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DAVID SCHUMANN

THE
TOKYO
DIARIES

Dies ist ein Rockbuch.

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Rockbuch ist ein Imprint der edel entertainment GmbH

© edel entertainment GmbH, Hamburg



Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme weiterverarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.



Projektkoordination & Lektorat: Constanze Gölz

Covergestaltung, Satz & Layout: Elena Schneider | Radau



eISBN 978-3-8419-0042-5

FÜR NAHO

2005
MÄRZ
21

Halb leer geräumtes Zimmer. Wände mit Schatten um hellere Stellen von lange dort gehangenen Postern. Ein leeres Fach im Badezimmer. In der Küche. Volle Kisten überall. Gepackte Taschen. Ich dazwischen. Weder richtig hier noch da. Panik weicht Lethargie. Zu anstrengend. Bringt ja nichts. Morgen zum letzten Mal arbeiten. Dann Leute zum letzten Mal sehen, die ich vermissen werde. Das letzte Mal mit dem Mädchen schlafen, das so freundlich war, für eine Woche seine Zeit und seinen Körper mit mir zu teilen. Das letzte Mal Vertrautheit, das letzte Mal das alte Leben. Dann geht’s endgültig los.

2005
MÄRZ
26

War ja klar, dass das irgendwann kommen würde, trotzdem, vorbereitet kann man auf so was wahrscheinlich nie richtig sein. Noch 4 Tage!!! Killer.

Ich weiß überhaupt nicht mehr, wohin mit mir. Wer zur Hölle hab ich überhaupt gedacht, das ich bin? Ich! In Tôkyô! Psychoboy, der schon die Krise kriegt, wenn er mal mit dem Zug nach Düsseldorf muss.

Was hab ich mir bei diesem Scheißtrip überhaupt gedacht? Diese ganze selbstgerechte, pseudo-existentialistische Scheiße, von wegen Tôkyô oder ich, es kann nur einen geben, kein Alkohol mehr, die ganze Härte des Lebens ungefiltert auf sich einprasseln lassen: lächerlich! Ich werde nach 2 Wochen zerbrechen wie ne Scheiß-Mingvase, am Telefon meine Mutter belästigen und mich nachts alleine in den Schlaf heulen. Ich bin ja so ein Idiot. Schreibt das auf meinen Grabstein: »Er war ein verfickter Scheißidiot. Pissen bitte hier.« Und dann so nen Pfeil runter.

2005
MÄRZ
30

10.47 Uhr. Noch nicht im Flugzeug. Aber am Flughafen Köln/Bonn. »Köln/Bonn«, dass ich nicht lache! Was hat das »Bonn« denn da verloren? O. K., früher, aber jetzt? Peinlich.

Check-in. Nach emotionalen Abschiedspartys war die Nacht eigentlich ruhig und undramatisch. Sitze jetzt in Gate 10 und warte darauf, dass es losgeht. Der Mann am Röntgengerät sah aus wie Bushido, komplett mit Asibärtchen und GI-Frisur. Hat mich mein Notebook hochfahren lassen. Hätte fast die Bombe gefunden … Nächstes Mal muss ich vorsichtiger sein.

Oh Gott, ich vermisse schon jetzt meine Freunde.

Alle Leute, die hier um mich herum warten, Anzugträger mit Businesskoffern, sehen aus wie die Bösen aus 24. Sollte ausgerechnet mein Flugzeug zum Ziel von Terroristen werden, die damit einen Krieg zwischen Japan und Deutschland provozieren wollen? Damn!

Die japanischen Poppunker ELLEGARDEN im Walkman stimmen mich auf das nächste Jahr ein. Japan. Coming.

2005
MÄRZ
31

Herrlich, hatte vor, im Flugzeug weiter zu schreiben. Wer hat sich denn da mal wieder überschätzt? Ich hab zwar auf das Valium in meiner Tasche verzichtet, kann mich aber trotzdem kaum an den Flug erinnern. So was nennt man wohl selektive Erinnerung. War auf jeden Fall hardcore, mit Schreiben war da nix. Jetzt, wo ich hier auf einem japanischen Gepäckband am Flughafen Narita sitze, irgendwo zwischen Tausenden von busy durch die Gegend laufenden japanischen Businessmen, und auf meine Taschen warte, Zeit, etwas zu rekapitulieren.

Von Köln nach London war eigentlich alles O. K., auch wenn ich erst mal extrem nervös war, und als das Flugzeug dann beschleunigt hat und wir alle in die Sitze gedrückt wurden, kann ich mich erinnern, wie ich gedacht hab:

Na ja, dann sterb ich halt hier, sooo schlimm ist das jetzt ja auch nicht, immerhin bin ich schon 29, ab jetzt wär’s doch eh abwärts gegangen, was käme denn jetzt bitte noch? 30 werden, toll, kotz, und dann? Mir werden die Haare ausfallen, ich werde noch fetter, und dann, wenn ich Glück hab, arbeitslos in ner Sozialwohnung elendig einsam verrecken, wahrscheinlich werde ich aber vorher noch richtig krank, irgendwas Hässliches und Schmerzhaftes, werde dann jahrzehntelang leiden, mit nem fußballgroßen Ekzem am Kopf, so, dass alle, die mich sehen, direkt kotzen müssen, bis irgendwann endlich irgendeine Nonne Mitleid hat und den Stecker rauszieht. Dabei wird sie wahrscheinlich erwischt und exkommuniziert, aber das ist ne andere Geschichte. Hauptsache ist, ich bin tot. Ich meine, was hätte ich denn verpasst? Ich hab doch schon richtig gelebt, geliebt und bereut. Ich hatte unfassbar tolle Frauen, super Freunde, coole Bands, viel Spaß und meinetwegen auch jahrelange Depressionen. Also, was sollte denn jetzt noch kommen? Erwachsen werden. Bah!

Aber da war das Flugzeug auch schon in der Luft, stabil, und jemand brachte mir Kaffee, also konnte selbst ich mir denken, dass es hier und jetzt zumindest noch nicht zu Ende sein würde.

Der erste Flug, auch mit der British Airways, hatte ja schon angedeutet, dass die Briten, wie vermutet, von vielen Dingen keine Ahnung haben, vor allem aber nicht vom Essen. Ekelhaft! Wie man ein einziges Sandwich dermaßen versauen kann, wird wohl für immer deren Geheimnis bleiben. So murmelte auch der von extremer Flugangst geplagte Idiot im Armani-Anzug neben mir, der während des ganzen Landeanflugs immer weiter mit den Fäusten auf seine Oberschenkel und den Sitz vor ihm schlug, die ganze Zeit mantrahaft: »Scheißbritenscheißbritenscheißbriten!«

Richtig schlimm wurde es dann aber erst beim Weiterflug nach Tôkyô. Ich kann mich wirklich kaum mehr daran erinnern, aber das hat einfach so lange gedauert, furchtbar, man wird echt fast wahnsinnig. Und dann die Filme! Bridget Jones, Toy Story – nur Scheiße! War aber egal, ich konnte die ja eh nicht sehen. Der Typ vor mir hat sich nämlich ne verfickte Schlaftablette geschmissen, den ganzen Flug über gepennt und zu diesem Zweck den Sitz zurückgeklappt! Und zwar ganze 11 Stunden! Genau in mein Gesicht! Dass so was überhaupt geht, unglaublich. Ich hatte also den Monitor ungefähr 30 Zentimeter vor mir. Hölle. Man glaubt nicht, wie lang 11 Stunden sein können. Und man glaubt auch nicht, dass so etwas wie die Economy Class überhaupt legal sein kann. Ohne Scheiß, menschenunwürdig bei über 10 Stunden Flug.

Krass war auch die Landung. Dabei hat die Maschine so heftig geruckelt, dass man das Gefühl hatte, irgendwas sei nicht in Ordnung. Ich hab mich dann mal umgedreht und war echt erschrocken, als ich die Angst in den Gesichtern der Leute gesehen hab. Aber so was von echte Todesangst. Hart.

2005
APRIL
1

Mein erster Jetlag. Toll.

2005
APRIL
2

Kaum Veränderung. Nachts bin ich wach, am Tag leider eher weniger. Außerdem war mir heute nach dem Essen 3 Stunden am Stück so schlecht, dass ich ständig dachte, ich müsse kotzen. Diese Japaner, sie können ja vieles. Kochen gehört vermutlich nicht dazu. Wie bei den Briten.

2005
APRIL
3

Endlich geht’s langsam aufwärts. In nem 99-Yen-Shop (das japanische Pendant zum 1-Euro-Laden) vegetarische râmen Japanische Nudelsuppe, wahlweise mit Fisch-, Fleisch- oder Fisch- und Fleischgeschmack gefunden. Und essbare Schokokekse. Außerdem gehen die Pommes bei McDonalds in Ordnung. Zumindest ein Anfang.

Heute zum ersten Mal in Shibuya gewesen. Kennt man ja aus den Filmen, das ist dieses Viertel, in dem alle Frauen sich die Gesichter mit Sonnenstudio (wenn sie Geld haben) oder Make-up (wenn nicht) dunkel färben, um mehr nach R’n’B auszusehen, und alle Typen Frisuren wie aus Manga haben und überteuerte Hip-Hop-Klamotten. Der totale Style-Overkill, irgendwie aber auch hammerkreativ. Außerdem tragen die meisten Frauen High Heels oder Stiefel und sehen unverschämt gut aus, ich verliebe mich auf 3 Metern ungefähr 8 Mal, unfassbar, das Ganze.

Als ich zum ersten Mal in Shibuya aus der Bahn steige, bleibt mir vor lauter Leuten fast die Luft weg. Das ist so, als hätte man die gesamte Bevölkerung Kölns zusammen auf den Neumarkt gepackt. Dazu dröhnt einem von den riesigen Hochhäusern drum herum, die alle mit gigantischen Videoanzeigetafeln behangen sind, in voller Lautstärke Werbung für die neusten J-Pop-Errungenschaften entgegen, das allerdings gleichzeitig von ungefähr 5 verschiedenen Wänden, alle von der Größe des Kölner Doms, und vermischen sich zu einer überzuckerten Kakophonie aus 1000 piepsigen Stimmen und Elektro-Drumbeats.

Ich laufe wie hypnotisiert durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem etwas ruhigeren Plätzchen, an dem man sich hinsetzen und ein Bier trinken könnte, finde aber nichts Dementsprechendes. O. K., es gibt da diese eine Brücke, so was hab ich auch noch nie gesehen. In diesem gigantischen Neon-Dschungel Shibuya, voll von teuren, exklusiven Geschäften und stylischen, neureichen Kids, die ihre Körper an noch reichere, fette Businesstypen verhökern, nur um sich die nächste Louis-Vuitton-Tasche kaufen zu können, liegt etwas abseits plötzlich ein vollkommen unzureichend beleuchteter »Park«, in dem es von Obdachlosen und desorientierten Teenagern nur so wimmelt. Ich gehe also über die Brücke durch den Park, der nicht viel größer als ein Tennisplatz sein dürfte, als mir die gleichmäßig verteilten, gelben Nudelpfützen auf dem Boden auffallen, fast jeden Quadratmeter eine. Beim näheren Betrachten stellen sich diese als ausgekotzte Bier/râmen-Mischung heraus. Hier kommen die Leute also zum Kotzen hin. Und zum Ausgeraubtwerden, wie ich später, zum Glück nicht am eigenen Leib, erfahre.

Trotzdem, wenn man sich erst mal etwas an das vermeintliche Chaos gewöhnt hat, ist wirklich wie im Ameisenhaufen am Anfang, merkt man, dass hier alles einer ganz bestimmten Ordnung folgt, dass das ganze Durcheinander eigentlich gar keines ist, sondern eine perfekt synchronisierte Choreographie von Millionen von Menschen, die genau wissen, was sie wann und wo wollen. Nur man selber scheint nicht dazuzugehören. So was macht einen unwahrscheinlich einsam. Diese riesige Masse, nur man selber steht irgendwie daneben. Aber zum Melancholischwerden bin ich eigentlich viel zu aufgeregt, deshalb lass ich es einfach.

2005
APRIL
4

Wieder in Shibuya. Diesmal treffe ich mich mit einer Horde Japaner, die ich aus Köln kenne. Haben letztes Jahr bei uns Austausch gemacht. Der Plan ist, in ein sogenanntes izakaya zu gehen, eine japanische Mischung aus Bar und Restaurant. Normale Kneipen, wie wir sie kennen, gibt es eigentlich gar nicht, man geht immer Essen und Trinken gleichzeitig, ein Luxus, den man sich auf regulärer Basis nur leisten kann, wenn man Japaner ist und ein dementsprechendes Einkommen hat. Der Laden heißt »Lock Up« und ist in der Nähe des Bahnhofs.

Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, und gehe einfach hinterher, zuerst in einen dunklen Eingang, dann Treppen hinunter, immer und immer weiter. Sowieso ist Tôkyô heutzutage fast komplett unterirdisch ausgebaut, da erschließt sich einem manchmal eine komplett neue Welt, und man kann stundenlang geradeaus gehen, ohne jemals in Kontakt mit Sonnenlicht zu kommen. An regnerischen Tagen sind die Straßen wie ausgestorben und man fragt sich, wo die Millionen Leute denn alle auf einmal hin sind. Die Antwort: direkt unter einem!

Wir gehen auf jeden Fall die Treppen runter, es wird immer dunkler, spärlicher beleuchtet, und auch die Wände sehen so langsam aus wie in einer Höhle. So wie im Phantasialand in der Silbermine, für den Fall, dass jemand mal da gewesen ist. Da englische Wörter in Japan eigentlich nichts bedeuten, weil sie eh keiner versteht, denk ich mir auch hier nichts dabei, bis mir klar wird, dass es diesmal Konzept hat. Das »Lock Up« ist ein unterirdisches Gefängnis! Am Eingang werden wir von jungen, schönen, in ultrasexy kurzen Klamotten gekleideten japanischen Lara Croft Lookalikes in Ketten gelegt und an unseren Tisch geführt. Dabei sieht die ganze Umgebung jetzt wie ein richtiges Gefängnis aus, die Wände sind aus Styropor, das wie Stein aussieht und einem das Gefühl gibt, in einer Tropfsteinhöhle Hunderte von Metern unter der Erde zu sein. Überall stehen Monster rum, wie in einer Geisterbahn, und die Tische sind nicht etwa alle in einem Raum, nein, jeder Tisch ist eine Einzelzelle, original mit Gitterstäben am Fenster und mit allem nur erdenklichen Kram dekoriert. Wir bestellen zuerst Bier, dann kommt die Karte. Alle Speisen sind in Form von Blut und Gedärmen angerichtet, es gibt das Dracula-Menü (irgendein roter Cocktail, dazu viel Ketchup und so), das Medusa-Menü (mit Seealgen, die aussehen wie Schlangenhaare), und mein Favorit: das Frankenstein-Menü, bei dem es die Getränke aus Reagenzgläsern gibt, deren Zusammenstellung man selbst mixen kann und so Farbe und Geschmack individuell gestaltet. Mad Scientist-mäßig halt.

Während die weiblichen Bediensteten allesamt gut aussehende Wärterinnen sind, tragen die Männer diese klassischen gestreiften Sträflingsanzüge und benehmen sich eher wie Sklaven. Ob das zum Act gehört oder die typisch japanische Submissivität ist, kann ich nicht erkennen. Die Frauen sind auf jeden Fall dominant und sweet. Eine coole Randnotiz ist die Musik, im Hintergrund läuft die ganze Zeit über ein wildes Gemisch aus ALL-AMERICAN REJECTS, BLINK 182, SUM 41, HEY MERCEDES (die hier übrigens auch im Werbefernsehen vertreten sind, für ne Automarke, glaub ich) und JIMMY EAT WORLD. Nicht schlecht also. Außerdem scheint man hier BAD RELIGION noch zu mögen, die »Suffer« läuft rauf und runter.

Irgendwann gehen dann plötzlich mit einem großen Knall alle Lichter aus, die Musik stoppt, und aus den Lautsprechern dröhnen Sirenen und japanische Stimmen, die wohl einen Ausbruch thematisieren. Ich verstehe so viel wie: »Monster sind ausgebrochen, brauchen dringend Hilfe!«, als der Sprecher auch schon gut hörbar von irgendwas getötet wird. Die Notbeleuchtung geht an, und man kann jetzt zumindest ein bisschen was erkennen, aber während sich die Augen noch an die Mischung aus schwachen Rot- und Blautönen gewöhnen, stürmt das erste Monster in unsere Zelle und erschreckt uns zu Tode, vor allem mich, der am Eingang sitzt. Hammer. Durch die Lautsprecher wird jetzt eine andere Ansage gemacht, die Sirenen verstummen, und die Monsterpolizei trifft ein – natürlich unsere Bedienungsbabes, die mit ihren Laserkanonen auf die Viecher schießen und sie so zur Strecke bringen. Irgendwann ist das Spektakel vorbei, und der normale Wahnsinn nimmt wieder seinen Lauf. Die Monster waren übrigens die männlichen Kellner, man hat teilweise noch ihre Sträflingsanzüge unter den Kostümen gesehen. Kann ich alles in allem jedem wärmstens empfehlen, der mal in Tôkyô ist. Shibuya ist die Macht.

2005
APRIL
5

Einführungsveranstaltung in meiner Uni. Der Dekan sagt: »If you wanna get to know Tôkyô: Don’t go to Shibuya!« Sonst ist die Uni cool.

Am Abend gehe ich mit meiner Gastfamilie saufen. Eigentlich hätte ich, vor allem in meinem Alter, diese ganze Homestay-Sache nie im Leben gemacht, aber erst mal ist Tôkyô so sauteuer, dass es gar nicht anders finanzierbar gewesen wäre, und außerdem ist Familie Yamada mir von meiner Uni vermittelt worden, also, was soll’s. Mein Zimmer ist übrigens, trotz relativem Reichtum meiner Gastfamilie, selbst für Tokioter Verhältnisse unfassbar klein und unfassbar furchtbar: kein TV, kein Internet, keine Heizung, keine Klimaanlage, kein gar nichts. Ich glaube, selbst Gefängniszellen sind heutzutage größer und komfortabler.

Wir gehen in ein derbst exklusives Sushi-Restaurant, mein Gastvater zahlt alles. Er ist reich, hat ne eigene Firma, die Matratzen herstellt, sein einer Bruder ist ein mittelmäßig bekannter Schlagersänger, der andere yakuza Japanische Mafia, in Filmen gerne mit stylischen Anzügen und coolen Frisuren. In Realität aber oft einfach nur konservativ und billig. Auf jeden Fall besäuft er sich hardcore, was in Japan relativ normal ist, ist sozusagen der Nationalsport Nummer 1, noch vor Baseball, Fußball und Sumo. Für europäische Verhältnisse ist er definitiv jenseits von Gut und Böse, erst erzählt er mir, als ich von der Hölle meines Sardinendosen-Flugzeugtrips berichte, wie er in Thailand eine Katze gekauft und für sie allein einen ganzen Business-Klasse-Sitz reserviert hat.

Das war echt so krass! So superreiche, mächtige Leute haben wirklich gar keine Relation mehr zum realen Leben, wie das wohl für mich ist, so was zu hören, dass selbst seine verfickte Katze noch ne menschenwürdigere Behandlung bekommt als ich. In meiner abhängigen Position als sein Gastsohn halte ich aber lieber die Fresse und mache gute Miene zum verrückten Spiel, worauf ich erfahre, was sein neuer Manager der Zweigstelle Kanada so im Jahr verdient. Hätte ich nur 5 % von dem, was dieser Typ, der übrigens auch da ist und früher mal der Manager der Hamburger Melodic-Metal-Götter HELLOWEEN (!) war, im Jahr verdient, ich hätte für immer ausgesorgt. Was für Verhältnisse. Später erzählt er mir noch, dass wir morgen zusammen in seinem Bett saufen und Last Samurai gucken müssen! Zum Glück kann er sich später an nichts erinnern.

2005
APRIL
10

An der Uni kriegen wir Austauschstudenten eine Liste der angebotenen außerstudentischen Aktivitäten in die Hand gedrückt. Zu allen dieser in Clubs eingeteilten Aktivitäten stehen 1, 2 Sätze geschrieben. Der Filmclub schreibt: »This club make films. The club will please you if you like the films because students who love the films are in the club.« Vielleicht sollte ich da mal vorbeischauen, because I love the films!

2005
APRIL
12

Manche Dinge sind aber auch überall gleich. Dreadlock-Hippie-Anarcho-Zecken zum Beispiel. Heute in so nem zufällig entdeckten Anarcho-Infoshop in Shinjuku gewesen. Der hagere, ziegenbärtige Besitzer ist nett und auch nicht so dogmatisch gestört wie der Rest. Also bin ich zu seiner Party gegangen, zu der er mich in schlechtem Englisch nuschelnd eingeladen hat. Da waren allerdings nur Hippies, und das war unerträglich. Obwohl die zum Großteil Japaner waren und ich deren komische Dialekte teilweise kaum verstanden hab, war sofort vollkommen klar, was hier ging. Mit ihren lächerlichen »Don’t work!«-Shirts, ihren PC-Kartoffeldruck-Aufnähern und ihrem Aus-dem-Mülleimer-Fressen und das Ganze dann auch noch rebellisch finden. Ist mir echt peinlich. Lest mal Marx, ihr Penner.

2005
APRIL
13

Gerade zum ersten Mal hier gebadet. Oh Mann, war das der Hammer! Kein Vergleich zu Europa. Die Wannen hier sind halbe Swimmingpools, riesengroß und dazu auch noch so hoch, dass man komplett darin verschwindet. Man muss fast aufpassen, dass man nicht zu weit hinausschwimmt. Deshalb bräuchte auch jeder Haushalt hier 5 Rettungsschwimmer. Baywatch live in meinem Badezimmer. Bloß ohne »Ich hab die Berliner Mauer allein zum Einsturz gebracht«-David-Hasselhoff. So, ich mach jetzt Hausaufgaben.

Später: Howl’s Moving Castle, den neuen Film von Studio Ghibli Japans größte und beste Anime-Schmiede. Für Meisterwerke wie Prinzessin Mononoke und Konsorten verantwortlich gesehen. Miyazaki sollte seine Drehbücher lieber wieder selbst schreiben.

2005
APRIL
15

Die Leute an meiner Uni – ich weiß nicht. Kommt mir das alles nur so vor, bilde ich mir das ein? An meiner Fakultät, der »Faculty of Comparative Culture« (englischsprachig), sind zu 90 % Amis, das dürfte Fakt sein. Dass davon allerdings noch mal 80 % unter 20 Jahren, dafür aber 100 % beschissen sind, ist meine eigene Schlussfolgerung. Das ist echt verrückt! Man kennt ja diese ganzen Highschool-Filme, American Pie und was weiß ich, hält die aber natürlich für eine comichafte Übertreibung, eben zur Hervorhebung und Veranschaulichung der realen Verhältnisse. Dass dem aber genau nicht so ist und diese Filme eher noch untertrieben sind, ahnt wohl keiner! Ich weiß es jetzt. Obwohl ich gern darauf verzichtet hätte.

Diese ganzen Typen sind so dumm und ungebildet, dass es einem echt die Schuhe auszieht, einer blöder, uninteressierter und langweiliger als der andere, saufende, hirnlose Fratboys, also so Verbindungstypen, denen echt jeglicher gesunde Menschenverstand abgeht. Und dabei sind das ja schon Studenten, keine Bauern oder so. Kein Wunder, dass jemand wie Bush da wiedergewählt werden konnte.

Und dann die Tussis, unfassbar! So was von arrogant, oberflächlich und aufgetakelt, jeden Morgen sehen die eher so aus, als ob die auf den Strich als in die Uni gehen würden, trotzdem natürlich alles gläubige Christenidioten, scheinheilige Britneys, die nur nett zu einem sind, wenn man ihnen mal wieder die Hausaufgaben zum Abschreiben geben soll, einen sonst natürlich mit ihrem zugegebenermaßen nahezu perfekten Arsch nicht angucken. Überhaupt bin ich mir sicher, dass wenigstens jede 10. von denen schon mindestens eine Schönheits-OP hinter sich hat, von diversen Essstörungen ganz zu schweigen. Die sehen einfach zu perfekt aus. Aber eben dieses charakterlose, langweilige Perfekt.

Wie dem auch sei, dazwischen komm ich mir wie ein Scheiß-Außerirdischer vor. Das ist so hart Highschool-mäßig, die Sportler hängen mit den Sportlern rum, die Modetussis gehen voll drauf ab, dann gibt’s die totalen Nerds und Streber, die sich natürlich auch immer finden, und dann gibt’s eben noch mich – die One-Man-Group.

Punkrock gibt’s an der Jôchi University in Tôkyô leider nicht. Nur so ein paar 18-jährige Amis mit Kinnfotzen, langen Haaren und DEFTONES-Shirts. Aber die unterscheiden sich erwartungsgemäß zu 0 % von den anderen. Oh Mann, so hab ich mir das echt nicht vorgestellt.

Am japanischen Teil der Uni sieht das auf jeden Fall besser aus, aber die trennen uns ja gleich in 2 verschiedene Gelände, sodass wir Ausländer kaum in Kontakt mit denen kommen können.

Echt, was hab ich am Anfang noch gelacht, als ich erfahren hab, dass die von Ausländern in Japan immer bei sich zu führende Karte tatsächlich offiziell »Alien-Card« heißt! Wie recht die damit allerdings haben würden, hätte ich nicht gedacht. Jetzt lach ich da auch nicht mehr ganz so hart drüber.

Aber wahrscheinlich ist es normal, dass man sich die ersten Wochen manchmal scheiße fühlt. Nur überrollt mich das manchmal mit einer Wucht, gegen die ich einfach nicht ankomme. Alles ist O. K., man steht an irgend’nem Bahnhof und wartet auf den Zug, denkt an nichts Böses, und plötzlich trifft es einen, unvermittelt und hart, das Gefühl der totalen Isolation. Um einen herum sind so viele gut aussehende, interessant scheinende Menschen, aber einem selbst fehlt jeglicher Ansatz, zu ihnen durchzudringen, gehört zu werden, wahrgenommen zu werden, als man selbst zu existieren, sich mitteilen zu können. Oder bin das immer nur ich, der das nicht auf die Reihe kriegt, der am Rand steht, am Ende sogar absichtlich? Immerhin hab ich mein ganzes (bewusstes) Leben lang versucht, mich von dem, was ich sehe, zu distanzieren, abzugrenzen, nicht so zu sein wie die alle. Aber hier ist es ja anders, hier will ich ja irgendwie dazugehören, kennenlernen, erfahren. Geht das vielleicht einfach nicht mehr nach 15 Jahren selbstverordneter Isolation? Ist es überhaupt noch O.K., nicht zu wollen? Ist man nicht irgendwann zu alt für den Scheiß? Die ganze Welt dreht sich, alles ist in Bewegung, verändert sich, nur ich steh irgendwo am Rand und guck mir alles an, irgendwie im Stillstand, immer versucht, daran festzuhalten, was ich denke, das mich ausmacht: Andersartigkeit, Distanz zur Norm, Nonkonformität. Hat mich da mein eigener Scheiß eingeholt? Oder sind es doch nur die anderen? Es gibt Momente, in denen würde ich gern tauschen.

2005
APRIL
16

»I was happy in the haze of a drunken hour, but heaven knows I’m miserable now.«

Hatte ganz vergessen, wie wertvoll THE SMITHS sein können!

2005
APRIL
19

Vor allem fehlen mir die Frauen. War ja die letzten 4 Jahre nie wirklich alleine – eigentlich gab es immer irgendwie eine, die für mich da war, physisch und emotional. Hier ist das natürlich erst mal anders. Letzte Nacht hab ich geträumt, dass die Freundin eines Freundes in Deutschland mir ihren neuen BH zeigt, indem sie ihr T-Shirt hochzieht und mich fragt, ob ich nicht mal fühlen will, wie er passt. In dem Moment wach ich auf: Erdbeben der Stärke 5 auf der Richterskala! Meine Bücher fallen aus dem Regal. Auch das ist Tôkyô. Man gewöhnt sich dran. In manchen Momenten ist es aber natürlich ärgerlich.

Auf jeden Fall wird mir durch den Traum bewusst, wie sehr ich Frauen vermisse, ihre Körper und ihre Art, zu denken und mit mir zu reden, den Geruch ihrer Haare und das Gefühl, ihre Haut an meiner zu spüren. Oh Mann. Verstärkt wird das Verlangen natürlich noch durch die Abertausenden von unfassbar schönen Frauen, die ich jeden Tag in der Stadt sehe. Die sehen hier einfach um so vieles besser aus als der europäische Durchschnitt, das gibt’s gar nicht. Zum Verrücktwerden. Aber eine davon kennen zu lernen, ist wiederum um ein Vielfaches schwerer. Die Geschlechtertrennung in Japan ist immer noch ziemlich akut, man sieht kaum Gruppen mit gemischten Geschlechtern zusammen, meistens sind es entweder nur Typen oder Tussis. Auch scheinen platonische Freundschaften zwischen den Geschlechtern nicht sonderlich verbreitet zu sein, in der Regel ist es dann entweder alles oder nichts. Auf die Art und Weise ist es natürlich saumäßig schwierig, sich erst mal kennen zu lernen, abgesehen davon, dass die meisten Leute sowieso so gut wie immer im Stress sind und nie Zeit haben, einfach mal abzuhängen. Deswegen sucht man sich üblicherweise jemanden aus dem eigenen Büro oder der Uni, den man dann ja eh immer sieht. Sollte da niemand Passendes dabei sein, wird es schon komplizierter, da viele Leute auch einfach super kontaktscheu sind. Also gibt es in jedem Stadtteil, inoffiziell natürlich, so hab ich zumindest gehört, gewisse nanpa-Spots, Plätze, an denen man rumhängen kann, meistens ne Straßenecke oder so, und darauf wartet, dass man von einem der anderen Anwesenden angesprochen wird. Dann geht man meistens in eine Karaoke-Bar, besäuft sich zusammen und endet dann zum Ficken in einem der vielen »Love Hotels«, die man stundenweise mieten kann. Nach diesem Schema läuft nanpa zu 90 % der Fälle ab. Es ist von Anfang an klar, dass am Ende gefickt wird. Ob daraus auch mal mehr entstehen kann, weiß ich nicht. Wenn mein Kumpel Oli aus Deutschland mich hier besuchen kommt, werden wir eine empirische Studie veranstalten.

Später: Schalke verliert 2 Spiele hintereinander, Bayern gewinnt 2 Mal, natürlich wie immer last-minute. Wie sehr ich diese Welt verachte.

2005
APRIL
20

LEATHERFACE spielen in Shinjuku! Für umgerechnet nur 16 Euro! STRIKE ANYWHERE hat noch 40 gekostet, JIMMY EAT WORLD sogar 60. Also geh ich hin – versuche es zumindest.

Mein ziegenbärtiger Freund aus dem Anarcho-Shop sagt mir, der Club sei 5 Minuten vom West-Ausgang des Bahnhofs entfernt. Wozu man allerdings erst mal wissen muss, dass Shinjuku, wohl neben Shibuya das Stadtviertel überhaupt, ultragroß ist, vielleicht so wie die komplette Kölner Innenstadt, eventuell sogar noch viel größer und weitläufiger. Ein Fakt, den ich natürlich erst mal unterschätze. ›Aber ist ja auch egal‹, denk ich mir, brauch ja nur den West-Ausgang zu finden. Meine Bahn hält in der Nähe vom Ost-Ausgang. Toll.

Ich frag also einen der Cops, die hier ständig rumlaufen, das Vergnügungs-, Puff- und Gangsterviertel kabukichô ist nicht weit entfernt, nach dem Weg, worauf ich erfahre, dass es im Bahnhof von Shinjuku, je nach Bahngesellschaft, mindestens 4 verschiedene West-Ausgänge gibt, die teilweise kilometerweit voneinander entfernt liegen. Es ist jetzt kurz vor 8 Uhr, die Vorband, immerhin die sehr coolen Japaner I EXCUSE, starten laut Flyer um 19.30 Uhr, muss ja schließlich um 21.30 Uhr (!) alles wieder zu Ende sein, sodass alle in Ruhe die letzte Bahn kriegen können, die immer so gegen Mitternacht (!!) fährt. Und das nennt sich Metropole! Da die meisten jungen Japaner aber eben nicht in Tôkyô wohnen, sondern außerhalb, weil die Mieten viel zu teuer sind, brauchen die mal locker 2 Stunden nach Hause, mit 1000 Mal umsteigen, also muss früh Schluss sein.

O. K., ich begebe mich also gen Westen, brauche auch nur um die 20 Minuten schnellen Schrittes, um wenigstens in die Nähe zu gelangen, und finde tatsächlich einen der Ausgänge. Von hier an frag ich mich durch, komme auch in die Nähe des gigantischen Bankgebäudes, das mir als Anhaltspunkt dienen sollte, biege an der Stelle, die ich für die Beschriebene halte, links ab, finde aber nichts. Es ist 20.30 Uhr durch, niemand in der Nähe, der nach Punk aussieht, nur Millionen von Touristen aus allen Teilen Asiens, auch ein paar Westler dabei, und die obligatorischen Werbetypen, die versuchen, einen in ihre Etablissements zu locken.

Ich frage ein paar Jugendliche nach dem Club, keiner kennt ihn. Es gibt aber auch einfach so unglaublich viele dieser »Live Houses«, da kann man gar keine Übersicht behalten. Also laufe ich durch die Gegend, halte die Augen offen, aber der Neon-Dschungel aus Abermillionen von leuchtenden Schildern mit den verschiedensten Schriftzeichen lässt mir keine Chance. Wenn der Club entweder unterirdisch oder im was-weiß-ich-wievielten Stock ist, was in der Regel eigentlich der Fall ist, kann man das eh gleich vergessen, wenn man keinen Plan hat. Um kurz vor halb 10 breche ich meine Suche ab, esse udon Dicke Weizenmehlnudeln, gern in Fischbrühe bei hanamaru, einer der geilsten Fastfoodketten Japans, kaufe Bier im konbini Leitet sich vom englischen Wort »Convenience Store« ab (Kölsch: »Büdchen«) und trete die Heimfahrt an. Immerhin hab ich viel von der Stadt gesehen. Obwohl LEATHERFACE auch nicht schlecht gewesen wäre …

2005
APRIL
21

Apropos Bier. Das Zeug, das ich hier immer trinke, ist genau genommen ja gar kein Bier, sondern happôshû: Da Bier hier wegen der Steuern saumäßig teuer ist, die Japaner aber, wie bereits erwähnt, Saufen als eine ihrer Lieblingstätigkeiten auserkoren haben, sind irgendwelche findigen Businesstypen irgendwann auf die Idee gekommen, den Hopfen-, Malz- oder Was-weiß-ich-Anteil unter einen bestimmten, legislativ festgelegten Standard zu senken und so ein Schlupfloch in der Gesetzgebung zu nutzen, um die Steuern zu umgehen. Deshalb ist happôshû billiger, die 0,5 er-Dose kostet je nach Marke so um die 1,50 Euro, von Geschmack und Alkoholgehalt aber kaum von richtigem Bier zu unterscheiden.

Außerdem hat meine Lieblingsmarke asahi gerade das coolste Preisausschreiben überhaupt am Laufen, bei dem ich definitiv zu gewinnen beabsichtige: Wenn man eine gewisse Menge von an deren Dosen (Flaschen werden hier kaum getrunken) befestigten Stickern sammelt und einschickt, kann man einen sogenannten DVD-terezouku Setzt sich aus den Begriffen »terebi« (Fernsehen) und »reizôko« (Kühlschrank) zusammen gewinnen, eine kongeniale Mischung aus Kühlschrank und DVD-Player, bei der in der Tür ein Bildschirm eingesetzt ist, daneben ein interner DVD-Player, und dahinter natürlich literweise asahi-happôshû. Gibt’s angeblich (noch) nicht zu kaufen, sondern nur auf diesem Wege. Ich bin dabei!

2005
APRIL
22

In meiner Japanischklasse ist eine berühmte Sängerin! Sie heißt »Crystal Kay«, ist halb Ami und halb Koreanerin und studiert jetzt neben ihrer Karriere mit mir Japanisch. Ansonsten ist sie, trotz offensichtlicher Unscheinbarkeit, immer im Fernsehen und auf irgendwelchen Werbetafeln. Japaner, denen ich das erzähle, drehen regelmäßig durch.

2005
APRIL
24

Da jammert man noch Tage zuvor auf allerschlimmstem Teenagerniveau durch die Gegend und dann fällt einem die Lösung, zumindest teilweise, einfach in den Schoß:

Ich sitze an einem Freitagabend allein zu Hause rum, gucke Fernsehen und trinke Bier, da klingelt mein Handy und der Freund der Tochter des Hauses ist dran. Er sagt, dass sein Basketball Club eine Party in Shibuya macht und dass ich da, ohne seiner Freundin etwas davon zu verraten, sofort hinkommen soll! Dafür, dass ich ihn erst 1 Mal gesehen habe, sehr nett.

Ich schwinge mich also auf das von meiner Gastmutter geliehene, viel zu kleine Damenrad, die letzte Bahn fährt ja schon um 12, in einer Stunde also, und ich weiß nicht, was mich erwartet. Bis Shibuya dauert es ne gute halbe Stunde, immer weiter bergauf (wer hat dieses Land eigentlich gebaut?!), dann treffen wir uns am hachikô Statue eines »Treue« symbolisierenden Hundes vorm Bahnhof Shibuya, welcher der Legende nach immer auf sein Herrchen gewartet hat, das ist der Meetingpoint überhaupt, und gehen in ein nahe gelegenes izakaya. Wo dann auch schon alle seine besoffenen Homies versammelt sind, die mich laut grölend begrüßen – so ungefähr 20 Mann (und Frau!) an einem dieser großen Tische, an denen man regelrecht tafelt.

Ich zahle 2000 Yen, 15 Euro, ist normal, und dann wird gesoffen, aber so was von All-you-can-drink, das Glas ist nie länger als 10 Sekunden leer, keine Übertreibung, in Japan ist es Sitte, dass dem Gast immer sofort nachgefüllt wird, also fließt der Scheiß in Strömen, und während ich noch herumgezeigt werde, alle wollen meine Tattoos sehen, ist in Japan noch nicht so normal wie im Westen, muss ich ungefähr 10 Millionen Mal erzählen, dass Crystal Kay in meiner Klasse ist, ich japanische Filme liebe und dass neben Kitano Takeshi Iwai Shunji und Sabu meine Lieblingsregisseure sind, ich Kill Bill scheiße, die ihm zugrundeliegenden Originale aber Hammer finde, ELLEGARDEN zu meinen Lieblingsbands gehören und so weiter. Dabei muss ich meistens bis zu 10 besoffenen, euphorisiert rumschreienden Gesichtern gleichzeitig antworten, in einem wahnwitzigen Mix aus Japanisch und Englisch, jeder will seine bruchstückhaften Fetzen davon loswerden, und während ich noch in der Aufmerksamkeit, die ich zugegebenermaßen gerade genieße, bade, hört die Frau rechts neben mir nicht auf, die Tattoos an meinen Unterarmen zu befühlen, worauf ich allerdings gar nicht weiter eingehen kann, weil schon die nächsten crazy Basketball-Freaks um mich herumspringen und wissen wollen, ob ich Michael Ballack mag, Crystal Kay schon gefickt hab, mein Schwanz wirklich länger ist als ihre, ich Petting gut finde und so weiter.

Irgendwann, ich verliere in diesem Wirrwarr aus Gesprächsfetzen, Alkohol und Lärm fast den Überblick, ruft mein gegenübersitzender Gastgeber irgendeiner Frau zu, sie solle herkommen und sich neben mich setzen, ich hätte Tattoos, wäre »motherfucking cool«, »a fucking faggot« und »a vegetarian, but he likes to eat pussy!«. Sie kommt also und entertaint mich mit Fragen und Aufmerksamkeit, bis ich mir kurz nicht mehr ganz sicher bin, ob sie nicht vielleicht ne Professionelle ist, so angezogen ist sie. Da werde ich auch schon weggezogen, der Laden macht zu, es geht weiter, nächste Station: die obligatorische Karaoke-Bar. Beziehungsweise Karaoke-Box, denn ganz so wie im Westen ist das nicht, mit einer Kneipe, in der alle rumsitzen und irgendwer singt dann ab und zu. In den japanischen Etablissements mietet man ganze Karaoke-Boxen, in denen man dann mit seinen Homies ungestört ist und sich gehen lassen kann, wie man will.

Karaoke genießt in Japan einen unglaublichen Stellenwert, also stürmen wir in eine der Boxen, ich werde halb gezogen, halb geschoben, wir sind immer noch weit über 10 bis zum Anschlag besoffene und verrückte Typen, inzwischen kenne ich alle Namen, und schon läuft das erste Lied auf dem Bildschirm, »Yesterday« von den BEATLES, alle singen mit wie Wahnsinnige, jeder kennt den Text in- und auswendig, versteht wahrscheinlich kein Wort, kann aber jedes davon perfekt singen. Mann, die sind darin so geübt, haben alle so die Hammerstimmen, dass ich mich echt schämen würde, wäre ich nicht so voll und euphorisiert, und wüsste nicht auch um die generelle Akzeptanz und Inklusivität dieses abgefahrenen Inselvolks, das ich immer mehr zu lieben beginne.

Um mich herum dreht sich alles, ich schreie den Text zu GREEN DAYs »Basketcase«, BLINK 182 s »Rockshow« und WEEZERs »Across the sea« heraus, bis meine Stimme versagt, dann muss ich einen japanischsprachigen Popklassiker lernen, »Over« von MR. CHILDREN (!), und nachdem ich den einigermaßen auf die Reihe kriege, touren wir durch die anderen Boxen, und ich muss jedes Mal aufs Neue »Over« singen, bis der ganze Raum explodiert und jubelt, dass ein verfickter Europäer diese scheißkomplizierte Sprache checkt, ist für die alle immer noch ein Wunder, für mich eigentlich auch, und ich bekomme das Gefühl, auf der Bühne zu stehen wie ein verdammter Star. Kein Plan, ob die überhaupt mit mir oder über mich lachen, ist jetzt auch egal, ich bin so was von jenseits von jeglicher beschreibbarer Kategorie emotionalen Zustandes, dass ich eh überhaupt nichts mehr wahrnehme, außer den Abertausenden und Millionen von Endorphinen, die wie verrückt durch meinen Körper rasen.

Irgendwann muss ich einfach nach Hause, es ist weit nach 4 Uhr, und ich will gehen, wenn es am schönsten ist. Sogar an die anwesenden Ladies verschwende ich kaum mehr einen Gedanken, ich weiß jetzt, das wird früher oder später schon klargehen, schwinge mich aufs Fahrrad und rase nach Hause, wobei ich mich noch wundere, wie es sein kann, dass es beim Rückweg auch die ganze Zeit bergauf geht! Egal, ich bin da, zu Hause, Bett, fertig, Ende.

2005
APRIL
26

Alle meine Freunde aus Deutschland schicken mir E-Mails aufs Handy, das geht mit den Dingern hier, was mich unendlich glücklich macht.

2005
APRIL
27

Und was auch noch geht: An der Uni hing ein Zettel, auf dem stand, dass eine OL Office Lady. Weibliche Firmenangestellte, die in der Regel mit niederen Aufgaben betraut sind, und die Firma verlassen, sobald sie mit Mitte 20 heiraten einen Studenten sucht, der mit ihr, für 15 Euro die Stunde, deutsche Konversation betreibt. Das bin doch mal ich, würde ich sagen! Ob ich den Job krieg, zeigt sich nächsten Freitag, da habe ich das Vorstellungsgespräch. Bin jetzt schon ganz aufgeregt, denn diese OLs sind in der Regel die best aussehenden (sonst hätten sie den Job nicht gekriegt), hottesten und gleichzeitig einsamsten Geschöpfe der Welt. Oh Gott, was für schlimme Vorurteile man haben kann …

2005
APRIL
28

Hab mich bei 2 Bands beworben. Die eine ist eher Indiepop, die andere so punkiger Emo. Man kann mir zumindest nicht vorwerfen, passiv zu sein!

Bei Tower Records in Shibuya die neue BEN FOLDS gekauft. Aus irgendeinem Grund kosten die Import-CDs hier nur um die 10 Euro, während japanische CDs so um die 20 kosten. Aber wer würde sich beschweren, wenn er BEN FOLDS haben kann?! Na ja, an das erste Album kommt die neue nicht ran.

In meinem Viertel Sangen-jaya, ganz in der Nähe von meiner Wohnung, ist ein ziemlich cooler Independent-Plattenladen namens »Babe Disc Department«. Da habe ich mir erst die CD von COMEBACK MY DAUGHTERS ( japanische GET UP KIDS zu »4 Minute Mile«-Zeiten-Kopie) gekauft, bin dann mit der äußerst charmanten Verkäuferin ins Gespräch gekommen, sie mag dieselbe Musik wie ich, trägt ein ausgewaschenes WEEZER-Shirt, enge Jeans und hochhackige Schuhe, vielleicht sehen wir uns bald wieder, und dann, als ob das noch nicht genug wäre, lerne ich auch noch so nen Typ kennen, der eine Touragentur hat, für die er händeringend einen japanisch- und englischsprechenden Tourmanager für Tôkyô sucht! Hallo? Was geht denn bitte hier?? Und das alles an einem Tag! Wenn alles glatt läuft, fang ich im Juli an. Denn da macht er das DRIVE-THRU RECORDS-Showcase mit 5 Bands, die ich liebe. Wahrscheinlich wach ich morgen auf und hab alles nur geträumt. Oder hab Krebs und bin tot.

2005
APRIL
29

Erster Tag der »Golden Week«Ferienwoche, in der viele junge Japaner verreisen, im Prinzip wie Spring Break ohne Party und schon ist mir langweilig. Als ich ziellos durch die Straßen von Sangen-jaya schlender, werde ich von einer nach Grufti aussehenden Fotografin angesprochen: »Do you want to be a model and teach English to me?« 2 Mal ja.

Das erste Shooting ist irgendwann die Tage. Ob das der Startschuss zu einer großen Karriere ist? Haha! Wenn diese Leute öfter mal Japanisch mit mir sprechen würden, wüsste ich auch öfter, was genau sie von mir wollen …

Später: Der Typ von der Sprachunterricht-Vermittlungs-Agentur ruft mich an und sagt, dass ich für das Vorstellungsgespräch am Freitag einen Anzug bräuchte! Ich soll die Dame in ihrem Büro unterrichten, und da wäre das dann halt so. Jeder, der mich persönlich kennt, müsste sich beim Gedanken daran an dieser Stelle eigentlich kaputtlachen. Das ist einfach zu absurd. Ich als seriöser Businesstyp in einer großen Firma. Auweia. Egal, der Anzug ist bereits geliehen: Ich mach’s!

Noch etwas später: Mal wieder hitorizake, was so viel heißt wie: »Ich sauf allein!« Bloß diesmal etwas zu viel, und bevor ich mich versehe, geh ich noch mal aus und finde mich bald in einer Kneipe wieder, die mit Elvis- und James-Dean-Postern dekoriert ist, außerdem gibt es eine Jukebox, die wahrscheinlich jedes in den 50er und 60er Jahren aufgenommene Lied beinhaltet. Die Leute sind zwar alle ein paar Jahrzehnte älter als ich, dafür aber nett, und so trinke und rede ich mit ihnen, bis ich kein Geld mehr habe und nach Hause wanke.

Am nächsten Morgen: Kater und Zwiebelportemonnaie. Mir kommen die Tränen. Scheiß-Golden-Week. Noch 6 Tage.

2005
APRIL
30

Manche Sachen sind aber auch wirklich überall gleich. Manche Frauen zum Beispiel. Ich bin auf dem Nachhauseweg von Shimokitazawa, dazu gleich mehr, als mich im Gewühl von Sangen-jaya ein Fahrrad überholt. Es ist Record Store Girl, meine bekannte Emo-Frau, die mich wohl nicht gesehen hat, so denk ich mir zumindest, also schwing ich mich auf mein Rad und fahr ihr hinterher, ist ja ne gute Gelegenheit, mal außerhalb des Ladens zu reden und vielleicht mal was zusammen zu machen. Scheiß-Golden-Week ist ja noch lang, und da sie normalerweise immer volles Rohr auf mich zukommt, flirtet, bis sich die Balken biegen, und mir wimpernklimpernd von unten in die Augen guckt, ich allerdings in der Regel relativ zurückhaltend bin, weil immer noch X andere Leute dabei sind und mir das dann, vor allem auf Japanisch, peinlich ist, halte ich das gerade für die Gelegenheit. Wenige 100 Meter später hält sie vor einem Secondhand-Laden, ich hol sie ein, will sie gerade begrüßen, als auch schon so ein Ska-Kasper, mit Karo-Vans, SPECIALS-T-Shirt und Baskenmütze, aus dem Laden und mir zuvorkommt. In dem Moment sieht sie mich, reagiert ultrakomisch, so als ob sie mich kaum erkennt, stellt mich dem Typ vor und redet ab da kein Wort mehr mit mir. Und während ich noch wie bestellt und nicht abgeholt rumstehe und anfange zu realisieren, dass der Ska-Typ ihr Freund zu sein scheint, verabschiedet sie sich von mir und geht mit ihm in den Laden. Oh Mann, was ne Situation. Im nächsten Leben werde ich schwul, Priester (fast dasselbe) oder kauf mir ne Pumpgun und schieß auf alles, was sich bewegt.

Und viel bewegen tut sich vor allem in Shimokitazawa (10 Punkte für die Überleitung). Aber eigentlich nichts, auf das man schießen möchte. Dafür so viel Cooles, Interessantes und typisch japanisch Abgefahrenes, dass man vor lauter Reizüberflutung erst mal gar nicht weiß, wohin man zuerst will. Shimokitazawa ist das Punkrockviertel Tôkyôs, ich glaube, dass kann man wirklich so stehen lassen. Auch wenn sich der Stadtteil auf lauter Werbetafeln selber etwas moderater als »Artcity Shimokitazawa« bezeichnet. Aber da die gesellschaftlichen Regeln hier ja um ein Vielfaches strenger sind, ist jeglicher Versuch, anstatt in die Schule, die Uni, die Firma und schließlich auf den Friedhof zu gehen, Kunst zu machen, per se schon irgendwie Punkrock, und das merkt man auch deutlich. Ich hab noch nie in meinem Leben so viele Geschäfte gesehen, die MISFITS-Fußmatten, THE CLASH-Schweißbänder, RANCID-Gürtelschnallen und was auch immer verkaufen, dabei trotz der pervers großen Konkurrenz – da sind auf 50 Quadratmetern bestimmt 5 solcher Läden – nicht im Ansatz Pleite zu gehen scheinen und so viele junge Leute in ihre Gegend locken, dass man das in der Luft liegende künstlerische Potential praktisch mit Händen greifen kann. Ohne Scheiß, ich bin so um die 3 Stunden durch die bunten, verwinkelten Gässchen geirrt und hab in der ganzen Zeit vielleicht 10 Erwachsene im klassischen Sinne gesehen, auch keine Bullen oder ähnliche Störfaktoren, sondern nur in irgendeiner Art und Weise einem alternativen Lebensstil nachgehende Jugendliche, die so natürlich cool zu sein scheinen, als hätte es Shibuya, Shinjuku und all die anderen Modestadtteile nie gegeben.

Ich kaufe eine MR. CHILDREN-CD, die mit »Over« drauf, nächstes Mal Karaoke werde ich alle mit meiner kompletten Kenntnis des Textes verzücken, ein Baseball-Cap, BLACK FLAG- und MINOR THREAT-Buttons, Gitarrensaiten und fühle mich dabei kurz wie ein echter Shimokitazawaer.

Ungeachtet des Faktes, dass ich auch dieses Abenteuer alleine bestreite. So langsam geht mir das ernsthaft auf den Sack. Deshalb hier meine Liste mit Top-Five-Dingen, die ich vermisse und nicht vermisse.



ALSO, ICH VERMISSE:

1. meine Freunde

2. gutes vegetarisches Essen jeglicher Couleur

3. in einer gut funktionierenden Band zu spielen

4. Clubs und normale Bars

5. Schalke-Spiele live im TV gucken



ICH VERMISSE NICHT:

1. Deutschland

2. Stress mit Exfreundinnen

3. Prolls, Asis, Faschos und sonstige Idioten

4. die Leute in den Clubs und normalen Bars

5. Schalkes Niederlagen live im TV



Na ja, man tut halt, was man kann. Werde mal gucken, was im Fernsehen kommt. Ist ja immerhin Samstagabend nach 0 Uhr, da ist das doch angemessen.

2005
MAI
2

Wahrscheinlich hab ich schon ausreichend erwähnt, dass der Chef meiner Hostfamilie Geld hat, eine Matratzen produzierende Firma sein eigen nennt und auch sonst nicht schlecht am Start ist. Dass ich auch fett down mit ihm bin, hab ich vielleicht erst mal zu kurz kommen lassen. Wir sitzen oft in der Küche, trinken Bier und reden über dies und jenes.

Wie dem auch sei, heute schlägt er mir ernsthaft vor, mich in einem seiner Subunternehmen arbeiten zu lassen, immerhin sind kompetente Japanisch/Deutsch/Englisch-Typen nach wie vor rar gesät. Der Aufenthalt hier wird immer surrealer. Tourmanager, Business-Hauslehrer, Salaryman in einem Monat: What comes next??? Vor allem bietet mir das die relative Chance, für länger als gedacht hier zu sein. So langsam wird’s kompliziert.

Ach ja, die neue FALL OUT BOY hab ich mir auch noch gekauft! Es lebe der Poppunk!

2005
MAI
3

Eintrag von ungefähr 2 Uhr nachts: »Grad totall besoffen Nac HHAuse gekommen. War mit Otousan saufen, mal wiedr… Wahrscheinlich wer ich echt in seiner verfickten Firmsa an fangen! Alss kraaser Vusiness Typ! IcH1 HA! UNFASSBAr!«

2005
MAI
4

Nächster Morgen. Oh mein Gott! Was für ein Eintrag! Mein Kopf, ich sterbe …

Ansonsten wird mein Leben hier immer seltsamer. Ich komm mir manchmal vor wie der Protagonist in einem Haruki-Murakami-Roman, der von einer unwirklichen Situation in die nächste taumelt, dabei aber auf irgendeine Art und Weise immer stoisch ruhig zu bleiben scheint, als sei es das Leben eines anderen.

Ich mache mir ernsthaft Gedanken über mein Leben und meine Zukunft, ich meine, irgendwie hab ich ja schon in Deutschland damit angefangen, aber trotzdem, hier ist es anders, nicht so hypothetisch, sondern konkreter, umsetzbarer. Nächstes Jahr ist mein beschissener 30. Geburtstag. Ich bin alt. Welche Firma nimmt mich denn bitte noch? Und zu welcher will ich überhaupt? Ich meine, will ich denn überhaupt irgendwohin? Soll sich irgendwas ändern? Ich denke, das muss es. Verantwortung, oh Mann. Und wenn ich wirklich für meinen Gastvater arbeiten sollte, dann wäre das bestimmt kein schlechter Job. Er sieht mich bereits als Teil der Familie. In Deutschland hab ich nie einen Vater gehabt. Auch keinen gebraucht. Zumindest jetzt nicht mehr, der Zug ist vor langer Zeit abgefahren.