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M. H. STEINMETZ

Totes Land

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M. H. Steinmetz

TOTES LAND

Ausnahmezustand

Roman

Deutsche Erstausgabe

1. Auflage
Veröffentlicht durch den
MANTIKORE-VERLAG NICOLAI BONCZYK
Frankfurt am Main 2014
www.mantikore-verlag.de

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe
MANTIKORE-VERLAG NICOLAI BONCZYK
Text © Mario H. Steinmetz 2013

Titelbild: Niels Breidenstein
Lektorat: Ulrich Schüppler
Satz: Matthias Lück
Bildbearbeitung: Helge Balzer

ISBN: 978-3-939212-97-3

Inhalt

DER GRABEN

DIE REISE BEGINNT

BARACKE ROT

BARACKE GELB

UNTERSUCHUNG

BARACKE GRÜN

DAS ENDE

HORRORSHOW

JAGDZEIT I

NICHTS ALS VERMUTUNGEN

BERLINER RING

SESAM ÖFFNE DICH

WEIHNACHTSWAHNSINN

ZWEISAMKEIT?

BÖSES ERWACHEN

STADT – LAND – FLUSS

NACH DEM ERTRINKEN

MORGENROT

STAATSGEWALT

EIN NEUER GEFÄHRTE

MOLOTOW

LEIPZIGER ALLERLEI

IRGENDWO

SHOPPING

BUS-STOPP

SHOPPINGTOUR

EINE TEMPORÄRE ZUFLUCHT

SELBSTMORDKOMMANDO

WARTESCHLEIFE

ANDERS ALS ERWARTET

ERKENNTNIS

KONVOI

SOLDATENDEUTSCH

ABMARSCH

DURCH DEN WALD

GOTTES SEGEN

MOMENTAUFNAHMEN

FRANKFURT

JAGDZEIT II

FLAMMENDES INFERNO

FLUCHT AUS EINER STERBENDEN STADT

KRISTIN

AUF DEM FLUSS

EINSAME STUNDEN

DER SCHLEICHENDE TOD

ERWACHEN

REGENSCHAUER

FILMRISS

Widmung:

“Für Anette, die mir während des Schreibens stets treu zur Seite stand und mir dabei ganz unbeabsichtigt das wichtigste Element dieser Geschichte offenbart hat: Hoffnung!”

Danksagung:

“Mein besonderer Dank gilt

Sabine, ohne die ich niemals angefangen hätte zu schreiben und die mich immer wieder dazu ermutigt hat weiterzumachen,

Kristin, Martin, Florian und Sascha für das Probelesen und die überaus konstruktive Kritik.

Ohne Euch hätte ich das niemals geschafft!”

– Totes Land –

„Und viele, die in der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.“

Buch Daniel, 170 v.Chr.

DER GRABEN

Der Puls hämmerte hart durch seinen Körper und verursachte dieses unangenehme Pochen im Zahnfleisch, das man von kleinen Entzündungen im Mundraum kennt. Eine verdammt lästige Sache. Der Mann mit den Rangabzeichen eines Leutnants auf den Schultern konnte förmlich spüren, wie sich sein Blut stoßweise seinen Weg durch die Adern unter seiner Haut bahnte. Getrockneter Schweiß brannte ihm unter der dicken Armeekleidung auf der Haut und fing an, ihn von seiner eigentlichen Aufgabe abzulenken. Das Verlangen sich zu kratzen wurde übermächtig. Kein Wunder, denn für Hygiene war in den letzten Tagen kaum Zeit gewesen. Zu stark war der Druck, den ihr unheimlicher Feind auf sie ausübte. Ein Druck, welchem sie nicht mehr lange Stand halten würden. Sie waren einfach ein viel zu kleines Kommando für diese Sache. Wenigstens noch ein bisschen durchhalten, mehr war hier nicht zu erwarten.

Dicht auf den Boden gepresst lag er im nassen Schnee eines Entwässerungsgrabens, der die weitläufige Wiese vor ihm von dem dichten Waldstück dahinter trennte und zählte die Tropfen des tauenden Schnees, die von einem hohen Baum auf den Boden fielen. Dieses Mistwetter hielt nun schon die ganze Woche an, erst dieser heftige Schneefall, so dicht, das man die Hand nicht vor den Augen sah. Doch kaum hatte der Schnee den Boden berührt, fing er auch schon an zu schmelzen und verwandelte alles in eine matschige Pampe.

Wie er dieses Dreckswetter hasste. Sogar sein sorgfältig gestutzter Kinnbart war nass und klebrig. Über eine Stunde lag er nun schon so da und spürte, wie die Kälte mit eisigen Fingern aus dem feuchten Schnee unter seine Schutzweste kroch und ihm das Atmen zur Qual machte. In immer kürzeren Abständen musste er sein Dosieraerosol anwenden. Verdammtes Asthma, die Krankheit quälte ihn nun schon seit der Vorschulzeit und lauerte begierig darauf, ihn an seine Schwäche zu erinnern, sobald sich eine Möglichkeit dafür bot. Er durfte sich in dieser Situation keine Schwäche erlauben, es durfte nicht der geringste Zweifel an seiner Fähigkeit aufkommen, diesen Auftrag zum Abschluss zu bringen. Da waren Menschen, die sich auf ihn verließen und die ihr Leben in seine Hände legten. Sie alle vertrauten auf sein Geschick, die richtigen Entscheidungen im richtigen Augenblick zu treffen. Und dazu musste er voll da sein. Sein sehniger Körper war zwar gut trainiert und auf die Sache vorbereitet und trotzdem machte ihn diese feuchte Kälte einfach fertig. Der Leutnant zog kurz seine Mütze vom Kopf und wischte sich den Schweiß vom kahl rasierten Schädel. Er hatte sich zwar gut gehalten für sein Alter, immerhin war er jenseits der Vierzig. Aber trotzdem, dieses verdammte Asthma zwang ihn in die Knie.

Hin und wieder zogen sich die dichten Wolken auseinander und gestatteten dem Mond, alles in ein geisterhaftes Licht mit scharf abgegrenzten Schatten zu tauchen. Rechts und links neben ihm lagen die anderen Männer der Einheit über die gesamte Länge des Grabens verteilt. Dunkle bewegungslose Schemen im Schnee. Wie er war jeder Einzelne dazu bereit aufs Ganze zu gehen, denn hier war die letzte Linie, hier würde in wenigen Augenblicken die Entscheidung über Leben und Tod fallen. Vielleicht sogar über die Zukunft der gesamten Menschheit.

Sein Sergeant lag unmittelbar neben ihm. Die hoch gewachsene, schlanke Frau mit den blonden, halblangen Haaren hatte ein klobiges Nachtsichtgerät aus russischen Armeebeständen vor den Augen und trug anstelle der Uniform wie immer ihren schweren Ledermantel. Er musste lächeln, als er sie betrachtete. Auch ihr sah man nicht an, dass sie gerade mal zwei Jahre jünger war als er selbst. Doch darauf kam es jetzt nicht an, denn sie waren alle freiwillig hier und keiner würde sich um derart Belangloses scheren. Hier ging es um das nackte Überleben und da hatte man keine Zeit, sich um so banale Dinge wie korrekte Uniformen zu kümmern. Es gab nur eine Regel und die hieß: Überleben!

Er war froh darüber, die Frau in dieser Situation an seiner Seite zu wissen, denn auf den Sergeant konnte er sich bedingungslos verlassen. Außerdem war da noch etwas anderes, das sie verband. Etwas, das über die Rangfolge innerhalb ihrer Einheit hinausging. Und das hing nicht nur mit ihren endlos langen Beinen zusammen, es war schlichtweg eine tiefe Freundschaft fürs Leben, welche sie verband.

Jenseits der Wiese erhob sich eine schwarze Wand dichter Büsche und dahinter ein weitläufiges Waldgebiet mit düsteren, eng stehenden Bäumen. Selbst jetzt im Winter war der Wald nahezu undurchdringlich. Und in der Dunkelheit sowieso. Mit der Infrarot-Zieleinrichtung seines G36-Sturmgewehres suchte er den gegenüberliegenden Waldrand ab. Die Entfernung betrug etwa dreißig Meter, also ideale Schussdistanz.

„Großer Baum, zwei Meter rechts davon, unten an der Lücke zwischen Stamm und Busch, eine Person.“

Ihr Flüstern war fast nicht zu hören. Das G36 des Leutnants schwenkte an die beschriebene Stelle. Er sah, wie sich die Zweige bewegten und erahnte den dunklen Schatten dahinter, der grob den Umrissen eines Menschen entsprach.

„Noch einer, etwa drei Meter links davon.“

Die Präsenz der Dinger auf der anderen Seite verdichtete sich zu einer massiven Bedrohung. Unter seiner Schirmmütze bildete sich zwischen Stoff und Kopfhaut frischer Schweiß und lief ihm kalt den Nacken herab. Die ersten Gestalten traten aus dem Wald, an vorderster Stelle die beiden, welche der Sergeant schon ausgemacht hatte. Sie machten sich nicht einmal die Mühe, leise zu sein.

„Scheiße, das wird heftig!“

Die Stimme der Frau klang angespannt. Mit einer fließenden Bewegung legte sie das Nachtsichtgerät zur Seite und nahm das schallgedämpfte M16 in den Anschlag. Das Klicken des Sicherungshebels war kaum zu hören. Langsam hob der Leutnant seine Hand. Waffen suchte man bei den Gestalten vergeblich. Sie kamen eher daher wie Volltrunkene, die sich im Wald verirrt hatten und nun einfach geradeaus marschierten, aber trotzdem nicht wussten, wohin sie wollten. Und doch schienen sie von irgendetwas geleitet. Schwer zu sagen, ob sie wussten, dass die Soldaten hier im Graben auf sie warteten.

Erst nachdem sie bereits zehn Meter auf die Wiese vorgedrungen waren und ihre Anzahl sich auf etwa dreißig erhöht hatte, wurde ihre Andersartigkeit immer offensichtlicher. Es war eine Armee aus Marionetten, die man ihrer Fäden beraubt hatte und die nun nahezu lautlos und ungelenk durch die Gegend taumelte, um neuen Halt zu suchen. Und es wurden immer mehr.

Als sich die Wolken erneut verzogen, offenbarte das kalte Licht die schreckliche Wahrheit. Vor ihnen marschierte eine in Fetzen gehüllte Armee des Todes. Ehemals menschliche Gesichter trugen nur noch zerfetzte Hüllen auf ihren mit blutigen Wunden übersäten Köpfen zur Schau. Hände, vormals gepflegt und sanft, waren nun durch Narben entstellt und von schartigen, schwarzen Fingernägeln gekrönt. Der Leutnant wartete solange ab, bis sich der Himmel erbarmte und die jagenden Wolken den Mond verbargen. Dann sackte seine Hand ruckartig nach unten.

Auf dieses Signal hatten die Soldaten nur gewartet und eröffneten sofort das Feuer. So unterschiedlich wie ihre Waffen und ihre Uniformen auch waren, handelten sie doch wie ein Mann, denn es ging ums Ganze. Würden sie fallen, wäre auch die letzte Zuflucht in dieser Gegend hoffnungslos verloren. Seit die Seuche vor einigen Wochen ausgebrochen war und die Menschen in wilde Bestien verwandelte, waren sie immer weiter zurückgewichen. Und nun standen sie mit dem Rücken zur Wand. Der Sergeant fluchte laut, als ihre Waffe wieder einmal Ladehemmung hatte.

„Ich hätte bei meiner alten Waffe bleiben sollen, verdammter Dreck.“

Für diese Feuchtigkeit waren die Waffen einfach nicht gebaut. Plötzlich, an der linken Flanke, ein lauter Aufschrei. Am Rande des Grabens waren wie aus dem Nichts weitere Kreaturen aufgetaucht. Es waren zwei Läufer und sie bewegten sich mit affenartigen Bewegungen schnell und koordiniert vorwärts. Sofort kam es zu einem wilden Handgemenge. Als sich eine nahezu identische Szene auf der rechten Seite abspielte, wurde der Leutnant vom Sergeanten am Arm gepackt.

„Die Dinger gehen mit System vor, lass uns abhauen, solange es noch geht.“

Grob stieß er ihre Hand zur Seite.

„Einen Scheiß machen wir, wir bleiben hier und kämpfen. Ich werde nicht mehr vor diesen Drecksäcken weglaufen!“

Als die Monster nur noch fünf Meter vom Graben entfernt waren, warf er sein Gewehr weg und sprang auf. Mit einer tausendfach geübten Bewegung zog er die rostige Machete aus dem Gürtel und stürmte wie ein Wahnsinniger aus dem Graben. Der Sergeant brüllte ihm noch irgendetwas Unverständliches hinterher, als er auch schon die Einschläge zwischen seinen Schulterblättern spürte.

„Was zur Hölle …“

Schwer stürzte er in den Schnee, direkt vor die Füße der heranrückenden Kreaturen, die sich einfach auf ihn fallen ließen und sofort damit anfingen, ihre hässlichen Visagen auf in herabzusenken, um unbedecktes Fleisch zu suchen.

Als der Sergeant sah, wie der Leutnant fiel, hatte sie noch genau zwei Sekunden zu leben. Sie hatte sich im Graben auf den Rücken gerollt, sich den Rucksack gegriffen und wollte sich über die hintere Seite der Grabenwand in den Wald absetzen, als vier Gestalten in schwarzer Einsatzkleidung und Skimasken auf den Köpfen aus automatischen Waffen das Feuer auf sie eröffneten.

„Ihr verdammten Wichser, das ist …“

Nach den ersten fünf Einschlägen in ihrem Oberkörper hörte sie auf zu zählen und schloss die Augen. Dem Rest der Einheit erging es nicht anders. Wer den Monstern entkommen konnte, wurde von diesen seltsamen Typen geradezu hingerichtet. Es war ein fürchterliches Massaker. Dann wurde gar nicht mehr geschossen und schnell verebbten auch die anderen Kampfgeräusche auf dem Schlachtfeld, Nur noch das widerliche Schmatzen der Monster war zu hören, die sich an den Leichen der Gefallenen satt fraßen.

„AUSZEIT ..... AUSZEIT ........ AUSZEIT!“

Als der füllige Typ mit der roten Baseballmütze über die Wiese ging und immer wieder Auszeit rief, schlug der Leutnant die Augen auf und kehrte ins Leben zurück. Wurde auch Zeit, verdammt noch mal, denn inzwischen fror er sich wirklich den Arsch ab. Um ihn herum lagen vielleicht vierzig Körper, die sich nun alle wieder anfingen zu regen, auferstanden von den Toten, um sich den Schnee aus den Klamotten zu klopfen. Am Grabenrand stand einer der Soldaten und unterhielt sich rauchend mit einem der Monster, dem die rechte Hand fehlte, als ob der Umstand, dass sie sich beide vor wenigen Minuten gegenseitig umgebracht hatten, etwas vollkommen Normales sei. Auch der Sergeant kam aus dem Graben geklettert und ging lächelnd auf den Leutnant zu.

„Keine Ahnung, was die sich dabei gedacht haben, uns derart fertigzumachen. Aber geil war’s oder?“

Sabine lächelte breit und blieb vor Markus stehen.

„Da haste allerdings recht. Ich frage mich nur, warum Tim die ganze Szene versaut und wie ein Depp über die Wiese rennt. Ich hatte mich schon darauf gefreut, als toter Soldat durch die Gegend zu taumeln.“

Er nickte mit dem Kopf in Richtung des rot Bemützten, der die umstehenden Personen nun alle hektisch in der Mitte der Wiese zusammenrief.

„Keine Ahnung, hören wir uns mal an, was denn so wichtig ist.“

Mitten in der Menschentraube konnten sie Tims aufgeregte Stimme zu hören. So kannten sie ihn alle. Immer wenn etwas nicht rund lief oder es Probleme im Spiel gab, kam er wie aus dem Nichts hervor und versuchte mit überschnappender Stimme alles wieder ins Lot zu bringen. Sie hatten Tim noch nie in anderen Sachen als den ausgewaschenen Armeehosen und dem alten, verwaschenen Metallica-Kapuzenpulli gesehen. Zusammen mit der albernen Baseballkappe, den schulterlangen, braunen Haaren, die darunter hervorlugten, und dem untersetzten Äußeren erfüllte er das perfekte Bild eines Nerds.

„Leute, ich störe euch hier echt nur ungern, aber wir müssen das Spiel auf der Stelle abbrechen. Sofort!“

Eines der Monster oder besser gesagt Steffen, der unter der Maske steckte, hob beide Hände.

„Abbrechen, sag mal bist du bescheuert, wir sind hier gerade beim Showdown, falls du das noch nicht mitbekommen hast. Da bin ich ja mal echt gespannt, was von dir jetzt so wichtiges kommt!“

Tim leckte sich fahrig über die Lippen, bevor er fortfuhr. Die angepissten Gesichter der Spieler machten ihn nur noch nervöser. Aber es gab einen guten Grund für sein Handeln.

„Hört mir einfach zu und lasst mich verdammt noch mal aussprechen. Was ich zu sagen habe ist bitterer Ernst.“

Sabine nickte und gab ihm Rückendeckung.

„Tim hat bestimmt ‘nen guten Grund Leute, also hören wir zu, was er zu sagen hat.“

„Danke, Sabine“, fuhr Tim fort. „Wie gesagt, wir müssen das Spiel umgehend abbrechen. Daniel war vorhin in der Stadt und hat es direkt aus den Nachrichten erfahren. Da draußen bricht gerade die Hölle los. Diese Grippewelle, wegen der die überall diese Zentren eingerichtet haben, hat sich mittlerweile extrem ausgebreitet. Aber es kommt noch schlimmer. Die Leute, die sich damit angesteckt haben, sollen angeblich durchdrehen und andere Menschen angreifen. Es ist so extrem, dass die Regierung sogar schon den Ausnahmezustand ausgerufen hat.“

Sofort machte sich ungläubiges Gemurmel breit. Markus sah Sabine verunsichert an. Doch Tim hatte noch mehr zu erzählen.

„Aber es kommt noch schlimmer. Die Kranken greifen nicht nur einfach die anderen Leute an. Nein, sie rotten sich zu großen Gruppen zusammen und ziehen angeblich mordend durch die Straßen. Daniel hat ‘ne Sendung gesehen, in der sie meinten, dass diese Verrückten ihre Opfer regelrecht zerfleischen würden. Wie wilde Bestien, versteht ihr?“

Einer der Soldaten schüttelte ungläubig den Kopf, dann lachte er schallend.

„Also wenn du uns verarschen willst, ist das mit Sicherheit der schlechteste Scherz seit langem. Meine Mutter hat sich auch diese Grippe eingefangen und darüber kann ich nun echt nicht lachen. Also hör’ auf mit den Scheiß, okay?“

Markus mochte den Typ zwar nicht, musste ihm aber dennoch zustimmen. Er dachte an Anette, die zu Hause auf ihn wartete. Das wäre alles in allem nicht gravierend, wenn sein Zuhause nicht in Speyer in der Pfalz gewesen wäre und er sich nun hier in der Nähe von Berlin auf einem Endzeit-Rollenspiel befunden hätte. Knappe sechshundert Kilometer trennten ihn von seiner Frau. In Sabines Augen erkannte er, dass ihre Gedanken in ähnliche Bahnen gingen. Sie kam aus Frankfurt am Main, wo sie in der Innenstadt mit ihrem Freund Pascal zusammen wohnte. Pascal war ein witziger Typ und Schweizer. Markus und er hatten sich auf Anhieb gut verstanden. Tims Worte holten ihn in die Wirklichkeit zurück.

„Also, wir haben uns als Spielleitung unterhalten und sind der Meinung, dass wir jetzt und hier das Spiel beenden werden und ihr euch alle so schnell wie möglich auf den Weg nach Hause macht. Wer weiß, wie schlimm sich die Sache noch entwickeln wird.“

Für Markus klang diese Entscheidung logisch, doch einige der Spieler sahen das ganz anders. Sie hatten eine Menge Geld für dieses Wochenende bezahlt und waren der Ansicht, dass das Spiel daher gefälligst auch bis Sonntagnachmittag zu laufen hatte. Es war klar, dass hier ziemlich schnell eine heftige Diskussion losbrechen würde. Möglicherweise entpuppte sich das alles als ausgewachsener Blödsinn oder womöglich hatte sich die Spielleitung eine Art Spiel im Spiel ausgedacht, um für den besonderen Kick zu sorgen. Doch gerade durch den Hintergrund dieses Spiels, einer Zombie-Apokalypse ohne Hoffnung auf Überleben, waren sie alle extrem sensibilisiert und nur zu gerne dazu bereit, Tim Glauben zu schenken. Sabine berührte Markus am Arm.

„Hör mal, ich hab da ein ganz blödes Gefühl. Ich finde, wir sollten uns jetzt absetzen, solange das noch problemlos geht, denn ich mach mir Sorgen um Pascal, wenn das alles stimmen sollte, was Tim uns da erzählt.“

Markus nickte ihr zu, denn sie hatte ausgesprochen, worüber er auch schon die ganze Zeit nachdachte.

„Sehe ich auch so, Sabine. Lass uns hier so schnell wie möglich abhauen. Unabhängig davon, was tatsächlich los ist, das Spiel ist so oder so am Arsch. Und wenn alles gut sein sollte, machen wir uns einfach einen schönen Tag, okay?“

Nur zu gern stimmte Sabine ihrem Kumpel zu, denn sie hatten eh viel zu selten Zeit, um sich in Ruhe zu unterhalten. Während die Stimmen auf der Waldlichtung immer lauter wurden, entfernten sich die beiden so unauffällig wie möglich und machten sich auf den Weg zur großen Blockhütte, welche als Basis für das gesamte Spiel diente. Dort gab es Essen und dorthin konnte man sich zurückziehen, wenn man Schlaf oder eine Pause brauchte. Ihr Weg führte sie zuerst den Graben entlang und dann auf einem matschigen Pfad weiter durch den dichten Wald. Sabine konzentrierte sich auf den rutschigen Weg vor ihr.

„Wir sind echt selbst schuld, dass wir hier in der Pampa hocken. Ich bekomme richtig Schiss, je länger ich darüber nachdenke.“

„Fuck, verdammter!“ Markus fluchte, als er mit dem Fuß in eines dieser tiefen Matschlöcher einbrach und ihm Wasser in den Stiefel lief. „Ganz genau. Glaub mir Sabine, ich mache mir auch echt große Sorgen. Wenn wir bei der Hütte ankommen, versuch ich sofort Anette zu erreichen. Bestimmt ist das alles nur irgendein von den Medien aufgebauschter Blödsinn.“

In den letzten Tagen hatten sich die beiden angewöhnt, ihre Umgebung ständig im Auge zu behalten und daran hatte sich auch jetzt nichts geändert. Rechts stand ein halb zerfallener Hochsitz am Weg, um den sich der Stamm einer Birke gewunden hatte. Routinemäßig überprüften sie, ob jemand oben auf der Sitzfläche auf sie lauerte. Doch der Ansitz war natürlich leer. Irgendwo flog ein Vogel auf und protestierte lauthals gegen die für sie unsichtbare Störung. Unwillkürlich zuckten beide zusammen. Sabine griff sogar nach ihrer in der realen Welt nutzlosen Waffe.

„So langsam bekomme ich echt Paranoia. Mal ehrlich, glaubst du wirklich, was Tim da alles erzählt hat?“

„Irgendwie schon, auch wenn ich es nicht möchte. Du hast doch seinen Blick gesehen. Seine Angst war echt, Sabine. Ich kenne Tim, der kann sich nicht besonders gut verstellen. Wenn diese komische Grippe die Leute tatsächlich verrückt macht, haben wir ein ernsthaftes Problem, vor allem so weit weg von zu Hause. Und das macht mir echt Angst, Sabine.“

„So sehe ich das auch. Wir brauchen unbedingt unsere Handys, dann rufen wir unsere Leute an und erfahren, was tatsächlich Sache ist!“

Den Rest des Weges gab es nichts mehr zu sagen, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, die sich hauptsächlich um ihre Partner drehten, um Verwandte und Freunde. Was wäre wenn, diese Frage stand plötzlich als erdrückende Bedrohung unausgesprochen im Raum. Etwa zehn Minuten später hatten sie den Wald durchquert und traten auf eine schneebedeckte Wiese von der Größe eines Fußballfeldes, an deren gegenüberliegenden Seite sich ihr Ziel befand, dass große Blockhaus. Davor stand der rote Corsa von Daniel. Hier endete auch die schmale Straße, die von der anderen Seite kommend durch den Wald zur Bundesstraße führte, die ihrerseits als Verbindung zum Berliner Ring, also der Autobahn diente. Dort befand sich auch der Parkplatz, auf dem ihre Autos abgestellt waren.

Womöglich wäre es besser gewesen, ihrem Gefühl zu folgen, ohne weitere Umwege zu ihren Fahrzeugen zu gehen und sich abzusetzen, doch die beiden entschieden sich dafür, zur Blockhütte zu gehen, um zuvor mit Daniel zu sprechen. Vielleicht klärten sich dann ihre Befürchtungen und alles war halb so wild wie von Tim geschildert.

Sabine und Markus traten aus dem Wald und gingen über die Wiese zum Blockhaus, dass sich als dunkler Schatten abzeichnete. Die Fenster waren wegen des Spiels mit dicken Holzplatten vernagelt worden, um den Eindruck einer sicheren Zuflucht zu erwecken. Normalerweise hingen hier immer irgendwelche Spieler herum, doch jetzt war niemand zu sehen. Sie gingen am Auto von Daniel vorbei und blieben unsicher vor der halb offen stehenden Eingangstür stehen. Es war zwar nichts Außergewöhnliches, dass diese offen stand, doch die Stille und Dunkelheit im Innern des Hauses verunsicherte sie.

Während des Spiels wummerte in der Hütte immer Industrial Musik aus voll aufgedrehten Lautsprechern, dazu kam das permanente Flackern der Effektscheinwerfer, um die Spieler auf Trab zu halten und so zusätzliche Spannung zu erzeugen. Markus warf Sabine einen skeptischen Blick zu und runzelte die Stirn.

„Okay, machen wir es wie immer. Kann sein, dass alles in Ordnung ist und wir uns nur lächerlich machen, aber ich will einfach sichergehen.“

Sabine nickte und postierte sich links an der Tür. „Schaden kann’s jedenfalls nicht.“ Ihre Stimme klang unsicher.

Markus trat vorsichtig gegen die Tür, die leichter aufschwang als vermutet und nun mit lautem Getöse an die Wand krachte. Dann riss er die im echten Leben leider nutzlose G36 Softair nach oben und stürmte in den abgedunkelten Saal. Direkt hinter ihm glitt Sabine seitlich versetzt in den Raum und ging sofort in die Hocke, bereit auf alles zu feuern, was sich ihnen entgegen stellen sollte.

In der Mitte des Raumes blieb Markus dann stehen und senkte die Waffe. Es war besser zu warten, bis sich ihre Augen an das dämmrige Licht gewöhnt hatten. Hier erwartete sie keine Invasion der Wahnsinnigen, soviel war sicher. Es war nur ein leerer Raum, der nach abgestandenem Bier stank und dessen abgewetzter Dielenboden vor Dreck klebte.

Der Saal nahm etwa die Hälfte der Grundfläche des Gebäudes ein. Tische und Stühle hatte man an den langen Seiten aufeinander gestapelt, damit man möglichst viel Platz hatte und die Leute ungestört tanzen konnten. Am hinteren Ende befanden sich die Türen zu den Toiletten und der Küche, dazwischen der Treppenaufgang zu dem großen Schlafsaal unter dem Dach. Es roch noch immer nach einer Mischung aus Chili (ihrem gestrigen Abendessen), Trockeneis und verschüttetem Bier. Die Tür zur Küche war nur angelehnt. Markus wagte einen ersten Versuch.

„Daniel, bist du hier? Wir sind’s, Sabine und Markus!“

Nichts. Markus sah sich zu Sabine um und versuchte es erneut

„Daniel? He, das ist kein Spaß, also sag was, verdammt!“

Wieder keine Antwort.

„Hey, das ist jetzt echt nicht mehr lustig, Kumpel!“

Dann ging er durch den Raum zur Küchentür und presste sein Ohr ans Holz, lauschte. Aus dem Innern der Küche meinte er ein schweres Atmen zu hören, war sich aber nicht ganz sicher. Seine Sinne waren noch immer aufgeputscht und vom Spiel derart angespannt, dass er einfach alles hinter der Tür erwartete. Sogar echte Zombies. So ganz hatte er seine Rolle doch noch nicht hinter sich gelassen und das Adrenalin der vergangen Stunden war auch noch nicht gänzlich aufgebraucht.

Plötzlich empfand er sein eigenes Verhalten als albern, denn Tim hatte das Spiel beendet und das Gelände lag weit genug abseits von jeder Stadt, um nicht direkt gefährdet zu sein, wenn tatsächlich eine reelle Gefahr bestehen sollte. Höchstwahrscheinlich hielt Daniel nur ein Nickerchen auf dem Feldbett, das hinten in der Küche zwischen den Lebensmittelregalen stand. Andererseits wäre es äußerst seltsam, wenn Daniel mit diesen Neuigkeiten aus der Stadt zurückkehrte und sich dann ganz entspannt aufs Ohr hauen würde.

„Okay, ich geh jetzt da rein. Du wartest draußen und …“

„Vergiss es Markus, wir machen das zusammen oder gar nicht. Keiner geht alleine.“

Manchmal hasste er ihren Dickkopf, mit dem sie grundsätzlich durch die Wand ging. So war sie schon immer, seit sie sich vor über zwanzig Jahren kennen gelernt hatten. Auf einem Rollenspiel natürlich, wo auch sonst. Sie war ihm durch ihre große Klappe aufgefallen, vor allem aber durch ihr konsequentes Spiel, das sie in die Lage versetzte, ganz in ihre Rollen abzutauchen. Zusammen konnten sie die reale Welt hinter sich lassen und Dinge erleben, von denen Nichtspieler nicht einmal zu träumen wagten. Und deswegen war es notwendig, sich blind zu vertrauen. In jeder Situation. Zu jeder Zeit.

Und dennoch hatten sie stets darauf geachtet, ihre selbst gewählte Grenze innerhalb ihrer außergewöhnlichen Beziehung niemals zu überschreiten. Sie waren Freunde fürs Leben und daran würden auch Sabines schlanke, hochgewachsene Erscheinung und ihre endlosen Beine nichts ändern, denn was sie verband war zu wertvoll, um es für einen schnellen Fick aufs Spiel zu setzen. Oder für eine echte Beziehung, die ziemlich schnell in einen unbarmherzigen Krieg ausarten würde, wenn sich die alltäglichen Belange in ihre Freundschaft drängten.

Wie auch immer, Markus ignorierte einfach alle Bedenken und betrat die Küche. Er wollte keine Zeit mehr verlieren und herausfinden, was da drinnen vor sich ging. Daniel lag tatsächlich auf dem Feldbett und hatte sich unter eine dicke Wolldecke verkrochen. Nur sein Kopf war zu sehen. Sofort ging Markus zu ihm und wollte sich schon nach unten beugen, als Daniels Hand unter der Decke zum Vorschein kam und warnend nach oben schnellte.

„Halt … bleib bloß auf Abstand … bleib weg von mir. Mich hat’s ziemlich übel erwischt!“

Nur mit Mühe gelang es ihm, seine Worte formulieren. Er sah wirklich erbärmlich aus. Der Typ war normalerweise ein echtes Energiebündel, durchtrainiert und immer hellwach. Stets achtete er darauf, dass sein Kopf sauber rasiert war und aussah wie eine polierte Billardkugel. Dazu rundeten die kleine Nickelbrille und das ewige Grinsen das Bild eines durchaus sympathischen Menschen ab, dem er auch normalerweise in seinem Verhalten immer entsprach.

Doch diesmal sah die Sache anders aus. Der Daniel, den sie kannten, war verschwunden, zusammen mit seinem Lachen, mit dem er die Frauen immer um den Finger wickelte. Sein Gesicht hatte jede Farbe verloren und die Augen stachen rot unterlaufen wie zwei blutige, fast zugeschwollene Glaskugeln hervor. Aus seiner Nase lief in langen Bahnen bräunlich-gelber Rotz und tropfte auf den Boden, um dort klebrige Lachen zu bilden. Markus blieb wie angewurzelt stehen.

„Ach du Scheiße, Daniel. Was zur Hölle …“

Sie hatten Daniel das letzte Mal gesehen, als er in der Rolle eines Mutanten versucht hatte, ihre Zuflucht (also das Blockhaus) zu stürmen. Gut, zu diesem Zeitpunkt war er auch schon verschnupft gewesen, aber ansonsten gut gelaunt und fit. Und jetzt, keine zwölf Stunden später, lag er todkrank vor ihnen auf dem Feldbett in der Küche.

„Leute, hat euch Tim erreicht und das Spiel abgebrochen?“, fragte Daniel die beiden.

Sabine sah ihn mitleidig an und nickte.

„Ja hat er. Die stehen allerdings noch alle im Wald und diskutieren. Scheiße, hast du dir in der Stadt diese seltsame Grippe geholt oder was ist los mit dir?“

Daniel wurde von einem schweren Hustenanfall geschüttelt und mit Blut vermengte Spucke lief ihm aus dem Mundwinkel.

„Nicht direkt in der Stadt, eher auf dem Rückweg beim Tanken. Das ist aber jetzt nicht wichtig. Leute, hier bricht gerade überall die Hölle los. Ich habe nicht nur im Fernsehen gesehen, wie die Leute aufeinander losgehen, sondern mit meinen eigenen Augen. Das ist kein Witz.“

Markus zog ungläubig seine Stirn in Falten.

„Wie meinst du das, die Leute gehen aufeinander los? Sag schon, verdammt, und mach uns keine Angst!“

Daniel zog sich mit Mühe auf die Ellbogen und deutete mit dem Kopf in Richtung Theke. Markus und Sabine folgten unbewusst seinem Blick.

„Ich werde fast wahnsinnig vor Durst!“

Dort stand eine halb ausgetrunkene Wasserflasche mit offenem Verschluss. Sabine, die etwas näher an der Theke stand, sah sofort, dass der Rand der Flasche voller Rotz war. Trotzdem griff sie nach der Flasche und setze sie dem völlig entkräfteten Mann an den Mund, der mit gierigen Schlucken trank. Erst als ihm das Wasser rechts und links aus den Mundwinkeln lief und er husten musste, setzte sie die Flasche wieder ab.

Insgeheim stellte sie sich die Frage, ob und in wie weit diese Krankheit ansteckend war und vor allem, wie sie übertragen wurde. In den letzten Tagen war sie Daniel während des Spiels ziemlich nah gekommen. Näher als erlaubt, wenn sie ehrlich zu sich selbst war. Der kranke Mann wischte sich mit dem Handrücken den roten Speichel vom Mund und zog geräuschvoll seinen Rotz zurück in die Nase, bevor er mit seiner Schilderung fortfuhr.

„Wie gesagt, ich war in der Stadt, um Getränke für die Abschlussfete einzukaufen. Wollte mir zuerst Zigaretten in einem Supermarkt holen, ihr wisst ja, ich kann nicht ohne. In dem Laden war jedenfalls die Hölle los. Überall Menschen mit überladenen Einkaufswagen, in den Gängen gab es sogar Schlägereien wegen ein paar Tüten Milch, echt unfassbar. Ich war total überfahren von der Sache, stand da wie ein Idiot.“

Erneut zog er den Rotz nach oben, der in zähen Fäden aus seiner Nase lief.

„Die meisten Regale waren schon leer und Zigaretten gab es sowieso keine mehr. Da ich auf dem Rückweg eh tanken musste, war mir das erst mal egal. Draußen tauchte dann plötzlich ein Konvoi der Bundeswehr voller Soldaten auf. Alle bis an die Zähne bewaffnet. Mit echten Waffen, versteht ihr? Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass die Sache wirklich ernst war. Scheiß drauf, dachte ich, ab in den Wagen und los zum Getränkemarkt. Das bestellte Zeug holen und nichts wie weg.“

Von Krämpfen geschüttelt schrie er plötzlich schmerzerfüllt auf und krümmte sich zusammen. Markus wollte sich schon nach vorne beugen um ihm zu helfen, doch Sabines Hand hinderte ihn daran. Ihr Griff war bestimmt und fest. Energisch schüttelte sie den Kopf.

„Nicht, Markus, lass es!“

Schwer atmend machte Daniel eine kurze Pause, um Luft zu holen und fuhr dann mit seiner Schilderung fort.

„Etwas später war ich dann beim Getränkeladen und stand vor dessen zerbrochenen Scheiben. Auch dieser Laden war total verwüstet und ausgeräumt. Direkt daneben stand vor einem Elektroladen eine aufgebrachte Meute und starrte gebannt auf die eingeschalteten Fernsehgeräte im Schaufenster, die alle das gleiche Bild zeigten: Ein hektisch wirkender Reporter, dessen Mund sich lautlos öffnete und vermutlich beschrieb, was um ihn herum vor sich ging. Am meisten machte den Leuten die Laufschrift am unteren Bildrand Angst, in der in einer endlosen Abfolge Städtenamen und Zahlen vorbeiliefen.“

Sabine hatte plötzlich einen verdammt trockenen Mund und hätte sich am liebsten selbst die Flasche an den Hals gesetzt. Was hatte es mit den Zahlen auf sich, waren das Kranke oder womöglich Schlimmeres? Börsenkurse mit Sicherheit nicht. Und vor allem, warum war nicht nur die Polizei im Einsatz, um die Plünderer aufzuhalten, sondern auch das Militär? Der Einsatz der Bundeswehr im Innern ging normalerweise gar nicht. Daniel sprach währenddessen weiter.

„Hinter dem Reporter konnte man stark gerüstete Polizeieinheiten in engen Reihen sehen. Sogar Soldaten waren dabei und alle prügelten wie wild auf eine ziemlich große Menschenmenge ein. Aber wisst ihr was, denen waren die Schlagstöcke vollkommen egal, die rannten sogar noch mit blutigen Köpfen gegen die Schilde an, immer und immer wieder. Es war der pure Wahnsinn!“

Jetzt war sich Markus sicher, dass Daniel Fieber und damit verbundene Wahnvorstellungen hatte oder er sie einfach anlog. In Sabines Gesicht konnte er sehen, dass sie Ähnliches dachte, denn seine Schilderung war einfach zu abwegig. Sie spielten solche Dinge, aber in der echten Welt war so etwas vollkommen ausgeschlossen.

„Der Reporter sah sich immer wieder hektisch um, man konnte die Angst in seinen Augen sehen. Plötzlich tauchten noch mehr Leute im Bild auf, diesmal kamen sie aus einer Seitenstraße. Die stürmten einfach in die Reihen der Staatsdiener hinein, einige hatten sogar roten Schaum vor dem Mund. Das war der Moment, in dem einige der Polizisten ihre Dienstwaffen zogen, in die wütende Menge zielten und abdrückten. Wenn ich es euch sage, so war es!“

Die Geschichte wurde immer bizarrer. Polizisten würden niemals auf unbewaffnete Demonstranten schießen, egal ob sie Schaum vor dem Mund hatten oder nicht. Das war vollkommen ausgeschlossen. Markus beugte sich etwas nach vorne.

„Daniel, bist du dir da wirklich ganz sicher, dass es genau so war? Ich habe da so meine Probleme damit, dir die Story abzunehmen. Polizisten, die einfach wild auf Leute schießen, das ist doch irre!“

Der Angesprochene nickte beharrlich und bekam ein fast schon wütendes Funkeln in die Augen.

„Kannst es mir glauben oder nicht. Deine Sache. Ist mir egal. Aber es kommt noch besser. Kameramann und Reporter fingen an zu rennen. Plötzlich vollführte die Kamera einen Salto und fiel zu Boden. Als nächstes waren die Füße des flüchtenden Mannes im Bild und eine Hand. Und diese Scheißhand hatte keinen verdammten Ringfinger, denn der war abgebissen. Versteht ihr, was ich sage? Ich konnte genau die ausgefransten Hautfetzen sehen und das Blut, das aus dem Stumpf lief.“

Markus musste schlucken. Wenn das wirklich alles wahr war, was Daniel erzählte, brach da draußen gerade die Hölle los.

„Du sagst eine Hand. Eine blutige Hand ohne Ringfinger. Wie in so einem beschissenen Horrorfilm?“ Sabines Stimme schnappte fast über, so sehr musste sie mit ihrer Fassung ringen. Daniel nickte nur schwach. Inzwischen schien es dem Mann egal zu sein, ob ihm Rotz aus der Nase oder blutiger Schleim aus dem Mund lief. Irgendetwas ging da vor, irgendetwas veränderte sich. Mit ihm. Und mit der Welt, in der sie lebten. Etwas, das nicht sein durfte.

„So wahr ich hier liege. Plötzlich wurde die Übertragung unterbrochen und das Logo des Innenministeriums eingeblendet. Doch anstelle des Ministers trat ein Militär ins Bild und hielt einen Stoß Zettel in den Händen. Was er zu sagen hatte, wurde unten als Lauftext eingeblendet. Ich mach es kurz. Der Ausnahmezustand ist verhängt, ebenso die damit verbundene Ausgangssperre. Ab sofort. Die Regierung hat der Bundeswehr den Einsatzbefehl im Landesinnern erteilt. Inklusive Schießbefehl. Der Bevölkerung wird angeraten, sich von den Infizierten – ja genau, er sagte ‘Infizierte’ – fernzuhalten. Die Ansteckung erfolgt angeblich über Speichel oder Blut. Und das war es Leute. ‘Game Over’, wenn ihr mich fragt.“

Markus und Sabine gingen instinktiv auf Abstand zu Daniel.

„Man forscht angeblich bereits nach einem Gegenmittel. Wenn es nicht anders geht, seien Infizierte durch Beruhigungsmittel unten zu halten, haben sie gesagt.“

Markus Blick fiel auf ein leeres Röllchen Aspirin. Er hatte sich schon die ganze Zeit gefragt, wer zum Teufel so viele Tabletten geschluckt hatte. Jetzt wusste er es.

„Langweile ich euch etwa?“

Sabine schüttelte den Kopf, ließ den kranken Mann dabei aber nicht aus den Augen.

„Keineswegs Daniel. Erzähl aber bitte weiter!“

„Ach ja, noch was. Die Infizierten greifen mit aller Gewalt Menschen an. Sie prügeln sich aber nicht nur, nein, sie beißen den Leuten Fleisch aus den Körpern, echt wahr. Das haben die gesagt und am Ende hab ich es sogar selbst gesehen.“

Ihre Hand schloss sich um den Griff einer Pfanne, den sie im Rücken spürte. Sie nickte ihm zu.

„Weiter, denn jetzt will ich alles wissen!“

„Wie ihr wollt. Ich machte mich jedenfalls vom Acker, wollte nur noch weg. Als ich wieder auf der Bundesstraße war, legte ich noch ‘nen Stopp bei dieser freien Tankstelle ein, wo ihr auch schon einkaufen wart. Ihr wisst schon, wegen der Zigaretten.“

Beide nickten.

„Ich raus aus der Karre und rein in den Laden, denn ohne diese verdammten Dinger fange ich an durchzudrehen, vor allem in so ‘ner Situation. Ich rannte genau in die Arme dieses beschissenen Tankwarts. Drinnen sah es aus wie in einem Schlachthaus. Alles voller Blut und so. Ich sah ‘ne ältere Frau ohne Gesicht auf dem Rücken liegen, sah einen Türken mit heraushängenden Därmen zwischen den Zeitschriften auf dem Boden sitzen und wimmern. Genau in diesem Moment schlug mir dieser schmierige Scheißkerl seine Zähne in den Arm. Hier seht euch diesen Mist an!“

Zur Unterstreichung seiner Worte zog er seinen rechten Arm unter der Decke hervor. Kurz über dem Handgelenk war dieser notdürftig mit einem vollkommen durchbluteten Küchenhandtuch umwickelt. Als er den Arm anhob tropfte zähflüssiges Blut in langen Fäden auf den Boden.

„Ach du Scheiße!“

Nicht nur Sabines Augen weiteten sich vor Entsetzen. Auch Markus war geschockt und sehnte endlich die anderen Spieler herbei. Egal wer, einfach andere Menschen, um sie aus dieser verstörenden Situation zu befreien. Was Daniel erzählt hatte, war einfach zu unwirklich.

„Daniel, das sieht böse aus. Warum bist du nicht in ein Krankenhaus gefahren?“, wollte Markus wissen.

Der Angesprochene lachte bitter auf und spuckte einen Klumpen Blut auf den Boden. Markus sah die dunklen Schlieren darin.

„Immer der Reihe nach. Der Typ hängt also an meinem Arm, aber ich konnte ihn irgendwie abschütteln. Bin dann zum Auto gerannt und raste einfach los. Krankenhaus war natürlich auch mein erster Gedanken, also dann!“

Daniel würgte, sein Körper krampfte sich wieder zusammen, Markus war sich nicht sicher, aber er glaubte ein deutliches Knacken zu hören, als Daniel die Zähne zusammenbiss. Als er ihnen ein abgebrochenes Zahnstück vor die Füße spuckte, stieg es ihm heiß die Kehle hinauf.

„Scheiße Leute, diese verdammten Krämpfe … werden … arrgghhh … immer … schlimmer … da ist etwas in mir, das …“

Daniel wand sich auf dem Feldbett hin und her, setzte sich dann vornüber gebeugt auf und hielt sich den Bauch. Markus und Sabine entfernten sich noch weiter von ihm.

„Scheiße, Mann, mach keinen Mist!“, schrie Sabine.

Dann kotzte sich Daniel eine unfassbare Menge Blut und Mageninhalt direkt über die Füße. Noch während er sich erbrach, dreht er den Kopf und zog sich mühsam auf die Beine. Markus spürte, wie sich Sabines Hand in seiner Schulter verkrampfte.

„Markus, ich will hier nicht mehr sein!“, zischte sie.

Das war das Stichwort. Nicht nur Markus löste sich aus dem Bann des Anblicks, denn Daniel stand plötzlich auf und bewegte sich überraschend schnell auf ihn zu. Zeit zu überlegen blieb nicht wirklich. Markus holte mit dem Kolben seines Gewehrs aus und stieß diesen nach vorne, um den Angreifer auf Abstand zu halten, doch das Plastik zersplitterte wirkungslos. Der Irre drängte gegen Markus an und streckte die Arme nach vorne. Angewidert sah Markus, wie sich immer mehr Blut im Raum verteilte und dachte an die mögliche Ansteckung durch Körperflüssigkeiten. Dann hörte er Sabines Schrei.

„Runter, schnell!“

Instinktiv reagierte Markus und ging in die Knie. Gerade noch rechtzeitig, denn schon sauste die schwere, gusseiserne Pfanne über seinen Kopf hinweg und mitten ins Gesicht des anscheinend wahnsinnig gewordenen Mannes. Wie vom Blitz getroffen holte es ihn von den Beinen. Sabine warf die Pfanne weg, drehte sich um und stürmte zur Tür. Noch immer benommen von dem, was soeben geschehen war, rannte Markus ihr blindlings hinterher und schaffte es gerade noch rechtzeitig, die Tür hinter sich zuzuschlagen und mit einem Stuhl zu verkeilen, bevor Daniel von innen mit einer derartigen Wucht dagegen knallte, dass die Tür in den Angeln wackelte. Mit aufgerissenen Augen sah Markus Sabine an.

„Verdammte Scheiße, was war das denn?“

Doch Sabine sah sich hektisch im Raum um und suchte nach dem schnellstmöglichen Ausgang. „Keine Ahnung, ich versteh es einfach nicht. Aber wir müssen hier schnellstens abhauen!“

Dann rannten sie los. Sie mussten den Parkplatz erreichen, auf dem die Fahrzeuge der Teilnehmer abgestellt waren. Als sie das Gebäude verließen, konnten sie Daniel noch immer in der Küche toben hören. Es war verdammt harter Stoff, jemanden auf diese Art und Weise zu verlieren. Was vor wenigen Stunden noch ein Spiel war, hatte sich nun zu bitterem Ernst gewandelt. Jetzt galt es nur noch, die eigene Haut zu retten und so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Nach Hause, um den Menschen beizustehen, die man liebte.

„Meinst du nicht, wir hätten auf die anderen warten oder sie wenigstens warnen sollen?“ Markus würgte die Worte geradezu heraus, denn er bekam fast keine Luft mehr. Nicht nur die Figur im Spiel, sondern auch er selbst hatte dieses verdammte Asthma. Sabine schüttelte energisch den Kopf.

„Bist du bescheuert? Mich hält hier nichts mehr, alles was zählt ist, dass wir hier wegkommen. Ich muss zu Pascal und das so schnell es geht. Wer weiß, was noch alles passiert.“

Sabine hatte recht. Sie mussten nach Hause und das so schnell wie möglich. Vor seinen Augen sah er Anette und hoffte inständig, dass sie in Sicherheit war.

Ihr Weg verlief in Schlangenlinien durch den Wald und zeichnete sich nur undeutlich vor ihnen ab. Bereits nach der ersten Kurve mussten sie langsamer machen, denn es war einfach zu dunkel. Es wäre mehr als schlecht, ausgerechnet jetzt zu stürzen und sich dabei zu verletzen. Einige Minuten später hatten sie den Parkplatz erreicht, auf dem sich die Autos in Form dunkler Rechtecke vom matschigen Schnee abhoben. Außer ihrem eigenen, pumpenden Atmen war weit und breit nichts zu hören, also stolperten sie weiter zu ihren Fahrzeugen, die sie auf der rechten Seite neben der Einfahrt abgestellt hatten. Der trocknende Schweiß juckte auf Markus Haut und machte ihm bewusst, dass er immer noch das schmutzigen Outfit des Leutnants trug. Mühsam machte er sich am Schloss seines alten Defenders zu schaffen, während Sabine schon in ihren Peugeot 206 stieg und im Handschuhfach nach ihrem Handy fischte.

„Lass es noch genug Akku haben, wenigstens für einen Anruf!“

Markus konnte ihr Flehen gut verstehen. Auf seinem eigenen Handy blinkte das Akkusymbol auch schon. Verdammte Kälte, verdammtes Handy. Dann drückte er auf die seitliche Taste, um das Display einzuschalten. Drei neue Kurznachrichten, alle von Anette. Die älteste Nachricht hatte sie letzte Nacht abgeschickt:

>> Markus, melde Dich bitte, ich mach mir große Sorgen. In den Nachrichten sieht es schlimm aus. Hamburg brennt und in Berlin haben sie den Bundestag gestürmt. Ich muss wissen, ob bei Euch alles OK ist. Ich liebe Dich. Küsse. A. <<

Dann eine weitere von heute Vormittag:

>> Melde Dich bitte endlich! Die haben unseren Laden geschlossen und in Ludwigshafen eine Ausgangssperre verhängt. Hab keine Ahnung, was da los ist. Überall ist Polizei. Den Eltern geht es gut soweit, aber alle machen sich große Sorgen. Tausend Küsse. A. <<

Mit zitternden Fingern scrollte er weiter bis zur letzten Nachricht. Und die war gerade mal eine Stunde alt!

>> Ich bin zuhause und unten auf der Straße ist kein Mensch zu sehen. Vorhin habe ich Schüsse gehört. Überall Sirenen und Hubschrauber. Hier herrscht jetzt Ausgangssperre. Einige sagen, dass die Kranken die Menschen fressen. Sie fressen Menschen!!! Ich weigere mich, das zu glauben. Verdammte Medienlügen. Komm bitte schnell nach Hause. Ich brauche Dich. Hab Angst. Endlose Liebe und Küsse. A. <<

Fassungslos starrte Markus auf das Display, bis es nach einigen Sekunden von selbst erlosch. Er war erleichtert und bestürzt zugleich. Immerhin war sie zu Hause und in Sicherheit, denn ihre gemeinsame Wohnung lag im dritten Stock und hatte Fenster nach allen Seiten. Für Speyerer Verhältnisse war der dritte Stock hoch genug, um sich einen Überblick über die gesamte Stadt zu verschaffen. Die Eingangstür war stabil und er wusste, dass Anette immer genug Vorräte im Haus hatte, um eine Weile damit auszukommen. Vor einigen Tagen hatte er sich noch darüber aufgeregt und behauptet, sie würde viel zu viel einkaufen, doch jetzt schalt er sich selbst einen Narren. Trotzdem war es nicht einfach, die Worte aus ihrer letzten SMS zu verdauen. SIE FRESSEN MENSCHEN.

Diese drei Worte wiederholten sich immer wieder ganz von allein in seinem Kopf, er konnte sie weder aus seinen Gedanken verbannen noch das aufkeimende Gefühl der Panik unterbinden, das langsam in ihm nach oben kroch. Der Defender, der Wald, Sabine, einfach alles versank in einem undurchdringlichen Nebel. Es gab nur noch das Handy vor seinen Augen. Seine Handflächen waren feucht, als er fahrig eine Antwort ins Handy tippte:

>> Ich komme nach Hause. Verlass auf keinen Fall die Wohnung, AUF KEINEN FALL. Ich bin bald bei Dir, das verspreche ich Dir. Ich liebe Dich. Unendliche Küsse. M. <<

Er hatte den Sendeknopf gerade betätigt, als das Handy zweimal piepte und dann endgültig erlosch. Der Akku war jetzt vollends leer. Entsetzt starrte er auf das kleine schwarze Gerät in seiner Hand und hoffte, das die SMS noch herausgegangen war.

„Scheiße, verdammte Scheiße!“, fluchte er. Plötzlich bemerkte er, dass Sabine neben ihm stand und ihn anstarrte.

„Ich habe Pascal erreicht, er ist in Frankfurt und auf dem Weg zu unserer Wohnung. Seine Bank haben die auch geschlossen. Er wollte mir gerade was über die Lage in Frankfurt berichten, doch dann ist die Verbindung abgebrochen. Aber wenigstens weiß ich, dass er gesund und bald in Sicherheit ist.“

Die Besorgnis in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Markus nahm sie bei den Schultern.

„Hör mal, wir werden das schaffen, okay? Anette ist ebenfalls zu Hause, ich habe ihr eine Nachricht geschickt, dass wir unterwegs sind. Lass uns aufbrechen, jetzt sofort, hörst du? Wir müssen nach Hause, koste es, was es wolle. Und, Sabine, wir schaffen das!“

Sabine war fertig. Sie beide waren fertig, hatten Angst vor dem, was kommen würde. Vor dem Weg, der vor ihnen lag. Daher erzählte Markus Sabine nichts von den drei Worten, die sich noch immer in einer endlosen Schleife in seinem Kopf wiederholten, sich einbrannten und damit anfingen, sein Weltbild zu demontieren. SIE FRESSEN MENSCHEN. Schließlich, nach einer ganzen Weile löste sie sich von ihm.

„Du hast recht. Lass uns aufbrechen, jetzt sofort. Du fährst voraus und ich bleibe dir dicht auf den Fersen.“

Sie nahmen sich in die Arme und drückten sich ein letztes Mal. Dann stieg jeder in sein Fahrzeug und startete den Motor.

Von:madame.demut@web.de

An:one.speedy.devl@gmail.com

Datum: 15.12.2013 05:25:12

Betreff: Schlimme Dinge

Mein Herz,

Ich wollte schon gestern schreiben, aber es war alles so schrecklich. Zuerst hatte ich kein Netz und bin dann irgendwann erschöpft eingeschlafen. Weißt ja, wie das ist mit mir, wenn ich erst einmal auf der Couch liege. Doch darüber wollte ich eigentlich nicht berichten. Du, hier ist plötzlich überall Militär auf den Straßen und das macht mir etwas Angst. Und selbst die Tankstelle gegenüber, die normalerweise die billigste in ganz Speyer ist, hat ihre Benzinpreise drastisch erhöht. Musst dort jetzt über zwei Euro für einen Liter bezahlen. Und trotzdem tanken die Leute wie verrückt. Auch die Lebensmittelpreise sind extrem angestiegen, manche Sachen kosten inzwischen sogar das Doppelte und trotzdem kaufen die Leute noch immer die Regale leer. Es gab im Laden sogar schon ein paar Schlägereien deswegen. Zum Glück war die Polizei da und hat geschlichtet. Die stehen jetzt immer vor dem Laden.