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Illustrationen: Markus Lenz (Band 1-4)
Sonja Krutyholowa-Richter (Band 5-6, Jugendbuch)

Die Geschichten sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit realen Namen oder Ereignissen wäre rein zufällig.

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Kinderbuch-Leseproben

Die Reise nach Himmelblau

Buch01

Immergrün

In einem Wald am Stadtrand steht ein Baum, der niemals seine Blätter verliert. Er hat selbst im eisigsten Winter noch grüne Triebe. Die Anwohner nennen ihn »magische Eiche« und die Stadt verdankt ihr den Namen »Immergrün«. Es soll hier Feen, Waldgeister und andere Zauberwesen geben. Nach einem Ausflug berichten viele Kinder von Begegnungen mit Märchengeschöpfen.

In der Nähe wohnt der achtjährige Michael. Er findet solche Geschichten spannend, weiß aber nicht, ob man sie glauben kann. Ein Zehnjähriger hat ihm mal gemeine Dinge über den Weihnachtsmann erzählt. Trotzdem ist er davon überzeugt, dass es ihn gibt. Als Michael drei Jahre alt war, ist er zu Besuch gekommen und dieses Erlebnis hat ihn stark beeindruckt. Wenn es Märchenwesen geben sollte, sind sie bestimmt schüchtern und man sieht sie nur sehr selten, glaubt er. Michael ist oft zum Spielen im Wald, aber bislang hat er keine Zauberwesen gesehen.

Seine Grundschule ist ein über hundert Jahre alter Backsteinbau mit einem parkähnlichen Garten. Heute bringt ihn seine Mutter Anna zur Schule. Sie gehen durch ein großes Eingangsportal in einen Flur, in dem viele Kinder herumflitzen.

»Ich will noch mit deiner Klassenlehrerin Frau Stein reden«, sagt seine Mutter. »Ich muss noch den Eintritt für den Dino-Park bezahlen.« Michael freut sich sehr auf den Schulausflug morgen, aber etwas bedrückt ihn.

»Mama«, jammert er, »ich möchte nicht, dass Jan mitkommt.« Er findet, dass Jan böse ist.

»Michael, darüber haben wir doch schon geredet«, antwortet seine Mutter. »Jan ist erst seit ein paar Wochen in deiner Klasse. Es ist immer schwer, wenn man neu ist.«

»Aber er schubst und haut und macht alles kaputt!« Michael ist wütend. Versteht sie ihn denn nicht?

»Ich habe mit seiner Tante gesprochen«, erklärt seine Mutter. »Sie sind gerade umgezogen und Jan ist darüber sehr unglücklich.«

»Wieso wohnt er bei seiner Tante?«

»Als er drei Jahre alt war, sind seine Eltern verschwunden.«

»Wohin denn?«

»Das weiß niemand und du erzählst es auch nicht weiter.« Seine Mutter sieht ihn ernst an. »Heute holt dich Papa von der Schule ab.«

»Ich kann alleine gehen«, entgegnet Michael trotzig.

»Ja, aber momentan ...« Sie denkt nach. »Momentan ist es besser, wenn du nicht alleine nachhause gehst.«

»Dann gehe ich mit Tim.« Tim ist neun Jahre alt und bereits seit der Kita Michaels bester Freund. Außerdem wohnt er gleich nebenan.

»Es sollte ein Erwachsener dabei sein«, erwidert seine Mutter. In dem Moment bemerkt sie die Klassenlehrerin. Sie gibt Michael einen Kuss auf die Wange und geht zu ihr.

Michael hängt seine Jacke an einen Haken im Flur neben seinem Klassenraum. Er schaut sich um und entdeckt einen Mitschüler aus seiner Nachbarklasse. »Hallo Eduardo«, ruft er. »Tim und ich wollen in der großen Pause noch mit Lichtschwertern kämpfen, willst du mitmachen?«

»Cool«, antwortet der Junge mit den schwarzen Haaren und braunen Augen, »aber ich kann leider nicht. Mein Papa kommt nachher und dann gehen wir zum Rektor.«

»Warum denn?«

»Ich komme nicht mit auf die Klassenfahrt im September. Ich fahre mit meinem Vater nach Amerika und bleibe den ganzen Sommer.«

»Wow«, antwortet Michael begeistert. »Amerika!«

»Mein Papa arbeitet für ein Weltraumprojekt in Florida. Ich kann vielleicht einen Raketenstart sehen.«

»Super«, freut sich Michael für seinen Freund. »Ich muss los und mir einen coolen Ast besorgen, für nachher.«

Bis zur ersten Stunde ist noch etwas Zeit und er flitzt durch den Hinterausgang in den Garten. Seine Jacke braucht er nicht, es ist warm genug. Er schlüpft durch ein Loch im Zaun und geht zum nahen Waldrand. Dort gibt es die besten Äste und Stöcke, weiß er.

Die Taschenlampe

Michael sucht den Boden neben einer uralten, knorrigen Eiche ab. Da bemerkt er ein seltsames, blaues Leuchten, das aus einem großen Astloch kommt. Er schaut hinein und ist erstaunt, dass er durch den Baum hindurchsehen kann. Er sieht einen strahlend blauen Himmel und weiße Wolken. In der Ferne erkennt er einen Leuchtturm, der in den Farben des Regenbogens bemalt ist. Michael steht staunend und mit offenem Mund da, als sein Blick plötzlich verdeckt wird. Eine Hand taucht aus dem Astloch auf, dann eine weitere und zum Schluss ein Kopf. Der Kopf hat spitze Ohren, eine spitze Nase, runde Kulleraugen und schwarze Haare. Die Kulleraugen sehen Michael an und auf einmal sagt das winzige Geschöpf: »Kannst du mir bitte mal helfen?«

Michael ist zu neugierig, um davonzulaufen. So hilft er dem seltsamen Wesen durch das Astloch, wobei es auf wundersame Weise wächst. Zum Schluss steht es neben dem Baum und ist einen Kopf kleiner als Michael. Es trägt ein braunes T-Shirt, eine kurze, karierte Hose und Sandalen. Michael bemerkt auch seine Flügel am Rücken. Staunend schweigt er.

Das Wesen schaut sich verwirrt um. Dann zieht es noch einen winzigen Sack aus dem Loch, der dabei größer wird. Als er draußen ist, stellt er ihn auf den Boden.

»Ich bin Purzel, ein Elfenjunge von Himmelblau«, sagt das Geschöpf. »Ich suche den Sohn von Karl Engel.«

»Mein Papa heißt so«, sagt Michael verwundert. »Das bin ich.«

»Super, dann habe ich was für dich.« Purzel wühlt in seinem Sack, in dem viele Taschenlampen sind. »Hier!« Er reicht ihm eine der Lampen. »Schöne Grüße von meinem Papa Ferel an deinen.«

Michael nimmt die Taschenlampe und schaut sie staunend an. Sie sieht ganz normal aus und hat einen regenbogenfarbenen Griff.

Taschenlampe

»Wie heißt du?«, fragt Purzel.

»Michael.«

»Ich habe bei meinem letzten Besuch hier eine Taschenlampe verloren. Kannst du mich rufen, wenn du sie findest?«

»Ja, aber wie denn?«

»Einfach laut in das Astloch rufen«, erklärt Purzel und klettert hinein, wobei er immer kleiner wird. »Bis später«, piepst er noch mit hoher Stimme und verschwindet.

Da bemerkt Michael ein Buch am Boden.

»Warte!«, ruft er Purzel hinterher, doch er kommt nicht zurück. Michael hebt das Buch auf und geht zur Schule.

Michaels Grundschule teilt sich ihren Garten mit einer Kita. Dort hat ein Fußball die Sandburg von Tims vierjähriger Schwester Lisa zerstört. Lisa schimpft wie ein Rohrspatz. Es war Jan!

Michael rennt zum Sandkasten, doch Jan macht sich mit dem Ball aus dem Staub. Michael hilft Lisa noch, den Sand vom Kleid zu bekommen, da ertönt die Pausenglocke. Er muss zum Unterricht.

Das Wunder

Michael sitzt im Schlafanzug auf dem Bett in seinem Zimmer und betrachtet neugierig das Bilderbuch. Seine Taschenlampe liegt neben ihm.

»Noch fünf Minuten, dann geht es ins Bett«, hört er seine Mutter Anna von draußen.

»Ja - ha«, ruft Michael zurück.

Michael schlägt das Buch auf und es redet sofort los. »Hallo, ich bin Billy das Bilderbuch«, sagt es. Erschrocken fällt es Michael aus den Händen.

»Aua«, jammert das Bilderbuch. »Sei bitte vorsichtiger.«

Michael nimmt das Buch und öffnet es erneut. Auf der ersten Seite ist ein Bild von einem Planeten. Das Meer ist blau, das Land gelb, orange und grün und ein Vulkan spuckt rote Lava aus. Das ist ein sehr bunter Planet, findet Michael.

»Das ist Himmelblau«, erklärt Billy. »Dort gibt es Elfen, Zwerge, Piraten, Riesen und viele weitere magische Wesen. Auf der einen Seite des Planeten scheint immer die Sonne, auf der anderen nie.«

»Wahnsinn«, sagt Michael begeistert und blättert nach einiger Zeit um. Das nächste Bild zeigt einen Leuchtturm, der in den Farben des Regenbogens bemalt ist.

»Den kenne ich«, ruft Michael. »Der war im Astloch!«

»Das ist der Leuchtturm der Abenteuer auf Himmelblau«, antwortet Billy. »Dort lebt Purzel mit seinen Eltern.«

Michael blättert staunend weiter und erkennt eine Taschenlampe, die wie seine aussieht.

»Das ist eine magische Taschenlampe«, erklärt das Buch. »Schaut man in ihr Licht, reist man nach Himmelblau.«

...

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Flucht durch Bärenstadt

Buch02

Das Zepter

Am Fuße eines Feuer spuckenden Vulkans liegt die gewaltige Bärenstadt. In ihrem Herzen ist ein großer Platz mit einer uralten Eiche und ganz in der Nähe ist ein Kindergarten.

Dort arbeitet die Bärin Mala. Sie ist 62 Jahre alt, hat hellbraunes Fell und trägt ein rosafarbenes Sommerkleid. In ihrer Zeit als Erzieherin hat sie viele Bären aufwachsen sehen. Sie ist einen Kopf größer als die Kinder und sehr beliebt, auch bei der 5-jährigen Sali.

Sali hat dunkelbraunes Fell und eine für ein Bärenmädchen besonders süße Stupsnase. Sie ist ungefähr so groß wie ein 3-jähriges Menschenkind. Passend zu ihren Augen trägt sie ihre neue, blaue Hose, mit der sie auf jeden Baum klettern kann. Sie glaubt fest daran, dass sie ihr Glück bringen wird.

Sali und die anderen Bärenkinder sitzen im Lesezimmer auf einem kuschelweichen braunen Teppich im Kreis. Durch ein offenes Fenster weht frische Meeresluft hinein und man hört leises Wellenrauschen. An den Wänden stehen Regale, die voll mit bunten Bilderbüchern sind. Die kleinen Bären staunen über das, was Mala heute mitgebracht hat. Es ist ein langer Holzstab mit einem leuchtenden Kristall an der Spitze. Der Stab liegt direkt vor ihnen auf dem Teppich.

»Zaubermeister Bärlo war so freundlich und hat uns sein Zepter ausgeliehen«, sagt Mala. »Er wird uns von seinem abenteuerlichen Leben berichten. Bis er kommt, erzähle ich eine Geschichte.« Sie hat ein dickes, schweres Buch auf dem Schoß und schlägt eine Seite auf.

»Es war einmal eine junge Frau von der Erde«, liest sie vor. »Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr, denn eines Tages verschwanden ihr Sohn und ihre Tochter. Es hieß, sie seien gestorben.«

Die Bärenkinder rutschen näher an Mala heran und hören aufmerksam zu.

»Die Frau zweifelte aber daran und so machte sie sich auf die Suche nach ihren Kindern. Dabei fand sie einen Stein, dem man magische Kräfte nachsagte. Die Menschen glaubten, er könne Wünsche erfüllen.«

Sali reckt den Arm in die Höhe und fragt: »War das ein Zauberkristall wie dieser hier?« Sie zeigt auf den funkelnden Kristall des Zepters.

»Ja«, antwortet Mala. »Bärlo wird euch gleich alles darüber erzählen.« Mala rückt sich ihre gelbe Brille zurecht. »Beim Versuch, ihre Kinder mithilfe des Steins zu finden, landete sie auf unserem grünen Mond. Seitdem liegt sie dort in tiefem Schlaf. Ihr seht also, wie gefährlich die Zauberei ist, wenn man sie nicht gelernt hat.«

Sali hebt wieder die Pfote und fragt: »Warum weckt sie denn niemand auf?«

Bevor Mala antworten kann, fliegt die Tür auf und ein erwachsener Bär stürmt in das kleine Lesezimmer hinein. Er trägt eine rote Augenklappe und richtet seinen Krummsäbel auf die am Boden sitzende Erzieherin. »Ich nehme dieses Zepter in meinen Besitz«, brüllt er.

»Das wirst du nicht tun«, entgegnet Mala und legt ihr Buch auf den Teppich. Sie nimmt den Stab und schlägt den Säbel damit zur Seite. Dann steht sie auf und stellt sich schützend vor die Kinder. Mit ihren braunen Augen funkelt sie den Bären herausfordernd an.

»Geh da weg«, brüllt der Bär und fuchtelt mit dem Säbel vor ihr herum. »Ich bin der schreckliche Pirat Obertatze!«

»Hm«, brummt Mala. Der Bär sieht sie verunsichert an. »Du bist doch der kleine Pupu«, sagt sie plötzlich. »Du hast schon als Kind den anderen ihre Spielzeuge weggenommen. Es wundert mich nicht, dass du ein Pirat geworden bist.«

»Ich heiße nicht ... so, wie du gesagt hast«, stammelt Obertatze verlegen.

»Doch«, entgegnet Mala, »du bist der kleine Pupu Pummeldösel aus der Mondscheingasse 6.«