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Scott Gier

Jagdzeit auf
Genellan

 

Die Genellan-Chroniken 2

 

Roman

 

Übersetzt von Marcel Bieger

 

 

Blanvalet

Inhaltsverzeichnis

Buch und Autor
Copyright
Teil Eins - Beziehungen werden hergestellt
1 Kommunikation
2 Albtraum
3 Krieg
4 Winter
5 Frühling
6 Kontakt
7 Wendepunkt
8 Hudson kehrt zurück
9 Ein genellanisches Jahr
10 Entdeckungen
11 Fähre
12 Narben
13 Herbst
Teil Zwei - Entscheidung
14 Zweiter Winter
15 Rückkehr der Flotte
16 Wieder Frühling
17 Konfrontation
18 Konflikt
19 Entscheidungsschlacht
20 Bürger
Epilog

Epilog

Buccari atmete tief ein. Die Gerüche von nassem Sand und Seetang umfingen sie. Alle ihre Sinne reagierten auf den Ozean. Sie tauchte die nackten Zehen ins warme Meerwasser. Ein seltsames Geräusch wie von einem Nebelhorn hing für einen Moment in der Luft. Genellan barg viele Geheimnisse.

Sie blickte auf die Wasserfläche hinaus und auf die Nebelbank, die wie graue Baumwolle den Horizont verdeckte. Der Morgenhimmel versprach einen weiteren warmen Tag: Wasserschaum bildete sich an ihren Zehen. Was für ein angenehmes Geräusch – Wasser, das sich über Sand zurückzog. Eine Brise kam über dem Ozean auf. Buccari spürte sie nicht, sah aber ihre Wirkung. Der Nebel zog sich zurück, und winzige Wellen liefen über die Wasseroberfläche. Man nannte diese leisen Bewegungen Katzenpfoten, und jetzt erkannte sie den Grund dafür.

Die Brise drehte sich und wehte Buccari das lange und feine dunkle Haar ins Gesicht. Als sie eine Hand hob, um die Strähnen zurückzuschieben, berührten ihre Fingerspitzen die lange Narbe und verweilten dort. Das verhärtete Gewebe löste bittersüße Erinnerungen in ihr aus. Sie ließ die Hand sinken, ließ sie auf ihrem deutlich gerundeten Bauch ruhen. Buccari spürte das Leben, das in ihr entstand, die Verbindung zwischen ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft.

Sie hatte Mühe, die biologische Aktivität in ihrem Innern zu verarbeiten. Ihr Verstand war daran gewöhnt, sachlich zu arbeiten, und nur selten lösten Prozesse Verwirrung in ihr aus. Die Begründung war ihr wertvollster Verbündeter und die Logik das Werkzeug, mit dem sie zu arbeiten gewohnt war. Doch dieser Vorgang hier stellte etwas ganz anderes dar und stieß bis an die Grenzen ihres Intellekts vor. Ihr Körper schuf etwas ganz Eigenes, erzeugte Leben aus dem Nichts. Ein wahres Wunder und gleichzeitig ein neuer Anfang.

Feiner weißer Sand knirschte. Sie drehte sich um und sah Kateos, die auf sie zukam. Buccari entfernte sich vom Wasserrand, wusste sie doch um die tiefsitzenden Ängste der Konin. Die beiden Frauen begrüßten sich, und Kateos nahm ihren Helm ab.

»Der Nebel lösth sich auf. Baldh werdhen Sie sie sehen können.«.

»Wen, die Wale? Stammen diese Geräusche etwa von ihnen?« Und wie zur Antwort ließ sich wieder das Nebelhorn vernehmen, ein lang gezogener Klagelaut. So laut hatte Buccari sie noch nie vernommen.

»Ja, sie kommen zurück. Dhas isth ihr Ruf.« Kateos entfernte sich sicherheitshalber noch einen Schritt vom Wasser. »Dher hier muss sich sehr nahe am Ufer aufhalthen.«

Die beiden Freundinnen verfolgten, wie die Winde den Nebel immer weiter zerteilten, bis nur noch ein paar Wölkchen übrig geblieben waren. Der Horizont wurde sichtbar, und Buccari sah das Rauchen, das die mächtigen Meeressäuger im Wasser verursachten. Die Tiere kamen immer wieder an die Oberfläche und stießen hohe Fontänen durch ihre Blaslöcher aus. Ihre gewaltigen, muschelbedeckten Rücken durchpflügten den Ozean.

»Sie kommen hierher, um ihre Jungen zur Welth zu bringen. Genau wie Sie. Ihr wundherbares Baby wirdh nämlich auch hier geboren werdhen.«

»Ja, es soll am Meer das Licht der Welt erblicken. Und dann muss ich in MacArthurs Tal zurück. So wie die Wale in die Tiefsee zurückkehren.«

Die beiden blickten schweigend hinaus und verfolgten das Wogen im Meer.

»Werdhen Sie wiedher in den Welthraum gehen, Sharl?«, fragte die Konin und ließ sich auf alle viere fallen, damit sie der Frau ins Gesicht sehen konnte.

Buccari drehte sich zu ihr um.

»Die noch tieferen Ozeane des Alls … Vielleicht, liebe Freundin, eines Tages vielleicht …«