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SABINE REICHEL, in Hamburg geboren und aufgewachsen, lebte Jahrzehnte als Designerin, Autorin und Journalistin in New York und Los Angeles. Sie schrieb Filmscripts, Artikel und Bücher in Englisch und Deutsch mit Schwerpunkt Frauen, Film und Lifestyle. Heute lebt sie als freie Autorin und Übersetzerin wieder in Hamburg und schreibt u. a. für Brigitte Woman und die Berliner Zeitung. Sie hat ein Faible für Studien, ein Herz für Tiere und liebt es, Widersprüchlichkeiten zu ergründen, anstatt sie zu beseitigen.

Vorab
Die Welt ist im Studienfieber. Die Vermessung des Menschen und seiner Umwelt gehört inzwischen zu uns wie die Luft zum Atmen. Wir sind eine Entdeckergesellschaft mit einer außerordentlichen Vorliebe für den Seelen-Striptease. Tag für Tag werden neue Studien, Umfragen und Statistiken veröffentlicht und prasseln auf uns ein. Manche verblüffen, andere amüsieren, regen auf oder zum Nachdenken an, sind kaum fassbar oder klingen schlicht und einfach unglaubwürdig. Und was die eine Studie beweist, wird von der anderen widerlegt. Kein Phänomen, das den eifrigen Forschern, Soziologen, Psychologen und Wissenschaftlern entgeht. Und auch mir nicht, denn ich habe ein schmutziges kleines Geheimnis und eine große Leidenschaft: Ich bin Studienleserin (dicht gefolgt von Todesanzeigen)! Ich weiß alles: dass Tiere tatsächlich Bedauern über ihr »falsches« Benehmen empfinden können, dass Männer, die staubsaugen, mehr Sex haben, aber nur zwei Prozent von ihnen unbequeme Schuhe tragen – im Gegensatz zu 60 Prozent der Frauen. Ich weiß auch, dass 90 Prozent aller amerikanischen Banknoten Kokainspuren aufweisen und dass 57 Prozent der Twitter- und Facebook-Nutzer Frauen sind und nur 43 Prozent Männer. Und leider, leider weiß ich – ich selbst bin auch davon betroffen -, dass viele Kinder, die früher sehr viel genascht haben, zu gewaltbereiten Erwachsenen heranwachsen. Vom Lolli zur Knarre sozusagen. Ich muss also auf der Hut sein …
Aber warum lieben wir nun Studien, Meinungsumfragen und Statistiken? Aus Neugierde, na klar. Lust auf Klatsch, auch Sensationsgier, getarnt als Wissensdurst. Die Sucht nach Vergleichen. Wie lebt mein Nachbar? Was denken Männer – oder Frauen? Aber vor allem natürlich beschäftigt uns die Frage: Wer bin ICH? Denn die Sehnsucht nach Selbsterkenntnis und Erleuchtung spielt eine entscheidende Rolle in unserem Leben. Wir wollen uns selbst ergründen – das Mysterium Mensch, das größte Geheimnis von allen. Wir wollen uns verstehen, in all unserer verrückten, widersprüchlichen Natur mit ihren irrationalen, nicht vorausschaubaren Handlungen, mit unseren Ängsten und Hoffnungen, bestimmt von Evolution, Genen, Charakter und sozialem Umfeld. Wir lesen gerne über uns im Besonderen und die Menschheit im Allgemeinen. Über Leid, Glück, Skandale, Tragik, Pech – am liebsten aber über das Glück und den dornigen Weg dorthin. Denn wir lieben Siege, Triumphe und Happy Ends – und halten uns an nichts so sehr wie an das Prinzip Hoffnung. Alles durch Studien belegt!

Die Entstehung der professionellen Neugier

Während die Engländer schon im 19. Jahrhundert flei-ßig Studien entwickelten, brach das Studien- und Meinungsfieber in Deutschland erstmals in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aus. »Umfragen« lautete das Zauberwort. Das Land war nach dem Zweiten Weltkrieg vollkommen neu aufgebaut worden, die Deutschen lebten also in einer Gesellschaft, die für sie noch Neuland war. Das berühmte Institut für Demoskopie Allensbach, 1947 von Elisabeth Noelle-Neumann gegründet, steckte seine Nase in alles, was die Nachkriegsdeutschen so bewegte: Politik, Familie, Wirtschaft, Ehe.
Heute sind die Amerikaner die Studienkönige. Aus den USA kamen und kommen die meisten und interessantesten Studien (sie stecken auch das meiste Geld hinein), egal, auf welchem Gebiet. »Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass …« Vielleicht liegt es daran, dass Amerika ein vergleichsweise junges, ein Pionierland ist, was seinen Forschungsdrang noch verstärkt. Die Amerikaner untersuchen alles, auch weil sie unnachgiebig an den Fortschritt glauben, nach Glück streben und ständig Erfolge vorweisen müssen – alles andere gilt als »unamerikanisch«. Und wenn man die Gründe für die Entwicklung einer Gesellschaft erkennt, kann man diese steuern und verbessern. So gesehen, führt der Wunsch nach Kontrolle und Perfektion zu verstärktem Studienzwang. Gilt das nun auch für Deutschland?

Das Leben als Studie

Wenn man so will, ist das Leben ja selbst eine Studie, mit uns als Forschungsobjekten und Teilnehmern. Auch ohne Befragungsinstitute und wissenschaftliche Untersuchungen analysieren, reflektieren, vergleichen, hoffen, verdammen und verdrängen wir. Werden vom Schicksal umgehauen und rappeln uns – statistisch gesehen – häufig auch wieder auf. Am glücklichsten sind wir, wenn wir unter 25 sind, mit Ausnahme der Selbstmordkandidaten natürlich, die sich meistens in dieser Altersspanne befinden und zu 71 Prozent männlich sind, fühlen uns aber noch glücklicher, wenn wir über 65 sind – das behaupten jedenfalls die Studien. Dies allerdings nur, wenn wir nicht alleine sind. Letzteres gilt jedoch nur für Männer, denn Frauen fühlen sich gerade dann glücklich, wenn sie alleine sind. Weil sie einen Teil von sich selber gefunden oder zurückerobert haben, nehme ich an, und so den Duft der Freiheit schnuppern. Halt! Nein. Eine brandneue amerikanische Studie, die gerade starken Protest bei Frauen auslöst – und zynische Kommentare von Männern, die lauthals »Wussten wir doch« tönen -, will erkannt haben, dass der alte Sündenbock, der Feminismus der späten 60er und frühen 70er Jahre, die Frauen unzufriedener denn je gemacht hat. Obwohl sie alles haben, sind sie kreuzunglücklich, egal, ob sie jung oder alt, reich oder arm sind, ob sie Kinder haben oder nicht. Hier stimmt doch etwas nicht, oder?
 
Studien und Umfragen können sehr wirkungsvoll sein. Sie können aufrütteln (z.B. bei dem Thema Kinderarmut in Deutschland), empören (so wie die schändliche Tatsache, dass Frauen immer noch bis zu 30 Prozent weniger verdienen als Männer), provozieren oder endlos amüsieren. Manchmal werden Studien zu Klassikern und bleiben für immer im Gedächtnis haften, wie ein altes Sprichwort oder der Geruch des ersten Parfums. Fast jede Frau über 50 erinnert sich an die komische amerikanische Studie, die behauptet, dass eine Frau um die 40 eher von einem herunterfallenden Ziegelstein auf der Straße tödlich getroffen wird (oder war es von einem Terroristen gekidnappt zu werden?), als einen Ehemann zu finden!
 
Etliche dieser Studien sind im Grunde schöne, positive Geschichten, die wir sehr gerne lesen, weil sie uns Hoffnung schenken. Wir sind erleichtert, dass menschliche Eigenschaften wie Mitgefühl, Respekt, Loyalität, Treue, Beschützerinstinkte oder selbstlose Liebe immer noch weit verbreitet sind – doch Verzeihung, das waren ja die Tierstudien …
 
Denn es gibt leider auch einige Studienergebnisse, die uns die Illusion von einer zivilisierten Menschheit rauben, diejenigen, die für die Existenz von Betrug, Denunziation, Neid und Schadenfreude sprechen – von Rassismus und Chauvinismus ganz zu schweigen. Auch die Seele leidet. Noch nie gab es so viele Untersuchungen wie heute, die sich mit den immer häufiger auftretenden Depressionen beschäftigen. Allein in Deutschland leiden 20 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben unter einer Depression. Übrigens: Über 80 Prozent der bipolaren Menschen sind Raucher!

Ich entscheide, was wahr ist

Studien und Umfragen sind meinungsbildend, doch wir basteln uns auch gerne unser eigenes Weltbild. Da können noch so hoch qualifizierte Wissenschaftler begründete Behauptungen aufstellen, wir erlauben uns trotzdem, den Sachverhalt anzuzweifeln – und es besser zu wissen. Denn wir sind schließlich nicht blöd: Wir leben, leiden und lieben ja selbst, sind Eltern, Partner, Freunde, Geschwister, Tanten, Onkel und Großeltern, Vorgesetzte und Angestellte, und beobachten unser und anderer Leute Leben sehr aufmerksam.
 
Hier eine meiner kleinen privaten Studien, und zwar eine, die nicht unbedingt auf Umfragen basiert, sondern auf gesundem Menschenverstand und ganz viel Hoffnung:
Aufgrund von bisherigen Studien über das Leseverhalten und Interesse an Büchern, die Auskunft über die wichtigsten Fragen des Lebens geben, müsste dieses Buch von zirka 1,2 Millionen Deutschen zwischen 29 und 79 Jahren gekauft werden. Darunter 54 Prozent Männer und 46 Prozent Frauen, was verwundert, denn normalerweise lesen Frauen im Schnitt 26 Prozent mehr als Männer. Von den Lesern werden nur acht Prozent einen Migrationshintergrund haben, 70 Prozent wechseln täglich die Unterwäsche, 82 Prozent benutzen ein Deodorant und 64 Prozent der 29- bis 49-Jährigen haben zweimal die Woche Sex, was für 97 Prozent der Männer nicht genug ist, während 67 Prozent der Frauen lieber kuscheln würden. 80 Prozent werden das Buch tatsächlich lesen, 79 Prozent werden davon begeistert sein, 68 Prozent werden es als Geschenk verwenden, 54 Prozent werden es bei gesellschaftlichen Treffen als amüsante Einlage und bei Auseinandersetzungen mit uneinsichtigen Partnern zur Beweisführung benutzen, acht Prozent werden es nie zu Ende lesen. Die Autorin wird trotzdem sehr glücklich sein, denn obwohl nur 38 Prozent der Menschen sagen, dass Geld glücklich macht, gehört sie dazu. Denn nur zirka drei Prozent aller freiberuflichen Schriftsteller können normalerweise von ihren Einnahmen leben.

Die Frau, das unbekannte Wesen
Im Moment scheinen Frauen die interessantesten Wesen auf dem Planeten zu sein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie in den letzten 50 Jahren mehr oder weniger von allen Studien ausgeschlossen waren. Wirklich! Egal, ob es sich um Studien über Gesundheit, Sexualität oder Beruf handelte, sie wurden fast ausschließlich mit Männern durchgeführt. Dies hatte den einfachen Grund, dass Frauen nicht »wichtig« genug waren, denn ihre Rolle war klar definiert: Sie waren Hausfrauen und Mütter, nichts »Geheimnisvolles« oder »Eigenes«, und da gab es eben auch nichts zu untersuchen und zu beleuchten. Seit ein paar Jahren existiert nun aber geradezu ein Studien-Overkill, denn der Nachholbedarf ist immens. Die Frau wird als neues, bedeutendes Wunderwesen durchleuchtet, seziert und analysiert. Man will in allen Lebensbereichen alles über sie wissen: Job, Familie, Sexualität, Gesundheit, Schönheit, und natürlich auch, was ihre Beziehungen zu Männern betrifft. Da tritt dann ziemlich Überraschendes zu Tage, Banales, Fatales, Trauriges, Bewundernswertes und auch Inspirierendes. Am auffallendsten aber sind die Widersprüche in den Untersuchungen. Fangen wir doch gleich mit dem neuesten Schocker an.

Wunschlos unglücklich

Frauen sind unglücklicher denn je – und das nach so vielen positiven Veränderungen in ihrem Leben! Das behauptet jedenfalls eine vor kurzem veröffentlichte amerikanische Studie, die das Leben von Frauen zwischen 1972 und 2006 beleuchtet. Und wer ist angeblich schuld an der Misere? Der Feminismus der späten 60er und frühen 70er Jahre! Er hat den renitent gewordenen Frauen ein bisschen zuviel Freiheit geschenkt – so könnte man jedenfalls die äußerst umstrittenen Ergebnisse deuten. Das »weibliche Unglück« betrifft alle Frauen, alte und junge, Karrierefrauen, Singles, Ehefrauen, Mütter, Nichtmütter, Geschiedene, Akademikerinnen und ungelernte Arbeiterinnen. Und noch eine schockierende Entdeckung: Anscheinend machen weder Kinder noch Heirat Frauen glücklich. Was nun wieder nicht passt, ist, dass die Selbstmordrate, einer der Gradmesser für das Unglücklichsein, bei Frauen zurückgegangen ist, obwohl angeblich mehr Frauen unter Depressionen leiden. Männer jagen sich weiterhin öfter eine Kugel in den Kopf – vor lauter Unglück. Dafür lesen Frauen – vor lauter Unglück? – immer mehr romantischen Schund und essen mehr Eiscreme.

Ich shoppe, also bin ich

Wie es den Anschein hat, sind Frauen nicht nur Sammlerinnen, sondern auch klassische Jägerinnen. Immer auf der Jagd nach neuen Produkten und gar nicht so sehr nach Männern. Ein Frauenleben in Zahlen kann ziemlich deprimierend sein. So fand eine amerikanische Studie mit 20 000 Frauen heraus, dass eine Frau durchschnittlich acht von 63 Jahren mit Einkaufen verbringt. Dabei geht es natürlich nicht nur um schickes Shopping, sondern dazu zählt auch das Einkaufen von Lebensmitteln, Haushaltsgegenständen und allem, was die Familie so braucht. Trotzdem entfallen dabei im Jahr um die 100 Stunden auf die Anschaffung von Kleidung, 40 Stunden auf Schuhe und 29 Stunden auf Accessoires und Handtaschen. Und wo wir gerade bei den Handtaschen sind …

Nicht ohne meine Handtasche

Frauen verbringen 76 Tage ihres Lebens mit dem Wühlen in der Handtasche. Das ergab die Auswertung von 150 Taschenberichten aus 17 Ländern. Kein Wunder, denn was Frauen tagtäglich alles so mit sich herumschleppen, gleicht einem Allroundprogramm fürs Leben. »Die Tasche dient als Transportvehikel, Notfallkoffer und Finanzcenter«, erklärt Psychologin Dr. Ute Rademacher. Frauen und Handtaschen im Wandel der Zeiten – ein altes Thema. Wohl noch nie zuvor waren die »Frauenbegleiter« so groß wie die heutigen Handtaschen. Kleopatra besaß noch nicht einmal eine Clutch-Bag (das sind die kleinen henkellosen Dinger, die man sich unter den Arm klemmt), und die Wirtschaftswundermutti kam (neben dem Einkaufsnetz) mit dem Henkel-Handtäschchen aus. Heute besitzen wir meist ein ganzes Handtaschenarsenal. Und beim Einkaufsbummel nach der Arbeit muss es mindestens die XL-Beuteltasche von Gucci oder Prada sein.

Treue Kundin? Von wegen!

Frauen sind treu wie Gold und lieben Bewährtes – auch beim Einkaufen, wenigstens glauben das viele. Weit gefehlt! Eine amerikanische Studie im Journal of Marketing fand heraus, dass Frauen (im Gegensatz zu Männern) je nach Stimmung einkaufen gehen. Nur wenn es um individuelle Serviceleistungen mit persönlichen Kontakten geht, wie beim Friseur oder dem Nagelstudio, sind sie meist treu. Und wer flüstert ihnen die Stimmungen ein? Richtig! Es sind die Hormone!

Wenn die Hormone shoppen gehen

Wenn das die Männer wüssten! Sie überließen der Liebsten ihre Kreditkarte an bestimmten Tagen zur freien Verfügung. Neue Studien der Carlson School of Management der Universität von Minnesota fanden heraus, dass Frauen kurz vor dem Eisprung unbewusst häufiger sexy Kleidung und Kosmetik kaufen als sonst. Allerdings tun sie das nicht, um ihre Männer zu verführen, sondern um ihre Rivalinnen auszustechen. Dieser Trend verstärkt sich sogar, wenn ihnen vorher Fotos von attraktiven Frauen gezeigt wurden. Der Grund dafür ist wieder die urzeitlich programmierte Arterhaltung. An den fruchtbaren Tagen wollen Frauen die potenzielle Schwangerschaftskonkurrenz mit geschickt in Szene gesetztem Busen, Bein und Po aus dem Feld schlagen. Hoffentlich kriegt die Bekleidungsindustrie nichts davon mit, sonst ist zu befürchten, dass clevere Marketingfirmen bald auch diese Information ausnutzen.

Mehr Bildung, mehr Geld

Eine gute Ausbildung ist in jedem Fall ein Ticket zum beruflichen Aufstieg und damit auch zu einem höheren Gehalt. Frauen haben in der Bildung rasant aufgeholt: Im Schnitt sind heute 54 Prozent der Abiturienten weiblich. 1970 lag ihr Anteil in Westdeutschland noch bei zirka 39 Prozent. Auch der Titel der Professorin wird heute öfter denn je verliehen. 2008 erhielten ihn 17,4 Prozent (im Jahre 2000 waren es nur 10,5 Prozent). Frauen verdienen also mehr als noch vor einigen Jahren, schade nur, dass in Sachen Geld trotzdem noch lange keine Gleichberechtigung herrscht.

Viel Arbeit, weniger Geld

Es bleibt ein Skandal: Für die gleiche Arbeit erhalten Frauen im Schnitt ein Fünftel weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen in Deutschland beträgt 23,2 Prozent. Eine Versicherungskauffrau verdient bei gleicher Qualifikation bis zu 27 Prozent, eine Köchin bis zu 19 Prozent weniger als ein Mann. Es ist die alte Geschichte: Frauen arbeiten ohnehin in allgemein schlechter bezahlten Jobs. Zum Beispiel als Reinigungskraft, Bürokauffrau, Verkäuferin … Es gibt 87 Berufsgruppen, doch 50 Prozent der Frauen sind in lediglich fünf davon tätig. Hierbei handelt es sich um Ergebnisse einer Onlinebefragung des Wirtschafts-und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), an der sich rund 68 000 Beschäftigte aus über 130 Berufen beteiligten. Deutschland nimmt einen traurigen Spitzenplatz ein, denn hier ist das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern, verglichen mit anderen EU-Ländern, am größten, gefolgt von Zypern und der Slowakei. Verdient unsere Angela eigentlich auch weniger als ihre männlichen Vorgänger?

Echt gemein!

Früh übt sich … Warum sollte es beim Taschengeld weniger sexistisch zugehen als beim Gehalt? Zwischen neun und 14 Jahren bekommen Jungen in Deutschland durchschnittlich 19,08 Euro im Monat, gleichaltrige Mädchen dagegen nur 16,13 Euro. Das ergab eine Untersuchung bundesweiter Landesbausparkassen. Im Saarland gibt es das höchste Taschengeld, in Sachsen das niedrigste. Etwa 61 Prozent der Kinder verdienen sich etwas dazu. Und auch da bleibt alles beim Alten: Mädchen lieben Babysitten, Jungen bevorzugen Rasenmähen.

Die kleine Haus-Diktatorin

In den eigenen vier Wänden setzen sich dagegen die Frauen durch, da sind sie die Expertinnen, die den Ton angeben. In deutschen Familien haben die Frauen das Sagen. 40 Prozent der Befragten gaben in einer Forsa-Umfrage an, dass die Ehefrau, Freundin oder Mutter als Chefin der Familie gilt und dass ihre Meinung und Entscheidung wichtig sind. Lediglich 32 Prozent sahen die Hauptverantwortung beim Mann. In nur sieben Prozent der Haushalte sind die Aufgaben gleichwertig verteilt. Überrascht uns das?

Down-Dating

Das Märchen von der einsamen, frustrierten Single-Frau, die zu schwierig, zu intelligent, zu erfolgreich und zu arrogant für den einfachen Mr. Nice Guy ist, kann man getrost vergessen. Denn Frauen mit einem höheren Bildungsniveau heiraten immer häufiger Männer, die weniger auf dem Kasten haben als sie selbst, also den netten Doofkopp.
Ist es denn so schwer, intelligente Männer zu finden?
Studien des amerikanischen Pew Research Centers ergaben, dass nur 19 Prozent der Frauen über ein niedrigeres Bildungsniveau verfügen als ihr Ehemann. Zugleich sind 29 Prozent der Göttergatten weniger gut ausgebildet als ihr weibliches Pendant.

Sugar-Mamis

Da viele Frauen mehr denn je verdienen (selbst wenn bei gleicher Arbeit noch lange keine Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern herrscht), entdeckte die gleiche Studie ein angeblich neues Phänomen. Der Sugar-Daddy, der als oller reicher Knilch bei jungen Abstauberinnen so beliebt war, hat Konkurrenz von der Sugar-Mom bekommen. Wieder keine Spur von Gleichberechtigung, denn nun ist es die besser verdienende Ehefrau, die den Loser durchfüttert und daher über ihn bestimmt. Falsch, widerspricht ein Soziologe der Johns Hopkins University, es gibt eine historische Veränderung in der Familie. Männer und Frauen legen ihr Gehalt zusammen, um gemeinsam das Leben zu führen, das sie sich wünschen. Dabei spielt es keine Rolle, wer von beiden mehr verdient.

Berechnend

Frauen lassen sich leicht manipulieren und geben zu viel auf Gerede. Wurde ihnen etwa im Rahmen von Untersuchungen suggeriert, an einer genetisch bedingten Matheschwäche zu leiden, lösten die Frauen die Rechenaufgaben tatsächlich schlechter. Diejenigen, denen dieses Vorurteil vorher nicht eingebläut wurde, bewältigten die Aufgaben dagegen problemlos.
Trotzdem haben laut einer Forsa-Studie immer noch mehr Mädchen als Jungen riesigen Bammel vor den Klassenarbeiten in Mathematik.

Auf Nummer Sicher

Rechnen können Frauen trotzdem, vor allem dann, wenn es darum geht, eine sichere Entscheidung zu treffen. Die Risikobereitschaft von Männern steigt bekanntlich mit deren Testosteronspiegel. Bei Frauen stimmt das so nicht, haben Wissenschaftler der Stockholm School of Economics gezeigt, zumindest nicht in Gelddingen. Die Damen erhielten für die Studie eine entsprechende Testosteron-Hormontherapie, entschieden sich aber dennoch für sichere Aktien, anstatt ein finanzielles Risiko einzugehen.

Frauentränen, Männertränen

Laut einer Befragung von 5000 Männern und Frauen aus 30 Ländern weint eine Frau im Schnitt einmal pro Woche, Männer dagegen nur einmal im Monat. Dies müssen sie dann aber wohl heimlich tun, denn so viele schluchzende Herren kennt man ja eigentlich nicht. Ach doch, Sportler bekennen sich zu ihren Tränen, wenn sie auf dem Podest stehen und eine Goldmedaille empfangen – oder einen Fußballpokal!

Schwierige Schwestern

Frauen spricht man im Allgemeinen weitaus bessere soziale Fähigkeiten als Männern zu, etwa in puncto Anpassung, Verständnis und Mitgefühl. Nun wird dieses Bild jedoch getrübt. Das Fachmagazin Psychological Science berichtet über die Ergebnisse kanadischer und amerikanischer Forscher, nach denen Frauen dem eigenen Geschlecht gegenüber ausgesprochen intolerant sind. Dagegen scheint Toleranz für Männer untereinander, entgegen ihrem Ruf als Sturköpfe, einen hohen Stellenwert zu besitzen. In drei Studien wurden männliche und weibliche Studenten über das Verhältnis zu ihren gleichgeschlechtlichen Zimmerkameraden befragt. Die Männer äußerten sich durchweg toleranter über die kleinen Ticks und Fehler ihrer Mitbewohner als die Frauen über die Macken ihrer Geschlechtsgenossinnen. Letztere stellten nicht nur höhere Ansprüche an ihresgleichen, sondern wechselten im Durchschnitt auch häufiger ihre Mitbewohnerinnen. Ebenso verurteilten Frauen in einem Test die Verfehlung einer Freundin sehr viel strenger als die befragten Männer. Es hat den Anschein, als steckten Frauen Verletzungen durch Geschlechtsgenossinnen weniger gut weg und würden negativen Informationen über diese möglicherweise mehr Gewicht beimessen. Das liegt vermutlich daran, dass sie die Identifikation mit ihresgleichen und die Vertrautheit mit anderen Frauen stören. Trotzdem legen sie durchaus Wert auf die Meinung ihrer Mitschwestern und messen ihr auch eine hohe Bedeutung bei.

Freundinnen – die beste Medizin

Freundinnen haben einen größeren Einfluss auf das Wohlbefinden von Frauen als deren Ehemänner oder Partner, wie amerikanische Gehirnforscher feststellten. Auch wenn andere Studien vermitteln, dass nichts und niemand verletzender, hinterhältiger und gemeiner sein kann als Frauen untereinander, sowohl privat als auch im Beruf, so widerspricht das anscheinend nicht dem wohltuenden Gefühl, sich von einer loyalen Freundin verstanden zu wissen.

Quasselstrippen

Laut einer Studie des Telefon- und Internetanbieters Arcor dauern 64 Prozent der Telefonate, die Frauen mit ihren Freundinnen führen, länger als 30 Minuten. Von den Männern hingegen telefonierten gerade mal 32 Prozent länger als eine halbe Stunde.

Ein bisschen Abba, ein bisschen Ikea …

Was Frauen wirklich wollen? Schwedisch sein! Das behauptet zumindest Michael Silverstein, der seit 30 Jahren die weibliche Seele für die Boston Consulting Group studiert. Danach ist Schweden der beste Platz der Welt für Frauen, denn dort gibt es ausreichend Angebote zur Kinderbetreuung, emanzipierte Männer und keine geschlechterbedingte Benachteiligung. Alles wird angeblich gerecht geteilt, der Haushalt, das Gehalt … Also, ab nach Schweden. Denn dort wohnt man nicht, dort lebt man schon.

Unglücklich in New York

Ganz anders New York. Nur 17 Prozent der New Yorkerinnen bezeichnen sich laut der Boston Consulting Group als »sehr zufrieden« mit ihrem Sexleben. Im Gegensatz zu 20 Prozent der restlichen Amerikanerinnen. Frauen im sündhaft teuren New York haben große Probleme, mit ihrem allzu kleinen Geldbeutel und ihrer knappen Zeit auszukommen. Darüber hinaus machen sie sich mehr Sorgen, im notorisch nüchternen New York einen Partner zu finden, und lassen sich eher wieder scheiden. Dafür haben die New Yorker Frauen einen größeren Bekanntenkreis. Mindestens 65 enge Freunde werden zu New Yorker Hochzeitspartys eingeladen, anstatt 56, was dem amerikanischen Durchschnitt entspricht.

Herz und Schmerz bleiben Trumpf

Frauen sind Leseratten, aber kuscheln sie sich wirklich genüsslich in die rosa Kissen und verschlingen dabei am liebsten kitschigen Trash mit schicksalsgebeutelten Heldinnen? Ja. In einer britischen Umfrage unter 2000 Frauen zwischen 45 und 60 Jahren gestanden 35 Prozent glänzenden Auges, dass sie am liebsten Liebesromane lesen, und ganz besonders die sanft-sinnlichen erotischen Szenen darin. 33 Prozent der Frauen bevorzugten Krimis, und nur 4,6 Prozent gaben an, nur sehr selten zu lesen.

Sexy Blutsauger

Woher kommt die blutige Leidenschaft für all die feschen und plötzlich überall auftauchenden Vampire, die besonders junge Frauen wohlig erschauern und diesen ihren weißen Hals anbieten lässt? Ganz einfach: Die bleichen Lustsauger repräsentieren Rebellen und Bad Boys. Und diese wollen Frauen gerne ein bisschen umsorgen, weil sie außerhalb der langweiligen bürgerlichen Gesellschaft stehen. Das behauptet jedenfalls eine amerikanische Film-Professorin. Die Archäologin und Wissenschaftlerin Kristen Romney geht noch einen Schritt weiter: »Vampire sind zum Sexersatz geworden. Sie wohnen nicht bei dir, aber sie schleichen ins Bett, saugen Blut und versprechen ewiges Leben. Das ist ziemlich gut.« Aber auch der gute alte Graf Dracula, der zu keinem ins Bett hüpfte, hatte definitiv einen gewissen Charme.

Schön blöd