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Inhaltsverzeichnis
 
 
 

Buch
 
Yrja Mattiasdotter ist von einer schweren Krankheit gezeichnet, unförmig und linkisch – und dem beißenden Spott ihrer Mitmenschen ausgesetzt, die sie höhnisch »die Distel« nennen. Doch dies ist nicht Yrjas größter Kummer. Viel mehr Hilflosigkeit als ihr Körper bereiten ihr ihre verwirrenden Gefühle: Yrja ist verliebt – in Tarald, den reichen, gutaussehenden Sohn von Dag Meiden und Liv vom Eisvolk. Tarald hingegen hat nur Augen für seine Cousine Sunniva. Doch deren Verbindung steht unter keinem guten Stern, denn der böse, Unheil bringende
Fluch lastet auch auf ihnen...

Autorin
Margit Sandemo ist die meistgelesene skandinavische Autorin. Ihre Bücher wurden weltweit mehr als 40 Millionen Mal verkauft. Neben der Saga vom Eisvolk hat sie noch weitere Romanserien geschrieben sowie diverse Einzelromane. Margit Sandemo wurde 1924 geboren und lebt in Norwegen.

Von Margit Sandemo bereits erschienen:
 
Der Zauberbund (36745)
Hexenjagd (36755)
Der Abgrund (36761)
 
Weitere Romane aus der fesselnden »Saga vom Eisvolk« sind bei Blanvalet bereits in Vorbereitung!

Die norwegische Originalausgabe erschien 1982 unter dem Titel »Sagaen om Isfolket: Lengsel« bei Bladkompaniet, Oslo, Norwegen.
 
 
 
»Sehnsucht« ist bereits 1998 im BKH-Verlag erschienen. Dies ist eine überarbeitete und aktualisierte Ausgabe.

1. Kapitel
Es kam, wie Sol gesagt hatte. Noch im selben Jahr, in dem sie sterben musste, wurde eine neue kleine Sol geboren. Sie war das zweite Kind von Liv und Dag, und sie wurde nach Silje und Charlotte auf den Namen Cecilie getauft. Obwohl sie der verstorbenen Sol in vielen Dingen glich, hatte sie nichts von der merkwürdigen Gefühlskälte und der tiefen Tragik, die Sol zu eigen gewesen war.
Aber nicht weit entfernt von diesem Prachtkind wuchs ein bemitleidenswertes Geschöpf auf...
 
Eikeby hieß einer der Höfe, die zu Gråstensholm gehörten, und er war ein ständiges Problem für den Gutsherrn Dag von Meiden und seine Mutter Charlotte. Beide taten ihr Bestes, damit die Familie auf Eikeby nicht hungerte, aber was half das, wo doch der alte Eikeby-Bauer sich anscheinend vorgenommen hatte, dem Gebot der Bibel treuen Gehorsam zu leisten: Seid fruchtbar und mehret euch, füllt die Erde und macht sie euch untertan. Die jüngsten Kinder konnten kaum laufen, als der älteste Sohn schon heiratete und den Hof übernahm. Dieser Sohn trat in die Fußstapfen seines Vaters, was die Vermehrung der Erdbevölkerung anging, und im Jahr 1607 hatte er fünfzehn Kinder, die sich mit ihren Onkeln und Tanten, kaum älter als sie selbst, um die Futternäpfe balgten.
Eines dieser fünfzehn Kinder war Yrja, das kleine Geschöpf, das Tengel so viel Sorgen bei der Geburt bereitet hatte, weil sie unbedingt mit dem Po zuerst auf die Welt kommen wollte. Und das war tatsächlich ganz typisch für sie – das meiste von dem, was sie tat, geriet ein wenig verkehrt herum.
Yrja ging es nicht sehr gut als Säugling. Die erschöpfte, ausgelaugte Mutter hatte nicht genug Milch für das kleine Wesen. Auch die ersten Jahre als Kleinkind waren hart, denn Yrja gehörte nicht zu denen, die sich einen guten Platz am Mittagstisch erobern konnten. Als Folge davon war der kleine Körper zurückgeblieben, so, als sei er nicht ganz fertig. Yrja hatte das, was später »die englische Krankheit« genannt wurde. Diese Krankheit hatte sie befallen, weil die Mutter einem Krüppel begegnet war, als sie mit Yrja schwanger ging. Daran gab es gar keinen Zweifel.
Außerdem war sie im Weg. Die Mutter, die sich schon wieder um noch jüngere Kinder kümmern musste, war Yrja keine Hilfe, denn sie hatte zu nichts Lust, und alles misslang ihr.
Der Vater hatte bestimmte Hand- und Spanndienste für Gråstensholm zu leisten. Eines Tages bat ihn die Mutter, Yrja dorthin mitzunehmen.
»Dann habe ich ein Kind weniger zu hüten, wenigstens für diesen einen Tag.«
Der Bauer schnaubte ärgerlich und behauptete, er könne unmöglich ein Kind mit zur Arbeit nehmen.
»Dann binde sie an einen Baum, während du arbeitest!«, rief die Mutter aus. »Wir müssen heute Großputz machen, und ich kann mich höchstens um die Allerkleinsten kümmern. Und die Älteren müssen mir beim Putzen helfen, die haben auch keine Zeit.«
Also wurde es so gemacht. Yrja ging mit ihrem Vater. Da war sie sechs Jahre alt. Sie hatte seine grobschlächtige Figur geerbt, was ihren Gesamteindruck nur noch seltsamer erscheinen ließ. Sie sah aus wie eine große, plumpe, verwachsene Distel.
Die Kinder des Gutsbesitzers, Tarald und Cecilie, und ihre Cousine Sunniva spielten auf Gråstensholm, als sie das kleine Mädchen entdeckten, das in der Nähe der Scheune an einen Baum gebunden war. Sie stand dort mit hängendem Kopf und scharrte verlegen mit dem Fuß auf der Erde, während sie ihnen verstohlene Blicke zuwarf. Ihr Gesicht und ihre Körperhaltung verrieten, was sie dachte: Die haben es vielleicht gut! Wie schön müsste es sein, da mitmachen zu können...
Sie hatte gehört, wie ihre Onkel und Tanten von den Kinderfesten auf Gråstensholm sprachen. Dass sie eingeladen worden waren. Aber das war lange her, damals, als Herr Dag noch ein kleiner Junge gewesen war.
Cecilie – obwohl die jüngste der drei Freunde, war sie doch schon die Anführerin – hielt im Spiel inne.
»Könnte sie nicht mitspielen, was meint ihr?«
Die beiden anderen musterten das Mädchen mit kritischen Blicken. Sie bot wahrhaftig keinen schönen Anblick, hochgeschossen, klapperdürr und am ganzen Körper schief gewachsen. Wie eine Zwergkiefer, die auf einer sturmgepeitschten, blanken Klippe wurzelte und zäh genug war, jene Lebenskraft aus den Ritzen zu saugen, die sie befähigte, höher emporzuwachsen als ihre Brüder und Schwestern. Oder eben wie eine Distel.
»Warum nicht?«, meinte Tarald leichthin. »Fragen können wir sie ja.«
Sie liefen zu dem Mädchen hin und blieben wenige Meter davor stehen. Yrja scharrte fieberhaft mit ihrer Schuhspitze in der Erde.
»Hallo«, sagte Tarald. »Wie heißt du?«
Yrja flüsterte etwas, ohne den Kopf zu heben.
»Was hast du gesagt?«, fragte Cecilie und trat näher heran.
Das Mädchen schluckte. Sie verbarg ihr Gesicht in den Händen.
»Yrja«, brachte sie schließlich hervor.
»Yrja? Hast du Yrja gesagt?«
Sie nickte, traute sich nicht, die drei anzusehen.
»Yrja«, wiederholte Sunniva. »So heißt doch kein Mensch!«
Yrja wäre offenbar am liebsten im Boden versunken.
»Was weißt du denn davon!«, fauchte Cecilie Sunniva an. »Oder kennst du etwa alle Namen auf der Welt?!«
»Willst du mit uns spielen?«, fragte Tarald, und Yrja sah ihn an und wäre in diesem Moment mit Freuden für ihn gestorben.
Dann schlug sie wieder ihre Augen nieder, außerstande, etwas zu sagen.
»Wir fragen deinen Vater«, entschied Cecilie. »Das ist doch der Eikeby-Bauer, oder nicht?«
Yrja nickte heftig. Vater wird natürlich nein sagen, dachte sie. Aber sie haben immerhin gefragt. Sie haben mich gefragt!
Als die drei zur Scheunenbrücke davonliefen, die Yrjas Vater gerade reparierte, wagte sie endlich, den Kindern nachzuschauen.
Der Junge war stattlich, mit dunkelbraunen Haaren und Augenbrauen, die aussahen wie... wie fliegende Möwen, dachte sie, so geschwungen waren die. Das eine Mädchen war ebenso anmutig und zart wie eine Porzellanvase, die Yrja einmal gesehen hatte. Und das andere Mädchen, das kleinste, war ein richtiges Energiebündel; sie hatte jetzt schon, obwohl es noch so früh am Tage war, ihr feines Kleidchen über und über beschmutzt.
Jetzt umringten sie voller Eifer ihren Vater dort drüben. Er sah unwillig aus.
Im selben Moment kam eine Dame den Weg zum Gut hinauf. Eine feine, liebliche Dame. Yrja erkannte sie wieder. Das war die Herrin von Lindenallee.
Die drei Kinder stürmten ihr entgegen.
»Großmutter, Großmutter, kann Yrja bitte mit uns spielen? Sagt doch ihrem Vater, dass sie darf? Er will es nicht erlauben!«
Silje blickte lachend auf sie hinab. »Aber natürlich darf sie! Ich werde gleich mit ihm reden. Ja, aber ist das nicht das kleine Mädchen, das... Doch, das ist sie!»
Sie winkte den Eikeby-Bauern zu sich heran, und gemeinsam gingen sie zu dem an den Baum gebundenen Kind.
»Jetzt hört gut zu, Kinder«, sagte Silja. »Die kleine Yrja hier wurde am Tag nach dir geboren, Tarald. Tengel, mein Mann, hat euch beiden fast gleichzeitig auf die Welt geholfen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht ist er zwischen Eikeby und Gråstensholm hin und her geritten. Ihr seid etwa sieben Stunden auseinander. Und du, Sunniva, du bist fünf Tage nach den beiden gekommen.«
»Und ich?«, maulte die aufgeweckte Cecilie. »Gehöre ich gar nicht dazu? Sind nur die anderen etwas Besonderes?«
»Du?«, lachte Silje. »Du bist erst fünf Jahre alt, das weißt du ganz genau. Seit Tagen erinnerst du mich jetzt schon an deinen Geburtstag. Aber ein Jahr Unterschied ist nicht viel. Und es gibt noch mehr, das dich mit ihnen verbindet. Du, Cecilie, bist ein genaues Abbild von Sunnivas Mutter Sol. Aber sie war dunkler und – entschuldige, dass ich das sage – noch hübscher. Sie war das hübscheste Mädchen, das mir jemals unter die Augen gekommen ist.«
Tarald nickte. »Ich habe ein Bild von ihr gesehen, auf Lindenallee.«
»Ach, das wird ihr längst nicht gerecht«, sagte Silje, die wusste, wie sehr Sunniva die Gewissheit brauchte, dass sie eine einzigartige Mutter gehabt hatte. »Sol sprühte nur so vor Leben, dass es einem den Atem verschlagen konnte.«
»Sol war meine Mutter«, sagte Sunniva stolz. »Aber bin ich denn nicht ebenso schön, wie sie es gewesen ist?«
Silje blickte sie an. »Du siehst ihr gar nicht ähnlich, denn du bist blond und blauäugig und zart wie ein Schmetterling. Aber du hast auch deine Vorzüge, und das weißt du ganz genau.«
Keines der Kinder kannte Sols schreckliches Schicksal. Wie sie als Hexe verbrannt werden sollte, nachdem sie Sunnivas Vater, Heming Vogtmörder, mit einer Heugabel getötet hatte. Und dass Tengel ihr in der letzten Nacht Gift gegeben hatte, damit sie den schrecklichen Qualen auf dem Scheiterhaufen entging. Sie wussten nur, dass sie kurz nach Sunnivas Geburt gestorben war.
Sunniva hatte nach ihrem Vater gefragt, aber sie hatten ihr nur gesagt, dass er tot war und dass sie ihm ähnlich sah. Aber niemand erwähnte sein makabres Ende. Und auch sein verhasster Name wurde niemals genannt.
»Jetzt binde Yrja los, Tarald, und wenn ihr fertig gespielt habt, lade ich euch zum Essen ein«, sagte Silje.
So fand Yrja Eingang auf Gråstensholm, und von dem Tag an war sie oft dort. Die vier beinahe gleichaltrigen Kinder hielten durch dick und dünn zusammen. Es schien fast, als brauchten sie Yrja auf gewisse Weise. Denn die Aufgaben waren schon recht unterschiedlich verteilt. Yrja musste all die langweiligen Sachen beim Spielen übernehmen, Botengänge machen, Wache halten und ähnliche Dinge. Sunniva brachte nichts zuwege, sie war völlig hilflos, und Tarald und Cecilie rangelten ständig um die Rolle des Anführers. Immer gewann Cecilie, sie wollte offenbar wettmachen, dass sie die Jüngste war.
Die Erwachsenen waren ein wenig erstaunt darüber, wie vollständig die Gruppe Yrja integriert hatte. Liv sagte, sie brauchten offenbar jemanden, dem sie imponieren konnten, und das war ja auch unter den Erwachsenen kein unbekanntes Phänomen.
Aber für Yrjas Dasein und das ihrer Familie bedeuteten die neuen Freunde des Mädchens eine enorme Verbesserung. Auf Gråstensholm bekam sie genug zu essen, vielleicht hier und da auch etwas extra, und sie wuchs und wurde kräftiger. Und nach ein paar Monaten nahm Silje sie auf Lindenallee in ihre Dienste. Yrja kam einige Tage in der Woche und half Silje bei leichteren Arbeiten im Atelier und im Haus. Alle Beteiligten waren zufrieden, denn Silje entlohnte das Mädchen hin und wieder für die Arbeiten, mit einem Leckerbissen, etwas zum Anziehen oder auch einmal einem kleinen Geldstück.
Überraschenderweise wollte auch Sunniva ihrer Großmutter helfen, zumindest im Atelier, denn das war ja ziemlich spannend. Deshalb wechselten sich die beiden Mädchen mit ihren Hilfsdiensten für Silje ab, die nicht mehr ganz so rüstig war wie früher. Das war eine ausgezeichnete Regelung, denn so konnte Silje sie wegschicken, wenn es gar zu anstrengend wurde, die Mädchen um sich zu haben.
Vor langer Zeit schon war Sunniva nach Gråstensholm gezogen, wo sie zusammen mit den beiden Kindern von Liv und Dag aufwuchs. Silje hatte die Verantwortung für ihre Erziehung ziemlich bald abgeben müssen; sie hatte nicht mehr genug Kraft, um Kleinkinder im Haus zu haben. Und Liv hatte sich angeboten, das elternlose Kind bei sich aufzunehmen.
Silje machte sich ein wenig Sorgen um ihren jüngsten Sohn, Are. Es sah nicht so aus, als ob er daran dachte, irgendwann einmal zu heiraten. Das Einzige, was ihn interessierte, waren der Hof, die Tiere, die Scheunen und Ställe und der Wald. Silje fand das schlimm, und sie schimpfte mit ihm. Sie wollte weitere Enkelkinder haben, und der Hof brauchte eine tüchtige Hausfrau.
Und als es dann schließlich doch passierte... Na, das war vielleicht eine wilde Geschichte!
Es geschah in dem ersten Jahr, in dem Yrja auf Lindenallee arbeitete, an einem Tag, als die Kinder bei den Großeltern waren und Versteck spielten. Und wie es so gehen kann, hatte plötzlich etwas anderes ihre Aufmerksamkeit gefesselt, und Yrja, die sich im Stall versteckt hatte, wurde vergessen. Sie hockte mucksmäuschenstill im Kälberverschlag und wunderte sich, dass gar keiner kam und nach ihr suchte.
Doch, jetzt kam jemand! Aber es waren schwere Schritte. Sie versteckte sich noch besser.
Nun hatte es sich so ergeben, dass Klaus, der Knecht auf Gråstensholm, auf Lindenallee etwas zu erledigen hatte. Er war es, der gerade in den Stall kam, und jetzt suchte er nach einem alten Pferdehalfter, ohne Yrja zu entdecken.
Auf einmal kam noch eine von denen, die Sol damals in Dienst genommen hatte, in den Kuhstall. Es war Meta, die in all den Jahren eine unentbehrliche Hilfe auf dem Hof geworden war.
Klaus war noch nie einer der Intelligentesten gewesen. Viele Jahre lang hatte er bitter um Sol getrauert, aber dann war plötzlich sein Interesse an der zierlichen Meta mit den blonden Haaren erwacht. Und als er ihr jetzt völlig unvorbereitet allein im Stall begegnete, war das zu viel für ihn. Die Natur siegte über die Erziehung.
Stolz packte er Meta und fragte, ob sie etwas sehen wollte.
Das wollte Meta beileibe nicht, und ihr Schrei gellte in Yrjas Ohren. Yrja war zutiefst erschrocken und kroch auf allen vieren zur Stalltür, wo sie von Meta beinahe über den Haufen gerannt wurde. Beide Mädchen machten, dass sie wegkamen, und Silje, die im selben Moment auf dem Weg zum Stall war, traf auf eine grünbleiche Meta, die um die Hausecke huschte und sich erbrach. Niemand bemerkte die kleine, unscheinbare Yrja.
»Aber liebes Kind«, sagte Silje zu Meta. »Bist du krank?«
Das Mädchen richtete sich auf. Zähneklappernd schüttelte sie den Kopf.
»Klaus... Er hat... er hat sein Ding herausgeholt«, flüsterte sie. »Und das war so riesig!«
Wieder krampfte sich ihr der Magen zusammen.
»Gütiger Himmel!«, japste Silje entsetzt und stürzte in den Stall. Da stand Klaus und grinste blöde. Er hatte es gerade noch geschafft, seine Kleidung zu ordnen.
Silje sagte ruhig und mit gepresster Stimme – hinter sich Yrja, die immer noch niemand entdeckt hatte: »So etwas darfst du nicht tun, Klaus! Nicht mit Meta
»Aber sie gefällt mir«, sagte er töricht.
»Vergiss es«, sagte Silje. »Weißt du, Meta ist einmal ungeheuer erschreckt und übel behandelt worden, von einer Horde Landsknechte, die alle das taten, was du jetzt getan hast... und noch Schlimmeres. Und als du jetzt… das hier gemacht hast, wurde sie an dieses furchtbare Erlebnis erinnert, und sie war so erschrocken, dass sie brechen musste. Verstehst du?«
Klaus war ganz unglücklich. »Aber Sol hat das gerne gemocht. Und ich will mit Meta Liebe machen.«
Silje biss die Zähne zusammen, als sie hörte, was er über Sol verriet.
»Auf gar keinen Fall. Schlag dir Meta aus dem Kopf, hörst du! Hast du nicht gemerkt, dass es hier auf dem Hof eine Magd gibt, die ein Auge auf dich geworfen hat?«
»Die ein... was hat die?«
»Sie mag dich.«
»Mich? Die mag mich
Silje improvisierte jetzt. Sie hatte sich noch nie vorher als Kupplerin versucht, aber hier ging es darum, Meta vor einem Mann zu beschützen, der überhaupt nicht zu ihr passte.
»Wer ist es denn, Frau Silje?«
»Rosa. Rosa mit den roten Backen und den Lachgrübchen.«
Klaus überlegte so angestrengt, dass es in seinem Kopf knirschte. Er hatte offenbar bisher keine Augen für das mollige Küchenmädchen mit den dicken Beinen gehabt. Rosa war eine schlichte Seele, ohne Familie und zu alt, um junge, ledige Männer zu reizen. Sie musste mindestens fünf Jahre älter sein als Klaus, aber sie war herzensgut und voller Wärme.
Silje hatte keine Ahnung, was Rosa von Klaus hielt, aber nicht ganz grundlos ging sie davon aus, dass die Küchenmagd sich über jeden Mann freuen würde, der sie umwarb.
Etwas später an diesem Tag sprach Silje mit Rosa.
»Hast du gemerkt, dass du einen Verehrer hast, Rosa?«, fragte sie.
Die dicke Küchenmagd wurde feuerrot im Gesicht. »Einen Verehrer? Ich? Herrin, bitte macht Euch nicht lustig über mich. Wer soll das denn sein?«
»Klaus von Gråstensholm. Er war heute hier, um einen Blick von dir zu erhaschen.«
Es stimmte zwar, dass Klaus nach dem Gespräch mit Silje einen Abstecher zum Küchenfenster gemacht hatte, um zu sehen, wer diese Rosa eigentlich war. Wenn nur Meta nichts darüber verriet, was er gemacht hatte – und das tat sie bestimmt nicht -, und er selbst auch den Mund hielt, würde Rosa nie erfahren, dass er es eigentlich auf ein anderes Mädchen abgesehen hatte.
»Ja, doch... Den habe ich allerdings durch das Küchenfenster schauen sehen. Aber ich hätte nie geglaubt, dass dieser große, gutaussehende Mann...«
»Er ist nicht besonders aufgeweckt, musst du wissen, Rosa. Aber er ist ein netter Kerl.«
»Na, allzu klug bin ich selbst ja auch nicht, soweit ich das richtig einschätze. So, also der Klaus? Hat er gesagt, ob er bald wiederkommt?«
»Nicht direkt, aber er hat ja öfter hier zu tun.«
Rosa dachte nach. »Darf ich ihn zu einem Stück Kuchen einladen, Herrin? Ich nehme auch von dem ältesten.«
Silje lächelte. »Du sollst ihm das Beste vorsetzen, das die Küche zu bieten hat, Rosa! Das hat er verdient, auch wenn er kein Genie ist.«
Schäm dich, Silje, lachte sie in sich hinein, als sie in die gute Stube zurückging. Was bringst du da ins Rollen?
As sie außer Sichtweite war, hielt Rosa Yrja zurück, die Silje gerade folgen wollte.
»Yrja, du bist doch oft auf Gråstensholm, nicht?«
»Ja?«
»Du, kannst du nicht dem Klaus sagen – das ist der stattlichste Knecht auf dem ganzen Gut, du kannst ihn nicht verwechseln -, dass er ein Festmahl von mir kriegt, wenn er herkommt? Sag ihm, das ist wegen... weil er Tengels Pferd im letzten Winter wieder gesund gemacht hat!«
Yrja nickte und versprach, es auszurichten. Sie wusste sehr gut, wer Klaus war, aber dass er der stattlichste Knecht auf dem Gut sein sollte... Nein, das konnte sie nicht verstehen.
Rosa blickte zufrieden dem kleinen, missgestalteten Geschöpf nach, das sich beeilte, Frau Silje hinterherzulaufen. Rosa konnte nicht warten, bis Klaus zufällig einmal wieder hierherkam. Dieser Prachtbursche!
Yrja huschte rasch durch die Tür in die Stube hinein, gerade noch rechtzeitig, um zu erleben, wie Silje den nächsten Schock erlitt. Herr Tengel schritt auf sie zu, groß, imposant und furchterregend anzusehen. Aber Yrja wusste, dass sich hinter dem grobkantigen Aussehen nichts als Güte verbarg. Er war fast sechzig Jahre alt, auch das wusste sie. Aber er sah viel jünger aus als ihr eigener Vater, der noch viele Jahre bis zu seinem fünfzigsten Geburtstag vor sich hatte.
»Was hat das zu bedeuten, Silje?«, sagte Herr Tengel. »Meta hat auf der Stelle gekündigt und ist fort. Zu einer Familie nach Tønsberg, die sie schon lange als Dienstmagd haben will. Sie sagt, entweder sie oder Klaus, einer muss auf jeden Fall weg von hier, und sie hat gemeint, sie sei weniger wertvoll für uns als er.«
Are kam gerade zur Tür herein und hörte die letzten Worte.
»Was ist? Meta ist weg? Aber wir können nicht auf sie verzichten!«
»Das müssen wir wohl, wenn das Mädchen nicht länger hierbleiben will«, sagte Herr Tengel. »Und gerade du hast doch immer darüber gejammert, dass ihre Arbeitsleistung sich mit deiner überhaupt nicht messen kann. Aber was hat das alles zu bedeuten?«
Das Hausmädchen, das Tengel von Metas Abschied unterrichtet hatte, sagte: »Ich weiß es nicht. Es muss irgendetwas zwischen ihr und Klaus vorgefallen sein, denn Meta war entsetzlich aufgeregt und schluchzte und weinte und wollte auf der Stelle weg.«
»Wann ist sie fort? Und wie?«, rief Are.
»Sie ist zu Fuß gegangen, mit einem kleinen Bündel in der Hand. Es ist vielleicht eine Stunde her, oder zwei.«
»Ich reite ihr sofort nach«, sagte Are hitzig.
Silje folgte ihm in die Halle hinaus. »Are – sei behutsam! Denk daran, was Meta damals erlebt hat. Deswegen ist sie auch... dass sie uns heute verlassen hat, ist wegen...«
Are wurde blass. »Klaus?«
»Er hat ihr nicht wirklich etwas getan. Hat sich nur entblößt. Das hat unselige Erinnerungen bei ihr geweckt.«
»Ich werde den Kerl grün und blau prügeln!«
»Das wirst du nicht. Ich habe das mit Klaus geregelt. Sie hat nichts mehr von ihm zu befürchten.«
»Bist du sicher?«
»Verlass dich drauf. Er hat jetzt andere Interessen.«
Are nickte nur. Er wusste, dass Klaus kein schlechter Mensch war. Nur einfältig.
Wenig später hörte Yrja Pferdehufe in schnellem Tempo die Allee hinuntergaloppieren. Are hatte sich auf den Weg gemacht, um Meta nach Hause zurückzuholen.
Was unterwegs passiert war, erfuhr Yrja nie. Sie verstand überhaupt sehr wenig von all dem Aufruhr. Klaus hatte im Stall etwas Schlimmes gemacht, aber was das war, hatte sie von ihrem Versteck aus nicht sehen können.
Silje und Tengel erfuhren nichts darüber, wie Ares Rettungstat vor sich gegangen war. Sie kannten natürlich das Ergebnis, aber über die Einzelheiten verlor Are nie ein Wort.
Sie alle wussten nicht, dass Are wie ein Besessener Richtung Tønsberg jagte. Unterwegs blieb ihm genügend Zeit, über verschiedene Dinge nachzudenken und sich über verlorene Jahre zu ärgern.
Er hatte Meta ziemlich bald eingeholt. Mein Gott, wie klein sie ist, dachte er, als er sie vor sich sah, und er erinnerte sich an den Tag vor sieben Jahren, als Sol mit dem erbarmungswürdigen, verlorenen Geschöpf nach Hause gekommen war. Wie er sie wegen ihres südschwedischen Dialekts aufgezogen hatte. Er hatte sich ihr gegenüber wirklich wie ein Rüpel aufgeführt.
Er sprang vom Pferd. Sie sah erschrocken auf. Ihre Augen waren vom Weinen ganz verschwollen.
»Aber Meta«, sagte Are streng. »Warum schleichst du dich auf diese Weise davon?«
Ihr Mund begann zu zittern, und er begriff, dass er sich im Tonfall völlig vergriffen hatte.
»Wir können dich auf Lindenallee nicht entbehren, begreifst du das denn nicht!«, brüllte er beinahe.
Sie wandte sich von ihm ab.
»Ich kann dich nicht entbehren, Meta.«
»Ihr, Herr? Aber Ihr habt doch ständig mit mir geschimpft.«
»So, habe ich das?«, entgegnete er aggressiv. »Am Anfang vielleicht, mag sein, aber habe ich das in den letzten Jahren auch noch getan?»
Sie dachte nach. »Nein«, sagte sie schüchtern. »Ich hatte wohl nur den Eindruck.«
»Ja, das hast du dir eingebildet«, sagte Are. »Denn wir haben doch ausgezeichnet zusammengearbeitet, du und ich, oder etwa nicht?«
»Doch«, flüsterte sie mit gesenktem Kopf.
Are dachte an den kleinen Schatten, der ihm überall hin gefolgt war, auf die Weiden hinaus, in die Ställe. Und jetzt wollte sie fort!
Er sagte schnell und atemlos, ohne Pause zwischen den Worten: »Meta-willst-du-meine-Frau-werden?«
Ein bestürzteres Gesicht hatte er noch nie gesehen. Und er war selbst überrascht und erschrocken über das, was er gesagt hatte.
»Ich?«, flüsterte sie. »Ich bin doch nur eine einfache Kuhmagd!«
»Du bist viel mehr als das. Aber ich habe nicht gewusst, wie viel du mir bedeutest, bevor du verschwunden bist.«
Die Tränen tropften ihr unter den gesenkten Lidern hervor. Are begriff selbst nicht, woher er den Mut nahm, all das zu sagen – und woher die Worte kamen. Mädchen hatten bisher in seinem Leben keine große Rolle gespielt. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, wie er sich verhalten sollte. Deshalb kam er wohl ein bisschen sehr direkt zur Sache.
»Willst du nicht?«, fragte er leise.
»Ich kann nicht«, wisperte sie.
»Wegen dem, was vor langer Zeit passiert ist?«
Sie nickte heftig.
»Aber...« Wie in aller Welt sollte er das formulieren? Er wand sich. »Aber magst du mich denn nicht, Meta? Ein klein wenig?«
»Doch, sehr«, wisperte sie beklommen.
»Also wenn das damals nicht geschehen wäre, dann würdest du mir dein Jawort geben?«
»Ich stehe doch so tief unter Euch.«
»Schweig endlich davon!« Nein, jetzt war sein Ton wieder viel zu hart, Teufel auch, das war wirklich nicht der richtige Weg. Gab es denn niemanden, der ihm aus diesem Dilemma heraushelfen konnte? Aber die Landstraße war wie ausgestorben, so weit das Auge reichte. Im Übrigen hätte er auch sowieso keine Zuschauer bei diesem jämmerlichen Schauspiel haben wollen.
»Meine Eltern waren auch nicht immer so geachtet wie jetzt«, fuhr er schließlich fort. »Ganz früher einmal waren sie auf der Flucht, und es war Tante Charlotte, die uns alle vor dem Hungertod gerettet hat. Nun?«
»Ich würde schon gern wollen, Herr.«
»Are.«
»A... Are«, wiederholte sie stotternd. Sie war es nicht gewohnt, ihn mit seinem Namen anzureden.
»Hör mal, Meta«, sagte er und packte sie bei den Schultern. »Wenn du nicht wirklich möchtest, dass...« Ach, wie sagte man denn so etwas nur? »Wenn du dein Bett nicht mit mir teilen möchtest, dann brauchst du das auch nicht, denn ich bin nicht so furchtbar versessen darauf...«
Hörte sich das seltsam an? Ja, das tat es ganz sicher, aber er traute sich nicht, noch deutlicher zu werden.
»Das Wichtigste ist, dass du mich heiratest, damit ich dich mit... meiner Liebe verwöhnen kann.«
Jetzt lachte sie ihn bestimmt aus? Nein, merkwürdigerweise tat sie das nicht!
»Aber ich... äh... möchte natürlich sehr gerne ein Kind oder zwei haben, das verstehst du doch sicher. Und Mutter drängt mich auch ständig dazu.«
Meta senkte den Kopf tief, so dass er nur ihren blonden Scheitel sah.
»Ich habe ja auch Gefühle«, flüsterte sie. »Es ist nur so, wenn solche Dinge passieren wie heute, dann wird alles in mir ganz kalt und verschlossen.«
»Denkst du, ich bin wie Klaus?«
Sie blickte erschrocken auf zu dem hochgewachsenen, kräftigen Are mit dem schwarzen Haar und den hohen Wangenknochen. Es war seine bodenständige Aufrichtigkeit, die ihr immer so zuverlässig und vertrauenerweckend erschienen war und ihr Halt gegeben hatte.
»Nein! O nein, das tue ich ganz gewiss nicht!«
Behutsam zog er sie an sich und küsste sie auf die Stirn. Mehr nicht. Aber er war zufrieden mit dem, was er bisher erreicht hatte. Sie zitterte, entzog sich ihm aber nicht.
»Überleg es dir«, flüsterte er. Seine Stimme versagte ihren Dienst vor lauter Rührung. »Und komm wenigstens wieder mit nach Hause! Mutter hat mit Sicherheit dafür gesorgt, dass Klaus dich nicht mehr belästigt, von dem hast du also nichts mehr zu befürchten.«
 
Von all dem wusste Silje nichts. Sie – und mit ihr eine staunende Yrja – sah nur, dass Are mit einer sichtlich glücklichen Meta vor sich im Sattel heim auf den Hof galoppierte. Auf dem Rückweg waren sie sich ein ganzes Stück nähergekommen.
»Wir werden heiraten, Mutter!«, rief er schon von weitem, als ob er Einwänden vorbeugen wollte.
Es kamen keine Einwände. Silje, Tengel und Ares Geschwister freuten sich über sein Glück.
Und Klaus?
Ein paar Tage, nachdem Silje versucht hatte, ihn und Rosa zu verkuppeln, beobachtete sie, wie sich die beiden verstohlen in die Scheune schlichen. Da lachte Silje insgeheim. Rosa konnte es mit Sicherheit verkraften, Klaus’ ganzen Stolz zu sehen.
»Wollen sie jetzt um diese Jahreszeit da drinnen dreschen?«, fragte Yrja verwundert.
»So könnte man es auch nennen«, lächelte Silje.
Tengel und Silje schenkten Klaus einen kleinen Häuslerhof, der zurzeit nicht bewirtschaftet wurde. Und Klaus schaffte es gerade noch, Rosa zu einer ehrbaren Frau zu machen, ehe es einen Skandal geben konnte. Sie bekamen zwei Kinder, bevor Rosa in die Wechseljahre kam – zwei Kinder, die zwar keine geschichtsträchtigen Erfindungen machten, was die Intelligenz betraf, sich aber durchaus mit ihren Eltern messen konnten.
Meta ließ sich ebenfalls nicht lumpen. Sie schenkte kurz hintereinander drei Jungen das Leben. Was Are anging, war sie ganz sicher nicht gefühlskalt, o nein.
Die kleine Yrja liebte die Menschen auf Lindenallee. Alle, wie sie da waren. Aber am meisten natürlich Frau Silje.
Sie konnte ihre eigenen Eltern nicht verstehen. Sie wohnte immer noch zu Hause, aber die Mutter fragte jeden Tag: »Musst du heute nicht nach Lindenallee?«
Und wenn Yrja sagte, heute habe Sunniva Dienst bei Frau Silje, wurde die Mutter böse und schimpfte, warum sich dieses verwöhnte Gör immer in alles einmischen müsse.
Zu Hause war Yrja immer zu schmächtig gewesen, um die kleinen Geschwister zu versorgen und sie zu tragen. Jetzt, wo sie viel kräftiger und gesünder war, bot sie oft ihre Hilfe an, aber die Eltern wollten davon nichts wissen.
»Du musst deinen Rücken schonen, keine schweren Lasten«, sagten sie rücksichtsvoll. Aber sie ermunterten sie, auf die drei Söhne von Meta und Are aufzupassen.
Yrja verstand das nicht. Sie verstand nicht, dass sie die wertvollste Einnahmequelle ihrer Familie war. Alles, was sie auf Lindenallee bekam – und manchmal auch auf Gråstensholm -, lieferte sie daheim ab, denn es bedeutet ihr nichts. Die Eltern hatten Angst, sie könnte sich verletzen, denn dann würden sie auf alle Gaben verzichten müssen, die Yrja mitbrachte: das Essen, die Kleider und vor allem die Geldstücke, die Silje ihr zusteckte.
Aber Yrja war einfach nur glücklich darüber, auf Lindenallee sein zu können. Und langsam verschwanden der Anschein geistiger Armut, die Unsicherheit und Unterernährung, die sie aus ihrem Elternhaus mitgebracht hatte. Yrja sog begierig alles Wissen auf, das sie von Silje und Tengel und Meta erfuhr – und sie fühlte sich geborgen in der Sicherheit ihrer Freunde.
Sie entwickelte sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Aber sie war so still und unscheinbar, dass diese Entwicklung zunächst niemandem auffiel.

2. Kapitel
Ein junges Mädchen kam die Allee zum Hof hinauf. Sie ging nicht besonders anmutig, denn die schlechte Ernährung in den ersten Lebensjahren hatte ihre Knochen schief und krumm wachsen lassen. Und jetzt hatte sie ein Alter erreicht, wo ihr diese betrübliche Tatsache selbst bewusst wurde. Sie hatte ausgeprägte O-Beine, was jedermann sehen konnte, obwohl sie einen langen Rock trug. Oft hatten sich Leute, die ihr Elternhaus besuchten, darüber mokiert, wie ihre Beine aussahen. Schnelle, schlagfertige Antworten hatte sie auf die höhnischen Bemerkungen nicht zu entgegnen gewusst, denn das lag ihr nicht.
Aber ihr Gesichtsausdruck war ungewöhnlich freundlich und offen, und die Augen strahlten vor Freundlichkeit für alle. Sie war unglaublich geduldig, und sie sagte niemals nein, wenn jemand sie um etwas bat. Was zählte es da schon, dass ihr Körper unförmig und unschön und ihr Gesicht nicht sonderlich anziehend war.
Yrja war neunzehn Jahre alt. Die Distel war erwachsen geworden.
Sie war so glücklich an diesem Tag Ende August. Sie würden Geburtstag feiern. Tarald, Sunniva und sie selbst. Silje hatte vorgeschlagen, die drei Geburtstage zu einem riesigen Fest zusammenzulegen. Alle jungen Leute sollten kommen. Sunniva natürlich, empfindsam und anmutig. Sie war wie eine Elfe, und Yrja bewunderte sie unsagbar. Viele Male hatte sie sich in einsamer Verzweiflung gewünscht, ebenso zart und ätherisch schön zu sein wie sie. Ohne zu bedenken, dass sogar Disteln wunderschöne Blüten haben.
Heute würde sie auch Cecilie treffen. Die temperamentvolle, fröhliche Cecilie von Meiden, die alle Sicherheit und allen Humor der Welt zu besitzen schien. Wie schlagfertig sie war! Schon bei dem Gedanken daran musste Yrja lachen.
Die verrückte, lustige Cecilie, die ein Jahr jünger war als die anderen und sich deshalb unterlegen fühlte und oft nach mehr Gerechtigkeit schrie. Aber keiner wusste besser als Cecilie, wie man zu seinem Recht kam. An Willenskraft gemessen war sie die Stärkste von allen.
Yrja errötete unbewusst. Tarald würde auch da sein. Sie wagte nicht, ihre Gedanken vor sich selbst zuzugeben.
Erst vor zwei Monaten war ihr bewusst geworden, dass sie in den jungen Erben von Gråstensholm verliebt war. Niemals im Leben durfte irgendjemand etwas davon erfahren!
Denn wer war schon Yrja? Ein hässliches, verwachsenes, unbedeutendes Geschöpf von einem armen Häuslerhof. Sie wusste genau, dass man sie Distel nannte.
Yrja rechnete damit, ihr Leben lang unverheiratet zu bleiben. Darauf hatten Mutter und Vater sie vorbereitet, und sie hatte es akzeptiert. Aber es war brutal von Gott, ihr ein Herz zu geben, das sich nicht nach solchen Gesetzen richten wollte.
Sie war jetzt ganz am Ende der Allee angekommen. Es gab eine Sage darüber – über die ersten acht Lindenbäume. Dass jeder einzelne davon einem der Menschen auf dem Hof gewidmet war, und wenn dieser Mensch starb, tat sein Baum es auch. Zwei Bäume waren gestorben und durch neue ersetzt worden. Der eine hatte der alten Baronin gehört, die Yrja nicht mehr kennengelernt hatte, und der andere Sunnivas schöner Mutter, Sol. Beide waren seit vielen, vielen Jahren tot, und neue Bäume standen am Platz der alten. Einer der ältesten Bäume sah struppig aus, dachte sie geistesabwesend.
Der Amtsrichter selbst, Dag von Meiden, hatte auch einen Baum hier, ebenso wie seine wunderbare, liebe Frau Liv. Sie waren die Eltern von Tarald und Cecilie.
Jetzt hatte sie den Hofplatz erreicht. Waren ihre Kleider in Ordnung? Natürlich gab es kein Kleidungsstück, das an ihrem missgestalteten Körper richtig gut saß, aber sie hatte versucht, das Beste daraus zu machen.
Die weitärmelige Bluse war frisch gewaschen und duftete nach Sonne und Wind, und sie hatte den dunklen Rock sorgfältig gebürstet und alle Katzenhaare und Schafswollflocken entfernt, von denen es daheim auf Eikeby mehr als genug gab.
 
Silje saß am Fenster und sah auf den Hofplatz hinaus, wo Ares drei Buben spielten.
Sie waren so verschieden, die drei. Gerade in diesem Moment stand der mittlere von ihnen, Trond, oben auf dem großen Stein im Hof. Er war sehr gewandt und schüttelte siegreich seine kleine Faust über dem Kopf. Silje war überzeugt, dass Trond einmal einen Autoritätsposten bekleiden würde, er hatte das Zeug zum Anführer in sich.
Brand, der Jüngste, war hochgewachsen und schwerfällig und hatte viel Ähnlichkeit mit seinem Vater. Er versuchte ebenfalls, den Stein zu erklettern, rutschte aber immer wieder herunter.
Der Älteste, der Torgeir hieß, aber für gewöhnlich Tarjei gerufen wurde, kümmerte sich nicht im Geringsten um den Wettstreit der kleineren Brüder. Er besaß einen so scharfen Verstand, dass es beinahe unheimlich war, und gerade im Moment sah er aus, als sei er mit der Lösung eines der großen Probleme der Welt beschäftigt.
Siljes Blick wurde verträumt. Tarjei... Tengels Liebling. Sie dachte an die Zeit, als Tarjei aus den Windeln gewachsen war. Wie sich da ein wunderbarer Friede über Tengel gesenkt hatte. Eine lange, lange Zeit des Wartens war vorüber.
Ihre Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als Meta auf dem Hofplatz erschien und mit den Jungen schimpfte, die auf dem Stein herumkletterten. Sollten sie nicht zur Geburtstagsfeier? Hatten sie nicht die guten Sachen an? Wollten sie, dass die Mama sich schämen musste vor der Familie von Meiden?
»Rein mit euch, ihr Lümmel, aber ganz schnell!«
Silje lächelte. Sie dachte zurück an damals, als Meta die junge Herrin auf Lindenallee geworden war. Das musste wohl so dreizehn, vierzehn Jahre her sein? Ja, Tarjei war zwischen Weihnachten und Neujahr desselben Jahres zur Welt gekommen, und er wurde bald dreizehn. Wie praktisch, dass man sich die Jahreszahlen am Alter der Kinder merken konnte. Das war eine gute Gedächtnisstütze.
Aber es war auch eine unbehagliche Erinnerung daran, dass man selbst älter wurde. An den Kindern merkte man, wie rasch die Jahre vergingen. Silje schob den Gedanken schnell wieder von sich.
Jetzt war also Meta die Herrin auf dem Hof. Tengel und Silje hatten sich freiwillig zurückgezogen. Der betriebsame Are hatte das Haus durch einen Anbau erweitert und den Platz für seine wachsende Familie fast verdoppelt. Tengel und Silje wohnten in dem alten Teil, der ihnen früher einmal riesig groß erschienen war, der jetzt im Vergleich jedoch eher klein wirkte. Aber Silje liebte diesen Teil des Hauses, und das schienen alle anderen in der Familie auch zu tun, denn sie kamen mehr als gern zu Besuch.
Wie sich die Geschichte doch wiederholt, dachte sie bei sich. So wie Meta war auch sie einst nach Lindenallee gekommen – fast ebenso verloren, arm und ausgestoßen. Auf einer so tiefen gesellschaftlichen Stufe, dass man sie fast gar nicht mitrechnen konnte. Ach nein, Meta hatte wohl noch tiefer gestanden. Sie kam aus der alleruntersten Gesellschaftsschicht.
Aber sie war eine würdige Hausfrau, das musste Silje zugeben. Meta war überaus tüchtig und so energisch, dass es einem manchmal den Atem verschlagen konnte, und sie war sehr darauf bedacht, alles zu tun, was man von ihr erwartete – und mehr.
Silje seufzte zufrieden in ihrem Sessel.
Sechs Enkelkinder hatte sie nun. Ja, denn sie rechnete Sunniva zu ihren Enkelkindern, obwohl sie eigentlich nicht mit ihr verwandt war. Leider hatte sie nicht die Kraft gehabt, sich um das Kind zu kümmern, deshalb hatten Liv und Dag das liebenswerte kleine Mädchen aufgezogen. Jetzt war sie erwachsen und übernachtete oft auf Lindenallee, denn immer noch half sie Silje gelegentlich im Atelier.
Sie zählte an ihren Fingern ab: Sunniva, Sols Tochter. Tarald und Cecilie, die wohlgeratenen Kinder von Dag und Liv. Tarald war vielleicht noch etwas ungeformt, was seinen Charakter anging, aber das würde schon noch kommen, wenn er älter und reifer wurde. Und dann Ares drei Buben, Tarjei, Trond und Brand.
Wunderbare Enkelkinder, alle zusammen!
Da kam Yrja auf den Hofplatz. Silje freute sich, sie zu sehen, aber trotzdem dachte sie: Armes hoffnungsloses Kind, kann ihr denn niemand dabei helfen, wenigstens die Haare anständig aufzustecken? Die Kleider waren altmodisch und saßen überhaupt nicht an der formlosen Figur. Die Mutter kümmerte sich nicht im Mindesten um das Aussehen ihrer Tochter.
Jetzt begegneten sich Yrja und Sunniva auf dem Hof. Was für ein Unterschied! Ein unglaublicher Unterschied! Yrja erschien wie ein schwerer, unförmiger Berg neben der kleinen, graziösen Sunniva.
Silje reckte sich und streckte ihr schmerzendes Bein aus. Es machte ihr in der letzten Zeit arg zu schaffen.
»Nur die Gicht«, sagte Tengel. »Nichts, worüber man sich sorgen müsste.«
Sie hoffte so sehr, dass er recht hatte.
Hinter ihr betrat jemand das Zimmer, und sie brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass es Tengel war. Aber sie drehte sich trotzdem um, denn sie liebte es, ihn anzusehen.
Haare und Bart waren eisgrau geworden, aber seine Haltung war noch immer so gerade wie die eines Jünglings. Zweiundsiebzig war er jetzt, aber er trug seine Jahre mit großer Würde.
Die Hand, die sich auf ihre Schulter legte, war sehnig und knochig mit blauen Adern und zeugte von einem langen Leben voller Arbeit. Silje wusste – obwohl sie es nicht erwähnen durfte -, dass er müde und erschöpft war. Sehr erschöpft. Er selbst wollte davon nichts wissen. Immer noch empfing er gelegentlich Kranke, obwohl er darum gebeten hatte, ihn nicht mehr aufzusuchen. Die meisten respektierten das, aber einige wandten sich in der äußersten Not doch an ihn, wenn alles andere nicht geholfen hatte.
Seine Augen folgten den spielenden Buben, die jetzt wieder nach draußen gekommen waren.
»Wann beginnt das Fest?«
»Erst in einer Stunde. Sie haben noch genug Zeit, sich ordentlich schmutzig zu machen.«
Tengel lächelte. »Dann werde ich vorher Tarjei hereinrufen.«
Silje nickte. Sie wusste, was der hochintelligente Junge ihm bedeutete. Tengel liebte alle seine sechs Enkel, aber Tarjei nahm einen besonderen Platz in seinem Herzen ein. Er war das Kind, auf das er so viele bange Jahre gehofft und gewartet hatte, zwei Generationen hindurch. Das Kind, das sein Alter erleuchtete und ihm zur Freude wurde.
Auf Wunsch seines Großvaters folgte ihm Tarjei in den Raum, den man vielleicht am besten als Krankenzimmer bezeichnen konnte.
Tarjei war ein eigenartiger Junge. Er hatte ähnlich hohe Wangenknochen wie Tengel und Are und auch ihre dunklen Haare, aber in seinen schrägen Augen lag ein anderer Ausdruck. Are hatte nie eine besondere theoretische Begabung gehabt, aber im Kopf dieses Dreizehnjährigen hatte sich der scharfe Verstand von Tengel, Silje und Liv vereint. Von Meta hatte er kaum etwas in dieser Richtung geerbt, sie war einfach nur lieb und tüchtig. Eine fleißige Ameise, ja, arbeitsam und ohne höheren Ehrgeiz. Das brillante Hirn ihres Sohnes erschreckte sie oft selbst.
Aber noch wichtiger war, dass er Tengels unbeugsamen Willen hatte, alles nur erdenklich Gute im Leben zu tun.
»Tarjei«, sagte Tengel. »Du hast doch die Sage vom Eisvolk gehört, nicht wahr? Über den bösen Tengel, der vor vierhundert Jahren dem Teufel einen Treueschwur leistete und seinen Nachkommen damit ein schreckliches Erbe hinterließ... aber auch Fähigkeiten, die weit über das Gewöhnliche hinausgehen?«
Der Junge nickte ruhig. Es hatte nicht den Anschein, dass er – wie andere Kinder – so schnell wie möglich wieder hinaus zum Spielen wollte. Er hörte seinem Großvater wirklich zu.
»Ja, er hat uns viel Schlimmes vererbt«, wiederholte Tengel. »Aber auch etwas Gutes, und es ist unsere Pflicht, es sorgfältig zu hüten. Hier, Tarjei, siehst du meinen Vorrat an heilenden Kräutern und Medikamenten. Und hier die von Sol, die allerwichtigsten, die sie von der alten Hanna geerbt hat. Sie war eine der wahren Trägerinnen des Wissens. Eigentlich wollte ich über all dieses erst an deinem Geburtstag in vier Monaten mit dir sprechen, aber ich denke, wir fangen jetzt schon mal damit an. Du hast so unendlich viel zu lernen, und niemand weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt. Ich bin gesund und stark, aber ich bin nicht mehr jung, wie du weißt. Ab heute gehst du bei mir in die Lehre. Du sollst die Verantwortung für all das hier tragen, du sollst mein Werk fortsetzen. Du bist keiner der Unglückseligen, die den bösen Fluch des ersten Tengel in sich tragen. Aber du bist der Einzige meiner Sippe, der das hier verwalten kann. Denn du hast etwas von diesem undefinierbaren...«
»Ich verstehe, Großvater. Ich bin bereit, die Lehre zu beginnen.«
»Gut! Ich weiß, dass du zu klug bist, um die Macht zu missbrauchen, die du hierdurch erhältst. Viele von denen, die das hier besessen haben, haben es missbraucht, denn sie hatten auch den bösen Willen geerbt. So wie der böse Tengel wollte, dass diese Sachen im Dienste des Bösen gebraucht werden. Du hast diesen bösen Willen nicht. Und wenn du so alt bist wie ich jetzt, suchst du dir einen Nachfolger aus dem Geschlecht des Eisvolks, der das alles hier von dir übernehmen kann. Aber du musst sorgfältig sein bei deiner Auswahl. Du weißt, dass das gefährliche Dinge sind.«
»Ich werde vorsichtig sein, Großvater.«
»Was möchtest du werden, Tarjei?«
»Ich will studieren. Eine Menge!«
»Das wirst du.«
»Am liebsten möchte ich bei den großen Wissenschaftlern in die Lehre gehen, solchen wie Tycho Brahe – obwohl, er ist ja tot – oder Kepler oder Johannes Rudbeckius. Aber ich verstehe, dass das schwierig sein könnte.«
»Wir werden sehen, was wir für dich tun können, mein Junge. Aber jetzt kommen sicher gleich die Gäste, deshalb lass uns morgen weiter darüber reden.«
»Großvater...«, sagte Tarjei in der Tür. Die graubraunen Augen glitzerten. »Auch wenn ich noch nicht richtig Geburtstag habe, glaube ich, dass dies das schönste Geburtstagsgeschenk war, das ich bekommen kann.«
Da lächelte Tengel breit und glücklich. »Ich freue mich auf morgen.«
»Ich auch, Großvater. Ich auch!«
Von Gråstensholm kamen alle gemeinsam zu der Geburtstagsfeier. Yrja wurde es ganz heiß vor Glück, als sie den jungen, dunkelhaarigen Tarald erblickte, der zusammen mit seiner Schwester eintraf. Cecilies Haar war rot wie das ihrer Mutter Liv, aber mit einem etwas dunkleren Farbton. Sie war vielleicht nicht ebenso strahlend schön, aber mit einer auffallenden Anziehungskraft und Lebensfreude, schlank und schmal und sehr darauf bedacht, sich nach der neuesten Mode zu kleiden. Außerdem war sie so schlagfertig, dass man sich besser hütete, ein Wortgefecht mit ihr anzufangen, und sie brach die Herzen der jungen Männer gleich im Dutzend. Kurz und gut, sie war Sol unglaublich ähnlich, nur dass sie nicht deren Schattenseiten hatte.
Viele der Älteren in der Familie verspürten einen Stich von Schmerz und Trauer, wenn sie Cecilie sahen. Denn Sol lebte in ihren Herzen fort, und sie würde es für alle Zeit tun.
Liv und Dag kamen natürlich auch, er mit der Würde eines Amtsrichters, mit gelichteten Haaren, aber immer noch jugendlich. Liv war mit ihren Aufgaben gewachsen. Sie war mittlerweile die starke und souveräne Persönlichkeit auf Gråstensholm, denn Dags Amt brachte es mit sich, dass er oft unterwegs war. Beide gingen langsam auf die vierzig zu.
Und zusammen mit ihnen kam Charlotte, die sich auf ihren Mann stützte. Jacob Skille. Charlotte war in sich zusammengesunken und eine alte Frau geworden, aber immer noch hatte sie den gutmütigen Schimmer in den Augen, und sie schien sehr glücklich mit ihrem Jacob zu sein. Er seinerseits hatte sich auf Gråstensholm gut zurechtgefunden, und eigentlich war Jacob es, der den Gutshof bewirtschaftete. Obwohl er wusste, dass sein Stiefsohn Dag eines Tages alles erben würde, war er zufrieden damit, abends am Kamin zu sitzen und mit Charlotte Karten zu spielen. Auf jeden Fall war er der »Schlossherr«, so lange er lebte. Und das war mehr, als sich ein armer Dragoner jemals hätte träumen lassen.
Es war eine große, glückliche Familie, die sich in dem Saal auf Lindenallee versammelte.
Man schrieb das Jahr 1620. Weit im Süden, in Böhmen, hatten die Kriegstrommeln zu schlagen begonnen, und der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten war bereits in vollem Gange. Es sollte ein Krieg werden, der seine langen, bedrohlichen Finger bis hinauf in das kleine Norwegen ausstreckte, und sogar auf das Kirchspiel Gråstensholm würde sein Schatten fallen. Aber derlei Dinge konnte Silje nicht wissen, und sie dachte auch nicht an Krieg, als sie die Augen über ihre große Familie schweifen ließ.
Ach, was sind das für schöne Jahre gewesen, dachte sie, wie sie dort an ihrem Ehrenplatz an der Tafel saß. Welch wunderbare Jahre! Konnte irgendein anderer Mensch so glücklich sein, wie sie es war?
Yrja war nicht ganz so glücklich. Was sie auch anstellte, es gelang ihr nicht, Taralds Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es war so überdeutlich, wem sein größtes Interesse galt.
Die bezaubernde Sunniva hatte ihre Augen niedergeschlagen und wagte nicht, ihren Cousin Tarald anzusehen. Aber Yrja, durch ihre Verliebtheit besonders empfindsam geworden, hatte keine Mühe, das Knistern zwischen den beiden zu spüren. Und sie hatte ein Gefühl, als ob ihr das Herz ausblutete, still und unbemerkt.
Aber was hatte sie denn anderes erwarten können?
Wenn es nur nicht so schrecklich weh täte!