Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Zur Einführung: Ein Wirtschaftsbuch und sein Hype – eine aktuelle Bestandsaufnahme
Prolog: Über Thomas Piketty
Thomas Piketty und Das Kapital im 21. Jahrhundert
1. Einleitung – Worum geht es in dem viel diskutierten Buch?
2. Pikettys historische Analyse
3. Pikettys Weltformel
4. Pikettys politische Empfehlungen
5. Kritik an Pikettys Thesen
Epilog: Der politische Diskurs rund um Das Kapital im 21. Jahrhundert steht erst am Anfang
Ausgewählte Literatur und Quellenangaben
Glossar
Abkürzungen
Nachweise

Vorwort

Im Frühjahr 2014 erschien Capital in the Twenty-First Century, die englische Ausgabe des knapp ein halbes Jahr zuvor veröffentlichten Buchs Le Capital au XXIe siècle des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty. Nach der Lektüre dieser schwergewichtigen Untersuchung und der wesentlichen Äußerungen von Befürwortern und Kritikern Pikettys erscheinen mir die kritischen Argumente wesentlich überzeugender:

  1. 1. Piketty – wie Karl Marx – bedient vor allem die Sehnsucht der Bevölkerung. Deswegen ist eine Auseinandersetzung mit seinen Thesen für jeden politisch denkenden Menschen geboten, um ­­eine Verführung der Massen zu verhindern.
  2. 2. Pikettys Weltformel r > g, durchschnittliche Kapitalrendite > Wachstumsrate der Wirtschaft, die seine These von der Kapitalkonzentration begründet, ist ungeeignet, dies zu untermauern. Kapitalbesitzer reinvestieren nur einen Teil der Rendite, ein anderer Teil wird verbraucht, als Steuer abgeführt oder vernichtet. Langfristig ist diese Formel im Gleichgewicht: r = g.
  3. 3. Keinesfalls gibt es die von Piketty wie Marx behaupteten Gesetzmäßigkeiten. Statistiken können alles oder nichts beweisen.
  4. 4. Die wichtigere Frage ist, wie viele Menschen teilen sich die Lohn- und Kapitaleinkommen in welchem Verhältnis bzw. wie kann die Zahl der abhängig Beschäftigten sinken und die der Vermögensbesitzer steigen? Siehe dazu die Vorschläge unten.

Es kommt bei der als ungerecht empfundenen Verteilungsfrage nicht auf das Verhältnis von Vermögen und Volkseinkommen, sondern auf die Anteile am Volkseinkommen an. Diese Anteile sind zwar im längeren Zeitablauf relativ konstant, können aber proaktiv durch ein progressives Steuersystem und Anreize zur Vermögensbildung zum »Wohlstand für alle« (Ludwig Erhard) verbessert werden, u. a. dadurch, dass:

Solche konstruktiven Maßnahmen zur Erhöhung der Beteiligung aller Bürger an den Kapitalrenditen sind allemal besser als eine sozialistische 80-prozentige Einkommensteuer oder eine weltweite Vermögenssteuer, wie Piketty es vorschlägt bzw. es der französische Präsident Hollande bereits in den ersten beiden Jahren seiner Präsidentschaft – bekanntlich erfolglos – umzusetzen versucht hat. Das käme dazu einer Enteignung gleich und deren effektive Durchsetzung ist nachweislich völlig unrealistisch. Man sollte allerdings fordern, dass die Steueroasen ausgetrocknet und die Steuerschlupflöcher gestopft gehören.

Gerechtigkeit des Staates bei der Setzung einer effektiven Rahmenordnung durch parlamentarische Beschlüsse ist insofern gefordert, als ein »level playing field« für alle Bürger bei den Chancen bestehen sollte, im Laufe eines Lebens zu nennenswertem Kapitaleinkommen zu gelangen.

Es ist ein großer Verdienst des Autors, Dr. Ulrich Horstmann, und des Verlages, den Diskurs über diese Themen durch eine frühzeitige Information und Diskussion der Argumente zu fördern. Was nicht passieren darf, ist – wie in den 1960er Jahren –, dass durch allgemeines Totschweigen oder blindes Ignorieren dieser Debatte aufseiten der Kundigen auf einmal wieder große Teile der Bürger den falschen Propheten und sozialistischen Schlaraffenländern nachlaufen.

Stephan Werhahn, Ph.D. M.Sc.

Bundesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) und Delegierter des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU)