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001

Inhaltsverzeichnis
 
Fünfzig? Oh, Mann!
 
Ich bin quasi ein Modo! – FALTEN, HAMSTERBACKEN, DOPPELKINN, RETTUNGSRINGE – ...
Restlaufzeit? – WIE VIELE UND WAS FÜR JAHRE BLEIBEN MIR NOCH?
»Du musst einfach mehr chillen« – ALS ALTER SACK ZUR RUHE KOMMEN
Die große Hafenrundfahrt – DIE ERSTE VORSORGEUNTERSUCHUNG
Ein guter Witz für alte Säcke
Wenn »die Alten« peinlich werden – ERWACHSENE KINDER – EINE HERAUSFORDERUNG DER ...
»Sei unser Glutsbruder« – GRILLEN MIT THEORETISCHEM UNTERBAU – DIE LÖSUNG FÜR KOCHLEGASTHENIKER
Viagra oder »Du, ich könnt schon wieder!« – SEX IN DEN BESTEN JAHREN
Harley oder Porsche? – ALTE SÄCKE UND ALTE TRÄUME
Urlaub – aber richtig – UNS KANN MAN NIX RECHT MACHEN? STIMMT JA GAR NICHT …
Was man bis fünfzig alles geschafft haben sollte – DIE »ECHTE« LISTE
Flexibel bleiben – aber nicht um jeden Preis – ÜBER TOILETTENGÄNGE
Und noch ein Witz für nette Essensrunden
Rotzlöffel im Job – JUNGE AUFSTEIGER UND ALTE SÄCKE
Schöner werden wir nicht mehr – EIN ALTER SACK MUSS AUCH ZU SICH STEHEN
Was Gutes ins Glas – WHISKY – DAS PERFEKTE »ALTER-SACK-GETRÄNK«
Fifty Man – ALS ICH EINMAL EIN SUPERHELD WAR
Das Bauch-gefühl – EIN GASTKAPITEL VON STEPHAN BARTELS
Dog Days – AUF DEN HUND KOMMEN
Wenn alte Säcke mit sich selber sprechen – VERDAMMT BEKANNTE SÄTZE, NICHT WAHR?
Der Bringer: Bildung – ALLES, WAS DER ALTE SACK LESEN MUSS
Grandfather flash – ES KOMMT JA DOCH NOCH WAS
Wir lassen bitten – EIN PAAR OFFENE WORTE AN DIE TYPEN VON DER WERBUNG UND DER KULTURINDUSTRIE
Einfach mal die Fresse halten! – EIN REIFER MANN MUSS SCHWEIGEN LERNEN
Das Theater – EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DEN ALTEN SACK
Schimpfwörter, Erwiderungen und Abkanzel-Sprüche – FÜR LEUTE, DIE JÜNGER SIND ...
Spielen Sie Luftgitarre? – MEHR MUSIK VON FRÜHER HER!!!
Sugardaddy lässt grüßen – JUNGES GEMÜSE IST ZU MEIDEN
Worüber sich alte Säcke aufregen – DIE SHIT-LIST
Fleischmützen – SAG MIR, WO DIE HAARE SIND. WO SIND SIE GEBLIEBEN?
Rüstige Rentner – DAS JOPI-HEESTERS-SYNDROM
Der innere Schweinehund – EIN GEFÄHRLICHER MANN NAMENS GILBERT
Reiznoppen und Flutschi-Simulator – WIE DER KATALOG EINES EROTIK-ANBIETERS DEM ...
Die grüne Cordhose – ALTE SÄCKE UND DIE MODE
Poker-runden – ZOCKEN UND RITUALE
Let there be Rock – WAS WIR VON DEN STONES UND ANDEREN OLDIES LERNEN KÖNNEN
Play it again – DER IDEALE SPIELEABEND
Falls wir mal sabbernd im Rollstuhl sitzen … – EIN ERNSTES KAPITEL
Werden Sie Gartenteichbesitzer – AM WASSER BAUEN
»Jetzt kommen sie schon zum Sterben her« – ALS ALTER SACK AUF PISTE
Ich will hier nur so sitzen – MUT ZUM SOFA, MÄNNER!
 
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Fünfzig? Oh, Mann!
DIE MAGISCHE GRENZE
Hey, Alter. Cool bleiben. Fünfzig werden? Ist doch keine große Sache, Mann. Heutzutage. In den Zeiten der fröhlichen, fitten Alten. Da hat ein gesunder Kerl – statistisch gesehen – noch 25 gute Jahre vor sich. Also im Grunde ist das ja nur ein weiteres Lebensjahr. So wie wir nach 48 eben 49 Jahre alt werden. Ist doch eigentlich nichts anderes, fünfzig zu werden.
IST ES DOCH!
 
Etwas ganz, ganz anderes, ist das.
FÜNFZIG WERDEN IST SCHEISSE!
Fünfzig werden ist das Überschreiten einer magischen Grenze. Der endgültige Abschied von Jugend, Post-Jugend, Midlife, Frische und Fitness. Man fällt sogar aus der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Niemand will einem mehr was verkaufen. Man ist draußen. Von nun an geht’s bergab. In Riesenschritten ins Rentenalter! Wampe kriegen. Falten. Die letzten Haare verlieren. Sex abgewöhnen. Rollstuhl. Breinahrung. Altersheim. Siechtum. Ich geb mir die Kugel!
002
Okay, eine Terz übertrieben.
ABER ES IST JA WAS WAHRES DRAN. WIR MÄNNER HABEN PROBLEME DAMIT, FÜNFZIG ZU WERDEN. DAS IST ZWAR NOCH NICHT ALT, ABER ES HÖRT SICH SCHON MAL ALT AN.
Und selbst, wenn wir das selber niedrig hängen und mehr oder weniger ignorieren wollen – dann lassen uns die anderen nicht. »Hey«, heißt es, »du nullst ja bald. Gibt doch ‘ne ordentliche Feier, was?« Wenn wir verneinen, heißt es sofort: »Also, nee … da muss man was machen. Mann, Alter … fünfzig
ES GIBT KEIN ENTKOMMEN!
003
Und selbst wenn wir unmissverständlich klarmachen, dass wir nicht feiern wollen und uns diesem ganzen »Runder-Geburtstags-Terror« nicht beugen wollen. Selbst dann kriegen wir irgendwann mit, dass da Leute verschwörerisch tuscheln, sich heimlich treffen, Fotoalben plündern, irgendwas vorbereiten. Eine Zeitung, Lieder, Sketche, eine Überraschungsparty. Was auch immer.
004
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ES GIBT KEIN ENTKOMMEN!
Nein, es gibt da offenbar vielmehr ein ungeschriebenes Gesetz. Und das lautet:
NIEMAND, DER FÜNFZIG WIRD, KANN SO TUN, ALS WÄRE NICHTS.
Man wird angequatscht, gefragt, wie man sich fühlt, ob man Bilanz gezogen hätte. Man wird gezwungen zu feiern, Gästelisten zu machen etc. – und muss deshalb dauernd daran denken, dass man »nullt«.
Und also denkt man dann darüber nach:
Zum Beispiel an früher.
006
Als wir Jugendliche waren und unsere Eltern fünfzig wurden, da kamen die uns doch vor wie Wesen aus einer anderen Welt. Der Welt der grauen Anzüge, öden Reden, Festschmäuse und Ehrennadeln in Silber. Fünfzigjährige waren gesetzte, ältere Herren mit Platte und Kegelclub. Und nun, nun sollen wir selber dazugehören?
ABER NEIN!
Eines können wir zu unserer Beruhigung schon mal feststellen. Vor dreißig, vierzig Jahren fünfzig zu werden war etwas ganz anderes als heute. Heute ist man mit fünfzig praktisch ja erst knapp raus aus der Postadoleszenz. Man ist jung geblieben. Im Kopf zumindest. Denkt man. Ist natürlich ein bisschen gelogen. Aber andererseits: Da ist ja auch was dran. Auch die Siebzigjährigen sind heute cooler und jünger als unsere Großeltern damals. Scheiß auf die werberelevante Zielgruppe.
WIR FÜNFZIGJÄHRIGEN SIND NOCH DA. LECKER WIE REIFE FRÜCHTE. UND MACHT NICHT AUCH ERFAHRUNG SEXY?
Kommt darauf an.
Denn wie so oft im Leben gibt es häufig eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Das eine ist, wie wir uns fühlen, was wir von uns erwarten, womit wir klarkommen müssen. Das andere ist, wie die anderen uns sehen. In diesem Spannungsfeld gibt es einige Dinge zu klären. Das wollen wir nun in den folgenden Kapiteln zusammen tun.
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Ich bin quasi ein Modo!
FALTEN, HAMSTERBACKEN, DOPPELKINN, RETTUNGSRINGE – HILFE, ICH ALTERE
DER VERFALL IST NICHT ZU ÄNDERN.
Unter unseren Augen bilden sich gigantische Tränensäcke. Morgens müssen wir diese mit einer Schubkarre ins Bad fahren. Erst gegen Mittag bilden sie sich zurück. Falten, tief wie Schluchten auf La Palma, haben sich in unser Antlitz gegraben und lassen uns aussehen wie eine traurige, verkarstete Landschaft im Ural. Das, was einst Wangen waren, sind nun Hamsterbacken. Sie wabbeln, wenn wir den Kopf schütteln. Und unser Kinn, früher unteres Schlusslicht eines ausdrucksstarken Gesichtes, hat sich verlängert und bildet nun einen weichen, konturlosen, wabbligen Übergang zwischen Gesicht und ledrigem Hals. Unsere Haut neigt zum Grobporigen. Sie wird schlaff.
DAFÜR SCHWILLT DER BAUCH. »DER DEUTSCHE RING« ZIERT DIE TAILLE.
008
Die Hoden … okay – hören wir auf. Ich habe hier einen Hauch übertrieben. Aber irgendwo haben Sie sich schon angesprochen gefühlt, oder? Die wenigsten von uns sind mit fünfzig noch knackig. Wir werden älter, und man sieht es. Damit muss man fertig werden. Über das Abnehmen hat der Kollege Bartels im Kapitel »Das Bauch-Gefühl« einiges zu erzählen. Aber es geht ja nicht nur um zu viel Gewicht. Der Zahn der Zeit nagt überall an uns. Wir gehen auseinander, wir erschlaffen, wir werden dröger, faltiger, knorpeliger und hässlicher.
ABER ZUM GLÜCK WERDEN WIR DAS ALLE.
Unterschiedlich ausgeprägt, aber es passiert. Sinnlos, zurückzublicken, Bilder von früher anzustarren oder uns mit Dreißigjährigen zu vergleichen. Benchmark ist der Durchschnitts-Fünfzigjährige. Sie sollten sich fragen: Wie sehen meine Kumpels aus? Wie deren Kumpels und Kollegen im gleichen Alter? Sie werden sehen – sie sind meist keine schönen Menschen mehr. Dann vergleichen Sie all diese Typen mit sich selbst. Und wenn Sie feststellen: Ich sehe in jedem Fall teigiger, grobporiger, dicker, ledriger, knorpeliger, trockener, wabbliger aus als die anderen – dann können Sie hadern und über Gegenmaßnahmen nachdenken.
GEGENMASSNAHMEN?
Nun ja, wie gesagt, dass wir verfallen, ist nicht zu ändern. Aber man kann diesen Verfall zumindest etwas hinauszögern. Je nach Aufwand ist das äußerst wirksam. Männer aus unserer Generation haben damit meist wenig Erfahrung. Kosmetik galt als schwul. Wellness war was für Weicheier. Das ist Unsinn. Feuchtigkeitscremes für’s Gesicht können Wunder wirken. Dreimal die Woche eine halbe Stunde joggen hält fit. Noch häufiger schafft man das ja nicht. Gehobene Mucki-Buden (Kieser etc.) sind auch was Gutes, wenn man die Disziplin entwickelt. Sonst zu Hause ein paar Liegestütze einschieben und immer schön die Treppe und nicht den Fahrstuhl nehmen. Sagen alle Fitnesstrainer und Jackie Chan auch.
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UND – JA – SELBST DER GANG ZUR KOSMETIKERIN SOLLTE KEIN TABU FÜR UNS GESETZTERE HERREN SEIN.
Die Damen dort sind aufgeschlossen, es ist überhaupt nicht peinlich, sie reinigen unsere alten Gesichter, feilen unsere Nägel, glätten unsere Haut und massieren unsere Kopfhaut. Herrlich!
MANCHER UNTER UNS SOLLTE RUHIG AUCH MAL ZUR FUSSPFLEGERIN GEHEN, HABE ICH MIR VON FRAUEN ERZÄHLEN LASSEN.
Der Zustand so manchen Männerfußes sei erbärmlich. Fuß könne man das oft nicht mehr nennen – hornige Extremität wäre treffender. Auch hier sind Berührungsängste im doppelten Sinne des Wortes überflüssig. Fußpfleger leben ja von eingewachsenen Nägeln, Hornhaut und rissigen Sohlen.
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UNANGENEHM WIRD ES ERST, WENN DIE DAME NACH SICHTUNG DER MAUKEN »EINEN MOMENT« SAGT, IN DER WERKSTATT VERSCHWINDET UND MIT EINER FLEX ZURÜCKKEHRT.
ANSONSTEN: IMMER SCHÖN DRAN DENKEN, DIE NASEN- UND OHRHAARE ZU ENTFERNEN.
Die wachsen im Alter wie Gras und sehen wirklich doof aus! Ich habe einen Nasenhaarschneider. Das ist komisch, sich so ein brummendes Ding in den Zinken zu schieben. Aber es wirkt.
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Restlaufzeit?
WIE VIELE UND WAS FÜR JAHRE BLEIBEN MIR NOCH?
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Jeder, der fünfzig wird, stellt sich irgendwann mal diese Frage. Verständlich, aber gänzlich für den Arsch, um es mal deutlich zu sagen. Denn, wenn man sich zu oft, zu intensiv mit dieser Frage beschäftigt, muss man zwangsläufig schlecht drauf kommen. Mir als Zwangscharakter und neurotisches Nervenbündel ist das selbstverständlich passiert. Ich malte mir aus, dass es ab jetzt nur noch bergab gehen wird, sah mich schlurfend und sabbernd im Altenheim herumtapern und stellte mir vor, ich würde als Alzheimerpatient jeden Tag neue Leute kennenlernen – nämlich meine Familie. Es war grauenhaft. Man muss das lassen. Ganz konsequent verdrängen, so was. Ich versuche das jetzt auch. Geht irgendwie immer besser. Denn mir wurde sozusagen kürzlich der Kopf gewaschen.
»WIE WÄR’S ZUR ABWECHSLUNG MAL MIT EIN WENIG DANKBARKEIT«, SAGTE MIR ZU DIESEM PROBLEMFELD EIN GUTER FREUND, DER NOCH ÄLTER IST ALS ICH.
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»Denk doch mal dran, was du alles schon erlebt hast. Du hast ‘ne tolle Frau und zwei gesunde Söhne. Du bist – mal abgesehen von deiner grundsätzlichen Vollklatsche – gesund. Hast einen guten Job. Was willst du denn noch vom Leben?«
»Dass es immer so weitergeht«, sagte ich.
»Das wäre total ätzend«, antwortete er. »Stell dir vor, du und deine Lieben, ihr wäret unsterblich. Dann wäre alles irgendwie egal. Alles könnte man auch morgen noch machen. Der Augenblick, der glückliche Moment, wäre nichts mehr wert. Nur weil wir sterblich sind, und das immer bewusst oder unbewusst ›wissen, können wir die Dinge wirklich schätzen. Unsterblichkeit würde uns das alles nehmen.
ALSO MACH DEINEN FRIEDEN DAMIT, DASS DU EINES TAGES VON DIESER ERDE VERSCHWINDEN MUSST. IST EH NICHT GENUG PLATZ DA.«
Ich fand das etwas krass formuliert. Aber im Grunde hatte er ja Recht. Mir ging es gut. Klar, mir schien nicht jeden Tag die Sonne aus dem Arsch. Aber so insgesamt – was die echten »basics« betrifft, die wirklich wichtigen Dinge – war alles in Butter. Ich hoffe, dass es noch lange so weitergehen wird. Aber immer geht eben nicht. Alles ändert sich: meine Familie und meine Freunde, die Welt, und ich selbst ändere mich, und am Ende ist das ja auch okay so. Hauptsache, es ändert sich nicht immer nur zum Schlechten. Aber daran kann man ja (mit-)arbeiten.
Und dann gab mir mein alter Kumpel noch etwas auf den Weg: »Ich bin jetzt 57«, sagte er und goss sich einen Whisky ein. »Und glaub mir, in diesem Alter sieht man vieles so viel lockerer als mit fünfzig. Man hat einiges hinter sich und hoffentlich noch einiges vor sich. Aber die Weisheit ist da. Vor allem, wenn es um Sachen geht, über die man sich früher geärgert hat.
WEISST DU, EINER DER UNTERSCHÄTZTEN VORTEILE DES ALTERS IST, DASS MAN SICH IN KRISENSITUATIONEN SOZUSAGEN INNERLICH ›UMDREHEN UND ZURÜCK-SCHAUEN KANN. MAN KANN SICH FRAGEN: HEY, WIE OFT IN DEINEM LEBEN WARST DU SCHON IN EINER SOLCHEN ODER EINER ÄHNLICHEN SITUATION?
Was hast du damals gedacht und gemacht? Was hast du dir alles ausgemalt, und wie wichtig hast du das damals alles genommen? Und was war dann wirklich vier Wochen später los? War das alles wirklich so wichtig? Gab es Grund zur Aufregung? Musstest du gleich handeln? Sofort mit dem Holzhammer los auf die Baustelle? Oder hätte man das Ganze auch gelassener angehen können? War das alles wirklich ein so großes Problem?« Ich nannte diesen, meinen älteren Kumpel, von diesem
Tag an Dalai Lama. Eigentlich hätte ich ihn Horst Lama nennen müssen, weil er so heißt, aber das hätte den wirklich spirituellen Wert seiner Einlassungen geschmälert. Denn er hatte verdammt Recht. Ich habe dieses »Umdrehen« und Zurückschauen mehrfach in Krisensituationen ausprobiert – und es hat geholfen.
015
WEITERSAGEN!

»Du musst einfach mehr chillen«
ALS ALTER SACK ZUR RUHE KOMMEN
Also, wenn Sie total entspannt sind. Wenn Sie so was von zenmäßig im Hier und Jetzt schweben. Wenn Sie die Ruhe selbst sind: Dann müssen Sie dieses Kapitel nicht lesen.
Wenn Sie hingegen manchmal – oder sogar oft – eher unruhig sind. Wenn Sie häufig gereizt, unausgefüllt und reichlich genervt sind – dann, ja dann ist das hier was für Sie.
Auf mich treffen die letztgenannten Eigenschaften leider ab und an zu. Ich bin, wie wir hier im Norden sagen, oft »fickerig«. Klingt anzüglich, meint aber lediglich unruhig, hibbelig, nervös. Sagen wir es mal so: Ich bin nicht entspannt, verdammt noch mal.
Na ja, ist schon viel besser geworden mit den Jahren. Ich kann auch mal nix tun und nur so sitzen (siehe auch das Kapitel »Ich will hier nur so sitzen«). Aber oft bin ich nicht »gechillt«, wie meine Söhne sagen.
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VIELE MÄNNER IN DEN BESTEN JAHREN SIND NICHT GECHILLT. WIR SOLLTEN DAS ÄNDERN. GECHILLT SEIN IST GESÜNDER UND MACHT ZUFRIEDENER.
Ich habe beim Versuch, ruhiger und ausgeglichener zu werden, beinahe alles ausprobiert, was es so an Entspannungstechniken gibt: autogenes Training, progressive Muskelentspannung, innere Gedanken-Reisen, Massagen, Hypnose, Meditation.
ICH HABE SOGAR MAL KURZ DARAN GEDACHT, MIR WIEDER DAS KIFFEN ANZUGEWÖHNEN. DAS, SO ERINNERE ICH MICH, HAT EINEN DAMALS ECHT VOLL RUHIG GEMACHT.
(Moment, ich will hier meinen Söhnen nur kurz was sagen: »Männer, euer Vater hat das früher mal probiert, aber ich habe nicht inhaliert.«)
Aber ich habe das dann gelassen. Muss man sich doch nur mal vorstellen: Ich schleiche in Hamburg über den Kiez und frage einen jungen Dealer, ob er »mal ‘n Piece für’n Zwanni hat«. Ist doch absurd. Der Mann würde mich wahrscheinlich für einen etwas mickrigen Zivilfahnder halten und umgehend das Weite suchen.
OKAY, ALSO KEINE »TÜTEN« AUF MEINE ALTEN TAGE.
Aber was bringt es denn nun in Sachen Entspannung?, werden Sie sich nun fragen und vielleicht schon ein bisschen ärgerlich werden. Oder? Ich soll endlich aufhören zu labern und mal konkret werden? Sie haben die Schnauze echt voll von langatmigen Einleitungen und so und wollen wissen, was zum Teufel einen denn nun »runter bringt«? Und das wollen Sie jetzt lesen, oder Sie hauen mir gleich voll was …
017
Okay, Sie haben es wirklich nötig. Gehen wir mal die wichtigsten Sachen durch, die ich ausprobiert habe:
AUTOGENES TRAINING
Kurz gesagt, eine Form der Selbstsuggestion. Durch das ständige Wiederholen von stumm gesprochenen Sätzen werden nacheinander Schwere, Wärme im Körper – vor allem in Armen und Beinen -, eine Beruhigung des Pulses und der Atmung usw. erreicht. Die Übungen beginnen etwa mit dem Satz »Mein linker Arm ist schwer«. Man geht dann den Körper durch, macht verschiedene Übungen, und tatsächlich: In einer Gruppe mit einem guten Lehrer (der dann die Sätze laut sagt) ist das ungemein entspannend und funktioniert gut. Zu Hause allein lief das bei mir nicht so rund. Aus meiner Sicht ist das autogene Training eine schwer zu erlernende Methode. Wenn man zur Ungeduld neigt, nerven die aufeinander aufbauenden Übungen leicht, weil man eine gewisse Disziplin braucht, um den erwünschten Effekt zu erreichen.
 
Mein Fazit: eine gute, aber nicht einfache Methode, vor allem für das Mitmachen in einer Gruppe geeignet.
PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG