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Wolfgang Funke

SELBST

VERSORGUNG

Unabhängig, nachhaltig

und gesund leben

 

Aussaat – Anbau

Konservierung – Vorratshaltung

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1. eBook-Ausgabe

© 2011 Scorpio Verlag GmbH & Co. KG, Berlin · München

Umschlaggestaltung und Umschlagmotiv: David Hauptmann,

Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

Alle Zeichnungen im Innenteil: Gisela Rüger, München

Fachliche Beratung: Frank von Berger

Satz: Fotosatz Amann, Aichstetten

Konvertierung: Brockhaus/Commission

ePub-ISBN 978-3-942166-85-0

Das eBook einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne

Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für

Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung

und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Der Nutzer verpflichtet sich,

die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.

Inhalt

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Die Welt, in der wir leben

 

 

Aprikosen und Erdbeeren mitten im Winter, Mangos und Ananas aus Indien, Äpfel aus Südamerika, exotische Gewürze, Kräuter und Lebensmittel aus der ganzen Welt. Dazu prall gefüllte Warenhäuser und Marktstände, die das ganze Jahr über sämtliche Gemüse im Angebot haben. Kochen ist Event und Leidenschaft. Das Ausprobieren exotischer Leckereien hat Hochkonjunktur. Wir leben in einer Sorglosigkeit, da scheinbar alles jederzeit zur Verfügung steht und jederzeit erhältlich ist. So weit, so gut. Wozu also über Selbstversorgung nachdenken?

Doch so, wie die Liebhaber eines Bratens oder Grillhähnchens verdrängen, dass ihr Hühnerbein in Senf-Sahne-Soße auf dem Teller einmal Bestandteil eines durchaus lebendigen Huhns war, das voller Hingabe mit ebendiesem Bein im Mist gekratzt hat – sofern es das Glück hatte, einigermaßen artgerecht seinem frühen Ende entgegensehen zu dürfen –, so verdrängen wir auch, dass unser allzeit erhältliches und in den Auslagen knackig arrangiertes Gemüse zwar sehr gesund ist, aber Tonnen an Pflanzenschutzmitteln über sich hat ergehen lassen müssen und bisweilen eine Weltreise hinter sich hat. Und auch, dass zur Befriedigung des Bedarfs an Obst und Gemüse in manchen Ländern ganze Landschaften unter Glas verschwinden, wie etwa im Süden von Spanien – mit gravierenden Konsequenzen für den Wasserhaushalt und das natürliche Ökosystem dieser Regionen.

Die Welt ist sprichwörtlich ein Dorf geworden, und alle kaufen aus dem gleichen Regal. Aber welchen Preis bezahlen wir dafür, da ja bekanntermaßen nur der Tod umsonst ist? Der Preis ist in der Regel der totale Verlust an Kontrolle über die wirkliche Herkunft der Lebensmittel und die Umstände, unter denen sie entstanden sind.

Lebensmittelskandal folgt auf Lebensmittelskandal, mehr und mehr Menschen verdirbt es den Appetit, wenn sie von Gammelfleisch lesen oder Bilder im Internet sehen, die in Käfige gepferchte Hühner oder Kaninchen zeigen oder das industrielle professionelle Abschlachten von bis dahin quicklebendigen Schweinen und Kühen – und dazu Bilder von unbeteiligt dreinschauenden Metzgern, die ihren »Job machen«, und zwar am Fließband. Verdrängen ist Bestandteil der Natur des Menschen. Offenbar. Skandale werden vergessen, Umweltkatastrophen, selbst Kriege müssen mühsam in Erinnerung gehalten werden.

Und die Ereignisse im Sommer 2011 haben gezeigt, dass selbst das gesündeste aller Nahrungsmittel – unser Gemüse – nicht frei von Gefahren ist: EHEC, ein geheimnisvoller Krankheitserreger, lässt sogar harmlose Gurken und Sprossen zu einer potenziellen Bedrohung für die Gesundheit werden.

Wem kann man noch vertrauen? Wie oft weicht der verantwortungsvolle Umgang mit der Lebensgrundlage des Menschen der Profitgier oder beugt sich wirtschaftlichen Zwängen?

Ein wichtiger Schritt im Zuge der Vertrauensbildung ist die Ausweisung der Produktionsstätten, die idealerweise aus der Region stammen und daher im Zweifelsfalle besucht werden können. Doch reicht das aus? Auch ein Bauer, der Kälber mästet, muss das Futter und die Medikamente zukaufen, und auch er ist darauf angewiesen, dass alles seine Richtigkeit hat und die Angaben des Lieferanten vertrauenswürdig sind. Und auch der Lieferant kauft wiederum von Lieferanten, die ebenfalls nicht selbst produzieren, sondern als Zwischenhändler auftreten. Wer blickt hier noch durch?

Kann man die Region noch einigermaßen überblicken und durch bewusstes Einkaufen und kritisches Hinterfragen der Angaben auf Etiketten bereits einiges an seiner eigenen Versorgungslage verbessern, so entzieht sich spätestens das globale Umwelt- und Klimageschehen jeder Kontrolle. Das Erdbeben in Japan im März 2011 und die folgende Havarie der Atomanlage in Fukushima schüren weltweit wieder Ängste vor dem globalen Super-GAU. Tschernobyl steckt uns noch in den Knochen und strahlt wie eh und je – was viele schlichtweg verdrängt hatten –, die Gegend um Fukushima wird für Jahrhunderte nicht mehr bewohnbar sein. Irrationale Ängste? Nein. Eine konkrete Bedrohung, so hat man uns versichert, kann eigentlich gar nicht eintreten – und nun ist es doch passiert. Und wieder diese bohrende Ungewissheit und der Verlust an Vertrauen in Regierungen und Konzerne. Es ist mehr als verständlich, dass viele Menschen in einer solchen Situation den dringenden Wunsch verspüren, wieder mehr Kontrolle auszuüben über das, was sie als tägliche Nahrung zu sich nehmen. Zumindest einen kleinen Raum haben, der Sicherheit bietet. Insbesondere Mütter kleiner Kinder spüren die Verantwortung, ihren Kindern eine gesunde Ernährung zu bieten, die ihnen eine optimale Entwicklung garantiert.

Verantwortung global und regional

 

 

Alle wissen es, manche regen sich auf, doch in der Regel sind nur wenige Menschen bereit, etwas zu ändern, da sie denken, es ist ja eh sinnlos, und solange es alle machen, spielen meine Bemühungen keine Rolle. Falsch. Beispiel Sushi: Durch den enormen Beliebtheitsgrad, den das Trendgericht Sushi weltweit erfahren hat, sind innerhalb weniger Jahre die Thunfischbestände in Gefahr geraten. Eine Spezialität der japanischen Küche, von der vor 20 Jahren bestenfalls Japanreisende wussten, ist nun in unzähligen Ländern fester Bestandteil des Angebots in Restaurants und Supermärkten. Wäre es dabei geblieben, dass man Sushi nur in Japan isst, ginge es den Thunfischbeständen vermutlich besser. Mit diesem kleinen Beispiel will ich lediglich aufzeigen, dass die bewusste Beschränkung auf Lebensmittel und Spezialitäten, die in der Region produziert wurden, durchaus sinnvoll ist. Nun mag ich niemandem den Appetit auf Sushi verderben, leben wir doch in einer Zeit, die von Events, Abwechslung und Neugierde auf Neues geprägt ist. Kritisch ist aber der Umstand zu bewerten, dass im gleichen Moment, in dem sich etwas als verkaufsträchtig herausstellt, ganze Industrien aus dem Boden gestampft werden und ein Eigenleben entfalten, das kaum mehr zu stoppen ist. Die Frage nach Ressourcen spielt da nur noch eine untergeordnete Rolle, das Thema Verantwortung für zukünftige Generationen erst recht nicht. Es geht nur noch darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Profit zu machen. Und die traditionellen Hersteller und Kleinbetriebe schauen in die Röhre, da sie bei den Preisdiktaten der Großunternehmen kaum noch Gewinn machen können.

Nun, bis hierher nichts Neues. Und auch die Tatsache, dass die Lebensmittelproduktion weltweit von immer weniger Großkonzernen kontrolliert wird, Kartoffeln und Lachse patentiert werden oder genmanipulierte Pflanzen im Handel sind, ist sattsam bekannt, bereiten aber der Masse der Konsumenten offenbar keine großen Sorgen. Hier muss jeder für sich die Grenze finden, an der die Schwelle zum persönlichen Unbehagen überschritten wird und man eine ernsthafte Bedrohung seiner Gesundheit oder moralischen Integrität befürchtet. Aber es geht nicht nur um die eigene Gesundheit, es geht auch darum, ein deutliches Signal zu setzen. Wer genmanipuliertes Soja kauft, stimmt damit dieser Technologie zu. Es ist, wie eine Pille zu schlucken, die einem ein Unbekannter auf der Straße anbietet mit den Worten: »Probier mal, ist gesund!«

Und dies bestärkt natürlich die Produzenten in ihrem Tun, ein neuer Markt entsteht, wächst, entfaltet sein eigenes Leben und wird immer mächtiger – und irgendwann denkt niemand mehr nach, weil es allgegenwärtig und damit normal wird. Und, es ist ja nichts Schlimmes passiert – noch nicht. Wie Fukushima gezeigt hat.

Selbstversorgung heißt Selbstverantwortung

 

 

Wen wundert es also, dass immer mehr Menschen darüber nachdenken, einen eigenen Garten zu haben, vielleicht sogar einen kleinen Hof zu bewirtschaften, um eigene Lebensmittel zu produzieren, also den Schritt in die Selbstversorgung wählen und selbst die Verantwortung übernehmen für das, was auf den Tisch kommt.

Was aber bedeutet Selbstversorgung? Nun, erst einmal meint es das korrekte Einschätzen der eigenen Bedürfnisse und dessen, was wirklich benötigt wird. Die Betonung liegt hierbei auf wirklich, da vieles Liebgewonnene sich plötzlich als durchaus verzichtbar erweist. Hinzu kommen die Motivation und die Zeit, die ich in der Lage bin zu investieren, beispielsweise in einen großen Gemüsegarten oder in das Brauen von Bier.

Zurück zur Natur?

 

 

Selbstversorgung meint nicht, einem romantisch verklärten Bild vom Landleben im Allgemeinen und vom Gärtnern im Besonderen nachzuhängen. Trotz deutlicher Fortschritte auf dem Gebiet der Landmaschinen bleibt der Landbau im wahrsten Sinne des Wortes eine Ackerei, um nicht zu sagen: eine schweißtreibende Angelegenheit. Ich ziehe den Hut vor unseren Vorfahren, die sich unter den damals herrschenden Bedingungen von ihrer eigenen Hände Arbeit ernährt haben. Diese Umstände können wir uns nur mehr schwer vorstellen: was es heißt, mit bloßer Muskelkraft ein Stück Wald zu roden, den Boden urbar zu machen, zu pflügen und dann zu hoffen, dass sämtliche Wettergötter dem Unterfangen gnädig gestimmt sind. Manche Familie verlor ihre Existenzgrundlage nach einem einzigen heißen, trockenen Sommer, nach einer Naturkatastrophe und natürlich auch aufgrund politischer Entscheidungen in fernen Hauptstädten.

Das Leben auf dem Lande war also alles andere als romantisch, die Hauptarbeit wurde oft von Frauen geleistet, die sich infolgedessen nur wenig den Kopf darüber zerbrachen, welche Schuhe sie zum Shopping anziehen sollen und ob die neue Faltencreme die noch fast unsichtbaren Verwitterungserscheinungen im Augenwinkel verbergen helfen kann. Es war ein prall gefüllter Arbeitstag: Als Erstes in aller Früh das Vieh zu füttern, dann den Haushalt, die Familie und den Garten versorgen. Auch Pflügen war mancherorts Frauenarbeit, das Einbringen der Ernte, das Konservieren und Haltbarmachen – möglichst, ohne dabei einen Fehler zu machen. Und ganz nebenbei zogen sie noch die Kinder groß. Nicht, dass die Männer dabei Däumchen gedreht hätten, sie waren vollauf beschäftigt mit der Instandhaltung von Haus und Hof, der Feldarbeit, der Ernte, Holz zu machen, Bäume zu roden und vielem mehr.

Befriedigung durch das einfache Leben

 

 

Wie kommt es aber, dass wir ein derart romantisch verklärtes Bild vom Leben auf dem Lande haben? Auch heute, trotz modernster Landmaschinen, leiden Bauern ihre Nöte, sei es aufgrund diverser EU-Verordnungen, Preisvorgaben oder dass sich die Suche nach einem Menschen, der die Mühen mit dem Bauern teilen will, als sehr schwierig gestaltet. Ganz davon abgesehen, dass Landwirte sicher nicht den Löwenanteil der überall durch die Welt streifenden Touristen ausmachen. Im Gegenteil: Um Urlaub zu machen, muss erst ein Kuh- oder Schweinesitter gefunden werden, und meist gibt es draußen immer etwas zu tun, selbst der Winter bietet viele Arbeiten, die erledigt werden müssen: Brennholz machen, Maschinen, Zäune und Gebäude reparieren oder die Vorräte vor hungrigen Mäusescharen verteidigen. Eines ist klar: Wer mit der Natur arbeitet, muss sich an ihre Gesetzmäßigkeiten und Rhythmen halten und sein Leben diesen unterordnen.

Was motiviert uns also, all dies auf uns zu nehmen? Nun, die Befriedung beim Anblick des Stapels Holz am Abend verschafft gerade Stadtmenschen Erfolgserlebnisse, die meist spät von der Arbeit kommen, völlig erschöpft und gestresst, ohne zu wissen, was sie eigentlich getan haben, und die nichts wirklich Greifbares vorzuzeigen haben – selbst Erfolgserlebnisse bleiben virtuell. Und nicht zu vergessen: Die eingangs erwähnte wiedergewonnene Kontrolle über das, was ich meinem Körper einverleibe, wenn ich eine Mahlzeit zu mir nehme, das gute Gefühl, etwas für meine Gesundheit zu tun und damit mir und der Welt ein Signal zu setzen. Und vielen Menschen ist es wichtig, sich und der Welt zu beweisen, dass sie von der eigenen Hände Arbeit leben können, und etwas aufzubauen und auch für die nächste Generation zu hinterlassen.

Ein Loblieb auf den Garten

 

 

Doch muss es ja nicht gleich eine eigene Landwirtschaft sein. Auch ein Garten ist schön, ein Garten ist Trend, ein Garten ist wunderbar. Aber auch hiergilt: Bitte nicht sich selbst in die Tasche lügen und genau überlegen, was man zu leisten in der Lage bereit ist. Der Preis für einen gepflegten Garten ist hoch, ständig muss gezupft und gerupft werden, damit nichts das perfekt inszenierte Bild stört. Das ist eine Frage des Anspruchs und des persönlichen Geschmacks. Da ist Biogärtnern schon »einfacher«, da man hier auch einmal etwas Mut zur Unordnung zeigen kann. Wieso, erkläre ich später ausführlicher. Bleiben lästige Insektenbisse, abgebrochene Fingernägel oder der Dreck, der einem in die Augen spritzt, wenn man mit Schwung eine Brennnessel aus der Erde reißt. Und dann die Hände, die nach getaner Arbeit erst mal eingeweicht werden müssen, um wieder in ihre alte Form zu finden. Von Quaddeln am Bein, Zeckenbissen, Mückenstichen, Kratz- und Schürfwunden, Rückenschmerzen und den Attacken allerlei gefräßiger Garten-Mitbewohner auf die potenzielle Ernte gar nicht zu reden. Nun, zweifellos ist Bewegung an der frischen Luft nicht schlecht für die Gesundheit, und auch Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt sogar Kindern, die das Salatblatt und die Gurkenscheibe vom Hamburger nehmen, weil diese ja Vitamine enthalten könnten.

Was brauche ich wirklich?

 

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Maß der Dinge ist entscheidend. Reichen mir ab und zu einige Tomaten, die ich stolz von einer Tomatenpflanze im Kübel abpflücke, oder versetzt mich ein Eimer selbst geernteter Kartoffeln oder der einzige Apfel aus dem eigenen Garten in einen Freudentaumel? Oder möchte ich zuverlässig einen gewissen Prozentsatz an frischem Obst und Gemüse aus dem Supermarkt durch solches aus dem eigenen Garten ersetzen und idealerweise noch einige Vorräte anlegen, damit im Winter nicht alles zugekauft werden muss? Oder will ich sogar noch weiter gehen und auch Käse, Brot und Wein aus eigener Herstellung auf den Tisch stellen? Und wer es ganz weit treiben mag, wird auch darüber nachdenken, wie sich die Kosten für Heizen, Wasser und Strom deutlich senken lassen. Hier muss jeder für sich entscheiden, was gewünscht und was möglich ist. Ein Vollausstieg in unserer komplexen Welt ist nicht nur aufgrund globaler Vernetzungen, sondern auch aufgrund nationaler Gesetzgebung nicht einfach. Hier gibt es vieles zu beachten, und Menschen, denen dies glückt, sind deutlich in der Minderheit.

Am Anfang einer Selbstversorgung mit Augenmaß sollten Sie sich die folgenden Fragen offen beantworten:

Selbstversorgung meint also auf keinen Fall den Einstieg in den Ausstieg, wie es besonders in den 70er- und frühen 80er-Jahren im Rahmen einer »Zurück zur Natur«-Welle propagiert worden ist. Am Anfang jeder Selbstversorgung steht erst einmal die Einsicht, dass wir in einer Welt leben, in der alles global vernetzt ist: Gegen verschmutzten Regen und radioaktiven Fallout hilft auch der gesündeste und liebevoll bearbeitete Boden im Biogarten nichts.

Der Weg in die Selbstversorgung heißt auch, kritisch zu reflektieren, was man eigentlich wirklich braucht, worauf man Wert legt, und sich klar zu werden, was genau man eigentlich täglich zu sich nimmt, getreu dem Motto: Der Mensch ist, was er isst, oder wie es in den uralten Schriften des Ayurveda zu lesen ist: Der Mensch ist, was er verdaut.

 

Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben

 

 

Menschen, die es aus den Städten des reichen Westens in ferne Länder trieb, wo sie eine neue, einfache Existenz gründen wollten, werden oft als Wohlstandsflüchtlinge verspottet. Was bedeutet dies? Ist Wohlstand bedrohlich? Sicher, wir haben alles, alles ist geregelt, in fünf Minuten steht im Zweifelsfall der Notarzt vor der Türe, der Müll wird weggezaubert, zur Gewissensberuhigung stopfen wir leere Flaschen in Glascontainer und trennen unseren Müll akribisch. Die Welt ist wie ein großes Kino, und die Katastrophen spielen sich im Fernsehen ab. Wenn es zu viel wird, schaltet man einfach ab, oder gar nicht erst ein, weil die schlechten Nachrichten einem die Tageslaune verderben könnten. Auf einem zehnminütigen Spaziergang durch die Fußgängerzone einer mittelgroßen Stadt können wir Spezialitäten aus der ganzen Welt naschen, und es werden Bedürfnisse geweckt, von denen wir am Morgen noch gar nichts geahnt haben. So weit der Alltag in einer Wohlstandsgesellschaft. Fehlt da nicht noch etwas?

Sicher, die Angst um den Arbeitsplatz, das schleichende Hineinwachsen in immer größere Abhängigkeiten, die einfach Geld kosten. Was tun, wenn der Strom abgestellt wird? Was tun, wenn der Automat die Karte nicht mehr hergibt oder die Kassiererin im Supermarkt einen darauf hinweist, dass die Kreditkarte gesperrt ist? Was tun, wenn die Belastung zu groß wird, der Druck einem den Schlaf raubt, die Gesundheit in Schieflage gerät? Burnout – die neue Volkskrankheit. Stress, Ausnutzung, das Entmenschlichen der Arbeitswelt und immer mehr Arbeit, die auf immer weniger Schultern verteilt wird – derjenigen, die sich »glücklich« schätzen können, eine Anstellung zu haben. Das Karussell dreht sich immer schneller – aber wo ist die Lebensqualität? Für manche mag es Lebensqualität sein, das Jahr über täglich zehn Stunden arbeiten zu müssen, um sich einen zweiwöchigen Urlaub finanzieren zu können – mit fragwürdigem Ergebnis.

Und dann noch etwas: Dreht sich dieses Leben nur um die Erfüllung materieller Bedürfnisse? Wo sind die Glücksmomente? Immer mehr Menschen erreichen einen Punkt in ihrem Leben, an dem die innere Leere schmerzt und sich die Frage nach den Prioritäten stellt. Und hinzu kommt vielleicht die Einsicht, dass ein simples Butterbrot genauso satt und zufrieden macht wie ein teures Essen im feinsten Restaurant. Aus all dem resultieren vielleicht die Sinnfrage und das Verspüren einer Sehnsucht tief innen nach dem Schlichten, Ursprünglichen und Einfachen. Im urbanen Leben sind wir tagein, tagaus mit völlig aberwitzig künstlichen Dingen beschäftigt, die weder Befriedigung bringen noch irgendeiner Sinnfrage standhalten – Stress auf hohem Niveau: Der Absatz des Designerschuhs bricht ab, die Drehtür funktioniert nicht, die Rolltreppe steht still, das Auto ist kaputt, der Zug hat Verspätung, der Bargeldautomat ist leer, das Ersatzteil nicht mehr lieferbar, das Wartezimmer voll, die Rotphase der Ampel zu lang, der Preis für Benzin schon wieder gestiegen, der Winterdienst arbeitet zu langsam, das Huhn in der Frischtheke des Supermarkts hat das Verfallsdatum überschritten, mein Lieblingskäse ist ausverkauft, der Wein korkt, die Lieferung des neuen Sofas dauert skandalöse acht Wochen, der Fahrstuhl ist stecken geblieben, die Straße gesperrt, ein Brief vom Finanzamt im Briefkasten … – und dann?

Einfachheit bedeutet, sich mit den grundsätzlichen Dingen zu befassen, mit bodenständigen Arbeiten wie Unkraut jäten, spülen, Holz sägen, den Boden bearbeiten und sich an den einfachen Dingen zu freuen, die, wie schon gesagt, oft die besten sind. So habe ich vielleicht nur die Wahl zwischen zwei Sorten Käse statt zwischen mehreren Dutzend, das Brot schmeckt jedes Mal etwas anders, aber immer gut, Fleisch ist die Ausnahme und nicht die Regel.

Mich faszinieren die einfachen Dinge. Etwa, wie man aus Mehl und Wasser einen Teig knetet, aus dem sich Fladenbrote formen lassen. Oder wie aus wenigen Samenkörnern große, stattliche Pflanzen heranwachsen. Oder wie aus Milch Quark, Käse, Joghurt, Molke und Sahne hergestellt werden kann. Wie aus Trauben und Früchten Wein entsteht und wie gut eine simple, in der Sonne gereifte Tomate schmecken kann oder wie intensiv Thymian duftet. Stille und Einfachheit. Verbunden mit Achtsamkeit bei allem, was man tut, auch mit sich selbst. Mit einem feinen Gespür und Bewusstsein in der Stille wieder auf die eigene innere Stimme hören. Und nicht im Straßenlärm stehen, der alles übertönt, oder Bedürfnissen nachzujagen, deren Befriedigung mehr Geld kostet, als man verdient, und die nicht einmal nachhaltiges Glück versprechen. Das wahre Leben ist ein entschleunigtes Leben, ein selbstbestimmtes Leben als Selbstversorger. Ich versorge mich selbst, mit allem, was ich wirklich brauche und was mir wichtig ist. Mit allem, was wirklich zählt. Und das sind nicht nur die materiellen Dinge.

Das Leben können wir nicht beliebig verlängern, aber wir können es vertiefen. Und wir können die Qualität der Erfahrungen, die wir sammeln wollen, selbst bestimmen. Und dabei helfen uns der Umgang und das Beschäftigen mit der Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten.

Gemeinsam stark

 

 

Höfe wurden früher von ganzen Familien samt Knechten und Erntehelfern bewirtschaftet. Selbst heute, unter Zuhilfenahme aller modernen Errungenschaften und Maschinen, ist es nicht möglich, alles allein zu machen. Niemand wird es schaffen einen Garten zu pflegen, Getreide anzubauen, sein eigenes Brot zu backen, Wein und Bier und nebenbei auch noch Käse und Marmelade selbst herzustellen, seine Kleider selbst zu nähen und sich um die Tiere zu kümmern. Selbstversorgung mit Augenmaß bedeutet daher auch, sich seiner Interessen und Fähigkeiten bewusst zu werden und vielmehr auf Netzwerke zu setzen. Ohne dass ein Mehrwert produziert wird, der normalerweise von Zwischenhändlern als Gewinn einbehalten wird, können Güter oder Dienstleistungen untereinander getauscht oder direkt an den Konsumenten veräußert werden. Solche Netzwerke waren früher gang und gäbe und sind heute wieder eine attraktive Alternative zum Einzelkämpfer-Dasein. Im Idealfall entwickeln sich dann Gemeinschaften, in denen jeder von jedem profitieren kann. Beispiele hierfür gibt es immer mehr, nicht zuletzt auch als Reaktion auf die fragwürdige Altersversorgung, der die geburtenstarken Jahrgänge entgegenblickt und der konkreten Lebenssituation vieler alleinstehender älterer Menschen, aber auch alleinerziehender Mütter, die davon profitieren können, dass die Kinder gut versorgt sind, während sie ihrer Arbeit nachgehen. Mit Sicherheit wird ein solches Leben in Gemeinschaften eine wichtige Lebensform der Zukunft sein, die es vielen ermöglicht, in Würde zu altern und in einer Gemeinschaft zu leben, in der sie sich aktiv einbringen können und auch gebraucht werden.

Einen guten Start!

 

 

Was gibt es noch zu sagen? Sie sind sich nun Ihrer Motivation bewusst, der Ort der Handlung steht fest, die Rahmenumstände sind geklärt, und Sie haben sich erst einmal vorgenommen, das eine oder andere auszuprobieren und anzufangen. Auch der finanzielle Rahmen ist gesichert. In diesem Buch finden Sie reichlich Informationen und praktisches Know-how zur Selbstversorgung, wie sie funktioniert und was überhaupt machbar ist. Leicht, anschaulich und einfach erklärt und unterfüttert mit eigener, langjähriger Erfahrung. Und auch meine Bemühungen waren nicht immer nur von Erfolg gekrönt, doch Umwege erhöhen die Ortskenntnisse, und Rückschläge schärfen das Profil.

Wonach immer Ihnen der Sinn steht, fangen Sie an und probieren Sie aus, wo und wann Sie an Ihre Grenzen stoßen. Eines ist ganz sicher: Aus Stadtmenschen werden nicht über Nacht Biobauern, da fehlt es bisweilen schlichtweg an der Erfahrung im Umgang mit Pflanzen und Tieren. Aber Schritt für Schritt können Sie sich dem annähern, was Ihnen vorschwebt und was immer Sie sich vorgenommen haben. Und aufhören können Sie jederzeit, wenn Sie erkennen: Hier ist meine Grenze erreicht und ich gebe mich mit dem Erreichten zufrieden.

Geheimisse des guten Gärtnerns

Gärtnern ist ganz einfach. Es gehören dazu etwas Risikofreude, Experimentierlust, das Verständnis vom Wesen einer Pflanze und Intuition. Mir hat mal jemand gesagt, dass er sich in den Baum hineinversetzt, bevor er ihn pflanzt. So kann ich fühlen wie der Baum, seine Bedürfnisse spüren und abwägen, ob ein bestimmter Ort geeignet ist für ihn oder nicht.

»Verkopfen« Sie nicht zu sehr. Natürlich kann man alles auf die Spitze t reiben im Streben nach Perfektion, um auch das letzte Radieschen aus der heimischen Scholle herauszuquetschen. Doch dies ist meist nicht nötig, und der Einsatz moderner Düngemittel kostet nicht nur Geld, sondern führt auch zur Produktion von überschüssen, die dann sogar entsorgt werden müssen oder die Marktpreise verderben – von gesundheitlichen Gründen ganz zu schweigen.

Und Pflanzen können unglaublich zäh sein und überleben unter Umständen an Orten, wo dies niemand für möglich gehalten hätte. Und sie wachsen dort, wo sie wachsen wollen. Also ist jede Beschäftigung mit dem Garten und seinen Pflanzen eine Art Teamwork mit der Natur. Ein behutsames Miteinander-Umgehen, Aufeinander-Hören, ein aufmerksames Beobachten und Sichhineinfühlen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieses Buchs, dass sie viele Anregungen finden werden, die etwas zum Vertiefen des eigenen Lebens beitragen können, und dass sie den Mut haben, den Schritt vom Denken zum Tun zu vollziehen, und dafür mit vielen, auch einfachen Glücksmomenten belohnt werden.

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Wie viel Land will ich bewirtschaften?

Am Anfang stellt sich natürlich die Frage, wie viel Land ich bestellen muss, um beispielsweise eine vierköpfige Familie zu versorgen. Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da hier unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Bei geschickter Planung und strengem Einhalten von Fruchtfolgen, gestaffelten Saatterminen und der Vorkultur im Gewächshaus lässt sich der Ertrag auch eines kleinen Gartens deutlich steigern.

Im nächsten Schritt spielt es eine Rolle, wie der Garten geplant wurde – und natürlich, welche Gemüse angebaut werden. Hügelbeete z.B. vergrößern insgesamt die Anbaufläche, Spaliere und Bohnenzelte erschließen eine zusätzliche Dimension.

Kurzum: Je sorgfältiger die Planung und intensiver die Bearbeitung, umso höher der Ertrag. Ein Familiengarten von nur 100 m² kann in einem solchen Fall schon ausreichen, um eine Grundversorgung über die Gartensaison mit Salaten, ausgewähltem Gemüse, Kräutern und auch Obst zu gewährleisten.

Soll Überschuss produziert und eingelagert bzw. veräußert werden, sind natürlich entsprechend größere Flächen nötig, und spätestens, wenn man einen eigenen Hof bewirtschaftet, steht der hundertprozentigen Selbstversorgung nichts mehr im Wege – Erfahrung und Know-how vorausgesetzt.

Balkon und Terrasse

 

 

Grundsätzlich kann schon ein kleiner Balkon einen Ertrag von mehreren Kilogramm Obst und Gemüse bringen. Kräuter gedeihen hier problemlos, sogar manche Beerensträucher und Obstbäume sind balkontauglich.

Eine Neuheit auf dem Markt und ideal für Balkon und Terrasse ist das Zwergobst. Es ist für einen dauerhaften Stand im Kübel geeignet und wird in Zehnliterkübeln angeboten. Mit diesen Obstzwergen lässt sich also auch auf der Terrasse ein Obstgarten anlegen. Es gibt inzwischen Zwergäpfel, -birnen, -kirschen, -nektarinen und Zwergpfirsiche. Zwergobstbäume werden in der Regel nur etwa 1 bis 1,2 m hoch, das Kronenvolumen entspricht dem eines Zwergbäumchens. Die leckeren Früchte wachsen einem sozusagen direkt in den Mund.

Der Miniaturwuchs ist genetisch bedingt, weshalb kaum ein Schnitt notwendig ist. Wichtig ist nur, dass Staunässe vermieden wird. Den Winter über empfiehlt es sich, den Kübel gut einzupacken, um die Wurzeln vor Frost zu schützen. Natürlich kann man die Minibäume auch im Garten auspflanzen.

Eine Idee für Balkongärtner ist ein Beet, das einfach aus einem Kultursack mit Pflanzerde besteht, so wie man ihn im Gartencenter kauft. Diesen legt man auf die Erde, sticht einige Löcher hinein und setzt hier hinein beispielsweise Tomaten – aber auch Erbsen, Salat oder Bohnen können so gezogen werden. Selbst Kartoffeln kann man auf dem Balkon ernten: zwei bis drei Saatkartoffeln in einen mit Erde gefüllten Eimer gesetzt, bringen bereits einige Kilogramm Ertrag.

Der Hausgarten

 

 

Im Regelfall sind unsere Hausgärten klein, Grund und Boden sind teuer, und es zählt oft jeder Quadratmeter. Doch mithilfe einer guten Planung können Sie das Beste aus Ihrem Garten herausholen, die nötigen Informationen hierzu finden Sie in diesem Kapitel.

Legen Sie zunächst fest, was Sie überhaupt anbauen wollen. Kartoffeln brauchen viel Platz und sind vielleicht günstiger beim Bauern zu haben. Sind Kartoffeln das absolute Lieblingsgemüse der Familie, dürfen sie natürlich nicht fehlen. Also: Zunächst eine Liste erstellen und überlegen, was sinnvoll ist und was auch wirklich von allen gegessen wird. Informationen und Entscheidungshilfen zu den unterschiedlichen Obst- und Gemüsearten finden Sie ab .

Steht einmal fest was angebaut werden soll, geht es an die Gartenplanung. Überlegen Sie, wo Beete angelegt werden sollen und wie groß diese sein sollen (siehe .). Es ist immer besser, mehrere kleine Beete zu planen, als ein großes. Kleine Beete sind leichter zu pflegen und zu bearbeiten, außerdem behalten Sie besser den Überblick, wenn es um die Planung der Fruchtfolgen oder einer Mischkultur geht (siehe .).

Nun kommt das Schwierigste, und zumindest beim ersten Mal wird man sich schwertun: Erstellen Sie eine detaillierte Planung, wann Sie mit den Aussaaten beginnen, vermerken Sie in Ihrem Arbeitskalender Termine für die Nachsaat und legen Sie fest, was Sie auf welchem Beet als Vor-, Haupt-, Zwischen- und Nachfrucht anbauen möchten. Je detaillierter die Planung, umso besser. Als Hilfe dient ein Aussaatkalender (siehe ), aber auch das Einbeziehen der Mondphasen und entsprechende Gartenkalender aus dem Handel sind sinnvoll.

Der eigene Hof

 

 

Der Unterschied zwischen einem Hausgarten und einem Hof liegt darin, dass der Garten Gemüse für den Eigenbedarf liefert und der Hof eine Überschussproduktion ermöglicht. Hier können im großen Maßstab Gemüse und auch Getreide angebaut werden. Mehr Land bedeutet aber auch mehr Arbeit und am Anfang auch mehr Investitionen. Dazu gehören Stallgebäude, Hecken und Zäune, die gewartet und gepflegt werden wollen, auch entsprechende Maschinen und Geräte müssen angeschafft werden.

Grundsätzlich gilt auch für den Hof alles bereits oben Gesagte. Der Gemüsegarten will genauso sorgfältig geplant, angelegt und gepflegt werden, hinzu kommen ein größerer Obstgarten und abgezäunte Bereiche für Weidevieh oder Schweine, samt den dazugehörigen Stallgebäuden. Auch für ein größeres Gewächshaus und Frühbeete ist Platz. Nach oben ist der Größe eines Hofs keine Grenze gesetzt, diese hängt davon ab, was Sie in der Lage sind zu bearbeiten und welche Feldfrüchte in welchem Umfang angebaut werden sollen.

Wie viel wovon?

 

 

Bei den Gemüseporträts ab finden Sie Angaben, wie viel Ertrag unter normalen Bedingungen von einer Pflanze erwartet werden kann. Sicherlich lässt sich dies nicht präzise beziffern, da zu viele unterschiedliche Parameter eine Rolle spielen. Die Vorbereitung des Bodens, das Gießen und Düngen haben wir noch selbst in der Hand, doch allzu häufig machen einem das Wetter oder Pflanzenkrankheiten einen Strich durch die Rechnung. Auch hängt die Ertragshöhe vom gewählten Anbauverfahren ab. Ein Hügelbeet bringt in der Regel mehr als ein Flachbeet, Tomaten unter optimalen Bedingungen im gut gelüfteten Gewächshaus bringen eine sicherere Ernte als Tomaten im Freiland.

Nutztiere spielen im Hausgarten eine eher untergeordnete Rolle. Platz für einige Hühner und Kaninchen findet sich immer, vielleicht reicht es auch noch für ein Schaf. Informationen zur Haltung von Nutztieren finden Sie ab .

Der phänologische Kalender

 

 

Da Wetter und Klima nicht überall gleich sind, empfehle ich, sich nach dem phänologischen Gartenkalender zu richten. Dieser unterteilt das Jahr in neun Jahreszeiten, wobei Beginn und Ende einer Jahreszeit durch das Erscheinen bestimmter Pflanzen, Blüten oder Früchte definiert sind. Sie können beispielsweise sicher sein, dass mit der Blüte der ersten Schneeglöckchen in Ihrer Region das Frühjahr bald sicher Einzug halten wird. Auf diese Art lassen sich Saattermine und auch der Zeitpunkt für bestimmte Gartenarbeiten besser festlegen – das ist besonders in Zeiten von Klimawandel und Wetterkapriolen eine unschätzbare Hilfe für den Gärtner.

Jahreszeit beginnt mit
Vorfrühling Haselnussblüte oder Schneeglöckchenblüte
Erstfrühling Forsythienblüte oder Blattenfaltung der Stachelbeere
Vollfrühling Apfelblüte
Frühsommer Blüte des Schwarzen Holunders
Spätsommer Fruchtreife von Frühapfel oder Eberesche
Frühherbst Fruchtreife des Schwarzen Holunders
Vollherbst Fruchtreife der Rosskastanie
Spätherbst Blattverfärbung von Stieleiche oder Rosskastanie
Vegetationsruhe Winter

 

Gärtnerische Grundlagen

 

 

Säen, Pflanzen, Düngen, Pflegen und Vermehren – man braucht nicht unbedingt den sprichwörtlichen »grünen Daumen«, damit im Garten etwas wächst. Mit den nötigen Kenntnissen und etwas Geduld kann jeder die Früchte seiner Arbeit ernten. Und damit die Pflanzen nicht von Krankheiten und Schädlingen hinweggerafft werden, helfen nützliche Tipps gegen die allgegenwärtigen Plagen. Natürlich werden Misserfolge nicht ausbleiben, aber wie heißt es so schön: Aus Erfahrung wird man klug – und der eigene Garten ist das beste Terrain, um Altbewährtes und Neues auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln!

Auf den Boden kommt es an

 

 

Grundlage allen Wachstums ist ein guter, fruchtbarer und gesunder Boden. Aber was ist Boden eigentlich? Boden besteht aus winzigen Partikeln verwitterter Gesteinsarten sowie organischem Material, dem sogenannten Humus. In und auf diesen organischen Substanzen leben zum Teil mikroskopisch kleine, pflanzliche und tierische Organismen. In der Regel besteht ein guter Boden aus etwa 45 Prozent mineralischer Substanz. Hinzu kommen rund 7 Prozent Humusanteile, 23 Prozent Wasser und 25 Prozent Luft. Je nach Standort kann es jedoch erhebliche Schwankungen in der Zusammensetzung geben:

Leichter Sandboden ist gut durchlüftet, leicht zu bearbeiten und erwärmt sich schnell. Nachteilig ist, dass er Nährstoffe und Wasser nur unzureichend speichern kann und einen geringen Humusanteil aufweist. Man kann leichten Sandboden durch Unterarbeiten von Kompost und Lehm bindiger machen, sodass er mehr Nährstoffe und Wasser speichert und sich besser für den Anbau von Nutzpflanzen eignet.

Mittelschwerer Lehmboden kann Nährstoffe und Wasser gut halten. Er erwärmt sich zwar nur langsam, kann aber durch regelmäßiges Einarbeiten von Kompost und Gründüngung dauerhaft fruchtbar erhalten werden. Für den Nutzpflanzenanbau ist dies ein idealer Boden.

Schwerer Tonboden speichert zwar in hohem Maße Wasser und Nährstoffe, aber er ist oft verdichtet, sauer und lässt sich nur schwer bearbeiten. Mitunter tritt auch Staunässe auf, weil das Wasser nicht in tiefere Schichten versickern kann. Für den Nutzpflanzenanbau eignet sich solch ein Boden nur bedingt. Durch Kalkgaben sowie Einarbeiten von Kompost und Sand lässt sich schwerer Tonboden durchlässiger und fruchtbarer machen.

Sauer oder basisch?

 

 

Die chemische Zusammensetzung entscheidet darüber, ob ein Boden eher sauer ist (pH-Wert unter 6,5) oder basisch (pH-Wert über 7,0). Ein basischer Boden wird auch als alkalisch oder kalkhaltig bezeichnet. In sauren Böden gedeihen nur wenige Nutzpflanzen gut. Besser sind neutrale bis leicht alkalische Böden. Auf stark alkalischen Böden kann es zu Blattbleiche (Chlorose) und anderen Mangelerscheinungen bei den Pflanzen kommen. Ob ein Bodentyp eher sauer oder kalkhaltig ist, kann man leicht durch einen handelsüblichen Schnelltest herausfinden. Saure Böden können durch Einarbeiten von Algenkalk, stark alkalische durch Kompostgaben verbessert werden.

Ein guter Boden ist keine Konstante

 

 

Ob ein Boden fruchtbar ist oder nicht, hängt nicht allein von der Natur ab. Durch den Anbau von Nutzpflanzen werden dem Boden laufend Nährstoffe entzogen. In jedem Kubikzentimeter Boden laufen ständig zahlreiche dynamische Prozesse ab, die durch Nutzung und Pflegemaßnahmen beeinflusst werden. Deshalb ist ein genutzter Boden keine konstante Größe, mit der man fest rechnen kann. Damit der Boden fruchtbar bleibt, muss er gepflegt werden. Man sollte ihn wie einen guten Freund behandeln, denn wenn er sich wohlfühlt, hilft er einem bei der Gartenarbeit! Man sagt auch, dass der Boden immer nur so gut ist wie die Bodenpflege, die man betreibt. Hier einige Grundregeln:

Umgraben oder nicht?

Über das Thema Umgraben gibt es viele Meinungen. Nach alter Tradition wurde früher im Herbst spatentief umgegraben, damit die Schollen durch den Frost zerfallen (»Frostgare«), Unkrautsamen und Schädlinge erfrieren und die Erde im folgenden Frühjahr feinkrümelig ist. Durch das Umgraben wird aber die oberste Bodenschicht, in der sich zahlreiche dynamische Prozesse abspielen, gehörig durcheinandergewirbelt. Mikroorganismen und nützliche Bodenlebewesen wie Springschwänze, Regenwürmer und andere leiden, die luftdurchlässige Struktur der Humusschicht wird zerstört und fruchtbarer Oberboden mit unfruchtbarem Unterboden vermischt.

In der naturnahen, biologisch ausgerichteten Landwirtschaft wird deshalb weitgehend auf das Umgraben verzichtet. Eine Lockerung und Pflege des Bodens erfolgt hier durch Gründüngung, Mulchen und schonendes Lüften mit einem Sauzahn oder der Grabegabel. Nur bei Neuanlagen, in denen verwilderte Brachflächen in Gartenland umgewandelt werden, muss der Boden meistens umgegraben werden. Durch eine anschließende gezielte Bodenpflege kann dann eine gesunde Humusschicht aufgebaut werden.

Die beste Zeit für Maßnahmen zur Bodenverbesserung ist das Frühjahr. Mit den steigenden Temperaturen erwacht das Bodenleben. Kompost und andere Bodenverbesserer können dann optimal aufgeschlossen werden und stehen den später ausgesäten bzw. ausgepflanzten Nutzpflanzen als Nährstoffe zur Verfügung. In der Vegetationsperiode hilft eine Mulchschicht aus zerkleinerten, angewelkten Pflanzenresten oder Grasschnitt, die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Die Mulchschicht darf nur wenige Zentimeter dick sein, damit sich weder Fäulnis noch Schimmel entwickeln. Da die Mulchdecke nach und nach verrottet, muss immer wieder organisches Material nachgestreut werden. Im Winterhalbjahr schützt eine 3 bis 8 cm dicke Mulchschicht die abgeernteten Beete vor starker Frosteinwirkung. Im folgenden Frühjahr werden übrig gebliebene Mulchreste abgeharkt, bevor in die »gare« und feinkrümelige Erde gesät und gepflanzt wird.

Die wichtigsten Bodenarten im Überblick

Bodenart Merkmale/Bearbeitung
Sandboden Rinnt schnell durch die Finger, nicht formbar, scharfkantig. Tongehalt bis 10 %. Verbesserung durch Einarbeiten von lehmiger Erde und Kompost.
Lehmiger Sand Klebrig, die Sandkörner sind deutlich fühlbar, er krümelt beim Formen. Tongehalt ca. 20 %. Mit Humus gemischt, ergibt er einen guten Gartenboden.
Sandiger Lehm Formbar, zerfällt aber rasch. Tongehalt bis 30 %. Ergibt mit Humus gemischt einen guten Gartenboden.
Lehm Knirscht beim Reiben, viele Sandanteile. Backt zusammen, solange er feucht ist. Tongehalt bis 40 %. Ständige Humuszufuhr wichtig.
Schwerer Lehm Schmiert beim Reiben, formbar. Tongehalt bis 60 %. Verbesserung durch die Zugabe von Sand und Humus.
Tonboden Fein, glatt und seifig. Tongehalt über 60 %. Gut formbar. Tiefes Umgraben, Dränage sowie Sand-und Humuszufuhr notwendig.
Kalk- und Mergelboden Schmiert bei Nässe. Besteht aus verschiedenen Bodenarten und Kalkstein.
Humusboden/ Moorboden Enthalten mindestens 30 % organische Substanz. Kalk, Lehm und Sand verbessern die Bodenqualität.

Die Schlämmprobe

 

 

Geben Sie ein Drittel Erde aus der Oberbodenschicht in ein Glas mit zwei Dritteln Wasser, rühren Sie gut um und lassen Sie das Gemisch einige Zeit stehen. Die Bodenbestandteile setzen sich nun in Schichten am Boden des Gefäßes ab:

Auf diese Art können Sie leicht die Volumenanteile der Bodenbestandteile erkennen.

Die Fingerprobe

 

 

Ebenfalls einfach durchzuführen ist die Fingerprobe. Nehmen Sie eine Handvoll feuchter Erde und drücken Sie diese fest zusammen:

Test auf Staunässe

 

 

Staunässe tritt auf, wenn Sperrschichten aus verdichtetem Lehm oder Ton das Versickern des Regenwassers verhindern. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel, und die Pflanzenwurzeln sterben ab.

Kompost, aber richtig

 

 

Organische Reststoffe aus dem Garten und der Küche können durch Verrotten zu einem wertvollen Dünger umgewandelt werden, der die Bodenfruchtbarkeit fördert. Damit der Rotteprozess vollständig vollzogen wird und ein krümeliges, fruchtbares Substrat entsteht, kommt es auf die richtige Vorgehensweise an. Im Grunde ist es ganz einfach, denn in der Natur vollzieht sich die Umwandlung von organischem Material in fruchtbaren Humus seit Urzeiten. Im Garten kann man den Rotteprozess jedoch beschleunigen und gleichzeitig für eine hohe Qualität des Endprodukts sorgen.

Standort

 

 

Am praktischsten ist es, wenn der Kompostplatz in der Nähe des Hauses angelegt wird, damit Küchenabfälle unkompliziert und ohne weite Wege entsorgt werden können. Gleichzeitig muss ein Kompost weit genug von den Wohnräumen entfernt sein, sodass keine Geruchsbelästigung entsteht. Ideal sind vor Wind und Sonne geschützte Standorte, etwa unter hohen Bäumen. Alternativ kann man den Kompost mit einem Weidenrutenzaun einfassen oder ihn mit Gehölzen wie Beerenobststräuchern umpflanzen. Planen Sie den Kompostplatz großzügig, denn erfahrungsgemäß fallen mehr organische Reststoffe an, als man zunächst glaubt. Pro 100 m² Nutzgarten rechnet man 3 bis 4 m² Kompostfläche. Hinzu kommt der Platz für die Wirtschaftswege zwischen den einzelnen Haufen. Wichtig ist ein gewachsener Boden als Untergrund, damit Würmer, Insekten wie Asseln und Springschwänze sowie Mikroorganismen von dort zuwandern können, die bei der Rotte helfen.

Miete oder Behälter?

 

 

Für die Kompostbereitung gibt es verschiedene Methoden. Die einfachste ist eine etwa 1,5 m breite Miete. Dafür wird das zerkleinerte organische Material schichtweise aufgesetzt. Die unterste Lage besteht am besten aus grobem, sperrigem Material (Gehölzschnitt o. Ä.), das den Mietenfuß vor Vernässung oder Fäulnis schützt. Eine gute Durchmischung von »grünem Material«, wie Rasenschnitt, und »braunem Material«, wie welkem Laub und Ernteresten, gewährleistet, dass der Kompost nicht schimmelt oder vertorft. Gröbere Teile werden vor dem Aufschichten zerkleinert, Gehölzschnitt am besten geschreddert. Küchenabfälle deckt man möglichst ab, um eine Geruchsbelästigung zu vermeiden. Das aufgeschichtete organische Material sackt anfangs recht schnell zusammen. Wenn die Kompostmiete eine Höhe von etwa 1,2 m erreicht hat, deckt man sie mit einer Schicht aus Stroh, Laub, altem Heu, Vlies oder gelochter Folie ab, um sie vor Austrocknung und Übernässung zu schützen. Prüfen Sie während der Rotte gelegentlich, ob der Kompost ausreichend feucht ist und die Rotte in Gang kommt. Guter Kompost fühlt sich feucht, aber nicht matschig an. Gründe für eine schlechte oder ausbleibende Rotte sind zu feuchter oder zu trockener Kompost, zu grobe Pflanzenteile, eine ungenügende Durchmischung der Materialien oder mangelnde Durchlüftung.