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Inhaltsverzeichnis






























Anhang

Die wichtigsten Begriffe

ENTMISCHEN

Wir sind uns bewusst, dass man viele verschiedene Arten von Vermischungen in Aufstellungen beobachten kann. Von Vermischungen sprechen wir dann, wenn eine Position sich nicht eindeutig so benimmt, wie es zu ihrem Namen passt, oder wenn der Fokus sie so anspricht, als wäre sie jemand oder etwas anderes.

Ein Beispiel: »Das, was heilt« blickt freundlich auf den Fokus, sagte schon mehrmals etwas über seine heilsame Wirkung. Dennoch meint der Fokus: »Die schaut mich so streng an.« – So, als würde er zu einer weiblichen Person sprechen, vor der er eine gewisse Scheu hat, mit der er in einem Abhängigkeitsverhältnis steht – vielleicht wie ein Kind vor den Eltern oder einer Lehrerin.

Wir fragen den Fokus, ob das, was sich in »Das, was heilt« noch hineingemischt hat, eher vor oder hinter »Dem, was heilt« stehen könnte. Erstaunlicherweise weiß es der Fokus ganz präzise. Wir halten dann unsere kataleptische Hand dorthin, wohin uns der Fokus geführt hat, ziehen sie ganz langsam weg von »Dem, was heilt« und bitten den Fokus, sich auf das Neue einzustellen. Dabei behalten wir das Gesicht des Fokus genau im Blick und beobachten, ob er unserer Hand folgt oder bei der ursprünglichen Position bleibt oder vielleicht hin und her blickt. Dann fragen wir – wie so oft – nach den Unterschieden, die diese Intervention macht und was da aufgetaucht sein könnte. Ebenso befragen wir auch das System, wer auf die neue Position reagiert.

Anschließend wird mit den Elementen der Aufstellung weiter verfahren wie immer.

 

FOKUS

Ähnlich wie Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer und die »Grazer Gruppe« (Guni-Leila Baxa, Siegfried Essen, Christine und Michael Blumenstein und andere) benennen wir die Repräsentanten der Klienten in einer Aufstellung nicht mit dem Vornamen dieser Person, sondern als »Fokus«. Damit wird ausgedrückt, dass es sich um einen Aspekt, eine Fragestellung dieser Person handelt und nicht die Gesamtperson in ihren vielfältigen systemischen Bezügen meint.

Die Aufmerksamkeit des Fokus ist dann nur auf die eine Fragestellung und ihre Zusammenhänge gerichtet. Tritt die Klientin gegen Ende einer Aufstellung an die Stelle des Fokus, können wir manchmal beobachten, dass sie andere Wahrnehmungen hat als ihr Fokus. Hier steht jetzt ja auch die Klientin in ihrer Ganzheit. Es braucht dann noch einige weitere Schritte des »Nachjustierens«, bis auch für sie der Prozess stimmig wird.

 

FORMAT

Ein Aufstellungsformat ist eine Möglichkeit, Gedankensysteme zu ordnen, sodass der Inhalt des Themas aufgestellt werden kann. Formate wiederholen sich in der Struktur, bei wechselndem Inhalt. Ausnahme: das freie Format.

 

ICH-KERN

Der Fokus wird dann »Ich-Kern« genannt, wenn eine große Anzahl innerer Anteile im System stehen, die vom Fokus-Bewusstsein zentriert und gebündelt werden müssen.

 

INDIKATOR

Das ist eine Position, die in einer Aufstellung mehr am Rande des Geschehens steht. An ihr kann man ablesen, in welcher Richtung sich der Prozess der Aufstellung bewegt. Geht es dieser Gestalt schlecht, weiß man, dass man sich einer Problemzone nähert, geht es ihr gut, weiß man, dass sich das Geschehen in Richtung Lösung bewegt. Ein Beispiel für einen Indikator ist die Position des Symptoms in dem ersten beschriebenen Format, in dem ein Thema aus dem Leben des Klienten im Vordergrund steht und nicht seine Erkrankung.

 

DIE KATALEPTISCHE HAND

Ebenfalls von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd stammt die Einführung der kataleptischen Hand als Mittel der Repräsentation von Personen oder Anteilen zu Testzwecken.

Der Leiter/die Leiterin einer Aufstellung knickt eine Hand leicht ab, macht sie kataleptisch, d.h. wie gefühllos, so, als ob sie vom eigenen Körper abgespalten wäre, um sie dann als Wahrnehmungsorgan für bestimmte neu auftauchende Elemente zu verwenden. Üblicherweise hält man die Hand in Augenhöhe. Sie wird dann fast immer von den anderen Repräsentanten einer Aufstellung als Gesicht einer Person, als Teil einer Szene, Wissen um einen Anteil etc. gedeutet, in das sie auch blicken, zu dem sie auch sprechen können. Die Leiterin kann spüren, ob diese Position sich bedeutsam, leicht oder schwer, gut oder schlecht durchblutet, pulsierend anfühlt. Anschließend kann an die Stelle der Hand eine Person gestellt werden, oder – in der Einzelarbeit – kann die Therapeutin oder die Klientin an den Platz treten, der zuvor mit der kataleptischen Hand getestet wurde.

Ebenso bewährt sich die kataleptische Hand zum Andeuten von mehreren Personen (zum Beispiel einer Ahnenreihe), wenn nicht genügend Personen zur Verfügung stehen oder wenn eine Andeutung genügen würde.

Nachwort

Das Buch ist jetzt fertig. Es zu schreiben hat uns große Freude bereitet. Darüber hinaus haben wir beide viel dabei gelernt. Und die Rosen blühen schon wieder.

Unser besonderer Dank gilt Matthias Varga von Kibéd, Insa Sparrer und Siegfried Essen, für all das, was wir von ihnen gelernt haben. Wir danken Vera Neuroth. Sie war in der ersten Schreibphase unsere kluge Gesprächspartnerin und genaue Korrekturleserin. Das Kapitel Ihr Körper weiß mehr, als Sie glauben war ihre Idee.

Bei Valentin Renoldner bedanken wir uns für vielfältige Hilfen in der Datenverarbeitung.

Unseren Klientinnen und Klienten danken wir für ihr Vertrauen und für die unzähligen Erfahrungen, die wir im Lauf der Jahre in unserer psychotherapeutischen Arbeit mit ihnen machen durften.

Ein großes Dankeschön auch an Dagmar Olzog vom Kösel-Verlag für ihre kundige und einfühlsame Begleitung!

Christl Lieben und Christa Renoldner

Körperzuordnungen

(Nach der Initiatischen Stimm-Atem – und Leibtherapie von Karlfried Graf Dürckheim und Hildegund Graubner, zusammengestellt und ergänzt von Christl Lieben.)

 

DIE RECHTE KÖRPERHÄLFTE

Vater,

männlich,

Sonne,

Gesetz und Form, Intellekt,

aktiv nach außen sich wendend, Extraversion, Auseinandersetzung, Gestaltungskraft und Gestaltungswille, Verantwortlichkeit für die Außenwelt, Entschlusskraft, bewusste Ebene.

 

DIE LINKE KÖRPERHÄLFTE

Mutter,

weiblich,

Mond,

Improvisation und Ahnung, Gefühl,

Intuition, innere Bilder, Ahnungen, passiv, zulassend, annehmend, gewährend, Introversion, Innenschau,

Verantwortlichkeit für außen abgebend, für innen aber übernehmend, Träume, Visionen, unbewusste Ebene.

 

DER BODEN ODER DIE LIEGE

sind symbolisch stellvertretend für den Lebensboden, d.h. die Realität des Lebens.

 

DIE DREI ZONEN DER FÜSSE

Fersen

Die Fähigkeit und Bereitschaft, im Leben für sich einzustehen, der Widerstand des Bodens (Lebens) gibt die Möglichkeit, sich aufzurichten,

Durchsetzung,

männliche Qualität,

Extraversion,

Fersen korrespondieren mit dem Rücken und den Sitzknochen.

 

Fußgewölbe

Mütterlich, weiblich,
das Leben annehmend,
Gefühlsebene,

Introversion, korrespondierend mit der senkrechten Körpermitte, dem Dammbereich und der Aufrichtung darüber.

 

Vorfuß – Zehen und Zehenballen

Bereitschaft, ins Leben hineinzugehen, das Potenzial von Ferse und Fußgewölbe umzusetzen; korrespondiert mit der Vorderfront des Körpers, dem Brustbein.

 

BECKENRAUM ALS INNENRAUM

Mütterlicher, urweiblicher Raum
kollektives Wissen,
Wut,
Urangst,
Urvertrauen,
lang Verdrängtes,
weit zurückliegend,
Mut, nach innen zu gehen.

 

BECKENBEREICH ALS KNOCHENSTRUKTUR: KREUZBEIN, HÜFTKNOCHEN, SITZKNOCHEN

Kollektive Lebens – und Durchsetzungskraft, Kraft nach außen zu gehen, männliche Qualität »Ich bin«,

Sitzknochen, Steißbeinende und Schambeine sind der knöcherne Felsengrund, der die emotionalen Untiefen des Beckenraumes fasst und trägt.

 

WIRBELSÄULE

Die starken Lendenwirbel gehören qualitätsmäßig zum knöchernen Beckenbereich und sind die Basis der Ich – Aufrichtung.

Der gute Bodenkontakt der Fußsohlen und das bewusste Angeschlossensein an die tragende Struktur des Beckengürtels und den emotionalen Innenraum des Bauch – und Beckenraumes sind Voraussetzung für eine gelungene Ich-Aufrichtung, die ganze Wirbelsäule entlang bis zur Schädelbasis.

Der Nackenbereich ist der Gefahrenort des Über-Ichs. Überforderung und Perfektionsdrang können ihn zu einer Problemzone werden lassen (»Halte die Ohren steif!«).

 

RÜCKENRAUM

Unbewusster Raum,
mütterlich,

Vergangenheit, angesammelte Lebenserfahrung, Spuren vergangener Traumata, Rückzug.

 

BRUSTBEIN

Väterlich, Leistungswille, Drang nach vorne.

 

SENKRECHTE KÖRPERMITTE

Gemeint ist die Aufrichtung zwischen Damm und Scheitelpunkt,
ganz bei sich sein,
im eigenen Zentrum,
gleichzeitig offen nach allen Richtungen.

 

MITTENRAUM

Zwischen Beckenkamm und unteren Rippenbögen, »Ich« im Austausch mit »Du«,

Ich-Zentrum,

Abgrenzung zum anderen, Beziehungsachse zum anderen, Raum des bioenergetischen Austausches, emotionales Ausgeliefertsein oder Zentriert – und Bei-sich-Sein, Ängste vor Verletzung.

 

ZWERCHFELL

Grenze und Verbindung zwischen der Wucht und Kraft des Bauchbeckenraumes und der vergleichsweisen Zartheit des Brustraumes mit Herz und Lunge. Die Zwerchfellbeweglichkeit ist ein Hinweis auf den Integrationsgrad der beiden Regionen.

 

BRUSTRAUM

Begegnung, Austausch und Verbindung zu den Menschen um uns, über die Ich-Du-Beziehung hinausgehend, die Liebe zum Mitmenschen und die Angst davor.

 

FLANKEN

Körperaußenseiten – von den Bein – und Körperaußenseiten hinauf bis in die Achselhöhlen und weiter Armunterseiten bis Handinnenflächen: Öffnung gemeinsam mit Herzraum und Schlüsselbeingruben zum Mitmenschen hin. Achselhöhlen, Armbeugen und Kniekehlen sind emotionale Räume – ähnlich wie Fußgewölbe

– und eventuell Orte der Angst.

Diese Innenwölbungen und Flanken brauchen Vorsicht und Behutsamkeit. Schutzhaltung: angepresste Oberarme, geschlossene Hände.

 

GELENKE

Bereitschaft zu Veränderungen und Übergängen, Beweglichkeit im Leben.

 

BEINGELENKE

Hüftgelenke, Kniegelenke, Knöchelgelenke sperren oder öffnen in Richtung Boden (=Realität).

Knöchelgelenke und Achillessehnenansatz sind die letzte Bastion davor, sich wirklich auf die Realität des Lebens einzulassen. Gesperrte Hüftgelenke: manchmal sexuelle Blockaden.

Gesperrte Kniegelenke: Neigung, Dinge »durchzustehen«, die eigentlich zu viel sind.

 

BEINE

Die Art, wie wir mit unseren Füßen den Boden berühren und gleichzeitig die verschiedenen Ebenen der Gelenke in den Beinen geöffnet oder geschlossen halten, sagt viel darüber aus, wie wir uns im Leben bewegen.

 

ARME UND IHRE GELENKE

Schultergelenke gehören zum Herzraum und zur Bereitschaft, sich zu öffnen oder sich aus Angst vor Verletzung zu verschließen. Schulter-, Ellbogen – und Handgelenke sagen etwas aus über die Bereitschaft, Gefühle umzusetzen, offen und freigiebig zu sein oder sich zurückzuziehen und zu verschließen.

 

HALSREGION

Einerseits Teil der Über-Ich-Thematik (Halswirbelsäule) – andererseits ein Raum, in dem deutlich wird, ob wir das, was wir empfinden, wollen und fühlen, auch aussprechen können und dürfen

(»Kloß im Hals«).

 

KOPF

Öffnung nach »oben«,
Unterkiefer korrespondiert mit Beckenboden,
Gaumenbogen mit Zwerchfell,
Gaumensegel ist energetisches Tor zu oberen Kopfräumen.

 

KOPFHALTUNG

Kopf seitlich geneigt: verbindlich, Eigenes hintanstellend, zögernd, zweifelnd.

Kopf nach hinten abgeknickt (häufige Haltung im Liegen): sich von sich selbst abwendend.

Kopf nach vorne gebeugt: nachdenklich, introvertiert. Kopf gerade und senkrecht gehalten: ganz bei sich und sehr wach.

 

SKELETT

Männliches Prinzip, Struktur,
unsere mentale Seite.

 

GEWEBE

Weibliches Prinzip,
unsere emotionale Seite.

 

HAUT

Kontakt,
Abgrenzung auf allen Ebenen,
emotionale Demonstration nach außen.

Literaturverzeichnis

Bauer, Joachim: Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. Eichborn Verlag 2010

Baxa, Guni Leila/Essen, Christine/Kreszmeier, Astrid Habiba (Hrsg.): Verkörperungen. Systemische Aufstellung, Körperarbeit und Ritual. Carl-Auer-Systeme Verlag 2002

Bays, Brandon: The Journey – der Highway zur Seele. Ullstein Verlag, 2005

Boszormenyi-Nagy, Ivan/Spark, Geraldine M.: Unsichtbare Bindungen. Die Dynamik familiärer Systeme. Klett Cotta, 8. Aufl. 2006

Daimler, Renate: Basics der Systemischen Strukturaufstellungen. Eine Anleitung für Einsteiger und Fortgeschrittene. Kösel-Verlag 2008

De Shazer, Steve: ... Worte waren ursprünglich Zauber. Lösungsorientierte Therapie in Theorie und Praxis. Verlag modernes Lernen, 2. Aufl. 1998

Dürckheim, Karlfried Graf: Meditieren – wozu und wie: Die Wende zum Initiatischen. Johanna Nordländer Verlag 2009

Dürckheim, Karlfried Graf: Vom doppelten Ursprung des Menschen. Verheißung, Erfahrung, Auftrag. Johanna Nordländer Verlag 2009

Essen, Siegfried: Selbstliebe als Kunst. Ein systemisch-spiritueller Übungsweg. Carl-Auer-Systeme Verlag 2011

Feldenkrais, Moshé: Die Entdeckung des Selbstverständlichen, Suhrkamp Verlag, 12. Aufl. 1987

Fröhlich, Andreas D.: Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderung. Universitätsverlag Winter, 11. Aufl. 2005

Gronemeyer, Marianne: Simple Wahrheiten und warum ihnen nicht zu trauen ist. Primus Verlag 2006

Hausner, Stefan: Auch wenn es mich das Leben kostet! Systemaufstellungen bei schweren Krankheiten und lang anhaltenden Symptomen. Carl-Auer-Systeme Verlag, 2. Überarbeitete Aufl. 2010

Hellinger, Bert/ten Hövel, Gabriele: Anerkennen, was ist. Gespräche über Verstrickung und Lösung. Kösel-Verlag, 14. Aufl. 1996

Hellinger, Bert: Familienstellen mit Kranken. Dokumentation eines Kurses für Kranke, begleitende Psychotherapeuten und Ärzte. Carl-Auer-Systeme Verlag, 3. Aufl. 1998

Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel. Suhrkamp Verlag, 8. Aufl. 2002

Jacobi, Jolande: Die Psychologie von C.G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Walter Verlag, 8. Aufl. 1984

Katie, Byron (Mitchell, Stephen) (Hrsg.): Eintausend Namen für Freude. Leben in Harmonie mit dem Tao, Goldmann-Verlag 2007

Kutschera, Ilse/Schäffler, Christine: Was ist nur los mit mir? Krankheitssymptome und Familienstellen. Kösel-Verlag, 6. Aufl. 2010

Leuner, Hanscarl, fortgeführt von Eberhard Wilke: Katathym-imaginative Psychotherapie (KIP). Georg Thieme Verlag, 6. Neubearbeitete Aufl. 2004

Lieben, Christl: Die Morgenröte der Seele, unter:

Lieben, Christl: »Traumarbeit mit Aufstellungen«, in: Derselbe Wind lässt viele Drachen steigen (herausgegeben von Gunthard Weber). Carl-Auer-Systeme Verlag 2001

Luhmann, Niklas: Einführung in die Systemtheorie. Carl-Auer-Systeme Verlag, 5. Aufl. 2009

Madelung, Eva/Innecken, Barbara: Im Bilde sein. Vom kreativen Umgang mit Aufstellungen in Einzeltherapie, Beratung, Gruppen und Selbsthilfe. Carl-Auer-Systeme Verlag, 3. Aufl. 2010

Mantak Chia: Tao Yoga des Heilens: Die Kraft des Inneren Lächelns und die sechs heilenden Laute. Heyne Verlag 2009

Renoldner, Christa/Rabenstein, Reinhold/Scala, Eva: einfach systemisch! Systemische Grundlagen und Methoden für Ihre pädagogische Arbeit. ökotopia Verlag, 3. Auflage 2010

Schlötter, Peter: Vertraute Sprache und ihre Entdeckung. Systemaufstellungen sind kein Zufallsprodukt – der empirische Nachweis. Carl-Auer-Systeme Verlag, 2. Aufl. 2005

Scholem, Gershom: Ursprung und Anfänge der Kabbala. Verlag De Gruyter Berlin 1962

Sparrer, Insa: Systemische Strukturaufstellungen. Theorie und Praxis. Carl-Auer-Systeme-Verlag, 2. Aktualisierte Aufl. 2009

Sparrer, Insa: Wunder, Lösung und System. Lösungsfokussierte Systemische Strukturaufstellungen für Therapie und Organisationsberatung. Carl-Auer-Systeme Verlag, 5. Überarbeitete Aufl. 2009

Varga von Kibéd, Matthias/Sparrer, Insa: Ganz im Gegenteil. Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen für Querdenker und solche, die es werden wollen. Carl-Auer-Systeme Verlag, 6. Überarbeitete Auflage 2009

von Foerster, Heinz: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker. Carl-Auer-Systeme Verlag, 8. Aufl. 2008

von Schlippe, Arist/Schweitzer, Jochen: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, Teil 2: Das störungsspezifische Wissen. Vandenhoeck und Ruprecht, 3. Aufl. 2009

Wehr, Gerhard: Carl Gustav Jung – Leben, Werk, Wirkung. Kösel-Verlag 1985

Winer, Michael: Healing: The Path to Freedom. AuthorHouse 2005

Wirsching, Michael/Stierlin, Helm: Krankheit und Familie. Konzepte – Forschungsergebnisse – Therapie. Klett Cotta, 2. Aufl. 1994

 

 

Hilfreiche Internetadressen






Méthode François Louche: Art de l’écoute:

Wozu Körper – und Symptomaufstellungen?

Fast alle Menschen in beratenden und therapeutischen Berufen kennen Familienaufstellungen. Zu dieser Materie gibt es Literatur in Hülle und Fülle, die hier nicht referiert werden muss.

Wenn wir von Körper – und Symptomaufstellungen sprechen, meinen wir explizit eine eigene Form, man könnte sagen, ein eigenes Format von Aufstellung.

Wenden wir uns diesem Format zu, so können wir feststellen, dass nur ganz wenige Therapeuten und Therapeutinnen sich damit ausdrücklich beschäftigen.

Dennoch machen viele, die mit Familienaufstellungen arbeiten, indem sie beispielsweise eine Krankheit oder ein erkranktes Organ »dazu«-stellen, gute Erfahrungen damit. (Vgl. Baxa u.a. 2002)

Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd (am SYST-Institut in München) haben mit ihren Strukturaufstellungen (Varga von Kibéd 2003) eine großartige Systematik begründet und Aufstellungsarbeit damit für die Forschung leichter überprüfbar gemacht. Peter Schlötter hat in seiner Studie Vertraute Sprache und ihre Entdeckung (Schlötter 2005) ein erstes Ergebnis gezeigt.

Innerhalb der Gruppe der Strukturaufstellungen findet sich eine Sparte »Körper – und Symptomaufstellungen«.

Insa Sparrer hat dafür eine eigene Kategorie gebildet, die sie »Aufstellungen zu psychosomatischen Themen« nennt. In diese Kategorie fallen:

Sparrer und Varga von Kibéd verdanken wir u.a. den Hinweis, dass es bei Körperteilen, die doppelt vorkommen (zum Beispiel Arme, Beine, Augen, Ohren, Brüste usw.) günstig ist, beide aufzustellen, auch wenn die Klienten und Klientinnen nur über Beschwerden in einem der beiden berichten.

Eine andere Vorgangsweise wählt Ilse Kutschera, Ärztin für psychosomatische Medizin. Sie beschreibt in ihrem Buch Was ist nur los mit mir? (Kutschera/Schäffler 2010) ebenfalls, dass psychosomatische Sichtweisen eng mit Familiengeschichten verknüpft sind, und hat dazu ein eigenes Aufstellungsformat entwickelt, das sie in ihren Seminaren eindrücklich vermittelt. Bei ihr finden wir einen engen Zusammenhang mit Familienaufstellungen. Ähnliches gilt für Stephan Hausner (Auch wenn es mich das Leben kostet!, Hausner 2010).

In allen diesen Fällen spielt die Familiengeschichte – meist die des Herkunftssystems – eine wichtige Rolle. Eltern, manchmal Großeltern oder Onkel und Tanten, verstorbene, verheimlichte, wenig geachtete Familienmitglieder oder tragische Schicksalsschläge, zum Beispiel Opfer – oder Tätergeschichten aus der Kriegszeit, »tauchen auf« und wirken scheinbar über Krankheiten weiter. Bert Hellinger hat dies – in Anlehnung an Ivan Boszormenyi-Nagy – als »Bindungsliebe« bezeichnet. Es scheint, dass wir »aus Liebe« zu Eltern, Großeltern usw. Krankheiten und Beschwernisse auf uns nehmen.

Einen ganz eigenen Ansatz möchte ich noch gesondert anführen, nämlich den von Siegfried Essen, der mit seinen »Autopoietischen Aufstellungen« (vgl. Essen 2005) einer konstruktivistischen Aufstellungsform meiner Meinung nach viel mehr Beachtung verdienen würde. Beeinflusst von Psychosynthese und religionsphilosophischen Ansätzen (vor allem des Buddhismus) geht Essen davon aus, dass ein System jeweils ganz ist, dass die Teile einer Aufstellung jeweils frei sind und die Selbst-Erschaffung (Autopoiese) kein Ende hat. Ohne hier im Einzelnen darauf eingehen zu können, erwähne ich in diesem Zusammenhang nur die sogenannte »Ich-Selbst-Aufstellung« mit einem zusätzlichen Element.

Im Falle von Körperaufstellungen wird also Folgendes aufgestellt:

Auch dieses Format verwende ich mit großem Erfolg bei vielen meiner Klienten und Klientinnen. Christl Liebens Ansatz basiert jedoch – neben der Erfahrung mit Familien – und Strukturaufstellungen – vor dem Hintergrund verschiedener körpertherapeutischer Verfahren.

Wichtig ist mir im Zusammenhang mit dieser Art von psychosomatischen Verfahren, dass mit unserer Arbeit kein Anspruch auf Heilung verbunden wird. Auch die geglückteste Symptomaufstellung garantiert keine Heilung, ja nicht einmal in jedem Fall Besserung. Was wir aber oft feststellen:

 

In manchen Fällen (ich würde aufgrund meiner Arbeit schätzen, dass es etwa 25 Prozent sind) folgt auf eine Körper – oder Symptomaufstellung tatsächlich so etwas wie eine Heilung oder deutliche Besserung des Symptoms. Vergleichen Sie dazu auch unsere Praxisfälle im zweiten Teil. In einigen Fällen wird zwar das Symptom nicht gebessert, jedoch ändert sich der Umgang der Patienten und Patientinnen mit ihrem Körper, sie wählen andere Behandlungsmöglichkeiten, ernähren sich gesünder, achten auf andere Bereiche der Gesundheit und fühlen sich so auch besser oder manchmal sogar »gesünder«.

In einigen Fällen gibt es so etwas wie das tatsächliche Annehmen einer Krankheit, eines Symptoms. Dies ist dann wie ein tiefes Anerkennen »dessen, was ist« zu verstehen. Hier ist es ganz wichtig, dass wir Therapeutinnen abstinent bleiben mit unserem Wunsch zu heilen oder zu lindern, sondern nur die Klienten und Klientinnen auf ihrem Weg begleiten.

Abschließend möchte ich noch festhalten, dass wir in unserer Arbeit ein Konzept vertreten, das Geist und Körper als Einheit sieht. Wir sagen nicht, wir haben einen Körper, sondern wir sind unser Körper, das meint Körper und Geist in einem. Die englische Wortschöpfung »bodymind«, die auch im Ayurveda verwendet wird, drückt das recht gut aus. (CR)

Grundlagen meiner Arbeit mit Körper – und Symptomaufstellungen

Ich bin Karlfried Graf Dürckheim nur einmal begegnet, in einer unvergesslichen Stunde in seiner Studierstube in Todtmoos-Rütte, aber er blieb über lange Zeit mein innerer Dialogpartner.

Dürckheim war Philosoph, Psychologe und Zen-Meister. Er gründete gemeinsam mit Maria Hippius 1948 die Existentialpsychologische Bildungs – und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte im Schwarzwald, die es bis heute gibt. Von ihm stammt der Begriff des »doppelten Ursprungs«. Damit sagt er, dass wir Menschen aus Geist und Materie geboren sind. Unser Leben entfaltet sich im Spannungsfeld dieser beiden Pole. Geist und Körper bedingen einander auf dem Weg der Verwirklichung unserer Existenz. Diese Sichtweise hat zunehmend mein Leben verändert und meine Arbeit mit Menschen bestimmt.

Graf Dürckheim war nach dem Ersten Weltkrieg Assistent von Felix Krueger in Leipzig am Institut für Ganzheits – und Gestaltpsychologie. Auf der Suche nach »Ganzheit« war das Denken dort sehr beeinflusst von der Deutschen Mystik, allen voran Meister Eckhart. Was Meister Eckhart den »Wesensgrund« nennt, ist bei Krueger der »Lebensgrund« – Geist als Lebenswirklichkeit und Lebensordnung. Dürckheim spricht vom »Wesen als die Weise, wie das ›Überraumzeitliche Sein‹ sich durch uns in der Welt verwirklichen will«. Der Körper, aus Materie geboren, ist Gefäß dieser Verwirklichung. Meine Erfahrung ist: Geist und Körper steuern gemeinsam den Prozess des Lebens.

Im Körper sind Biografie und Ahnenwissen mit der dazugehörigen emotionalen Erfahrung gespeichert. Der Körper weiß genau, was er braucht, um Lösung und Befreiung möglich zu machen. Und er kennt den stimmigen Zeitpunkt. Andererseits weiß er auch um den »Segen« einer Krankheit im Sinn eines Gesamtkonzeptes des Weges. Mit anderen Worten, wenn wir Menschen uns für einen Erfahrungsweg entscheiden, den wir am wirkungsvollsten über unsere Körperebene gehen können, dann übernimmt der Körper die ungeliebte Rolle der Krankheit und kann uns so einen intensiven Reifeprozess ermöglichen.

Der Körper zeigt uns immer wieder die Begrenztheit der Materie, die wir angenommen haben.

Wenn ich hier von »Geist« spreche, dann meine ich das, was wir Menschen vom »großen, unnennbaren Geist« erahnen können und in uns tragen. Dieser, »unser« Geist also ist grundsätzlich frei, kennt Lösung und Bestimmung und unser Eingebettetsein in das »überraum-zeitliche Sein«. Der Geist ist losgelöst von Zeit und Raum, der Körper ist davon gehalten und gefordert. Der Geist kennt unser Schicksal, der Körper lebt es – im Dialog mit dem Geist.

Wir sind über Jahrhunderte sozialisiert, den Geist in den Himmel zu heben und den Körper gering zu achten. Damit verzerren wir unseren natürlichen Zugang zu Geist und Körper. Wer treibt dieses üble Spiel? Ich meine, es sind unsere Emotionen und deren Begleiterscheinungen. Sie breiten sich dort aus, wo Geist und Körper einander begegnen könnten.

Ich unterscheide zwischen Gefühlen und Emotionen. Die Psychologie spricht von »primären« und »sekundären« Gefühlen. Primäre Gefühle sind die aus der Tiefe unseres Mensch-Seins kommenden Grundgefühle, die einem starken, kontinuierlichen Strom folgen, wie Liebe, Angst, Wut etc. Emotionen sind Abspaltungen von Grundgefühlen und entstehen dort, wo Grundgefühle nicht zugelassen werden. Sie nehmen uns auf einen Schaukelkurs mit, der für unsere Entwicklung unfruchtbar ist, weil er uns in ständige Selbsttäuschungen hineinführt. In unseren Gefühlen haben wir Kontakt zu unserer Realität, sie erden uns, die Emotionen verschleiern und verzerren den Zugang zu unserem Körper, wie er ist, und zu unserem Geist, wie wir ihn erahnen könnten, wenn wir es zuließen. Sie trennen uns von uns selbst. Emotionen können vergnüglich, spannend und kreativ sein, aber dort, wo es um Wesentliches geht, verstellen sie uns den Weg zu unserer eigenen Wahrheit.

Kann es sein, dass wir in Bezug auf unsere Emotionen in einer Art kollektiver Unreife stecken? Wir haben nicht gelernt, bei unseren Gefühlen zu bleiben, sondern verlieren uns in ihren Abspaltungen.

Woher diese Unreife? Haben wir uns zu wenig um die Entwicklung unserer Emotionen gekümmert? Zu wenig vielleicht nicht, aber wir tun es noch nicht lange genug.

Der Körper wird seit jeher trainiert, zum Beispiel durch Sport – oft ohne wirklich verstanden zu werden. Der Geist wird seit Jahrtausenden in unzähligen religiösen Disziplinen geschult. Den bewussten, direkten Umgang mit Emotionen gibt es in unserem Kulturkreis erst seit Beginn der Psychotherapie, einer vergleichsweise sehr jungen Disziplin.

Emotionen einerseits als sekundäre Gefühle zu erkennen, sie aufzulösen oder zu verwandeln, andererseits der Kraft, Tiefe und Wahrhaftigkeit primärer Gefühle zu vertrauen, das scheint ein Lernprozess zu sein, in dem wir alle noch sehr befangen sind. Da liegt, meines Erachtens, das Krisengebiet in der Kommunikation zwischen Geist und Körper.

Emotional gesteuert von übernommenen bzw. gesellschaftlich oder religiös vorgeschriebenen Glaubenssätzen, die wir nicht hinterfragen, projizieren wir Trugbilder auf Geist und Körper. So verhindern wir einen fruchtbaren Kontakt zwischen diesen beiden Bewusstseinsebenen. Es ist selbstverständlich, dass es einen Kontakt zwischen Geist und Körper gibt, sonst wären wir nicht am Leben. Ebenso selbstverständlich ist es, dass wir diesen Kontakt auch über weite Strecken für uns nutzen. Was uns aber mangelt, ist der bewusste Entschluss, unser Leben in seiner vollen Realität und damit Begrenztheit anzunehmen, so wie es ist. Immer wieder versuchen wir, mit dem Schicksal zu verhandeln, und verhindern auf diese Weise, dass aus dem Reichtum an vorhandenen Möglichkeiten unsere Lebenswirklichkeit entsteht. Diese Wirklichkeit suchen wir von Geburt an. Warum verweigern wir uns selbst den Weg dahin?

Wie diese Überlegungen, Beobachtungen und Gedanken in meine psychotherapeutische Praxis einfließen, werde ich im nächsten Kapitel erläutern. (CL)