diesen Moment vorbereitet. Die konische Exklave wies die besonderen Umweltbedingungen auf, die diese Wesen von ihrer Heimatwelt her gewöhnt waren.

Nachdem die Bärenwesen dort angelangt waren, verscheuchten sie alle Menschen von ihrem exterritorialen Gebiet und wiesen alle Kommunikationsversuche zurück, ganz gleich, auf welche Weise sie erfolgten.

Danach machten sich konische Arbeitstrupps gleich daran, die Einrichtungen für den längeren Verbleib der Delegation herzurichten. Außerdem patrouillierten konische Wachmannschaften an den Grenzen des zweihundert Quadratkilometer großen Geländes.

Kein Terraner durfte das Gebiet betreten, und zwei Divisionen Fallschirmjäger der Tellurianischen Legion hinderten auf der anderen Seite der Umzäunung allzu Neugierige oder Unverfrorene daran, sich dem Hoheitsgebiet der Konen zu nähern.

Allen Staaten war untersagt worden, auf eigene Faust Kontakt zu den Konen zu suchen. Diese Regel galt sogar für Präsident Sokrates Duffy und die Mitglieder der Legions-Versammlung.

So kam es auch, dass Captain Ito den Tag, an dem Botschafterin Kateos ihre Botschaft an die Erde richtete, in den reichverzierten und geschmückten Räumlichkeiten der Legions-Versammlung auf einem unbequemen Sessel verbrachte.

Präsident Duffy und die Ratsmitglieder, noch verschnupft darüber, nicht bevorzugt behandelt und gleich zu den Konen vorgelassen worden zu sein, thronten auf den Bänken aus Rosenholz und Mahagoni, dem sichtbaren Symbol ihrer Stellung, und warteten ungeduldig auf den Beginn der Ansprache.

Duffy wirkte heute abwesend und strahlte kaum etwas von seiner üblichen Energie aus. Die ganzen Vorgänge schien er nur am Rande zu verfolgen. Gerüchten zufolge sollte er an einer schweren Krankheit leiden, die seinen Körper auffraß und von den Ärzten nicht geheilt werden konnte. Dabei war der kräftige Politiker noch nicht einmal achtzig Jahre alt.

Ito saß inmitten höherer Flottenoffiziere, darunter Admiral Chou und Vizeadmiral Klein, der Commander der Wissenschafts- und Nachrichtenabteilungen der Flotte.

Auf dem großen Wandschirm erschien das Siegel der konischen Planetaren Verteidigung. Eine Uhr zeigte die Minuten an, die noch vergehen würden, bis die Botschafterin ihre Ansprache halten würde.

Im Moment hatte man die Uhr jedoch angehalten, weil es bei der Satellitenanlage über dem Indischen Ozean zu einer Störung gekommen war.

Um den wartenden Würdenträgern die Zeit zu verkürzen, zeigte der Schirm jetzt die Rote Zone, jene Raumsektoren, in denen am ehesten mit einer Begegnung mit den Ulaggi gerechnet werden musste.

Diese Zone näherte sich als Folge der Verschiebungen unter den gravitronischen Radialen des Universums unaufhaltsam der Erde.

Dr. Jean-Marie Thoreau, der Architekt der Hyperlicht-Technologie der Legion, und Admiral Klein teilten dem Präsidenten den neuesten Stand dieser Entwicklung mit.

Die hell erleuchteten Gebiete auf der Karte stellten den relativen Standort von Terra und Kon dar. Noch bunter hatte man die Kontakte mit den aggressiven Fremden bei Shaula, Oldfather, Scorpio Minor, Hornblower und Pitcairn hervorgehoben.

Admiral Klein in ihrer tadellos sitzenden Uniform fasste den neuesten Stand der Hyperlicht-Technologie zusammen. Captain Ito erinnerte sich daran, dass der schneidige Offizier früher einmal pechschwarzes Haar gehabt hatte, das sie sich mit einem eleganten schneeweißen Band zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Von der Pracht war nichts mehr geblieben. Seit gut einem Jahr war die Befehlshaberin der Flottennachrichtendienste durchgehend ergraut, und dicke Ringe zeigten sich unter ihren Augen. Der Captain vermutete, dass diese Frau unter allen Anwesenden am ehesten verstand, in welcher Lage sich das Sol-System befand.

»Ist ja eine beeindruckende Arbeit. Ich muss diesen Wissenschaftler Dowornobb unbedingt kennenlernen«, murmelte Dr. Thoreau und rieb sich gedankenverloren über das sehr kurz geschnittene graue Haar. »Eine wirklich unerhörte Denkleistung.«

»Haben Sie schon Pläne geschmiedet, selbst nach Genellan zu fliegen, Doktor?«, fragte Admiral Chou.

Thoreau war der terranische Experte für Hyperraumreisen, hatte aber noch nicht einmal einen Fuß auf ein Raumschiff gesetzt. Die meisten der Anwesenden kannten dieses kleine Geheimnis und hüstelten jetzt, um ihre Erheiterung über die Frage zu verbergen.

»Eine verlockende Vorstellung«, gab der Doktor zu, ohne sich aufs Glatteis führen zu lassen. »Selbstverständlich würde ich auch gern Commander Buccari wiedersehen, wozu ich dort ja Gelegenheit hätte. Aber nein, es geht leider nicht Wir haben hier noch zu viele Spezifizierungen und Veränderungen an der neuen Avenger-Schlachtschiffklasse vorzunehmen. Gar nicht erst zu reden davon, diese Raumer mit der Neuentwicklung dieses konischen Genies zu bestücken. Ich muss gestehen, dass dessen Erfindung uns nicht nur eine große Hilfe ist, sondern geradezu zu Weiterentwicklungen inspiriert.«

»Egal wie, Doktor, wir müssen schnell arbeiten«, warf der Vizeadmiral ein. »Wir dürfen davon ausgehen, dass Admiral Runacres’ Mission in die Rote Zone eine Entscheidung bringen dürfte, ganz gleich, ob die uns nun gefällt oder nicht.«

»Darf ich das so interpretieren, Vizeadmiral, dass Sie ebenso wie andere hier starke Bedenken gegen Runacres’ Vorhaben hegen, das man nur als Husarenritt bezeichnen kann?«

Der frischgebackene Außenminister Stark erhob sich von seinem Platz am Kabinettstisch. Bis zu diesem Moment hatte er geschwiegen, was man von ihm nicht gewöhnt war. Der Mann mit dem grobgeschnittenen Gesicht dominierte den Saal, und das durchgehend schwarze Haar, die glatten Züge und die aufrechte Haltung täuschten leicht über sein wahres Alter hinweg.

»Ganz im Gegenteil, Herr Minister«, entgegnete der Vizeadmiral.

»Das verwirrt mich aber doch ein wenig«, bemerkte Stark. Ungewöhnlich große Edelsteine steckten in seinen Ohrläppchen und funkelten im Deckenlicht. »Sie haben doch eben angedeutet, dass die Fahrt des Admirals uns so oder so vor Probleme stellen wird.«

»Runacres hat sich eine sehr klare Aufgabe gestellt«, gab Klein bissig zurück. »Ganz im Gegensatz zu der Politik, die in diesem Hause betrieben wird.«

»Sie vergessen sich!«, wurde der Vizeadmiral von einem Ratsmitglied zurechtgewiesen. Es handelte sich um einen schwergewichtigen General in der rotgoldenen Uniform der Heimwehr von Alberta. Die Spannung im Saal war jetzt fast mit Händen zu greifen.

Aus Gründen, die Ito noch nicht verstand, unterstützte die Armee den Außenminister. Dass die Ratsmitglieder hinter Stark standen, konnte hingegen weniger verwundern.

»Runacres geht ein kalkuliertes Risiko ein«, fuhr Klein deutlich ruhiger fort.

»Sie belieben, so etwas ein ›kalkuliertes Risiko‹ zu nennen?«, bemerkte der Außenminister.

»Womöglich erhalten wir nie eine Zweite so günstige Chance, Gefangene zu –«

»Welcher Beweis liegt uns denn eigentlich vor, dass dort wirklich Terraner gefangengenalten werden?«, wandte Stark ein. »Der Admiral will Gefangene retten, die womöglich gar nicht vorhanden sind. Und mit diesem Abenteuer bringt er zwölf Milliarden Menschen in die größte Gefahr!«

»Diese Gefahr für die Erde existiert längst, Herr Minister«, erhob Admiral Chou seine Stimme. »Unsere Schiffsbesatzungen sehen im Dienst dem Tod so oft ins Auge, dass er für sie schon zu einer Art Routine geworden ist. Um die Loyalität dieser Männer und Frauen zu stärken, demonstrieren wir ihnen unseren unumstößlichen Willen, ihnen auch in ausweglosen Situationen zu Hilfe zu eilen, und zwar augenblicklich und ohne zu fragen. Da die Flottenangehörigen das wissen, sind sie auch bereit, ihrerseits ihr Leben zu riskieren.«

»Hehre Worte, Admiral«, entgegnete der Außenminister. »Also gut, gehen wir einmal davon aus, dass diese Gefangenen tatsächlich existieren und auch noch am Leben sind. Laut dem Nachrichtendienst Ihrer Flotte handelt es sich dabei aber um Angehörige der asiatischen AC-Flotte, die vor vielen Jahren bei Shaula aufgerieben wurde. Mit anderen Worten, diese vermuteten Gefangenen sind keine Angehörigen der Legions-Flotte, über deren Kameradschaftsgeist Sie uns ebenso eindrucksvoll berichtet haben.«

»Es sind aber trotzdem Menschen, Herr Außenminister«, erwiderte Chou. »Und das Schicksal der asiatischen Flotte sollten wir stets in mahnendem und ehrendem Angedenken halten. Das gilt für alle Terraner, also auch für Sie, Mr. Stark.«

»Hüten Sie Ihre Zunge!«, schimpfte der General der Heimwehr. Andere Ratsmitglieder protestierten ebenfalls lautstark.

»Genug jetzt!«, gebot der Präsident. Duffys laute Stimme besaß genügend Durchsetzungsvermögen, um Ruhe einkehren zu lassen. »Die Ansprache beginnt gleich.«

Die Uhr tickte wieder und zeigte nur noch eine Minute an. Das Symbol der Planetaren Verteidigung wurde nun durch ein Rednerpult vor einem himmelblauen Hintergrund ersetzt.

Die mächtige Gestalt der konischen Botschafterin trat vor die Übertragungskameras. Ito rutschte unruhig in seinem Sessel hin und her. Er glaubte, die gesamte Schwerkraft der Erde laste auf seinen Schultern, und hinzu gesellte sich eine morbide Depression.

Die Regierung der Tellurianischen Legion, ach was, alle Staatsmänner und -frauen auf der Erde schienen sich in einem Zustand der hoffnungslosen Ineffektivität zu befinden. Die gesamte Menschheit schwebte in der allergrößten Gefahr, und den Politikern fiel nicht mehr ein, als sich ihrem ewigen, endlosen Gezänk hinzugeben.

Dass unter diesen Umständen jemand wie Stark immer weiter aufstieg, war auf eine zynische Weise schon wieder konsequent. Niemand schien einen Gedanken darauf zu verschwenden, welcher Schaden damit angerichtet wurde. Dieser Mann war seit seiner Ernennung zum Außenminister direkt für alle diplomatischen Kontakte der Legion verantwortlich.

Also auch für die mit den Konen.

Dabei verachteten sich beide Seiten zutiefst. König Ollant wollte nichts mehr mit Stark zu tun haben, und selbst die opportunistischsten Regierungschefs der konischen Südlichen Hemisphäre hatten es schließlich aufgegeben, sich noch länger von den großsprecherischen, aber folgenlosen Worten dieses Mannes einwickeln zu lassen.

Stark hatte so viel Macht anhäufen können, weil er sehr reich war. Und er hatte es stets verstanden, denjenigen, die das Sagen hatten, das mitzuteilen, was sie hören wollten. Dass seinen Ankündigungen nur selten Taten folgten, darüber machte man im Volk bereits Witze. Und auch darüber, dass er für alles stets eine passende Entschuldigung parat hatte. Schließlich sei es doch nicht seine Schuld, dass die Erde auseinanderfalle, oder?

Irgendwie war es ihm gelungen, seine Gefolgschaft zu der Überzeugung zu bringen, wenn man ihn unterstütze, würde der Niedergang wesentlich langsamer vonstatten gehen. Und er hatte sich auch die größte Mühe gegeben, seine Parteigänger mit wichtigen Pöstchen zu belohnen und an den richtigen Stellen zu platzieren, umso seine eigene Macht noch mehr zu festigen.

Unter der Hand verglich man Stark schon mit einem räuberischen Insekt, das einen Ameisenhügel unter seine Kontrolle bringen will, bevor die große Flut kommt.

»Bürger der Erde«, begann Kateos, und Ito wurde von ihrer dunklen, klaren Stimme aus seinen trüben Gedanken gerissen, »ich überbringe euch die Grüße des Planeten Kon.«

Die Botschafterin stand selbstbewusst da und strahlte auf ihre ruhige Art Macht aus. Der menschliche Verbindungsoffizier konnte den Blick nicht von ihr wenden.

Kateos’ Ansprache war, für terranische Verhältnisse, verblüffend kurz. Zuerst stellte sie klar, dass es zwischen ihren Regierungen und der Legion keinerlei Abkommen oder Bündnisverträge gebe. Danach lud sie Delegationen von allen Nationen der Erde ein, zur Botschaft der Konen zu kommen. Gleichzeitig entschuldigte sich die Botschafterin dafür, diesen Gesandtschaften die Bürde zuzumuten, sich zu ihr bemühen zu müssen.

Während Ito Kateos lauschte, überkam ihn eine gewichtige Erkenntnis. Diese Konin besaß all die Führungsqualitäten, an denen es den irdischen Staatsmännern und -frauen so sehr mangelte. Die Geschicke Terras lagen in den Händen von gefährlich untätigen und nur mit sich selbst beschäftigten Bürokraten. Da sich die verschiedenen Ministerien und Abteilungen gegenseitig blockierten, hatte niemand mehr das letzte Wort, und so konnte auch niemand für den Niedergang verantwortlich gemacht werden.

Diese Botschafterin aber hatte, wenn auch nur für einen kurzen Moment, das Kommando über die ganze Erde ergriffen. Und anscheinend war zurzeit kein Mensch in der Lage, sich zum Oberhaupt der terranischen Bevölkerung aufzuschwingen.

In Itos Kopf rasten die Gedanken, und er bekam nichts mehr von Kateos’ Worten mit. Vielmehr beschäftigte ihn die Vorstellung vollkommen, dass es doch einen Menschen gab, der die Geschicke der Menschheit, und zwar all ihrer Nationen, lenken konnte.

Buccari!

Sharl könnte die Führerin der Erde werden. Schon längst hatte sie in allen Staaten eine Art Kultstatus erreicht! Selbst die Konen, sowohl die in der nördlichen wie die in der südlichen Hemisphäre, anerkannten bereits Buccaris besondere Fähigkeiten und ihre außergewöhnliche Ausstrahlung.

Der Captain erkannte mit einer Wucht, als sei er unvermittelt von Null-Gravitation in die Schwerkraft gelangt, dass nur Sharl den Menschen noch Hoffnung geben konnte, und das in mancherlei Hinsicht. Sie konnnte der Erde nicht nur neue Hoffnung bieten, sondern auch die Terraner im Kampf gegen die Ulaggi zusammenschweißen.

Eine Energie, die stärker war als jeder Adrenalinstoß, raste durch Itos Adern, und er wurde von einem geradezu religiösen Fieber erfasst. Ja, er, Captain Ito, würde Sharl Buccaris erster Apostel sein!

»Diese Bärin spricht ja besser Legion als ich«, bemerkte der Präsident süffisant.

Die Botschafterin hatte ihre Ansprache gerade beendet. Ein anderer Kone zeigte sich jetzt auf dem Bildschirm und fing an, Zeiten bekannt zu geben, zu denen die irdischen Delegationen in der Botschaft erscheinen durften. Kateos würde in den nächsten Wochen und wohl auch Monaten sehr beschäftigt sein.

»Und auch deutlich lauter!«, rief Stark und erntete damit einige Lacher.

»Mir kamen ihre Worte offen und geradlinig vor«, bemerkte ein nachdenkliches Ratsmitglied.

»Lassen Sie sich durch einen solchen Auftritt nicht täuschen«, mahnte der Außenminister. »Botschafterin Kateos hat sich schon oft als außerordentlich kompetente Verhandlungsführerin erwiesen, versteht sie sich doch ausgezeichnet darauf, jemanden in den Schlaf zu reden, um ihm dann das Kissen unter dem Kopf wegzustehlen.«

Starks skurriles Bild riss den menschlichen Verbindungsoffizier aus seinen eifernden Gedanken. Der Captain sprang auf und wäre dem Mann am liebsten an die Kehle gegangen. Doch er umklammerte mit beiden Händen das hölzerne Geländer vor sich und zwang sich zur Ruhe.

Alle im Saal waren natürlich auf diesen Vorfall aufmerksam geworden und starrten Ito an, darunter auch Stark. In diesem Moment reichte jemand dem Außenminister eine Nachricht. Er überflog sie rasch, und plötzlich breitete sich ein Lächeln auf seinen Zügen aus.

»Captain Ito, unser hoher Gast aus dem fernen Weltraum möchte Sie gern sehen«, erklärte er dem menschlichen Verbindungsoffizier. »Botschafterin Kateos erwartet von Ihnen, dass Sie sich von nun an in ihrer diplomatischen Vertretung aufhalten, und zwar als offizieller Repräsentant der Tellurianischen Legion. Willkommen im Außenministerium, mein Lieber.«

 

Für Kateos verliefen die Tage auf der Erde wie in einem vorbeiwirbelnden Nebel. Sie musste einen Empfang nach dem anderen geben, und immer neue Staatsmänner und -frauen begrüßen. Manche erschienen sogar mehrmals und baten um eine Sonderregelung für ihr betreffendes Land. Einer wie der andere versuchten sie, die Sympathie der Konin zu gewinnen.

Natürlich brachten die Delegierten auch Geschenke mit. Vor allem Schmuck und Kunstwerke. Darunter fanden sich einige Stücke, die in jeder Kultur ihren Wert besessen hätten. Doch sie erhielt auch Gaben von bescheidenster ästhetischer Aussage oder von grandioser Nutzlosigkeit.

Viele Gesandte ließen sich von Kindern ihres Staates begleiten. Die meisten wurden in der typischen Landestracht vorgeführt, aber einige präsentierten der Botschafterin auch verkrüppelte oder verhungernde Jungen und Mädchen.

Damit traf man Kateos natürlich an ihrer empfindlichsten Stelle, aber sie war klug genug, sich nicht von ihrem Instinkt leiten zu lassen. Denn in Wahrheit traute sie keinem einzigen dieser irdischen Staatslenker. Meist bekam sie nur, wie schon von Stark, hohle Botschaften zu hören, oder man ging sie mehr oder minder direkt darum an, ihrem Volk besonders entgegenzukommen.

Allerdings musste die Botschafterin sich eingestehen, dass die Tränen der Kinder echt waren, und das machte sie sehr traurig.

Auf der geschundenen Erde schienen Aufstände und Bürgerkriege kein Ende nehmen zu wollen. Hungersnöte und schlimme Krankheiten hatte man nicht wirklich in den Griff bekommen.

Zum Eintreffen der konischen Gesandtschaft war ein allgemeines Moratorium beschlossen worden. Für die Zeit der Anwesenheit der Botschafterin sollten alle Waffen schweigen. Doch dieses hehre Vorhaben erwies sich viel zu rasch als Illusion.

Die Asiatische Kooperative verkündete als erste Macht, wieder eine interstellare Raumflotte aufbauen zu wollen. Die TGSR beschloss noch am selben Tag die gleiche Maßnahme. Und sofort erklärten beide Staatenbünde einander den Krieg.

Endlich durfte Kateos sich auf ihren letzten offiziellen Empfang freuen. Sie hatte wenigstens einmal die Delegation von jeder anerkannten Erdregierung gesprochen. Und zusätzlich waren Vertreter diverser Exilregierungen vor ihr erschienen.

Diese schier endlose Parade von Gier und Selbstgefälligkeit frustrierte die Konin zutiefst, und sie war mehr als erleichtert, das alles hinter sich zu haben. So gut wie alle Repräsentanten hatten nur einen Wunsch gehabt und den mal mehr, mal weniger deutlich zur Sprache gebracht.

Sie wollten nach Genellan auswandern und baten nicht selten weniger für ihr Volk als vielmehr für sich selbst. Die Führer der Erde schienen das selbstverursachte Elend nicht mehr sehen und sich auf die neue Welt absetzen zu wollen.

 

»Meine Flotte springt Ende des Monats«, verkündete Admiral Chou den Konen. Der Kommandant der Zweiten Flotte hatte um eine Audienz gebeten, und die war ihm sofort und gern gewährt worden. Man empfing den Legions-Admiral mit allen Ehren, und auch Captain Ito und Tar Fell waren bei der Unterredung zugegen.

»Sie haben dafür den richtigen Zeitpunkt gewählt«, entgegnete die Botschafterin, »denn wir sind mehr als bereit, in unser System zurückzukehren. Der Armada-Meister liegt mir schon länger damit in den Ohren.«

»Bei der Schwerkraft, es wird höchste Zeit, zu einer Welt mit einer richtigen Gravitation zurückzureisen!«, donnerte der Armada-Führer. Ito hatte ihn weiter unterrichtet, und mittlerweile beherrschte er die terranische Legion ausgezeichnet.

»Ich werde sofort Außenminister Stark davon in Kenntnis setzen«, sagte der menschliche Verbindungsoffizier leise.

Kateos fiel zum wiederholten Male auf, wie still der kleine Mann geworden war. Ito war ihr während der vergangenen Wochen und Monate eine große Hilfe gewesen. Er hatte sie darauf hingewiesen, welcher Staatsbesuch von großer und welcher von minderer Wichtigkeit sei. Und er hatte Kateos nach Kräften in die Komplexität und Vielfältigkeit der menschlichen Völker und Kulturen eingeführt.

Am meisten aber schätzte die Botschafterin die Objektivität dieses Mannes. Der Captain hatte nicht einmal versucht, für seine Regierung besondere Vergünstigungen herauszuschlagen.

»Tut es Ihnen leid, uns ziehen zu sehen?«, fragte sie nun den menschlichen Verbindungsoffizier. »Dann kommen Sie doch einfach mit uns … es sei denn, Sie zögen es vor, weiterhin für Außenminister Stark zu arbeiten.«

Ito strahlte über das ganze Gesicht, als habe man ihm die größte Freude seines ganzen Lebens bereitet.

»Aber natürlich!«, rief Tar Fell. »Der Captain gehört doch sozusagen zu meinem Stab. Sie kommen mit mir, und damit Schluss der Diskussion.«

»Wie Sie befehlen, Armada-Meister«, salutierte der kleine Mann.

»Mein Commodore wird Sie mit den nötigen Netzmatrix-Koordinaten versorgen«, erklärte Chou jetzt. »Unsere Vorsprung-Inspektion ist angesetzt für den –«

Der Armada-Führer hob eine seiner mächtigen Hände. »Ich bin es leid, mich ständig eskortieren zu lassen.«

»Es wäre aber wirklich klüger, wenn Sie –«, wandte der Admiral ein.

»Vielen Dank, mein Herr, aber wir verzichten dankend«, grollte Tar Fell, der den Ärger beim Hinflug noch nicht vergessen hatte. »Bitte kehren Sie ohne uns nach Genellan zurück. Meine Hyperraum-Zelle wird aus eigener Kraft den Heimflug antreten.«