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Andrea Edwards, Patricia Kay, Claire Baxter

BIANCA EXKLUSIV BAND 259

IMPRESSUM

BIANCA EXKLUSIV erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de

Erste Neuauflage by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg,
in der Reihe: BIANCA EXKLUSIV, Band 259 – 2015

© 1998 EAN Associates
Originaltitel: „The Paternity Question“
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Renate Moreira
Deutsche Erstausgabe 1999 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1140

© 2010 by Patricia A. Kay
Originaltitel: „Wrong Groom, Right Bride“
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Rainer Nolden
Deutsche Erstausgabe 2011 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1787

© 2007 by Claire Baxter
Originaltitel: „Best Friend … Future Wife“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Patrick Hansen
Deutsche Erstausgabe 2008 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1631

Abbildungen: Conrado / Shutterstock, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 06/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733730208

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY, CORA CLASSICS

 

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ANDREA EDWARDS

Ich will ein Kind, und zwar von dir

Lisa wünscht sich so sehr ein Baby – da muss ihr alter Schulfreund Nick ihr einfach helfen! Das tut er auch – und ist doch auf einmal so anders. Warum nur? Lisa ahnt ja nicht, dass Nick mit seinem Zwillingsbruder, dem bekannten Fernseh-Tierarzt Neal, für einige Wochen die Rollen getauscht hat. Und den hasst Lisa eigentlich schon seit der Schulzeit. Eigentlich …

PATRICIA KAY

… und plötzlich lächelt das Leben!

Die erfolgreiche Webdesignerin Chloe wurde kurz vor ihrer Hochzeit vom Bräutigam sitzen gelassen. Niemals wieder wird sie einem Hopewell vertrauen! Auch nicht Simon, dem gut aussehenden Bruder ihres Exverlobten. Denn obwohl er ihr charmant den Hof macht, weiß Chloe eines genau: Ein Hopewell kann nicht treu sein, klingen seine Liebesschwüre auch noch so süß …

CLAIRE BAXTER

Klopf nicht so laut, mein Herz

Mit Schmetterlingen im Bauch trifft Della ihren Jugendfreund Luke wieder. Auf den ersten Blick ist alles wie damals: Sie verstehen sich blendend. Doch obwohl schon bald heftige Gefühle füreinander aufflammen, verschließen sie die Herzen voreinander. Lisa weiß nämlich, dass Luke von Kindern träumt. Und die wird sie ihm niemals schenken können ...

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Ich will ein Kind, und zwar von dir

PROLOG

„Den ganzen restlichen Juli?“, rief Neal Sheridan entsetzt aus. „Du willst, dass ich fast den ganzen Juli von einer Kleinstadt zur nächsten fahre?“

„Eigentlich auch noch die ersten beiden Augustwochen“, murmelte sein Manager.

„Das kann nicht dein Ernst sein.“ Neal beugte sich vor. Wie bei allen Fernsehberühmtheiten in diesem New Yorker Sender, war auch sein Büro klein und vollgestellt. So klein, dass ein Mann wie Neal, der fast ein Meter neunzig groß war, sich seitwärts setzen musste, um seine Beine ausstrecken zu können. „Heute haben wir den zweiten Juli. Du willst, dass ich in drei Tagen losfahre?“

„He, ich habe es selbst erst erfahren.“ John Hockadays Lächeln wirkte fast ehrlich – ein Zeichen für Neal, dass sein Manager log. „Love hat ein neues Konzept aufgestellt. Du wirst es bestimmt fantastisch finden.“

„Wie verrückt ist die Idee diesmal?“ Love Pet Food produzierte Tiernahrung und war ein äußerst einflussreicher Sponsor seiner Sendung. Die Firma hatte allerdings die Tendenz zu übertreiben. „Werde ich wieder mit einer Herde singender Kühe reisen müssen?“

„Singender Kühe?“ John lachte. „Nein, diesmal nicht.“

Großartig, keine singenden Kühe, aber vielleicht war es diesmal Mr Bill, die tanzende Ziege aus der Love – Werbung. Neal war es plötzlich leid, Amerikas beliebtester Tierarzt zu sein und hätte sich gern weitere Details über diese Promotiontour erspart. „John, ich habe wirklich keine Lust dazu.“

„Glaube mir, Junge, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um deine Meinung geltend zu machen.“

„Ach, verflixt“, sagte Neal. „Acht Jahre lang habe ich meinen Mund gehalten und alles getan, was man mir sagte. Ich brachte den Leuten bei, wie man mit Tieren umgeht. Ich ließ mich von Lamas anspucken, mir von Hunden Hosen zerreißen und mich von Papageien in die Ohren zwicken.“

„Ich sage nicht, dass es ein Problem mit deinem neuen Vertrag gibt“, erklärte John. „Ich finde nur, dass du im Moment deine Loyalität beweisen solltest.“

„Aber warum muss es denn schon wieder diese Busgeschichte sein?“ Neal seufzte. „Wie viele Menschen erreichen wir auf dieser Kleinstadttour diesmal?“

„Zahlen spielen keine Rolle“, erwiderte John. „Bustouren kommen gut an. Deswegen werden sie sogar von Präsidentschaftskandidaten gemacht.“

„Ich habe aber nicht vor, mich wählen zu lassen“, entgegnete Neal schroff.

„Vielleicht nicht für ein öffentliches Amt“, entgegnete John. „Aber du bist genauso von der Gunst der Leute abhängig wie jeder Politiker auch.“

Neal hielt eine Bemerkung zurück. Sein Manager hatte recht. Menschen stimmten jeden Tag für oder gegen ihn. Statt Stimmzettel auszufüllen, kauften sie Tierfutter. Love – Produkte zu kaufen, kam einer Stimmabgabe für Neal Sheridan gleich. Sich für ein anderes Futter zu entscheiden, war eine Stimme gegen ihn.

„Ich hatte in diesem Monat etwas Persönliches geplant“, sagte Neal.

„Kauf ihr etwas Hübsches, sag ihr, du wirst dich immer an sie erinnern und schick sie fort, so wie du es immer tust.“ John erhob sich. „Ich sehe dich übermorgen in St. Louis.“

Nachdem John die Tür hinter sich geschlossen hatte, legte Neal den Kopf auf die Arme. John hatte diesmal nicht recht gehabt. Seine Pläne hatten nichts mit einer Frau zu tun, es ging einzig und allein um seinen Zwillingsbruder. Seit Nicks Frau vor zwei Jahren gestorben war, hatte er mit seinem Bruder Nick Urlaub machen wollen. Es hatte letztes Jahr nicht geklappt, und jetzt sah es so aus, als wenn auch dieses Jahr nichts daraus würde.

„Verflixt“, murmelte Neal, während er zum Telefonhörer griff und die Nummer der Tierarztpraxis seines Bruders wählte.

„Praxis Dr. Sheridan. Lisa am Apparat.“

Lisa? Sein Bruder musste eine neue Sekretärin eingestellt haben. „Hi, Lisa“, sagte Neal. „Hier ist …“

„Neal, richtig?“, unterbrach sie ihn. Sie klang so angewidert, als hätte sie gerade eine Kakerlake in der Suppe gefunden. „Sie hören sich wie Nick an.“

Neal versuchte, ihr ein Lächeln zu entlocken. „Woher wissen Sie, dass ich nicht er bin?“

„Weil ich ihn in seinem Büro sitzen sehe.“

„Das könnte aber Neal sein.“

„Nick hat einen Bart. Ich sah Sie gestern mit dieser Gesellschaft für Menschenrechte in New York demonstrieren. Sie haben keinen, und es wird Ihnen auch kaum seit gestern einer gewachsen sein.“ Sie hörte sich an, als ob das ein großer Mangel wäre.

Neal gab auf. „Einen Punkt für Sie. Ist Nick zu sprechen.“

„Einen Moment bitte, ich verbinde.“

„He, Neal, ich habe gerade an dich gedacht“, erklang nach wenigen Sekunden Nicks Stimme. „Was gibt es Neues?“

„Schlechte Nachrichten“, erwiderte Neal.

„Wahrscheinlich willst du mir sagen, dass du mit allen Englisch sprechenden Frauen in der Welt ausgegangen bist, und jetzt vor die Wahl gestellt bist, entweder eine Fremdsprache zu erlernen, oder einfach zu warten, bis wieder Neue herangewachsen sind.“

„Sehr witzig, Nick.“

„Danke.“

Neal holte tief Luft. „Eigentlich rufe ich an, um unseren Urlaub abzusagen.“

„Oh, das sind schlechte Nachrichten.“ Der Humor in Nicks Stimme verschwand von einer Sekunde auf die andere. „Ich habe mich so darauf gefreut, einige Zeit mit dir zu verbringen.“

„Ich auch. Aber ich muss auf eine Promotiontour. Mein Sponsor schickt mich nach Illinois, Iowa und Missouri.“

„Hört sich doch ganz lustig an.“

„Ja, und wie.“

„He, das ist mein Ernst“, erwiderte Nick. „Es mag vielleicht nicht Paris oder New York sein, aber du wirst zu so vielen Orten fahren, die du noch nie zuvor gesehen hast. Orte, die alle ihre eigene Geschichte und kulturellen Hintergrund haben. Ich finde das großartig.“

„Aber auch nur, weil du so etwas noch nie gemacht hast.“

„Es ist auf jeden Fall besser als Three Oaks im Juli.“

„Three Oaks mag nicht der aufregendste Ort der Welt sein, aber es ist zu Hause.“

Beide schwiegen. Nick sollte wirklich einmal verreisen, dachte Neal. Er würde nie über Donna hinwegkommen, wenn er ständig an sie erinnert wurde. Warum mussten sie ihn ausgerechnet jetzt auf diese verflixte Tour schicken? Warum konnte nicht ein anderer für ihn einspringen? Sicherlich gäbe es Menschen, die sogar glücklich wären, wenn …

Plötzlich kam ihm ein verrückter Gedanke. Eine Idee, die nie funktionieren könnte. Aber warum eigentlich nicht? Wem würden sie damit schaden?

„Weißt du was …“, sagte Neal langsam.

„Wenn du wirklich glaubst …“, begann Nick.

„Die Promotiontour …“

„Three Oaks …“

Beide hielten inne.

„Was ist mit meinen Patienten?“, fragte Nick.

„Ich bin vereidigter Tierarzt, außerdem ist noch dein Partner da.“ Neal legte eine Pause ein. „Aber du hasst es doch, in der Öffentlichkeit aufzutreten.“

„Nicht mehr so wie früher“, gab Nick zu. „Aber was ist, wenn man sich dazu entschließt, das staatliche Tierschutzkomitee bereits diesen Monat zu gründen? Weißt du, mein Name steht auf der Liste.“

„Und da steht er bereits seit drei Jahren, und selbst wenn du benannt wirst, was macht das schon. Ich werde dich würdig vertreten, ich bin doch an öffentliche Auftritte gewöhnt.“ Neal zögerte. „Ich weiß nicht, wer meine Reisebegleiter sein werden. Es könnten singende Kühe sein.“

„Ich arbeite mit dem hiesigen Tierschutzverein zusammen, und eine große Spendenaktion steht bevor. Glaubst du, du könntest damit klarkommen?“

„Was soll diese Frage? Ich habe bereits mehr Spendenaktionen in einer Woche hinter mich gebracht als du in einem ganzen Jahr“, erwiderte Neal und überlegte die Für und Wider dieses Rollentauschs. Auch wenn es jetzt, da sie Erwachsene waren, alles ein wenig komplizierter sein würde, wäre es doch nur zu Nicks Vorteil. Sein Bruder war ein Arbeitstier. Seit Donna gestorben war, hatte er sich in seine Arbeit vergraben. Wenn Neal es jetzt nicht schaffte, ihn einmal aus seinem Alltag herauszuholen, würde es ihm wohl nie mehr gelingen. Neal wartete, bis die Idee langsam in Nick eingesunken war. Sein Bruder wähnte sich gern in dem Glauben, dass er selbst die Entscheidungen traf.

„Weißt du“, sagte Nick langsam. „Wir könnten dieser Gegend einen Gefallen tun. Wir könnten etwas Regen gebrauchen.“ Immer wenn Neal in seiner Heimatstadt erschien, ging ein Platzregen nieder. Die Einheimischen rissen schon Witze darüber. Und wenn Neal und Nick die Rollen tauschten, wurde daraus sogar ein Monsunregen.

„Und es muss Hunderte von Tieren im Südwesten geben, die nur darauf warten, von dir gerettet zu werden“, erwiderte Neal.

„Ich habe aufgehört, alles retten zu wollen, was mir unter die Augen kommt“, erwiderte Nick.

„Also was meinst du? Machst du mit?“

Es entstand ein Schweigen. Die Idee erschien ihnen bereits viel weniger verrückt. Vielleicht lag es an der abgestandenen Luft im Gebäude, dass Neal das Ganze plötzlich für durchaus machbar hielt. Während Nick der Gedanke, einmal sechs Wochen lang ohne große Verantwortung herumzureisen immer verlockender erschien. Keine Probleme, keine Sorge, nicht immer der gleiche Provinzmief. Verflixt, in Three Oaks brauchte man noch nicht einmal die Türen abzuschließen.

„Also gut, abgemacht“, schlug Nick ein.

1. KAPITEL

Lisa Hughes verließ mit einer Tasse Kaffee in der Hand die Veranda ihres Farmhauses. Noch lagen die langen Schatten des frühen Morgens auf dem Hof. Sie hoffte, dass das Koffein bald wirken würde. Ihre Hunde rannten bereits voller Energie auf die Stallungen zu, doch sie fühlte sich noch matt und benommen.

„Sieht aus, als wenn es schon wieder so heiß werden würde“, sagte Pucky. Der alte Pferdetrainer wischte sich den Schweiß von der Stirn, als er an Lisas Seite trat und mit ihr zu den Koppeln hinüberging. „Ich habe in der letzten Nacht kaum ein Auge zugemacht. Es war so heiß, dass einem sogar das Atmen schwerfiel.“

Lisa hatte letzte Nacht ebenfalls nicht schlafen können, allerdings hatte es nicht an der Hitze gelegen. Sie hatte die Tage gezählt, war in ihrem Kopf immer und immer wieder den Kalender durchgegangen und hatte auf den Morgen gewartet.

„Heute gibt es wieder keinen Regen.“ Pucky schaute zum Himmel hinauf, der immer noch strahlend blau war.

Lisa wollte ihm gerade zustimmen, als sie gen Westen schaute und die Stirn in Falten legte. „Es sieht fast so aus, als wenn Regenwolken aufkommen würden.“

Pucky schüttelte den Kopf. „Der Morgen hat nur die Nacht noch nicht ganz vertrieben.“

„Ja, wahrscheinlich hast du recht.“

„Habe ich das nicht immer?“

Lisa lächelte und trank einen Schluck Kaffee. Pucky Dolan war wie ein zweiter Vater zu ihr. Er hatte mehr als vierzig Jahre mit ihrem Vater gearbeitet und Hollywood-Pferde für Filmrollen trainiert. Ihre Mutter war bereits gestorben, als sie erst vier Jahre alt war, und Pucky hatte praktisch geholfen, sie aufzuziehen. Als Lisa dreizehn Jahre alt war, hatte ihr Vater schließlich die Pferdefarm gekauft und Pucky war als Freund und Vorarbeiter mitgekommen. Seit dem Tod ihres Vaters half er ihr, die Farm zu leiten.

Aber es gab einige Dinge, über die sie noch nicht einmal mit ihm sprach.

„Heute ist also der große Tag, eh?“, fragte er.

Lisa zuckte so zusammen, dass sie etwas von ihrem Kaffee verschüttete. Woher wusste er das? Er war doch nicht dabei gewesen, als sie heute Morgen ihre Temperatur gemessen hatte.

„Ariel ist schon ganz schön ungeduldig“, fuhr Pucky fort.

Lisa atmete auf. Er sprach von ihrer neuen Stute. „Ja“, stimmte Lisa ihm zu. „Nun, Johnny geht es auch nicht anders. Gut, dass Nick sie gestern untersucht und ihr eine ausgezeichnete Gesundheit bestätigt hat.“

Sie blieben an einer Koppel stehen, und Lisa legte die Arme auf das Gatter. Ariel lief auf der Wiese im Kreis dicht am Zaun entlang. Ihre Muskeln spielten, ihre Nüstern blähten sich und leichter Schweiß lag auf ihrem rötlich braunem Fell. Der weiße Stern auf ihrer Stirn schimmerte im Morgenlicht. Sie war eine wahre Schönheit. Ihre Fohlen würden Prachtstücke werden.

Pucky lehnte sich neben Lisa an das Gatter. „Ich könnte mir für einen Mann keinen besseren Tagesstart denken, als frische Landluft einzuatmen, die Sonne aufgehen zu sehen und dazu noch zwei der hübschesten weiblichen Wesen im Blickfeld zu haben, die es auf Erden gibt.“

„Hör mit deinem irischen Süßholzraspeln auf“, erwiderte Lisa. „Ich weiß Bescheid über Männer wie dich.“

„Wenn man dich ansieht, könnte man meinen, deine Mutter würde vor einem stehen, so wie sie vor dreißig Jahren ausgesehen hat.“

Lisa schaute weg und spürte ein vertrautes Brennen in den Augen, während sie das Pferd beobachtete. Als sie in der Highschool war, hatte sie sich immer gewünscht, eine ebenso hochgewachsene, langbeinige Schönheit wie ihre Freundin Colleen zu sein. Doch sie war eher klein und hatte dunkelrotbraunes Haar, und obwohl sie fast das Ebenbild ihrer verstorbenen Mutter war, hatte sie ihr Aussehen gehasst. Mit der Zeit hatte sie sich mit ihrem Äußeren versöhnt, aber trotzdem beschlichen sie immer wieder Schuldgefühle, weil sie solche Schwierigkeiten hatten, ihr Aussehen, praktisch das Vermächtnis ihrer Mutter, anzunehmen.

„Ich habe aber Daddys blaue Augen“, sagte sie.

Pucky warf ihr einen Blick zu. „Und seine düsteren irischen Launen.“

Lisa boxte ihm gegen die Schulter, doch muskulös wie er war, bezweifelte sie, dass er ihren leichten Schlag überhaupt spürte. Beide wandten ihre Aufmerksamkeit wieder der Stute zu, die immer noch herumgaloppierte, ab und zu gegen den Zaun stieß und aufgebracht wieherte.

„Die Lady kann es kaum erwarten“, bemerkte Pucky.

„Sie hat bestimmt schreckliche Sehnsucht nach einem Baby“, erklärte Lisa.

Pucky wandte sich langsam Lisa zu und sah sie misstrauisch an. „Ein Baby?“, fragte er. „Was hast du in deinem Kaffee?“

Lisa weigerte sich, auf seinen Scherz einzugehen. „Ihr Männer seid alle gleich“, sagte sie. „Ariel wird älter. Ich glaube, dass sie nach mehr verlangt als nur nach einem Paarungsakt. Sie sehnt sich bestimmt nach einem Fohlen. Das ist auch ein Instinkt, der wahrscheinlich genauso stark ist wie der Paarungstrieb.“

Pucky schüttelte den Kopf. „Du guckst dir zu viele Filme an“, entgegnete er. „Als Nächstes wirst du sagen, dass Johnny und sie heiraten werden.“

Lisa stieß einen verächtlichen Laut aus und sah wieder zum Pferd hinüber. „Die Ehe hat nichts mit Instinkt zu tun“, sagte sie hitzig. „Es ist eine dumme Tradition, die nicht für jeden von uns geeignet ist.“

Pucky schwieg eine Weile. Sie konnte seinen Blick auf sich spüren, aber sie weigerte sich, ihn anzuschauen. Sie hatte nur gesagt, was sie dachte, und ihm müsste ihre Meinung eigentlich bekannt sein.

„Dein Dad und ich waren zu streng mit dir, aber Filmkulissen und Trainingskoppeln sind auch keine Umgebung, in der ein kleines Mädchen aufwachsen sollte“, sagte er leise. „Wir dachten, es würde alles anders, wenn wir erst einmal hierhergezogen wären. Vielleicht hätten wir dafür sorgen sollen, dass du zu deinem Abschlussball gehst.“

Sie runzelte die Stirn. „Wenn ich mich richtig erinnere, hättet ihr auch keinen Einfluss darauf gehabt. Ich hatte keinen Begleiter.“

„Nick wäre sicherlich mit dir hingegangen.“

„Donna hätte bestimmt Einwände gehabt.“

„Er hätte sicherlich einen Begleiter für dich gefunden.“

Oh ja, aber auch nur, wenn er bereit gewesen wäre, dafür zu zahlen, und selbst dann hätte sein Angebot sehr hoch sein müssen. Sie war auf der Highschool nicht besonders beliebt gewesen. Aber weder ihr Dad noch Pucky schien damals bemerkt zu haben, wie viele Anpassungsschwierigkeiten sie gehabt hatte. Immer und immer wieder hatten sie sie aufgefordert, doch Freunde einzuladen, nach der Schule irgendwelchen Clubs beizutreten oder ihnen einen persönlichen Gefallen zu tun – etwas öfter zu lächeln.

Vielleicht hätte eines von diesen Dingen tatsächlich geholfen, aber sie war so wütend gewesen, Los Angeles verlassen zu müssen, dass sie sich geweigert hatte, ihrem neuen Heimatort Three Oaks eine faire Chance zu geben. Sie hatte nie dazugehört, weil sie es selbst nicht gewollt hatte. Zumindest nicht bis nach dem College, als sie heimkam und herausfand, dass dies tatsächlich ihr Zuhause war.

„Ich wollte gar nicht zum Abschlussball gehen“, bemerkte sie. „Ich habe dieses ganze Getue um Kleider und Make-up schon immer gehasst.“

„Vielleicht hätten wir dich dazu bringen sollen, dass du Ballettstunden nimmst.“

Lisa seufzte. Pucky war wirklich hartnäckig. „Hör auf, dir die Schuld zuzuschieben. Nicht jeder muss heiraten, um glücklich zu sein. Und ich bin auch so vollkommen zufrieden.“

„Warum kommt es mir denn so vor, als wenn du irgendetwas in deinem Leben vermisst?“

Weil etwas fehlte. Aber es war kein Ehemann, es war ein Baby. Ein Kind, das sie ihr eigen nennen konnte. Sie war jetzt vierunddreißig. Sie hatte auf dem College und danach einige Beziehungen zu Männern gehabt, aber zu viele Enttäuschungen erlebt, als dass sie das Glück bei einem Mann suchen würde. Trotzdem wünschte sie sich von ganzem Herzen ein Baby. Vielleicht war jetzt der richtige Zeitpunkt, Pucky von ihren Gefühlen zu erzählen, damit er sich an den Gedanken gewöhnen könnte, dass eines Tages Kindergeschrei die Farm erfüllen könnte.

„Eigentlich“, begann sie, „habe ich vor …“

Genau in diesem Moment stieß die Stute an das entfernte Ende des Zaunes, in dessen Nähe der Hengst graste. Ihr Schrei nach einer Paarung klang verzweifelt über die Farm, und die Hunde kamen herbeigerannt.

Lisa rückte vom Zaun ab. Jetzt war keine Zeit für Erklärungen irgendwelcher Art. „Ich glaube, es ist besser, wenn wir sie jetzt zu ihm lassen“, sagte sie.

Es gab sowieso nichts, was sie Pucky sagen konnte. Es spielte keine Rolle, dass heute ihr Eisprung stattfand. Weit und breit war keine Hoffnung auf ein Kind am Horizont zu sehen. Zumindest nicht, solange Nick sich nicht bereit erklärte, sich als Erzeuger zur Verfügung zu stellen.

Als die Kellnerin zwei Teller mit Pfannkuchen auf den Tisch stellte, sah Neal zu seinem Bruder, der ihm gegenübersaß. Es war Frühstückszeit und das Restaurant war gut besucht, doch die lebhafte Szenerie trat in den Hintergrund, als ihn ein vertrautes Gefühl befiel.

„Es ist seltsam, dich ohne Bart zu sehen“, sagte er. „Es ist, als würde ich mich selbst anschauen. Ich hatte ganz vergessen, wie unheimlich das ist.“

Nick fuhr sich mit der Hand über das Kinn. „Mein Kinn ist glücklicherweise nicht sehr viel blasser als meine übrige Gesichtshaut. Einen Tag Sonne und der Unterschied ist ausgeglichen. Ich muss den spärlichsten Bart der ganzen Welt gehabt haben. Du glaubst gar nicht, wie nackt ich mich jetzt fühle. Es muss bereits zehn Jahre her sein, seit ich das letzte Mal bartlos war.“

„Es kommt einem gar nicht so lange vor, nicht wahr?“

„Doch, wie eine Ewigkeit“, sagte Nick leise lachend. Doch dann verstummte sein Lachen, und Neal sah, dass die Vergangenheit seinen Bruder wieder einholte. Es wurde Zeit, Nick zurückzuholen.

„Es ist wohl besser, ich gebe dir meinen Hotelschlüssel, bevor ich es vergesse“, meinte Neal. „Meine Kleidung ist dort. Ich habe nur das Persönlichste mitgebracht.“

Nick runzelte die Stirn, als er den Schlüssel aus der Hand seines Bruders nahm. Fast sah es so aus, als würde seine angeborene Vorsicht siegen und er wäre drauf und dran, das Abkommen wieder rückgängig zu machen. Nun, das würde Neal auf keinen Fall zulassen. Sein Bruder musste unbedingt einmal Three Oaks verlassen.

„Mein Manager, John Hockaday, wird dich heute um einundzwanzig Uhr im Hotel treffen“, fuhr er rasch fort. „Oder sollte ich sagen, er trifft Neal im Hotel?“ Dann fügte er mit einem Lächeln hinzu: „Er wird dich auf der Tour begleiten, ebenso der Promotionmanager unseres Sponsors. Die beiden werden deinen Tag bis auf die Sekunde genau verplanen.“

„Scheint doch alles ganz leicht zu sein“, bemerkte Nick und steckte den Schlüssel ein.

Neal begann zu essen, ließ seinen Bruder dabei aber nicht aus den Augen. Ihm war nicht entgangen, dass Unsicherheit auf seinem Gesicht lag. Als sie jünger waren, hatten sie oft in diesem Restaurant am Highway die Rollen getauscht – und bereits damals hatte Nick sich über alles Sorgen gemacht und sich tausend Fragen gestellt. Was passierte, wenn sie erwischt würden? Was würden sie machen, wenn sie jemand mit ihrem Spiel kränkten? Was, wenn einmal tatsächlich der echte Nick oder Neal gebraucht würde? Was, wenn …?

Die Kellnerin kam mit dem Kaffee an den Tisch und schenkte ihnen nach. Dann blieb sie wie angewurzelt stehen und starrte Nick neugierig an. „Sie … Sie sehen genauso aus wie dieser Tierarzt, der immer im Fernsehen ist“, stammelte sie überrascht.

Jetzt war der Moment der Wahrheit gekommen, und Neal hielt den Atem an. Wie würde er sich entscheiden? Würde Nick seine schmerzhafte Vergangenheit hinter sich lassen können und die Herausforderung annehmen und das Spiel beginnen?

Dann lächelte Nick. „Ja, das bin ich. Neal Sheridan.“

Die Frau stellte die Kaffeekanne ab und schüttelte ihm die Hand. „Oh, wow“, stieß sie aufgeregt hervor. Nachdem sie sich wieder gefangen und die Kaffeekanne wieder in die Hand genommen hatte, drehte sie sich langsam Neal zu. „Aber Sie sehen auch so aus“, stellte sie verwirrt fest.

Neal unterdrückte ein Lachen. „Ich bin nur sein Double. Wissen Sie, im Fernsehen braucht man so etwas für die Kameraeinstellungen.“ Er biss rasch in seinen Toast.

Ihr Gesicht hellte sich auf. „Wirklich? Toll“, sagte sie. „Warten Sie, bis ich das den Mädchen gesagt habe.“

Als sie Frau sich vom Tisch entfernte, sah Neal Nick an. Das Gesicht seines Bruders war zwar nachdenklich, aber nicht von Zweifeln überschattet.

„Das wird bestimmt Spaß machen“, erklärte er und konzentrierte sich wieder auf das Frühstück. „Ich glaube, es wird mir gefallen, berühmt zu sein.“

„Das hoffe ich“, erwiderte Neal und nahm einen Schluck Kaffee. „Aber was ist mit deiner Praxis? Gibt es Fälle, auf die ich besonders achten muss?“

Nick schüttelte den Kopf. „Ich habe dir einen Stapel Akten auf den Schreibtisch gelegt, die du dir durchlesen solltest. Im Moment liegt nichts Kritisches an. Die Millers-Katze wird wegen einer Harnwegsinfektion behandelt. Die Hündin der Kerringtons wird in zwei Wochen ihre Welpen bekommen. Alles nur Routine. Falls es irgendeinen Fall gibt, bei dem du unsicher bist, dann gib ihn einfach an Jim ab. Er hat nur einen Teilzeitjob, aber er ist ziemlich flexibel, was die Arbeitsstunden angeht.“

„Wie sieht es mit deinen Bürokräften aus?“, fragte Neal. „Hast du jemanden neu eingestellt?“

Nick runzelte die Stirn. „Neu? Nein.“

„Doch, das hast du. Eine Lisa. Sie war am Telefon, als ich anrief.“

„Oh, das ist nur eine Freundin von mir. Lisa Hughes. Sie ist im Vorstand des Tierschutzvereines. Ich habe den Mitgliedern dieser Vereinigung erlaubt, ihre Akten bei mir aufzubewahren, Post und Mitteilungen abzuholen. Lisa macht ab und zu den Telefondienst für uns, wenn wieder einmal besonders viel zu tun ist.“

„Oh.“ Neal aß und sah dabei auf den Highway hinaus. Der Verkehr nach Chicago wurde immer dichter, jeder hatte es eilig. Der Gedanke diesmal in die entgegengesetzte Richtung zu fahren, stimmte ihn froh. Er dachte an Three Oaks und plötzlich legte er die Stirn in Falten. Erinnerungen stiegen in ihm auf. Nick hatte auf der Highschool eine Lisa Hughes gekannt.

Sie war ein schlaksiges, jungenhaftes Mädchen gewesen, das stets viel zu ernst für ihr Alter gewirkt hatte. Nein, ernst war nicht der richtige Ausdruck, um den Charakter dieses Mädchens zu beschreiben, mürrisch traf wohl eher zu. Als Nick und er im zweiten Highschooljahr einmal wieder die Rollen tauschten, hatte sie ihm wegen eines dummen Witzes, den er gemacht hatte, eine saftige Ohrfeige verpasst.

Sie hatte damals überhaupt keinen Sinn für Humor. Er hoffte, dass sie wenigstens jetzt davon ein wenig entwickelt hatte. Oder dass Nick sie nur selten sah.

„Bist du fertig?“, fragte Nick.

Neal nickte.

Sie gingen zusammen zum Parkplatz hinaus. Die Luft war bereits schwülwarm. Nicks Jeep war neben Neals Mietwagen geparkt, und sie brauchten nur einen Moment um ihre Koffer umzupacken und die Wagenschlüssel auszutauschen. Nick sah aus, als ob er schon wieder mit Zweifeln zu kämpfen hätte.

„Wende dich nur an Hockaday, falls du ein Problem haben solltest“, sagte Neal. „Er wird sich um alles kümmern.“

„Im Großen und Ganzen ist es Sara, die die Praxis und meinen Kalender führt. Heute ist der Tag, an dem ich keine Termine annehme. Jim übernimmt sie für mich, aber ich gehe trotzdem hin und kümmere mich um den Schreibkram.“

„Dad und Grams sind da?“

Sein Bruder nickte. „Wo ist Mom? Ist sie immer noch in Paris?“

„Bis September“, erwiderte Neal und legte den Koffer auf den Beifahrersitz des Jeeps.

„Gott sei Dank. Sie kann man nicht so leicht reinlegen.“

„Ja, das stimmt.“

Neal sah Nick schweigend an, bis sein Bruder seine Reisetasche auf den Rücksitz von Neals Wagen warf.

„He, du hast mir nie gesagt, ob du im Moment eine feste Freundin hast“, fragte Nick. „Oder ist das eine dumme Frage für den König der Herzen.“

„Nein, ich bin vogelfrei. Du kannst allen Ladys von St. Louis bis Des Moines den Hof machen.“

Nick zuckte zusammen, als wenn er geschlagen worden wäre. „Ich will nur eine Weile raus, ein bisschen entspannen. Das ist alles.“

Vielleicht ist genau das Nicks Hauptproblem, dachte Neal. „Donna würde bestimmt nicht von dir erwarten, ein Mönch zu werden.“

„Und wer sagt, dass ich einer bin?“, erwiderte Nick bissig.

„Wenn du meinen Platz einnimmst, musst du dich auch wie Neal Sheridan verhalten“, bemerkte Neal und lächelte. „Es sei denn, du überlässt mir gleich auf der Stelle den Sieg.“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage.“ Nick schüttelte den Kopf. „Deine Glückssträhne wird schon bald beendet sein. Du wirst entlarvt werden, sobald du Three Oaks erreicht hast, während ich volle sechs Wochen als Neal Sheridan durchgehen werde.“

„Ja, ja.“ Neal stieg in den Jeep und lehnte sich aus dem offenen Fenster. „He, Bruderherz, noch etwas.“

Nick, der gerade in den Wagen einsteigen wollte, hielt in seiner Bewegung inne. „Was?“

„Denk stets daran, Love ist nur Hundefutter.“

„Ach, du meine Güte.“ Sara Wentzel, Nicks Sekretärin, legte die Hand vor den Mund und starrte Neal entsetzt an. „Was um alles in der Welt haben Sie mit Ihrem Gesicht gemacht.“

„Ich habe mich rasiert“, erklärte Neal, während er die Mittvierzigerin amüsiert beobachtete. „Haben Sie noch nie einen rasierten Mann gesehen?“

„Nicht Sie.“

„Nun, ich fand, es wurde Zeit für einen Wechsel. Frauen ändern so oft ihr Äußeres. Warum soll ich das nicht ebenfalls können?“

„Sie haben in den zehn Jahren, in denen ich Sie kenne, nie etwas an Ihrem Äußeren geändert.“

„Nun, dann wurde es höchste Zeit“, erwiderte er und ging in Nicks Büro.

„Dieb! Dieb!“

Neal blieb wie angewurzelt stehen. Sein Herz klopfte so laut, als ob man ihn ertappt hätte. Erst zwei Stunden in der Maskerade, und man hatte ihn bereits durchschaut?

Aber dann stellte er erleichtert fest, dass die Schreie nur von einem Papagei stammten, der in der Ecke des Büros in einem Käfig saß. War der Vogel einfach nur vorlaut, oder spürte er tatsächlich, dass hier nicht Nick eintrat? Neal warf einen prüfenden Blick über seine Schulter und stellte mit Erleichterung fest, dass Sara nicht aufsprang, um die Rufe des Vogels zu überprüfen. Der Papagei schien einfach nur einen äußerst frechen Schnabel zu haben.

Er zwang sich, wieder ruhig weiterzuatmen und ging zu Nicks Schreibtisch hinüber. Er schüttelte den Kopf, als er das Chaos sah, das hier herrschte. Er suchte eine Weile in der Unordnung herum und ging dann in den Empfangsraum zu Sara hinüber. „Ist mein Kalender irgendwo bei Ihnen?“

„Er liegt auf dem Computer.“

„Oh.“ Verflixt.

Sara seufzte laut. „Eines Tages werden Sie lernen müssen, mit dieser Maschine umzugehen“, rügte sie ihn und hielt ihm ein Papier entgegen. „Jeder andere fliegt bereits mit einem Jet, aber sie benutzen weiterhin Pferd und Kutsche.“

„Langsam, aber sicher und stetig. Das bin ich.“ Er nahm ihr den Bericht aus der Hand und ging wieder auf sein Büro zu.

„Wo ist Boomer?“, fragte Sara.

Jetzt saß er in der Klemme. Er hätte sich denken können, dass sein Bruder seinen Hund stets mit zur Arbeit brachte.

„Ah, er hat sich heute Morgen nicht ganz wohl gefühlt.“

„Warum haben Sie ihn dann zu Hause gelassen?“, bemerkte Sara leicht beleidigt.

Der Grund war einfach. Als Neal seinen Koffer in Nicks Haus gebracht hatte, war der alte Cockerspaniel ihm knurrend hinterhergelaufen. Er würde den Hund erst mit Hamburgern und anderen Leckereien bestechen müssen, bevor er ihn mit in die Praxis bringen könnte. Zumindest, wenn er nicht wollte, dass diese Maskerade sofort aufflog.

„Ich habe gedacht, ein bisschen Ruhe tut ihm gut.“ Neal wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging in Nicks Büro und ließ sich mit einem Seufzer in den Schreibtischsessel fallen. Es schien alles sehr viel schwieriger zu sein als das letzte Mal, als sein Bruder und er die Rollen getauscht hatten. Damals hatten sie nur ein paar Lehrer und wenige Leute an der Nase herumführen müssen, Menschen, die sie nicht so gut kannten. Jetzt musste er Nicks Alltag, seine Arbeit übernehmen und das perfekt.

Aber er wusste, dass er dazu fähig war. Er würde schon zurechtkommen. Er hatte es immer geschafft. Deswegen war er ja auch stets der Beste in ihrem Rollenspiel gewesen. Man hatte ihn niemals ertappt – nun, einmal in seinem zweiten Highschooljahr von dieser Lisa – und das würde ihm nicht noch einmal passieren. Dieses Mal war die Herausforderung größer, aber er würde Nick beweisen, dass er immer noch der Beste war.

Er atmete tief durch und schaute sich Nicks Plan für den heutigen Tag an. Er würde einige Telefonanrufe machen und dann zu Lisas Haus fahren müssen. Dort fand heute um neun Uhr dreißig eine Sitzung des Tierschutzvereins statt. Auch das noch, und er hatte gehofft, ihr aus dem Weg gehen zu können.

Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Es war kurz nach neun, er würde also nicht zu spät kommen. Allerdings hatte er keine Ahnung, wo Lisa wohnte, und Sara konnte er kaum nach ihrer Adresse fragen.

Oder vielleicht doch?

Er ging zur Bürotür. „Ich habe mir Ihren Rat zu Herzen genommen“, erklärte er der Sekretärin. „Ich will lernen, wie man mit dem Computer umgeht.“

„Nein“, rief Sara aus. „Halten Sie mich fest. Ich glaube, ich falle gleich in Ohnmacht.“

Neal lächelte und trat zur Seite, als sie sein Büro betrat. „Lassen Sie uns mit etwas Einfachem anfangen“, übertönte er das Geplapper des Papageis. „Wie wäre es, wenn wir einige Daten aufrufen.“

„In Ordnung.“

„Wie wäre es …“ Er summte und machte ein Gesicht, als würde er angestrengt nachdenken. „… wenn wir nach Lisa Hughes’ Adresse suchen würden.“

„Wozu brauchen Sie Ihre Adresse? Sie sind doch fast jeden Tag bei ihr. Ich könnte wetten, dass Sie sogar blind den Weg zu ihrem Haus finden.“

„Natürlich weiß ich, wo sie wohnt“, erwiderte er. „Ich will Lisas Adresse doch nur als Beispiel nehmen.“

Sara ging seufzend zum Computer und schaltete ihn ein. Sie gab Nicks Passwort ein – der Name von Nicks Hund – und wartete, bis das Programm aufgerufen worden war.

„Jetzt öffnen Sie die Datei mit den Adressen der Halter unserer Patienten“, forderte sie Neal auf. „Dann rufen Sie die Suchfunktion auf.“

Ein Kästchen erschien auf dem Bildschirm, und Sara trat zur Seite, damit er Lisas Namen eintippen konnte. Lächelnd wartete er, bis der Computer die Adresse auf den Monitor brachte.

Doch sein Lächeln erlosch, als er sah, was auf dem Bildschirm stand:

Lisa Hughes

Royal Arabian Farms

Box 38, R.R. #3

Three Oaks MI 49128

So ein Pech! Das war nur eine Postadresse. Was war nur mit den guten alten Straßennamen passiert? Er setzte sich resigniert auf den Stuhl.

„Das war sehr informativ, danke, Sara.“

„Wir können ja noch eine Adresse aufrufen“, bot sie ihm an.

„Wenn ich es bei einer geschafft habe, gelingt es mir bei jeder anderen. Außerdem muss ich gehen. Bei Lisa findet eine Sitzung des Tierschutzvereines statt.“

Und wenn er nicht schnellstens herausfand, wo sie wohnte, hätte sie erneut Grund, ihm eine Ohrfeige zu verpassen. In der Ecke krächzte laut der Papagei.

„Es muss etwas passiert sein“, sagte Ben Davis und schaute auf seine Armbanduhr. „Man konnte sonst immer die Uhr nach diesem Jungen stellen.“

„Ich bin sicher, dass ihm etwas dazwischengekommen ist.“ Myrna Newsome sah zu Lisa hinüber. „Was hat Sara gesagt, als du angerufen hast?“

Lisa hatte bereits erzählt, was Sara ihr berichtet hatte, aber sie wiederholte es geduldig noch einmal. „Sara meinte, er hätte die Praxis gerade verlassen und müsste jede Minute erscheinen.“

„Das war vor zehn oder fünfzehn Minuten“, bemerkte Ben. „Ich wette, er hat bei der Unglücksstelle angehalten, an der Donna ums Leben gekommen ist, und grübelt einmal wieder.“

„Heute nicht“, widersprach Myrna. „Es sind noch zwei Wochen bis zu ihrem Todestag. Wahrscheinlich hat ihn jemand um einen Gefallen gebeten. Du kennst doch Nick. Der Junge kann einfach niemandem eine Bitte abschlagen.“

Mir schon, dachte Lisa und ging zum Fenster hinüber. Sie hätte ihn nie bitten sollen, Vater ihres Kindes zu werden. Aber sie waren schon seit ewigen Zeiten Freunde. Sie hatte nicht geglaubt, dass ihre Bitte solch ein Problem für ihn darstellen würde. Dabei hatte sie nur sein Sperma gewollt. Sie hatte nicht vorgehabt, Donnas Platz einzunehmen.

Nie würde sie den Ausdruck auf seinem Gesicht vergessen, als sie ihm ihre Bitte vorgetragen hatte. Oh, er war freundlich und zuvorkommend, verständnisvoll und mitfühlend wie immer gewesen. Aber er hatte Nein gesagt. Für ihn käme das nicht in Frage, hatte er behauptet. Jetzt nicht und niemals.

„Regnet es draußen?“, fragte Myrna.

Lisa zuckte leicht zusammen und schaute hinaus. „Nein, noch nicht.“

Aber in den letzten Stunden hatte sich der Himmel bezogen, und es sah aus, als ob es jeden Moment regnen könnte. Sie hatte es nicht bemerkt, wohl deshalb nicht, weil die trübe Welt da draußen genau ihre Stimmung widerspiegelte. Gab es eine Chance, dass Nick doch noch seine Meinung änderte?

Sie warf einen Blick auf das leichte Sommerkleid, das sie trug, ein weiteres Beispiel ihrer Dummheit. Was hatte sie sich dabei gedacht? Dass er plötzlich von Leidenschaft übermannt würde, wenn er sie ausnahmsweise einmal in einem Kleid sah und es kaum erwarten würde, mit ihr ins Bett zu gehen? Es würde mehr als ein Kleid brauchen, um aus ihr eine Frau zu machen, der Männer zu Füßen fielen. Da nützte auch der Lippenstift und das Parfüm, das sie heute benutzt hatte, nicht viel. Statt sich hübsch und sexy zu fühlen, kam sie sich ziemlich dumm und einfältig vor. So, als würde sie versuchen, Donna zu spielen.

Vielleicht hatte sie noch genug Zeit, um rasch in Jeans zu schlüpfen und den Lippenstift abzuwischen. Doch das Gebell von Chipper und Rusty riss sie bereits aus ihren Gedanken. Nein, sie hatte keine Zeit mehr. Nicks Jeep bog bereits in die Einfahrt der Farm ein.

„Er ist da“, rief Lisa aus. Im gleichen Moment begann es heftig zu regnen.

Myrna lief ebenfalls zum Fenster und sah, wie Nick seinen Wagen parkte. „Bis er die Tür erreicht hat, wird er vom Regen völlig durchnässt sein“, sagte sie.

„Ich werde ihm mit einem Schirm entgegengehen.“ Lisa lief in den Flur, zog rasch die Sandaletten aus und holte den Schirm aus dem Flurschrank.

Nick war bereits aus dem Wagen gestiegen, als sie auf die Veranda hinaustrat, also lief sie ihm rasch entgegen. Es regnete so stark, dass sich bereits die ersten Pfützen in der Einfahrt bildeten, und das Wasser war angenehm warm an ihren nackten Füßen. Die beiden Hunde sprangen mit ihr durch den Regen. Wahrscheinlich konnten sie es kaum erwarten, Nick anzuknurren, wie sie es immer taten.

„Hi, Chipper! Rusty! Es reicht“, befahl sie.

Nick drehte sich um, und ein fast bestürzter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. „Hallo“, sagte er.

„Du hast deinen Bart abrasiert!“, rief sie fassungslos.

Er rieb sich das Kinn. „Ja, die Mädchen beklagten sich, dass meine Küsse zu kratzig wären.“

Lisa sah ihn einen Moment fragend an. Was für Mädchen? Seit Donnas Tod hatte es keine Frau mehr in seinem Leben gegeben. Es sei denn, er meinte sie. Vielleicht hatte er doch über ihr Angebot nachgedacht.

„Wirst du mich jetzt unter deinen Schirm lassen, oder willst du nur damit angeben?“

„Oh.“ Lisa trat rasch an seine Seite. „Entschuldige, dein neues Aussehen hat mich völlig durcheinandergebracht.“

„Du kannst es nicht fassen, wie attraktiv ich bin, nicht wahr?“, scherzte er und schloss die Wagentür.

Plötzlich wurde ihr bewusst, dass Chipper und Rusty nicht knurrten, sondern freudig mit den Schwänzen wedelten.

„Nun, schau dir das an“, sagte Lisa. „Habe ich dir nicht immer gesagt, dass sie sich eines Tages an dich gewöhnen würden?“

Nick lachte. „Mein neues Aussehen muss den Sinneswandel bewirkt haben.“

„Ja.“ Lisa lächelte ihn an. Nick hatte gute Laune, er war viel ausgelassener als sonst. Das musste etwas bedeuten. Sie hoffte zumindest, dass es etwas bedeutete.

„Ich habe heute wohl mit offenen Augen geträumt“, sagte er, während er mit ihr durch die Pfützen lief. „Und glatt die Abfahrt zu deiner Farm verpasst.“

„Das ist schon in Ordnung. Wir verzeihen dir noch einmal.“ Sie blieb auf der überdachten Veranda stehen, schüttelte kräftig den Regenschirm aus und stellte ihn dann geöffnet zum Trocknen auf den Boden. Die Hunde schüttelten sich ebenfalls den Regen aus dem Fell.

„Macht dort Platz“, befahl Lisa und wies auf die Lieblingsplätze ihrer Hunde. Dann wandte sie sich Nick zu. Jetzt oder nie! Sie musste ihren ganzen Mut zusammennehmen und ihn fragen, ob er seine Meinung doch noch geändert hätte. „Um noch einmal auf den Gefallen zurückzukommen, um den ich dich gebeten habe? Ich mache mir bereits Sorgen, weil …“

„Worüber Sorgen?“, unterbrach sie Nick. „Seit wann lasse ich einen Freund im Stich?“

Dem Himmel sei Dank. Für einen winzigen Moment blieb die Welt für sie stehen. Ihr Herz setzte für einen Moment aus und eine ungeheure Freude erfüllte sie. Er würde der Vater ihres Kindes werden. Er würde ihr helfen, schwanger zu werden.

Lisa fühlt sich befreit, fast ein wenig beschwipst. Sie wollte lächeln, irgendetwas zu ihm sagen, doch sie schien keine Gewalt mehr über ihre körperlichen Reaktionen zu haben. Dann bemerkte sie, dass sie immer noch die Luft anhielt.

Sie atmete mehrere Male tief durch. „Ich weiß das wirklich zu schätzen“, bedankte sie sich. Was sagte man in solch einer Situation? Aber Höflichkeitsfloskeln waren noch nie ihre Stärke gewesen. „Hast du nach unserem Treffen noch ein wenig Zeit?“

„Klar“, erwiderte er. „Sag mir nur, was du willst, und ich stehe dir zur Verfügung.“

Sie umarmte ihn stürmisch und küsste ihn auf seine wundervoll glatte Wange. „Das ist wundervoll.“

Ihre Reaktion schien ihn ein zu überraschen. Vielleicht übertrieb sie ein wenig. Oder vielleicht hatte er Angst, dass sie mehr in seine Zustimmung hineinlas, als sie sollte. Sie würde ihm versichern müssen, dass sich der Charakter ihrer Freundschaft nicht ändern würde. Dass sie nichts von ihm erwartete, wenn sie erst schwanger war. Aber jetzt war keine Zeit für solch ein Gespräch, Myrna und Ben warteten bereits.

„Es ist wohl besser, wir gehen jetzt hinein“, sagte sie, obwohl sie im Moment so ausgelassen war, dass sie am liebsten im Regen über die Wiese getanzt wäre. Aber das kam natürlich nicht in Frage. Er würde denken, dass sie nicht verantwortungsbewusst genug wäre, um ein Kind großzuziehen.

Also ließ sie ihn ins Haus und unterdrückte das glückliche Lächeln, das sich auf ihr Gesicht stehlen wollte. Jetzt musste sie einer Sitzung vorstehen. Wenn die vorüber war, würde sie an das Weitere denken. Nachdem sie ihre nassen Füße auf der Fußmatte an der Tür abgewischt hatte, griff sie nach ihren Sandaletten.

„Was ist mit deinem Gesicht passiert?“, fragte Ben, als beide den Raum betraten.

Nick lächelte, während er Bens Hand schüttelte. „Ich konnte mein altes Gesicht nicht mehr sehen.“

„Bist du sicher, dass du nicht Neal bist?“, fragte Ben. „Ich habe gehört, dass es stets in Strömen regnen soll, wenn Neal in dieser Gegend auftaucht.“

Die anderen lachten, doch Lisa lief ein Schauder über den Rücken. Neal hier? Schlimmer könnte ein Albtraum für sie nicht aussehen. Sie schüttelte rasch diesen Gedanken ab.

„Es regnet hier oft“, sagte sie rasch, während sie sich setzte, um ihre Sandaletten anzuziehen. „Außerdem, wenn das Neal wäre, hätte ich ihm erst gar nicht die Tür aufgemacht.“

Lisa spürte, wie Nick sich sofort anspannte. Sie hatte vergessen, wie sehr er stets seinen Bruder beschützte.

„Ich wusste gar nicht, dass du Neal kennst“, bemerkte Nick alias Neal.

„Ich habe ihn ein paarmal getroffen“, erwiderte Lisa.

„Ein paarmal getroffen heißt noch nicht, dass du ihn kennst.“

„He, du brauchst Neal nur einmal getroffen zu haben, und du weißt, wen du vor dir hast.“ Lisa lächelte entschuldigend und drückte ihm die Hand. „Nein, ich mache nur einen Scherz. Du hast recht, ich kenne ihn gar nicht. Aber lass es mich so sagen, besser kennenlernen will ich ihn eigentlich auch nicht.“

„Hast du ihm in der Highschoolzeit nicht eine Ohrfeige verpasst?“, fragte Myrna.

Lisa spürte, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. „Du hast davon gehört?“ Sie und Myrna waren zusammen zur Schule gegangen – zumindest in dasselbe Gebäude zur selben Zeit –, aber Myrna war Ballkönigin geworden und Anführerin der beliebtesten Kinder, während Lisa noch nicht einmal einen Partner für Laborversuche gewinnen konnte. Woher wusste Myrna von ihrer Auseinandersetzung mit Neal?

Myrna winkte lässig ab. „Oh, du weißt doch, wie schnell sich Neuigkeiten verbreiten. Wir hätten damals nur allzu gern gewusst, was er getan hat, um diese Ohrfeige verdient zu haben.“

„Eigentlich nichts“, sagte Lisa rasch. Sie hatte absolut keine Lust, irgendjemandem auf die Nase zu binden, wie sehr sie an diesem Tag gedemütigt worden war. Sie hatte damals versucht, Nick zu erklären, dass sie sich in ihn verliebt hatte, da die beiden aber wieder einmal die Rollen getauscht hatten, leider Neal erwischt, und dieser Schuft hatte nichts besser zu tun gehabt, sich über sie lustig zu machen. „Es war nur eine Meinungsverschiedenheit.“

Neal räusperte sich. „Wenn ich mich recht erinnere, hat Neal damals versucht einen Witz zu machen, den du dann falsch verstanden hast.“

„Wahrscheinlich war es ein sehr dummer Witz“, bemerkte Myrna.

Neal runzelte die Stirn. „Ich fand immer, dass mein Bruder einen ausgesprochen guten Sinn für Humor hat.“

„Weißt du, der Junge tat mir immer ein bisschen leid“, sagte Ben, während er sich schwerfällig in einen Sessel setzte. „Ständig dieses Witzereißen und Flirten. Er hat sich solche Mühe gegeben, dazuzugehören.“

„Ja, du hast recht“, warf Lisa ein, während sie ihre Unterlagen ordnete. „Irgendwie konnte er einem leidtun.“

„Das ist doch Unsinn“, entfuhr es Neal.

Die drei anderen sahen ihn erstaunt an, sogar der Regen schien für einen Moment aufgehört zu haben.

„Seht doch nur, was er aus sich gemacht hat“, fuhr er fort. „Er hat heute ein großartiges Leben. Es gibt keinen Grund, ihn zu bemitleiden.“ Er setzte sich und zog einen Kugelschreiber aus seinem Jackett. „Sollten wir jetzt nicht mit der Sitzung beginnen?“

Neal gab sich die größte Mühe, sich auf die Punkte der Tagesordnung zu konzentrieren