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Inhaltsverzeichnis

Über den Autor
Widmung
Prolog - Herbst 2001
I - DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
II - DIE GLÄUBIGEN
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Epilog
Danksagung
Copyright

Danksagung

Dieses Buch hätte nie geschrieben werden können ohne meinen Bruder David, der mir half, die Idee eines CIA-Agenten innerhalb der Al-Quaida zu entwickeln und nach Möglichkeiten zu suchen, um diese Geschichte zu erzählen. Auch er ist Schriftsteller, und als ich ihn fragte, ob ich dieses Buch schreiben solle, ermutigte er mich weiterzumachen. Für diese Unterstützung und für die Ideen, die er auf jedem Schritt des Weges einbrachte, kann ich ihm nicht genug danken.

 

Ich danke auch:

 

meinen Eltern Ellen und Harvey

 

Mark Tavani, einem Herausgeber, der diesen Titel verdient

 

Heather Schroder, die Random House dazu überredete, mit mir auf Basis von drei Kapiteln und einer Kurzfassung einen Vertrag zu unterzeichnen, der mir das Vertrauen (und die rechtliche Verpflichtung) gab, diesen Roman zu vollenden. Ich danke auch Matthew Snyder, der bei den Filmrechten einen ähnlichen Trick anwendete.

 

Jonathan Karp, der sich frühzeitig einkaufte

 

Pilar Queen, Deirdre Silver, Andrew Ross Sorkin und Jennifer Vanderbes, die den ersten Entwurf klug und freundlich kritisierten

 

Dorian und Eric Nerenberg, die mir den Buford Highway zeigten

 

Douglas Ollivant, Kelly Pippin und den anderen Soldaten und Offizieren, die ich nicht alle hier aufzählen kann, die mir in Bagdad und Nadschaf ihre Geschichten erzählten und mich in ihre Speisesäle einluden

 

Zaineb Obeidi und all den Übersetzern und Fahrern im Büro der Times in Bagdad

 

Und schließlich allen Kriegsreportern und -fotografen, die täglich ihr Leben riskieren. Auch wenn ich nur wenige Monate mit ihnen zusammenarbeitete, wuchs mein Respekt vor ihnen mit jedem Tag.

Der Autor

Alex Berenson arbeitet als Reporter für die New York Times, für die er unter anderem von der Besetzung des Iraks und der Hochwasserkatastrophe in New Orleans berichtete. 1994 machte er seinen Abschluss in Geschichte und Ökonomie an der Yale University. Alex Berenson lebt in New York City, dies ist sein erster Roman.

Epilog

Als Exley aufwachte, brannte ihr linkes Knie, als hätte ihr ein Hai das halbe Bein abgebissen. Sie öffnete die Augen und sah ihren Fuß in der Luft. Eine Schlinge stabilisierte ihr Bein. Ein Krankenhausbett. Zwei Frauen, die danebenstanden, eine mit einem weißen Ärztemantel und eine in Krankenpflegeruniform. Über den Mund trugen sie Atemschutzmasken. Während ihr Bewusstsein vollständig wiederkehrte, wandelte sich der Schmerz in ihrem Bein in unerträgliche Qual. Das elektrische Feuer in ihrem Inneren brannte unablässig, und jeder Nerv in ihrem Knie schickte eine eigene Trauerbotschaft an ihr Gehirn. »Es tut so weh«, stieß sie hervor.

Nicht nur das Bein, auch der übrige Körper schmerzte entsetzlich. Und obwohl sie eben erst aufgewacht war, fühlte sie eine bleierne Müdigkeit, als wäre sie tagelang gerannt. Als Exley vor Schmerzen die Hände zu Fäusten ballte, strich ihr die Krankenpflegerin liebevoll über den Arm, wobei sie sorgsam darauf achtete, nicht den intravenösen Schlauch in ihrer Ellenbeuge zu berühren.

»Sie wurden angeschossen«, sagte die Ärztin, während sie näher an das Bett trat. »Erinnern Sie sich daran?«

Jetzt kehrten die Ereignisse in Exleys Kopf wieder. »In dem Gang.«

»Wollen Sie ein wenig Eis?«

Exley nickte. Selbst das Sprechen strengte sie an. Außerdem war ihr Mund vollkommen ausgetrocknet. Mit behandschuhter Hand schob ihr die Krankenpflegerin ein Stückchen Eis in den Mund. Exley saugte genussvoll an diesem kalten Stück vom Paradies. Allmählich erinnerte sie sich an mehr Einzelheiten, an ihre Stunden im Minivan, daran, dass Wells ihren Namen gerufen hatte …

»Was ist passiert?« Neben dem Schmerz stieg Panik in ihr hoch. Wells. Wo war er? Sie erinnerte sich nur noch daran, dass er sich in dem schmutzig gelben Gang über sie gebeugt hatte.

»Können Sie mir Ihren Namen sagen?«, fragte die Ärztin.

»Jen. Exley.«

Die Ärztin nickte. »Ich bin Dr. Julie Thompson. Und ich habe gute Nachrichten für Sie, Mrs Exley. Ihre Kinder sind hier.«

»Wo bin ich?«, erkundigte sie sich, während sie ihre schon wieder trockenen Lippen leckte.

»Das ist die Abteilung für Infektionskrankheiten im Bellevue Krankenhaus in New York. Sie sind seit sechzehn Stunden hier. Wir wollten sichergehen, dass Sie nicht mehr ansteckend sind, ehe wir David und Jessica zu Ihnen bringen.«

Als die Ärztin die Namen ihrer Kinder erwähnte, überfiel Exley ein seltsames Gefühl von Reue. Die Kinder sollten sie nicht so sehen. Sie war dem Tod nahe gekommen und hätte sie beinahe verlassen. Schon viel zu lang war sie ihnen fern. Die Medikamente, der Schmerz und die Reue mischten sich in ihrem Bewusstsein, bis ihr heiße Tränen über die Wangen liefen. Sofort zog die Ärztin, deren Namen Exley vergessen hatte, einen Handschuh aus und legte ihr die kühle Hand auf die Stirn.

»Kein Grund zur Sorge«, sagte sie. »Sie waren mit einem schlimmen Zeug infiziert, aber offenbar haben wir es rechtzeitig erwischt. Vermutlich können Sie schon morgen Ihre Kinder sehen.«

Wieder dachte Exley an Wells. »Wo ist John?«

»Er ist auch hier«, sagte die Ärztin, wobei sie der Pflegerin einen raschen Blick zuwarf. »Aber er ist sehr krank.«

Sehr krank. Exley schloss die Augen.

»Ich weiß, dass Sie starke Schmerzen haben«, sagte die Ärztin, »aber wir müssen sehr vorsichtig sein mit der Dosis an Medikamenten, die wir Ihnen verabreichen. Wenn es wirklich zu schlimm wird, sagen Sie es uns. Sobald Sie sich besser fühlen, wartet eine ganze Menge Menschen auf Sie, um mit Ihnen zu sprechen und um sich zu bedanken. Aber versuchen Sie jetzt, ein wenig zu schlafen. Bitte.«

 

Der nächste Tag verging wie in einem Nebel. Während die Pflegerinnen ihre Medikation anpassten, erlangte Exley immer wieder das Bewusstsein, um es gleich wieder zu verlieren. Irgendwann brachte die Ärztin ihre Kinder und ihre Mutter ins Zimmer, und sobald sie sie sah, siegte die Freude über ihr Schamgefühl. Dennoch war sie froh, als sie wieder gingen. An ihren Gesichtern konnte sie ablesen, wie entsetzt sie waren, sie so zu sehen. Außerdem strengte es sie an, für sie zu lächeln. Sobald sich die Tür hinter ihnen schloss, verlor sie wieder das Bewusstsein.

Als sie das nächste Mal aufwachte, saß Shafer zusammengesunken neben ihrem Bett. »Ellis«, krächzte sie. Zum ersten Mal fühlte sie, wie ein wenig Energie in ihr aufflackerte, obwohl ihr Knie immer noch brannte, als hätte man es auseinandergerissen.

»Jennifer.« Zum ersten Mal schienen ihm die Worte zu fehlen. Mit ineinander verschränkten Händen lief er auf seinen spindeldürren Beinen im Raum auf und ab.

»Was ist geschehen? Sie wollen es mir nicht sagen.«

»Es war sehr knapp, aber Sie haben es geschafft, Jennifer«, sagte er. »Sie und Wells.«

»Was haben die damit gemeint, dass ich infiziert sein könnte?«

»Vermutlich sollte nicht ich es sein, der es Ihnen sagt, aber Wells hat Sie mit der Pest infiziert.«

Pest. Schon bei dem Wort krümmte sich Exleys Körper vor Schmerzen. Shafer rieb ihr die Schulter. »Es ist schon in Ordnung. Wir glauben, dass wir alle aufgespürt haben, die damit in Kontakt gekommen sind, hier und in Kanada.«

Kanada? Exley beschloss, nicht nachzufragen.

»Ich muss ihn sehen, Ellis.«

»Er ist in ziemlich schlechter Verfassung«, gab Shafer zurück. »Er war dem Virus wesentlich länger ausgesetzt als Sie, und außerdem hat man ihn in den Rücken geschossen.«

»Khadri hat ihn angeschossen?«

»Nein. Die Polizei.« Ein seltsames, schiefes Lächeln huschte über Shafers Gesicht. »Am Ende ist alles ein wenig durcheinandergelaufen, aber schließlich ist es gut ausgegangen. Unser Junge ist ein Held, und Sie genauso. Der Präsident kommt nächste Woche hierher. Inzwischen streift Duto das Lob ein, und ich lasse ihm die Freude.«

Als Shafer Dutos Namen erwähnte, flammte in Exley erneut Wut auf, aber sie erlosch so schnell, wie sie gekommen war. Sie war einfach zu müde. Shafer schien ihre Gedanken zu lesen. »Sparen Sie Ihre Energie, Jennifer. Wenn er es nicht ist, ist es ein anderer.«

»Er wird es doch schaffen, Ellis?« In ihrem verworrenen Geist stellte sie sich vor, ein Bein dafür einzutauschen, dass Wells am Leben blieb. Oder gleich beide Beine. Wer brauchte schon Beine?

»Ich werde Sie nicht belügen. Sie sagen, es steht fünfzig zu fünfzig. Aber das ist schon besser als gestern.«

 

Als sie sich am nächsten Morgen stärker fühlte, bat sie darum, dass man sie an sein Bett brachte. Sie rieten ihr davon ab, aber sie beharrte darauf. Schließlich rollte man sie in ihrem Bett in einen Raum, der von vier New Yorker Polizisten in blauer Ausgehuniform mit weißen Handschuhen bewacht wurde. Eine Ehrengarde.

Wells lag auf der Seite mit einem intravenösen Tropf im Arm, einer Sauerstoffmaske über der Nase und einem Katheder, der auf Hüfthöhe unter der Decke hervorlugte. Er war blass und eingefallen und atmete langsam. Das beständige Piepsen des Pulsmonitors und Oximeters über seinem Kopf beruhigte Exley jedoch.

»Ich weiß, dass er nicht gut aussieht, aber es geht ihm schon viel besser«, meinte Dr. Thompson. »Er hat auch schon versucht, etwas zu murmeln. Wir glauben, dass er heute das Bewusstsein wiedererlangen wird.«

Wells zuckte in seinem Bett zusammen und seufzte.

»Können Sie mich näher zu ihm schieben?«, fragte Exley.

 

Wells stand vor einem strahlend weißen Wolkenkratzer. Nie zuvor hatte er einen so großen Wolkenkratzer gesehen. Die mit Marmor verkleideten Wände schienen nie zu enden. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als hineinzugelangen, wenn er auch nicht wusste warum. Irgendetwas trieb ihn dazu, gegen das er nicht ankam. Außerdem war er viel zu müde, um sich zu wehren. Er suchte nach einem Eingang, aber das Gebäude hatte weder Türen noch Fenster, nur einen einzigen Druckknopf für die Glocke. Als er auf die Glocke drückte, begann es irgendwo zu piepsen, und ein Mann in blauem Blazer mit Atemschutzmaske über dem Gesicht tauchte vor ihm auf.

Bitte, flehte Wells, ohne das Wort auszusprechen. Denn er wusste, dass ihn der Mann auch so verstehen würde.

Der Mann deutete auf Wells’ Gürtel, an dem ein Dutzend Pistolen hing. Makarows, 45er, Glocks und sogar ein paar alte Revolver. Während Wells zusah, verschmolzen die Waffen miteinander. Plötzlich erkannte er, dass sie lebten. Nie zuvor hatte er lebende Waffen gesehen, und doch überraschte ihn der Anblick nicht.

Leg sie ab, sagte, besser: dachte der Mann.

Ich kann es nicht, antwortete Wells, während er an sich hinunterblickte. Unter ihm öffnete sich eine tiefe Baugrube, gefüllt mit Männern, Kränen und Planierraupen, die eine Neonstadt aufbauten. Du weißt nicht, wie es dort unten ist.

Leg sie ab, sagte der Mann erneut. Der mit Marmor verkleidete Wolkenkratzer hinter ihm verlor seinen Glanz und begann zu verblassen. Verzweifelt griff Wells nach dem Mann in dem Blazer. Aber als dieser einen Finger hob, nur einen einzigen Finger, wurde Wells von einem Schmerz durchflutet, der von seinem Rücken in die Schultern ausstrahlte und dann quer über seinen Körper lief.

Wells sah auf. Der Wolkenkratzer war schon fast verschwunden. Er wusste, dass er nie hineingelangen würde, wenn er nicht die Waffen ablegte. Selbst als er versuchte, sie aus seinem Gürtel zu ziehen, gelang es ihm nicht. Sie hingen an ihm fest wie Blutegel.

Dann verschwand das Gebäude. Der Mann schüttelte den Kopf und hob wütend die Hand. Wells fiel.

 

Er schlug mit dem Rücken hart auf dem felsigen Boden auf. Die Neonstadt war verschwunden und der Himmel über ihm war schwarz. Als er die Augen schloss, sah er Sterne, so schwach wie Leuchtkäfer. Durch einen dicken Gazevorhang blickte er in sein eigenes Gehirn. Wieder spürte er den Schmerz im Rücken. Sein Blick glitt zu den Sternen empor. Sie leuchteten zu schwach, viel zu schwach. Das waren nicht die Sterne, an die er sich aus Afghanistan erinnerte.

Afghanistan.

Sobald er dieses Wort verstand, kehrte alles auf einmal wieder, wie ein greller, verrückter Fiebertraum. Nur dass er echt war. Er konnte sich an alles erinnern, während der Schmerz von dem Einschussloch in seinem Rücken durch das Morphium oder Fentanyl hindurchbrannte, oder was auch immer sie ihm gegeben hatten …

Und als er die Augen aufschlug, war sie da.