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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 

Für Laughton und Patricia

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ERSTES BUCH
Das Idyll des Königs

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Der Attentäter verließ die Mein-Feste Tahalia durch das große Vordertor; er ritt durch eine Lücke in den gepanzerten Kiefernbalken, die gerade breit genug war, um ihn durchzulassen. Er brach bei Sonnenaufgang auf, gekleidet wie ein gewöhnlicher Soldat der Mein. Bekleidet war er mit einem Umhang aus Elchfell, der seinen Körper vollständig bedeckte. Er umschloss sogar seine Beine und wärmte das breithufige Pferd unter ihm. Sein Oberkörper wurde von einem doppelten Brustharnisch geschützt: zwei Eisenplatten, die seinen Körperkonturen angepasst waren, mit einer Lage Otterfell dazwischen. Er ritt in südlicher Richtung in die schneeglitzernde Winterlandschaft hinaus.
Es war so bitterkalt, dass in den ersten Tagen sein Atem gefror. Die gefrorene Atemfeuchtigkeit wirkte wie eine Mundausstülpung, in die er wie in einen Kanal hineinatmete. Eisknoten hafteten in seinem Bart und klimperten leise wie ein Glockenspiel aus Glas. Der Mann begegnete nur wenigen Menschen, selbst dann, wenn er durch Siedlungen mit niedrigen, kuppelförmigen Hütten kam. Im Schnee entdeckte er die Spuren von Polarfüchsen und Hasen, bekam die Tiere aber nur selten zu Gesicht. Einmal beobachtete ihn von einem Findling aus eine Schneekatze mit unentschlossenem Blick, als wüsste sie nicht, ob sie vor dem Reiter flüchten oder ihm nachsetzen sollte. Am Ende blieb sie einfach sitzen, und der Mann ließ sie hinter sich zurück.
Ein andermal blickte er von einer Anhöhe aus auf eine Ebene hinunter, auf der es von Rentieren wimmelte. Der Anblick erschien ihm wie eine Vision aus ferner Vergangenheit. Zunächst glaubte er, auf eine Versammlung aus der Geisterwelt gestoßen zu sein. Dann aber stieg ihm die Ausdünstung der Tiere in die Nase. Damit war der Zauber gebrochen. Er ritt in die Herde hinein, erfreute sich am Anblick der vor ihm auseinanderstiebenden Tiere und spürte das Grollen ihres Hufgetrappels in der Brust.
Hätte das Land immer noch den Mein gehört, so hätte er die Tiere vielleicht gejagt, wie seine Vorfahren es getan hatten. Doch sein Wunsch änderte nichts an der Realität. Das Volk der Mein, das hohe Nordplateau gleichen Namens, die gewaltige Feste Tahalia, das Königsgeschlecht, das ohne fremde Einmischung über das Gebiet hätte herrschen sollen: Dies alles stand seit fünfhundert Jahren unter acacischer Herrschaft. Sie waren besiegt und massenweise massakriert worden und wurden seither von fremden Gouverneuren beaufsichtigt. Man hatte ihnen ungerechte Steuern auferlegt und ihnen die kampffähigen Männer geraubt, von denen viele im acacischen Militär dienten, in fernen Ländern, außer Hörweite ihrer Ahnen. Zumindest betrachtete es der Reiter so – als eine Ungerechtigkeit, die auf Dauer nicht hinzunehmen war.
Zweimal wich er in der ersten Woche von der Hauptstraße ab, um den Wachposten der Nordgarde aus dem Weg zu gehen. Seine Papiere waren nicht zu beanstanden. Es war nicht damit zu rechnen, dass man ihn aufhalten würde, doch er hatte kein Vertrauen in die Acacier, und allein die Vorstellung, so tun zu müssen, als erkenne er ihre Vormachtstellung an, war ihm zuwider. Jeder Bogen führte ihn näher an die Schwarzen Berge heran, die parallel zu seiner Route verliefen. Konnte man den alten Geschichten Glauben schenken, waren die Gipfel Speerspitzen, die ein Volk zorniger Riesen, das unter der Haut der Erde lebte, ins Dach seiner Welt gerammt hatte.
Nach zehn Tagen gelangte er zum Methalischen Rand, der Südgrenze des Mein. Hier hielt er einen Moment inne und betrachtete im Bewusstsein, dass er nie wieder die Luft des Hochlands atmen würde, das dreitausend Fuß tiefer gelegene üppige Waldland. Er nahm seinem Pferd das Zaumzeug ab und ließ es zu Boden fallen. Dann wählte er ein leichteres Zaumzeug aus, das keine Rückschlüsse auf seine Herkunft zuließ. Obwohl es noch immer kalt und das Land mit Reif bedeckt war, löste er den Umhang und ließ auch ihn zu Boden fallen. Er zog den Dolch und durchschnitt das lederne Helmband, schleuderte den Helm ins Gebüsch und schüttelte sein langes, braunes Haar aus. Von der Enge des gehämmerten Metalls befreit, flatterte es im Wind, als freue es sich über seine wiedergewonnene Freiheit. Sein Haar war einer der Gründe, die ihn veranlasst hatten, den Auftrag anzunehmen. Während die Mehrheit der Mein strohfarbenes Haar hatte, war das seine braun, was ihm schon immer peinlich gewesen war.
Nachdem er den Brustpanzer unter einem Baumwollhemd versteckt hatte, machten sich Pferd und Reiter an den Abstieg. Sie ritten einen Serpentinenweg entlang, der in eine völlig andere Landschaft mündete, in das mildere Klima eines Laubwaldes mit verstreuten kleinen Siedlungen, die Nordregion des Landes, das von Alecia aus verwaltet wurde, dem Verwaltungssitz der acacischen Regierung.
Da ihm die Amtssprache des Reiches verhasst war, sprach er nur mit irgendjemandem, wenn ihm keine andere Wahl blieb. Als er das Pferd an einen Händler von der Südgrenze des Waldlands verkaufte, brummte und nuschelte er hinter vorgehaltener Hand. Als Bezahlung erhielt er Reichsmünzen, unauffällige Kleidungsstücke und ein Paar feste Lederstiefel, denn den Rest des Weges zur Küste wollte er zu Fuß zurücklegen. Und so hatte er sich erneut verwandelt.
Er schulterte einen großen Sack und folgte der Hauptstraße nach Süden. Der Sack wurde hier und dort von Dingen ausgebeult, die er noch brauchen würde. Nachts schlief er in Bodensenken in der Nähe von Gehöften oder im Wald. Obwohl die Bewohner der Gegend ihr Land im Griff des Winters wähnten, kam er sich eher vor wie im tahalischen Sommer und geriet häufig genug ins Schwitzen.
Nicht weit vom Hafen von Alecia entkleidete er sich erneut.
Er schälte sich aus dem Brustpanzer, versenkte ihn am Grund eines Flusses und beschwerte ihn mit Steinen. Dann hüllte er sich in einen Umhang, der in den kalten Gemächern der Mein genäht worden war und von dem er hoffte, dass er als echt durchgehen würde. Damit konnte er als Vadayaner gelten. Trotz seiner langen Geschichte hatte der Orden seine Bedeutung längst verloren. Die Vadayaner waren Gelehrte, die unter der zeremoniellen Leitung der Vada-Priesterin das überlieferte Wissen studierten und bewahrten. Es war eine wortkarge Gemeinschaft, welche die Angelegenheiten des Reiches verachtete. Daher würde es nicht weiter auffallen, wenn er sich schweigsam gab.
Um die Tarnung zu vervollständigen, schor er sich die Haare zu beiden Seiten des Kopfes und band den Rest auf dem Kopf mit dünnen Lederriemen zu einem festen Knoten. Die Haut des Schädels war so blass und rosig wie Schweinefleisch. Deshalb rieb er sie mit einem Färbemittel ein, mit dem normalerweise Holz gebeizt wurde. Als er fertig war, war er von einem echten Gelehrten nicht mehr zu unterscheiden.
Obwohl er seine unterschiedlichen Verkleidungen mit Würde trug, war er in Wahrheit nichts von alledem, was er darstellte. Sein Name war Thasren Mein. Er war von adliger Abstammung, Sohn des verstorbenen Heberen Mein. Er war der jüngere Bruder von Hanish, dem rechtmäßigen Oberhaupt der Stämme vom Mein-Plateau, und von Maeander, dem Anführer der Punesari, der Elitewachtruppe, die der ganze Stolz seines kriegerischen Volkes war. Obwohl er auf diese Abstammung stolz sein konnte, hatte er sich entschieden, auf alles zu verzichten und Attentäter zu werden. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, sein Leben habe einen Sinn. Nie war er konzentrierter gewesen, nie mehr im Einklang mit sich selbst als jetzt, da er sein Leben dieser Aufgabe gewidmet hatte. Wie viele derer, die auf Erden wandelten, wussten schon, warum sie überhaupt atmeten und welche Bestimmung sie zu vollenden hatten, bevor sie in den Zustand des Nachtodes eintraten? Er konnte sich glücklich schätzen.
Von einem Fährboot aus beobachtete er, wie die Insel Acacia inmitten schroffer Felsen aus dem blassgrünen Meer aufstieg. Der höchste Punkt der Insel lag am Südende. In der Mitte fielen das Ackerland und die Hügelketten etwas ab, stiegen jedoch gleich hinter der Mitte der Nordhälfte erneut an und bildeten eine Abfolge von Plateaus. Viele Generationen hatten diese zu einer Landschaft gestaltet, die würdig war, den Palast zu beheimaten. Die Akazien, die so dunkel wirkten wie die schwarzhäutigen Talayen des Südens, hatten weit ausladende Kronen und waren hier und da mit weißen Blüten gesprenkelt. Trotz der großen Länge der gewundenen Inselküste waren nur wenige Regionen leicht zugänglich; Strände und Häfen waren rar.
Als sie an den Schutztürmen des Hafens vorbeisegelten, sah Thasren eine schlaff herabhängende Reichsflagge. Anhand der Farben konnte er sich gut vorstellen, wie sie ausgesehen hätte, wenn es nicht windstill gewesen wäre: eine gelbe Sonne inmitten eines rot umgrenzten Quadrats, mit der schwarzen Silhouette des Baums im Zentrum, welcher der Insel den Namen gegeben hatte. Jedes Kind kannte die Fahne, ganz gleich, in welcher Gegend der Bekannten Welt es geboren war. Der Attentäter musste sich beherrschen, sonst hätte er voller Verachtung ausgespuckt.
Inmitten der anderen Passagiere ging er an Land. Händler und Arbeiter, Frauen und Kinder, alle übersprangen wie Herdentiere die Lücke zwischen Boot und Kai, in der das kristallblaue Wasser schimmerte. Auch ein paar Vadayaner waren dabei, doch Thasren wich ihren Blicken aus. Als er auf den festen Steinen des Kais stand und die ihn umwimmelnden Mitreisenden betrachtete, wurde ihm bewusst, dass er im Begriff war, sich in die Klauen des Feindes zu begeben. Sollte jemand ihn erkennen oder seine Absichten erraten, würde er zur Zielscheibe jedes Dolches, Schwertes oder Speers auf der Insel werden. Unwillkürlich wartete er ein wenig länger als beabsichtigt, überrascht, dass keiner ihn bezichtigte. Doch es rief niemand eine Warnung oder hielt inne, um ihn misstrauisch zu beäugen.
Mit kühlem Blick musterte er die große Mauer aus rötlichem Stein. Dahinter ragten die Dachspitzen und Türme empor, viele davon dunkelblau gestrichen, andere dunkelrot oder rostbraun, einige vergoldet und im Sonnenschein funkelnd. Die Gebäude waren in Terrassen übereinandergeschichtet, so steil wie an einem schroffen Berghang. Der Anblick war wunderschön, das konnte selbst er einräumen. Mit der flachen, bedrückenden Heimat des Attentäters hatte dies keinerlei Ähnlichkeit. Tahalia war aus massiven Kiefernstämmen erbaut, die zum Schutz vor der Kälte zur Hälfte in den Boden eingegraben und völlig schmucklos waren, da die dunkle Winterzeit, in der sich auf jeder ebenen Fläche der Schnee türmte, so lange währte. Der Gegensatz war schwer zu erfassen, und so schüttelte Thasren den Gedanken daran ab.
Er schlenderte auf das Tor der Unterstadt zu. Es würde einige Zeit in Anspruch nehmen, doch er würde einen Weg tief in die Stadt finden und jede Tarnung annehmen, die nötig war, bis er sich Zutritt zum Palast verschaffen konnte. Dort würde er die Frage beantworten, die ihm sein zweiter Bruder erst vor einem Monat beiläufig gestellt hatte. Wollte man ein vielarmiges Untier töten, hatte Maeander gesagt, warum ihm dann nicht gleich den Kopf abschlagen? Wenn die Kreatur erst einmal orientierungsund führungslos herumtaumelte, konnten sie sich immer noch um die Gliedmaßen und den Körper kümmern. Der Attentäter musste dem Kopf nur nahe genug kommen, den geeigneten Moment abpassen und dann vor aller Augen zuschlagen, damit die Kunde davon sich anschließend wie ein ansteckendes Fieber von Mund zu Mund verbreitete.

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004
Um die Langeweile des vormittäglichen Unterrichts zu überstehen, saß Mena Akaran stets an derselben Stelle, nämlich auf einem Grasflecken hinter ihren Geschwistern. Sie war vor kurzem zwölf geworden, und von hier aus konnte sie durch ein Loch in der steinernen Brüstung schauen, die den Hof säumte. Das Loch umrahmte eine Szenerie, deren Vordergrund die vielfach übereinandergeschichteten Terrassen des Palasts einnahmen. Jenseits der westlichen Stadtmauer weitete sich der Blick, erfasste das Ackerland der wogenden Hügel und schweifte zu den Klippen und kleinen Buchten der Südküste hinüber. Die am weitesten entfernte Erhebung war gleichzeitig die höchste: die Felsklippe, die Hafenfels genannt wurde. Sie war mit ihrem Vater dort gewesen und erinnerte sich an den Tanggeruch, an das Geschrei der Vögel und den Schwindel, der einen erfasste, wenn man aus fünfzehnhundert Fuß Höhe auf die Brandung hinunterblickte.
Wenn sie in dem Freiluft-Unterrichtszimmer der Königskinder saß, schweiften Menas Gedanken ab. Heute Morgen stellte sie sich vor, sie sei eine Möwe, die sich von den Klippen schwang. Senkrecht schoss sie in die Tiefe und segelte über die Wasseroberfläche dahin. Sie flitzte zwischen den Segeln der Fischerboote hindurch und über die Handelskähne hinweg, die sich mit den kreisförmigen Strömungen von einem Ort zum anderen treiben ließen. Dies alles ließ sie hinter sich, und die Wogen wurden steiler. Das türkisfarbene Wasser wurde erst blau und dann meeresschwarz. Sie flog über funkelnde Sardellenschwärme und über die Rücken von Walen hinweg, suchte das Unbekannte, von dem sie wusste, dass es irgendwann hinter den weißschaumigen Wellen am Horizont auftauchen würde …
»Mena? Hört Ihr zu, Prinzessin?« Jason, der Lehrer, ihre Brüder und ihre Schwester blickten sie alle an. Die Kinder saßen im feuchten Gras. Jason stand vor ihnen, in der einen Hand ein altes Buch, die andere in die Hüfte gestemmt. »Habt Ihr meine Frage verstanden?«
»Natürlich hat sie die Frage nicht mitbekommen«, sagte Aliver. Mit sechzehn war er der Älteste und der Thronerbe. In letzter Zeit war er in die Höhe geschossen, und jetzt war er größer als sein Vater. Außerdem hatte sich seine Stimme verändert. Aus seiner Miene sprach abgrundtiefe Langeweile, eine Krankheit, die ihn vor einem Jahr befallen und seitdem nicht mehr losgelassen hatte. »Sie hat schon wieder an Fische gedacht. Oder an Tümmler.«
»Weder Fische noch Tümmler haben etwas mit dem Thema zu tun, um das es hier geht«, sagte Jason. »Ich wiederhole: Wen hat der Begründer der Arkan-Dynastie bei Galaral gestürzt?«
Das also war die Frage, die ihr entgangen war? Das wusste doch jedes Kind! Mena war es zuwider, auf zu leichte Fragen zu antworten. Sie fand nur dann Freude am Wissen, wenn sie andere damit ausstechen konnte. Selbst Dariel, ihr jüngerer Bruder, wusste, wie der erste König hieß und was er getan hatte, und dabei war er erst neun. Sie hielt sich so lange zurück, wie sie konnte, doch als Aliver den Mund öffnete, um irgendeine spitze Bemerkung vom Stapel zu lassen, kam sie ihm eilends zuvor. »Edifus war der Begründer. Er wurde in Armut und Dunkelheit im Seengebiet geboren, siegte jedoch in einem blutigen Krieg, der die ganze Welt in seinen Strudel riss. Bei Galaral traf er auf den Unwahren König Tathe und vernichtete dessen Streitmacht mit Unterstützung der Santoth-Gottessprecher. Edifus war der erste in einer Reihe von einundzwanzig Akaran-Königen, deren letzter mein Vater ist. Edifus’ Söhne Thalaran, Tinhadin und Praythos machten sich daran, das Reich mit einer Reihe von Feldzügen zu sichern, den so genannten Verbreitungskriegen...«
»Sehr gut«, sagte Jason. »Das ist mehr, als ich wissen wollte...«
»Eine Möwe.«
»Wie bitte?«
»Ich war eine Möwe, kein Fisch und auch kein Tümmler.«
Mena schnitt erst Aliver und dann Corinn eine Grimasse.
Etwas später, nachdem sie vergeblich versucht hatte, die Vogelbilder erneut heraufzubeschwören, begnügte Mena sich damit, der Unterhaltung zu folgen. Das Gespräch hatte sich der Geographie zugewandt. Corinn zählte die Namen der sechs Provinzen auf und fügte ein paar Worte über die Herrscherfamilien und die jeweilige Regierungsform hinzu: das Festland im nahen Norden, das Gouvernement Mein im fernen Norden, die Candovische Föderation im Nordwesten, Talay im Süden und die Bergstämme Senivals im Westen. Die zusammengehörigen Inseln des Vumu-Archipels waren die letzte Provinz, die jedoch keine Zentralregierung besaß.
Jason entrollte eine Landkarte auf dem Gras und ließ die Kinder die Ecken mit den Knien beschweren. Dariel hatte an Landkarten immer besonderen Spaß. Er beugte sich weit vor und wiederholte alles, was der Lehrer sagte, als müsse er für andere Zuhörer dolmetschen. Etwas an seiner Langsamkeit veranlasste Mena, ihn zu unterbrechen.
»Warum befindet sich Acacia immer in der Mitte der Landkarten?«, fragte sie. »Wenn die Welt gekrümmt ist und kein Ende hat – das habt Ihr selbst gesagt, Jason -, warum liegt dann unser Land in der Mitte und kein anderes?«
Corinn fand die Frage töricht. Sie blickte Jason mit hochgezogenen Brauen an und schürzte die Lippen. Mit ihren fünfzehn Jahren, der dunklen Haut und dem rundlichen Gesicht, welches das acacische Schönheitsideal verkörperte, war sie eine einnehmende Erscheinung und sich dessen auch bewusst. Vieles von ihrer verstorbenen Mutter Aleera lebte in ihr weiter; zumindest schienen das alle zu glauben. »Es ist halt der Mittelpunkt, Mena. Das weiß doch jeder.«
»Eine treffende Erwiderung«, sagte Jason, »aber Menas Frage ist nicht ganz unberechtigt. Die Menschen nehmen sich selbst immer am wichtigsten. Sie nehmen den bedeutendsten Platz in ihrer Wahrnehmung ein, stehen immer im Mittelpunkt und in vorderster Reihe, nicht wahr? Vielleicht zeige ich euch einmal eine Landkarte aus Talay. Dort zeichnet man die Welt ganz anders. Warum sollten sie auch nicht glauben, sie seien der Mittelpunkt der Welt? Auch Talay ist ein Land.«
Aliver brach in schallendes Gelächter aus. »Das ist doch nicht Euer Ernst! Die Menschen laufen dort halbnackt herum. Sie jagen mit Speeren und verehren Götter, die wie Tiere aussehen. Dort gibt es noch Stammesregierungen – mit Häuptlingen und allem, was dazugehört. Die sind doch nicht besser als die streitlustigen Mein.«
»Außerdem ist es dort zu heiß«, setzte Corinn hinzu. »Man sagt, die Erde sei dort die Hälfte des Jahres staubtrocken. Sie müssen aus Erdlöchern trinken, die sie selbst gegraben haben.«
Jason räumte ein, dass das talayische Klima beschwerlich sei, zumal südlich der Küste. Außerdem wusste er zu erzählen, dass die Menschen, die dort lebten, sich den Acaciern unterlegen fühlten. Dies sei einer der Gründe, weshalb Acacia über die ganze Bekannte Welt herrsche. Er sagte: »Wir sind ein begabtes Volk. Aber wir sind auch gütig. Wir sollten weder die Talayen noch andere Völker geringschätzen...«
»Ich habe nicht gesagt, dass ich sie geringschätze. Sie haben ihre eigene Lebensweise, und wenn ich König bin, werde ich mich bemühen, sie zu respektieren. Also, warum liegt die Karte hier vor uns? Habt Ihr uns etwas beizubringen, oder nicht?«
Jason, dem die Ungeduld in Alivers Tonfall nicht entging, nickte. Mit einem nachsichtigen Lächeln ließ er das Thema fallen. Ja, er war der Lehrer, vergaß aber nie, dass er auch ein Bediensteter war. Mena bedauerte das bisweilen. Wie sollten sie wirklich etwas über die Welt lernen, wenn sie ihre Lehrer allein dadurch zum Schweigen bringen konnten, dass sie die Stimme hoben?
Der Unterricht ging weiter, und alle hörten Jason ohne neuerliche Unterbrechungen zu. Lange jedoch blieb es nicht so. Kurz darauf trat König Leodan, ihr Vater, aus der Tür und atmete tief die Morgenluft ein. Sein Gesicht hatte die Beschaffenheit von gegerbtem Leder. Sein Haar war an den Schläfen weiß, was den Rest noch dunkler erscheinen ließ, sodass es sein Alter und die Bürde des Königsamtes scheinbar Lügen strafte. Er musterte seine Kinder, dann nickte er dem Lehrer zu und betrachtete das vor ihm ausgebreitete Landschaftspanorama. »Jason«, sagte er, »ich muss den Unterricht heute Morgen stören. Da die aushenische Delegation jederzeit eintreffen kann, werde ich in den nächsten Wochen weniger Zeit für meine Kinder haben, als mir lieb wäre. Ich habe beim Erwachen den Wunsch verspürt auszureiten und bin geneigt, ihm nachzugeben. Wenn meine Kinder geneigt sind, mich zu begleiten, wäre die Sache entschieden...«
Die Kinder waren geneigt, und bald darauf galoppierten sie durch eines der Nebentore des Palasts. Alle Königskinder ritten seit dem vierten oder fünften Lebensjahr, und alle hielten sich hervorragend im Sattel, selbst Dariel. Eine Leibwache von zehn Berittenen folgte ihnen in diskretem Abstand. Niemand konnte sich vorstellen, dass dem König in Acacia etwas zustoßen könnte, doch als Monarch war er bisweilen gezwungen, sich der Tradition zu beugen, die aus einer gefährlicheren Zeit stammte.
Sie ritten über die Hauptstraße nach Westen. Hin und wieder überquerten sie schmale Brücken, von denen man Ausblick auf die wacholderbestandenen Hänge hatte, die sich bis zum Meer erstreckten. Hin und wieder überragten die Dornenkronen der Akazien das dünn gewebte Grün. Von diesen Bäumen hatte die Insel natürlich ihren Namen und die Akaran-Dynastie ihren informellen Titel. Die Bäume waren Orientierungspunkte in der Landschaft und wuchsen nur hier und auf keiner anderen Insel des Innenmeers.
Als Mena noch jünger gewesen war, hatten ihr die Bäume aus der Nähe Angst gemacht. Sie waren knorrig, dornig und vollkommen reglos und wirkten dennoch irgendwie belebt, als wären sie von einer Intelligenz beseelt, die sie aus bestimmten Gründen verborgen hielten. Erst in letzter Zeit fühlte sie sich in ihrer Nähe wohler. Man hatte ein altes, abgeschmirgeltes und gezähmtes Exemplar als Klettergelegenheit in Dariels Zimmer gestellt. Dies hatte viel dazu beigetragen, ihre Ängste zu beschwichtigen. Wenn man die Bäume abhacken, versetzen und Kinderspielzeug daraus machen konnte, gab es wohl keinen Grund, sich vor ihnen zu fürchten.
Die Reiter wandten sich zu dem zerklüfteten, naturbelassenen Strand an der Südküste hinab und ritten an den von Vögeln wimmelnden Klippen entlang. Eine Zeitlang behielten sie eine lockere Formation bei, wichen großen, von der Sonne gebleichten Treibholzstücken aus oder ritten zwischen ihnen hindurch, hinaus ins glasgrüne Wasser, bis der Schaum die Pferdebeine umspülte. Als sie abgesessen waren, schleuderte Aliver Muscheln in die Brandung. Corinn stand neben einem halb vermoderten gewaltigen Baumstamm, die Arme nach beiden Seiten ausgestreckt und das Gesicht dem kühlen Wind zugewandt. Dariel scheuchte Winkerkrabben über den Sand.
Mena hielt sich zur Rechten ihres Vaters, als dieser von einem zum anderen schritt, an allem Anteil nahm und lachte, denn wenn er mit seinen Kindern zusammen war, fand er vieles amüsant. Mena hielt einen angeschwemmten Ast in der Hand, fuhr mit den Fingerspitzen über die verwitterte Maserung. Genau so sollte das Leben sein. Sie stellte sich nicht die Frage, ob ein König, der mit seinen Kindern spielte, nicht vielleicht etwas Ungewöhnliches sei. So war es immer schon gewesen. Etwas anderes konnte sie sich nicht vorstellen. Allerdings fragte sie sich, ob auch die anderen die Anspannung hinter der Fassade ihres Vaters bemerkten. Seine Freude war aufrichtig, aber nicht ohne Bemühtheit. Es lag Schmerz darin, denn jemand fehlte hier.
An diesem Abend kuschelten Mena und Dariel sich, wieder im warmen Bienenstock des Palasts angelangt, auf Menas Bett zusammen, da ihr Vater ihnen eine Gutenachtgeschichte erzählen wollte. Wie alle Räume des Palasts war auch Menas Zimmer groß und geräumig, und der Boden war aus poliertem weißem Marmor. Anders als Corinn, die ein buntes Nest mit viel Spitze und zahlreichen Kissen bewohnte, hatte Mena keinen Einfluss auf die Ausstattung ihres Zimmers genommen. Die Möbel waren allesamt alt, aus knorrigem Hartholz, mit Polstern, die auf der Haut kitzelten. Auf den Wandbehängen waren Gestalten aus der acacischen Geschichte dargestellt. Sie hätte nur von wenigen zu sagen vermocht, was sie getan hatten, fühlte sich aber von ihnen beschützt. Sie wachten über sie. Schließlich waren das die Leute ihres Vaters. Ihre eigenen Leute.
Leodan saß neben dem Bett auf einem Hocker. »So«, sagte er, »ich glaube, wir sind so weit, dass ich euch die Geschichte von den zwei Brüdern erzählen kann, und wie es zu dem großen Streit zwischen ihnen kam. Schade, dass Corinn und Aliver schon zu alt für Gutenachtgeschichten sind; diese hier hätte ihnen bestimmt gefallen, auch wenn sie traurig ist.«
Der König erzählte, in der fernen Vergangenheit habe es zwei Brüder gegeben, Bashar und Cashen, die einander so nahestanden, dass sie unzertrennlich waren. Nicht einmal eine Messerklinge passte zwischen sie, so sehr liebten sie einander und so viel Freude fanden sie an der Gesellschaft des anderen. Zumindest galt das bis zu dem Tag, an dem eine Abordnung eines nahen Dorfes zu ihnen kam und erklärte, da die Brüder so gut und edel seien, wünschten sie sich, einer von ihnen solle ›König‹ werden, wie sie sich ausdrückten. Ein Träumer-Prophet habe ihnen gesagt, sie würden zu Wohlstand gelangen, wenn sie einen König hätten. Und den hätten sie auch bitter nötig, denn seit Jahren hätten sie unter Hunger und Zwietracht zu leiden. Sie selbst könnten sich nicht entscheiden, wer von ihnen König werden solle, und deshalb bäten sie die Brüder, dass einer von ihnen das Amt übernehmen möge.
Die beiden Brüder wollten wissen, ob sie beide König werden könnten, doch die Dorfbewohner erwiderten, das sei unmöglich. Nur einer könne König sein, erklärten sie. Das habe der Prophet ihnen gesagt. Trotzdem fanden die Brüder Gefallen an der Vorstellung. Sie baten die Dorfbewohner, einen von ihnen auszuwählen, der andere werde die Entscheidung respektieren. Insgeheim kamen sie überein, nach hundert Jahren die Rollen zu tauschen. Dann solle derjenige König sei, der bislang leer ausgegangen sei.
Cashen wurde ausgewählt und zum König ernannt. Hundert Jahre lang herrschte er ohne Zwischenfall. Den Menschen ging es gut. Bashar war stets an seiner Seite. Doch am ersten Tag des einhundertersten Jahres bat Bashar Cashen, ihm die Krone zu übergeben. Cashen musterte ihn kühl. Er hatte sich daran gewöhnt, König zu sein, und Gefallen an der Macht gefunden. Bashar rief ihm die Vereinbarung in Erinnerung, die sie getroffen hatten, doch Cashen leugnete, ein solches Versprechen abgegeben zu haben. Bashar wurde zornig. Er packte seinen Bruder. Cashen machte sich von ihm los. Auf einmal verspürte er Angst und Scham und rannte aus dem Dorf und in die Hügel. Er schlug sich alle liebevollen Gedanken an seinen Bruder aus dem Sinn, bis er von Bitterkeit erfüllt war. Bashar setzte ihm nach und jagte ihn ins Gebirge. Gewitterwolken sammelten sich, und Blitze zuckten über den Himmel. Strömender Regen prasselte auf sie herab.
Dariel tippte seinem Vater aufs Handgelenk. »Ist das auch wahr?«
Leodan neigte sich ihm entgegen und flüsterte: »Jedes Wort.«
»Sie hätten sich abwechseln sollen«, meinte Dariel müde.
Als Bashar seinen Bruder stellte, schlug er ihm mit seinem Stab auf den Kopf. Cashen wankte, doch dann schüttelte er sich und warf sich auf Bashar. Diesmal schwenkte Bashar den Stab seitlich und traf seinen Bruder in den Kniekehlen, sodass dieser auf den Rücken fiel. Er schleuderte den Stab weg, packte seinen Bruder, stemmte ihn hoch und schritt auf den Abgrund zu. Der Wind umtoste sie mit lautem Geheul, dennoch schaffte er es bis zum Rand und schleuderte seinen Bruder in die Tiefe.
Cashen aber starb nicht. Er prallte auf, überschlug sich und rollte den Hang hinunter. Dann kam er wieder auf die Beine und rannte los. Er stürmte über den Talboden und gelangte zur anderen Seite. Als er den Hang erklommen hatte, zerriss ein Blitz den Himmel. Bashar schlug geblendet die Hände vor die Augen. Als er wieder sehen konnte, stellte er fest, dass sein Bruder vom Blitz getroffen worden war. Anstatt jedoch tot zusammenzubrechen, zitterte er vor Energie. Blaue Flammen tanzten über seine Haut und das verkohlte Fleisch. Doch er starb nicht. Er lief abermals los, und zwar schneller als zuvor. Er machte Riesenschritte, erklomm den gegenüberliegenden Berggipfel und sprang darüber hinweg, ohne sich auch nur einmal nach seinem Bruder umzusehen.
Mena wartete eine Weile, dann fragte sie: »Ist die Geschichte jetzt zu Ende?«
Leodan machte »Pst!« und zeigte auf Dariel, der eingeschlafen war. »Nein«, sagte er und schob die Hände unter den Jungen, »das ist nicht das Ende der Geschichte, aber für heute reicht es. Bashar begriff, dass ein Gott eingegriffen und seinen Bruder gesegnet hatte. Und da wurde ihm klar, dass sie fortan Feinde wären und dass ihnen ein langwieriger Kampf bevorstand. Um die Wahrheit zu sagen, sie kämpfen immer noch.« Leodan richtete sich mit dem schlafschweren Dariel auf den Armen auf. »Wenn man die Ohren spitzt, kann man manchmal hören, wie sie sich in den Bergen gegenseitig mit Steinen bewerfen.«
Als sie zusah, wie der Rücken ihres Vaters sich entfernte, sich dem gelben Schein der Lampe im Gang zuwandte und verschwand, musste Mena sich beherrschen, um ihm nicht hinterherzurufen. Stattdessen gab sie einen Laut von sich, als hätte sie unbewusst den Atem angehalten und schnappe jetzt nach Luft. Woher kam nur diese plötzliche schreckliche Gewissheit, dass ihr Vater auf dem Gang auf Nimmerwiedersehen verschwinden würde. Früher hatte sie ihn häufig zurückgerufen, um sich trösten zu lassen und ihm Geschichten und Versprechen abzuringen, bis er irgendwann die Geduld verloren hatte oder bis sie vor Erschöpfung eingeschlafen war. In letzter Zeit aber war ihr das peinlich geworden. Mit ihrer Angst musste sie allein fertig werden, und das tat sie auch.
Sie merkte, dass sie die Finger in das Bettlaken gekrallt hatte. Sie löste die Finger und entspannte sie, um die Ruhe von den Händen aus in ihren ganzen Körper strömen zu lassen. Ihre Befürchtung war grundlos, sagte sie sich. Ihr Vater würde sie nie verlassen. Das hatte er ihr felsenfest versprochen. Warum konnte sie ihm nicht einfach glauben? Und warum kam ihr dieser Wunsch wie ein Verrat an ihrer verstorbenen Mutter vor? Sie wusste, dass die meisten Kinder ihres Alters kein Elternteil verloren hatten. Die Erinnerungen des schlafenden Dariel zum Beispiel waren so flüchtig, dass er seine Mutter nicht vermisste. Er wusste gar nicht, was er verloren hatte. Unwissenheit war wirklich ein Geschenk. Wäre doch sie das jüngste Kind gewesen und nicht Dariel! Sie war sich nicht sicher, ob das nicht gemein gegenüber ihrem Bruder war, und sie dachte noch lange darüber nach.

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005
Sobald Thaddeus Clegg in sein Zimmer trat, sah er, dass die Frau jeden Moment vor Erschöpfung zusammenbrechen würde. Sie stand in der Mitte des von Fackeln erhellten Raums, das Gesicht der gegenüberliegenden Wand zugewandt, eine Silhouette im rötlichen Feuerschein des Kamins. Sie schwankte hin und her, mit den unbeholfenen, ziellosen Bewegungen des wahrhaft Erschöpften. Ihre Kleidung war so schmutzig und durchnässt, als käme sie geradewegs vom Feld, doch unter der Dreckkruste funkelte ein Kettenhemd. Die eng sitzende Helmkappe war mit einem gelben Pferdeschweif geschmückt und deshalb mühelos zu erkennen.
»Botin«, sagte Thaddeus, »ich entschuldige mich dafür, dass ich dich so lange warten ließ. Meine Bediensteten lassen sich nicht einmal mit den besten Argumenten von Förmlichkeiten abhalten.«
Die Augen der Frau funkelten. »Warum wurde ich hier festgehalten, Kanzler? Die Botschaft, die ich überbringe, stammt von General Leeka Alain der nördlichen Schutztruppe und ist für König Leodan bestimmt.«
Thaddeus wandte sich seinem Diener zu, der ihm wie ein Schatten gefolgt war, und befahl ihm, der Botin einen Teller mit Essen zu bringen. Als der Mann schlurfend das Zimmer verließ, bedeutete Thaddeus der Frau mit einer Handbewegung, auf einem der Sofas Platz zu nehmen. Sie sträubte sich zunächst, doch als er sich selbst setzte, folgte sie seinem Beispiel. Als Kanzler nahm er sämtliche Nachrichten entgegen. »Das ist dir doch gewiss bekannt«, sagte er mit vorwurfsvollem Unterton.
Mit seinen sechsundfünfzig Jahren war Thaddeus längst nicht mehr so stattlich wie in seiner Jugend. Der sengende Sonnenschein der acacischen Sommer hatte tiefe Falten in seine Haut gegraben, die sich jedes Mal vermehrt zu haben schienen, wenn er in einen Handspiegel sah. Doch wie er so mit aufgerichtetem Oberkörper im flackernden Feuerschein dasaß, die Hände auf dem Schoß verschränkt und in den dunkelroten Satin des Winterumhangs gehüllt, schien der Kanzler mit seiner Stellung als Vertrauter des Herrschers des größten Reiches der Welt völlig im Einklang zu sein. Er war nur wenige Monate nach Leodan Akaran geboren worden, als Sohn einer fast ebenso hochgestellten Familie, doch man hatte ihm schon früh gesagt, dass es seine Aufgabe sei, dem zukünftigen König zu dienen, und nicht, selbst nach solchen Höhen zu streben. Er war ein verlässlicher Vertrauter, erfuhr stets als Erster von allen Geheimnissen und bekam den Monarchen so zu Gesicht wie sonst nur seine nahen Familienangehörigen. Seine Rolle und gesellschaftliche Stellung waren ihm, genau wie den zweiundzwanzig Generationen von Kanzlern vor ihm, aufgrund seiner Geburt vorherbestimmt gewesen.
Der Diener brachte ein Tablett mit geräucherten Austern, Sardellen und Trauben und zwei Karaffen, eine mit Limonenwasser und eine mit Wein. Thaddeus forderte die Frau auf, sich zu bedienen. »Zwischen uns sollte es keine Unstimmigkeiten geben«, sagte er. »Ich sehe, dass du eine gewissenhafte Soldatin bist, und nach dem Zustand deiner Kleidung zu schließen, hast du eine beschwerliche Reise hinter dir. Im Mein muss es zu dieser Jahreszeit höllisch kalt sein. Verschnaufe erst mal. Bedenke, dass du dich innerhalb der Mauern von Acacia in Sicherheit befindest. Und dann sag mir, was du zu sagen hast.«
»General Alain...«
»Ja, du hast bereits erwähnt, dass er dich geschickt hat und nicht der Gouverneur.«
»Ja, die Nachricht kommt von General Alain«, sagte die Botin. »Er lässt dem König und seinen vier Kindern seine untertänigsten Grüße übermitteln und versichert ihn seiner Ergebenheit. Möge der König lange leben. Er versichert den König seiner Loyalität, jetzt und in aller Zukunft, und bittet darum, dass der König seiner Nachricht aufmerksam lauschen möge. Jedes einzelne Wort sei wahr, auch wenn die Nachricht unglaubhaft erscheinen möge.«
Thaddeus entließ seinen Diener mit einem stummen Blick. Als der Mann hinausgegangen war, sagte er: »Der König lauscht durch mich.«
»Hanish Mein plant einen Krieg gegen Acacia.«
Thaddeus lächelte. »Unwahrscheinlich. Die Mein sind keine Narren. Ihre Zahl ist klein. Das acacische Reich würde sie wie Ameisen zerquetschen. Seit wann ist Leeka ein solcher...«
»Herr, verzeiht mir, aber ich habe den Bericht noch nicht beendet.« Die Botin schien betrübt darüber und rieb sich kurz die Ringe unter ihren Augen. »Wir haben es nicht nur mit den Mein zu tun. Hanish Mein hat ein Bündnis mit Leuten von jenseits der Eisfelder geschlossen. Sie sind über das Dach der Welt in den Süden nach Mein gekommen.«
Das Lächeln des Kanzlers verflüchtigte sich. »Das kann nicht sein.«
»Herr, ich schwöre bei meinem rechten Arm, dass sie zu Tausenden in den Süden gekommen sind. Wir glauben, dies geschah auf Betreiben Hanish Meins.«
»Er ist über die Grenze der Bekannten Welt vorgedrungen?«
»Kundschafter haben sie kommen sehen. Es ist ein seltsames Volk, barbarisch und wild...«
»Die Menschen neigen dazu, Fremde für barbarisch und wild zu halten.«
»Sie sind einen ganzen Kopf größer als normale Menschen. Sie reiten auf wolligen, gehörnten Tieren, die Männer zertrampeln können. Es sind nicht nur Soldaten, sondern sie haben auch Frauen, Kinder und Alte mitgebracht, in riesigen Wagen, die rollenden Städten gleichen und von aberhunderten Tieren gezogen werden, von denen ich noch nie gehört habe. Es heißt, sie hätten auch rollende Belagerungstürme und andere fremdartige Waffen dabei sowie große Viehherden...«
»Was du da beschreibst, sind Nomaden. Die hat sich irgendjemand ausgedacht.«
»Wenn das Nomaden sind, dann gibt es in unserer Welt niemanden, der ihnen gleicht. Sie haben die Stadt Vedus geplündert. Ich sage geplündert, doch in Wahrheit haben sie sie einfach überrollt. Sie haben nichts übrig gelassen und alles mitgenommen, was von Wert war.«
»Woher willst du wissen, dass Hanish Mein dahintersteckt?«
Die Botin sah dem Kanzler in die Augen. Obwohl sie höchstens fünfundzwanzig war, hatte sie offenbar schon viel Leid gesehen und sich große Beharrlichkeit angeeignet. Thaddeus’ Erfahrung nach traf dies auf viele weibliche Soldaten zu. Im Großen und Ganzen waren sie aus edlerem Stahl gegossen als ein durchschnittlicher Mann. Diese Frau wusste, wovon sie redete, und das sollte er anerkennen.
Thaddeus erhob sich und bedeutete der Botin, vor eine große Landkarte des Reiches zu treten, welche die gegenüberliegende Wand einnahm. »Zeig es mir auf der Karte. Sag mir, was du weißt.«
Ihre Unterhaltung dauerte Stunden; der Kanzler stellte zunehmend ernste Fragen, die Frau beantwortete sie so eingehend, wie sie es vermochte. Während er den Blick über die Karte schweifen ließ, stellte Thaddeus sich unwillkürlich die windumtoste Einöde vor, von der sie sprachen – keine andere Region der Bekannten Welt war so unwirtlich wie das Gouvernement Mein. Es war eine raue Hochebene, wo der Winter neun Monate währte, bewohnt von blonden Menschen, die dort nur mühsam ihr Auskommen fanden. Das Plateau trug den Namen des da ansässigen Volkes, doch die Mein stammten nicht aus der Region. Früher waren sie ein Festlandclan aus dem östlichen Vorgebirge der Senivalischen Berge gewesen, von den Acaciern jener Zeit gar nicht so verschieden. Nachdem die Frühacacier sie verdrängt hatten, waren sie im Norden sesshaft geworden und nannten ihn nun seit zweiundzwanzig Generationen ihr Zuhause. Genauso lange lebten die Acacier in Acacia.
Die Mein waren ein kriegerisches, streitlustiges Stammesvolk, ebenso rau und unerbittlich wie das Land, das sie bewohnten. Im Mittelpunkt ihrer Kultur stand ein boshafter Pantheon von Geistern, die sie Tunishni nannten. Gemeinsam war ihnen der Stolz auf ihre Ahnen, den sie durch ihre abgeschiedene Lebensweise bewahrten. Sie heirateten nur untereinander und missbilligten geschlechtliche Beziehungen zu anderen Völkern. Da sie alle reiner Abstammung waren, durfte jeder Mann den Thron für sich reklamieren, der siegreich aus dem Kampf auf Leben und Tod hervorging, den sie als Maseret bezeichneten.
Dieser Brauch sorgte für einen raschen Herrschaftswechsel, und jeder frisch gekrönte Häuptling musste sich die Anerkennung des Volkes von neuem erwerben. War er gekrönt, nahm der neue Monarch zum Zeichen, dass er die Allgemeinheit repräsentierte, den Namen seines Volkes an. Somit hatte ihr gegenwärtiger Anführer, Hanish aus dem Geschlecht Heberen, an dem Tag, da er siegreich aus seinem ersten Maseret hervorgegangen war und die Krone seines toten Vaters übernommen hatte, den Namen Hanish Mein angenommen. Dass Hanish von glühendem Hass auf Acacia verzehrt wurde, war nichts Neues, jedenfalls nicht für den Kanzler. Was die Soldatin ihm jedoch berichtet hatte, überstieg bei weitem seine schlimmsten Befürchtungen.
Auf Thaddeus’ Drängen hin verzehrte die Botin die Begrüßungsspeisen. Der Diener brachte daraufhin ein neues Tablett, diesmal eine Platte mit Käse von jener harten Sorte, der mit einem scharfen Messer geschnitten werden musste. Der Kanzler schnitt ein paar Stücke ab, dann richtete er sich mit dem Messer in der Hand auf. Während er lauschte, musterte er sein Spiegelbild in der Klinge.
Die Botin kämpfte gegen die Müdigkeit an, doch als die Stunden vor Morgengrauen anbrachen, fielen ihr die Augen zu. »Ich fürchte, ich kann nicht mehr«, sagte sie schließlich. »Aber ich habe Euch bereits alles gesagt. Bekomme ich jetzt eine Audienz beim König? Was ich sonst noch weiß, ist allein für seine Ohren bestimmt.«
Bei der Erwähnung des Königs wurde Thaddeus von einer Erinnerung überwältigt, mit der er in diesem Moment am wenigsten gerechnet hätte. Er erinnerte sich an einen Tag im vergangenen Sommer, als er Leodan im Labyrinthgarten des Palasts angetroffen hatte. Der König hatte in einem Alkoven auf einer steinernen Bank gesessen, zu beiden Seiten eingerahmt von überranktem, uraltem Stein, der früher einmal zum Fundament der bescheidenen Behausung des ersten Königs gehört hatte. Sein jüngster Sohn Dariel saß auf seinem Schoß. Beide betrachteten einen kleinen Gegenstand in der Hand des Jungen. Als Thaddeus näher kam, blickte der König erfreut auf und sagte: »Thaddeus, schau dir das an. Wir haben ein Insekt mit getüpfelten Flügeln entdeckt.« Das sagte er staunend wie ein Kind, als sei dies die wichtigste Sache der Welt. Thaddeus mochte den König besonders am Tag, wenn die königlichen Augen noch nicht umwölkt waren vom Nebel, der sie allabendlich trübte. In diesen dunklen Zeiten konnte er bisweilen ein rechter Langeweiler sein, doch wenn er mit seinen Kindern zusammen war... Nun, in Gegenwart seiner Kinder war er ein Narr, der sich seiner Kindheit erinnerte. Ein kluger Narr, der die Welt immer noch staunenswert fand …
»Kanzler?«
Thaddeus schreckte zusammen. Ihm wurde bewusst, dass sie längere Zeit geschwiegen hatten. Die Botin war von ihrer Erschöpfung abgelenkt gewesen und er von irgendwelchen Träumereien. Er spürte die scharfe Spitze des Käsemessers, die gegen seinen Finger drückte. »Der König muss binnen Stundenfrist davon erfahren«, sagte er. »Du hast erwähnt, General Alain habe dich persönlich hierhergeschickt? Du hast nicht mit den Gouverneuren gesprochen?«
»Die Nachricht, die ich überbringen soll, ist für König Leodan persönlich bestimmt«, erwiderte sie knapp.
»So sollte es auch sein.« Thaddeus zupfte sich am Ohrläppchen. »Bleib einen Moment hier sitzen. Ich werde ein Treffen mit dem König arrangieren. Du hast uns einen großen Dienst erwiesen.«
Der Kanzler erhob sich. Er hielt immer noch das Messer in der Hand, als hätte er vergessen, es wegzulegen. Als er hinter der Botin vorbeikam, schwenkte er herum. Er warf das Messer hoch, fing es am Griff wieder auf und schloss die Finger so fest darum, dass die Knöchel weiß hervortraten. Mit der einen Hand umfasste er die Stirn der Frau und schlitzte ihr mit der anderen von links nach rechts den Hals auf. Da er sich nicht sicher war, ob das Messer dafür taugen würde, wandte er mehr Kraft auf als nötig. Doch es war gelungen. Die Botin sackte lautlos nach vorn. Einen Moment lang verharrte er hinter ihr, das Messer zur Seite weggestreckt, Klinge und Faust mit zähem rotbraunem Blut benetzt. Mit willentlicher Anstrengung öffnete er die Hand. Die Waffe fiel zu Boden.
Thaddeus war nicht ganz der loyale Diener des Königs, als der er sich gab, und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er dies mit einer blutigen, unumkehrbaren Tat unter Beweis gestellt. Die unumstößliche Wahrheit dieser Erkenntnis machte ihn ganz benommen. Er hatte Mühe, das Gleichgewicht zu wahren und sich auf das Naheliegende zu konzentrieren. Er musste seine Bediensteten fortschicken, den Leichnam der Soldatin verschwinden lassen und das Blut beseitigen. Damit würde er den Rest der Nacht über beschäftigt sein, bräuchte aber nicht einmal seine Gemächer zu verlassen. Unmittelbar unter diesem Raum befand sich ein Verlies. Er musste die Frau lediglich die Wendeltreppe hinunterschleifen, sie hineinschieben, die Tür schließen und sie den Ratten, Insekten und Würmern überlassen, die ihre Gebeine ungestört blank nagen würden.
Mit seinen moralischen Skrupeln würde er weniger leicht fertig werden.

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006
Wie alle Adelskinder war auch Aliver Akaran im Überfluss aufgewachsen. Wenn er morgens aufwachte, standen neben dem Bett schon die Hausschuhe und eine Schüssel mit blütenbestreutem Wasser bereit. Seit er feste Nahrung zu sich nahm, waren seine Speisen mit den besten Zutaten so zubereitet worden, dass sie die bestmögliche Wirkung auf den Gaumen entfalteten. Noch nie war er im Winter in einen unbeheizten Raum getreten, noch nie hatte er sich ein Bad eingelassen oder eigenhändig seine Kleider gewaschen. Er hatte sogar noch nie mit angesehen, wie das schmutzige Geschirr abgewaschen wurde. Hätte er über die Tätigkeiten des Säuberns, Flickens und Ersetzens Auskunft geben sollen, hätte er sich etwas ausdenken müssen. Er lebte inmitten einer gewaltigen Selbsttäuschung. Allerdings war es eine höchst angenehme Illusion zu glauben, alles um ihn herum existiere allein zu seinem Vergnügen. Dies alles jedoch hinderte ihn mit seinen sechzehn Jahren nicht daran, voller Missmut auf die Welt zu blicken.
Als er sich, eine Woche nachdem er mit seinem Vater und seinen Geschwistern einen Ausflug ans Meer unternommen hatte, anschickte, seine Gemächer zu verlassen, nahm er seine ledernen Fechtschuhe in die Hand und warf sich die Übungsweste über die Schulter. Dann trat er zwischen den Wachen hindurch, die reglos wie Statuen neben der Tür standen, und schritt an einer Reihe von Figuren vorbei, die eine der Wände säumten. Die mannsgroßen Gestalten waren aus Kiefernholz geschnitzt und bis in kleinste Detail lebensecht. Das Holz war abgeschliffen und poliert, sodass man den Eindruck von natürlicher Haut hatte, die Fleisch und Knochen bedeckte. Die Figuren nahmen unterschiedliche Haltungen ein und trugen Uniformen verschiedener Nationen; da gab es zum Beispiel einen talayischen Boten mit einer der natürlichen Hautfarbe entsprechenden schwarz bemalten Holzoberfläche, der einen Eisenspeer in der Rechten hielt; einen senivalischen Infanteristen mit einem Schuppenpanzer und einem geschwungenen Langschwert am Gürtel; einen Berittenen der Mein mit dem typischen dicken Brustharnisch, bekleidet mit Fellen, die wie Lumpen an ihm herunterhingen; einen mit Adlerfedern geschmückten Vumu-Krieger; und Acacier mit verschiedenen adretten Uniformen, nur leicht bewaffnet und unter dem feinen Kettenpanzer mit weiten Hosen bekleidet.
In Alivers Gemächern gab es mehr Kriegsgerät, als dem König lieb war. Er hatte einmal erklärt, Acacia herrsche seit Generationen über ein im Großen und Ganzen friedliches Reich. Was das betraf, war dem Prinzen der Tadel seines Vaters jedoch gleichgültig. Der tägliche Umgang mit seinen Altersgenossen war ihm wichtiger als die Beziehung zu seinem Vater. Leodan musste sich nicht mehr beweisen. Aliver hingegen standen die Mannbarkeitsprüfungen noch bevor. Er war der Ansicht, dass all der gehobene Zeitvertreib, dessen sein Vater sich erfreute, erst durch die Tapferkeit von Männern und Frauen möglich gemacht wurde, die bereit waren, Waffen zu tragen. Erst die von ihren Ahnen unter Beweis gestellte militärische Tüchtigkeit hatte sie in die Lage versetzt, die zerstrittenen, ungleichen Elemente der Bekannten Welt zu ihrer aller Nutzen zu partnerschaftlich verbundenen Nationen zu einen. Wie hätte man dies erreichen sollen, wenn nicht mit Gewalt? Und wie sollte man es bewahren, wenn nicht durch die Androhung von Gewalt?
In seinen zornigen Momenten stellte Aliver sich vor, sein Vater stehe dem Pöbel früherer Zeiten gegenüber und versuche, ihm die Vorzüge des Friedens und der Freundschaft zu erklären. Damals hätten sie ihn mit ihrem Hohngelächter vom Lagerfeuer vertrieben. Sie hätten ihn mit Fußtritten in die Kälte gejagt, ihn angespuckt und einen Feigling geschimpft. Und dann hätten sie zähnefletschend die Schlacht begonnen, die über den Lauf der Welt entschieden hätte. Hin und wieder eilte Aliver in seinen Tagträumen seinem Vater mit gezücktem Schwert zu Hilfe; dann wieder schaute er tatenlos zu. Dabei war es nicht so, dass er seinen Vater nicht geliebt hätte. Er war ihm aufrichtig zugetan. Seine Gedanken waren ihm selbst zuwider, doch sie stellten sich ungebeten ein und ließen sich ebenso wenig unterdrücken wie die unerklärlichen fleischlichen Gelüste, die ihn seit einiger Zeit plagten. Worauf es ankam, war, dass die Akaran die gütigen Herrscher eines prachtvollen Reiches waren. Und das waren sie seit zweiundzwanzig Generationen und würden es, wenn Aliver dabei ein Wort mitzureden hatte, noch lange bleiben. Deshalb nahm er das Kriegshandwerk so ernst.
Bis zur Marah-Übungshalle brauchte er nur wenige Minuten, und der größte Teil des Weges führte bergab. Aliver konnte den Großteil des Palasts, die tiefer gelegene Stadt, einen Teil der Insel und das dahinter ausgebreitete Meer überblicken. Aufgrund der perspektivischen Verzerrung waren die Größenverhältnisse schwer einzuschätzen. Die umliegenden Gebäude waren massige Bauwerke im acacischen Stil. Serpentinenstraßen schlängelten sich am steilen Hang entlang in die Tiefe. Die Gestalten auf der jenseits der Stadttore sichtbaren Biegung der Hauptstraße sahen aus wie dahinschleichende Stecknadelköpfe oder Zecken, die über einen Arm krabbelten. Die Türme der Unterstadt glichen senkrecht stehenden Nähnadeln und wirkten so winzig, als könnte man sie zwischen Daumen und Zeigefinger zerquetschen. Die Vorstellung fiel ihm schwer, dass dies alles aus der schmucklosen Festung hervorgegangen war, die Edifus in solcher Höhe erbaut hatte, damit der nervöse Monarch in seiner Angst, die frisch besiegten Untertanen könnten sich gegen ihn verbünden, das umliegende Meer im Auge behalten konnte.