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Inhaltsverzeichnis




























DANKSAGUNG

Dr. Robert DeStefano

Bis ein Buch geschrieben wird, muss so viel zusammenkommen, dass es unmöglich erscheint, jedem Einzelnen zu danken, der an diesem gewaltigen Unterfangen teilhatte. Wenn wir also jemanden vergessen haben, bedauern wir dies aufrichtig.

Mein Dank gilt all meinen Patienten, von denen ich seit 25 Jahren lebe und die mir ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen, Freunde und Kollegen anvertraut haben. Besonders danke ich Carolyn Reidy, die dieses Projekt von Anfang an und während seiner ganzen Entstehung unterstützt hat. Und ich danke Dr. Bryan Kelly, der seinen Patienten umfassend helfen wollte, sowohl durch sein erstaunliches chirurgisches Talent als auch durch Einbeziehung anderer Kapazitäten des Gesundheitswesens.

Ich danke Susan Stanley! Ohne deinen Beistand als Partnerin, Freundin, Wissenschaftlerin und herausragende manuelle Therapeutin wäre dieses Buch nicht zustande gekommen.

Joe Hooper danke ich dafür, dass er unsere Gedanken so verständlich zu Papier gebracht hat, und seiner Frau Kate für ihre Hilfe. Michael Gostigian und seine Familie haben uns auf so vielen Ebenen unterstützt: Danke fürs Modellstehen, für die Vertretung unseres Landes bei drei Olympischen Spielen in Folge als moderner Fünfkämpfer, für den Beitrag zum Fitnessteil, für den fortwährenden Hinweis auf die Wichtigkeit von Bewegung, für die vielen Empfehlungen und dafür, dass alle in deiner Umgebung von deinem Vorbild, nicht nur von deinen Worten lernen durften. Am dankbarsten aber bin ich für deine Freundschaft. Megan Fanslau gebührt mein Dank, weil sie uns ebenfalls als Modell diente, aber auch im Büro half – immer mit einem Lächeln. Danke, Zach Schisgal, für die wunderbare Arbeit bei der Redaktion und Koordination für dieses Buch, das so Wirklichkeit wurde. Ein besonderer Dank geht an Shawna Lietzke, die jederzeit für unsere Fragen bereitstand und wirklich harte Arbeit geleistet hat. Mike Llerandi danke ich für seine Freundschaft, seinen Rat und die Beiträge zu diesem Buch. Eric und Brooke Lagstein von Be Creative Photography bin ich dankbar für ihre Beiträge und die Bilder. Ihre Professionalität und ihr Rat waren Gold wert.

Ich danke meinen Kindern, Jason, Amy und Julie, die mich das Wichtigste über das Leben gelehrt haben und mich zu Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zwingen. Ihr seid das Größte für mich! Ihrer Mutter Gayle danke ich für ihre unermüdliche, hingebungsvolle Sorge für unsere Kinder. Ich danke meiner Familie, besonders meinen Eltern, für alles, ganz besonders für ihre Liebe und Unterstützung und dass sie mich in diese wunderbare Welt gesetzt haben.

Mein Dank gebührt allen Freunden und Familienmitgliedern, die dieses Buch unterstützt haben, aber auch meinen Kollegen und Mitarbeitern, die so großzügig anderen helfen. Ich danke Dr. Mike Leahy, der die Active Release Techniques entwickelte, und seiner Familie: Danke für die Möglichkeit, anderen zu helfen, und dass meine Aufmerksamkeit auf die Muskelbehandlung und ihre Rolle für einen gesunden Körper gelenkt wurde. Danke auch Dr. Janet Travel – ihrer Zeit weit voraus – und Dr. David Simmons für all die Pionierarbeit im Bereich der Triggerpunkttherapie. Ich danke auch Dr. John Mennel für seine Kenntnisse in der manuellen Manipulation und Dr. Raymond Nimmo, der mich wahrhaft inspirierte.

Danke Dr. Russell Warren, Dr. Scott Rodeo und allen anderen Ärzten am Hospital for Special Surgery. Dr. Jen Solomon, Dr. Frank Lipman, Dr. Marc Polimeni, Dr. Kenneth Conti, Dr. Dan Geller, Dr. Marcus Forman, Deanie Barth, MSPT, und Dr. Lisa Callahan danke ich für ihre Überweisungen und ihr Vertrauen.

Ich danke Ronnie Barnes, der mir die wertvollste Lektion meiner Laufbahn erteilte, nämlich wie man sich in einem integrativen Ansatz in ein Ärzteteam einfügt, um ein Teil des großen Puzzles darzustellen. Ich danke Bryon Hansen, Steve Kennelly, Leigh Weiss und allen Trainern der New York Giants sowie Joe und Ed Skiba, Ed Wagner, Tim Slaman und allen anderen aus dem Ausrüstungsraum der New York Giants.

Den Familien Mara und Tish danke ich für die Gelegenheit, einer so professionell geführten Organisation wie den New York Football Giants dienen zu dürfen. Dasselbe gilt für Coach Coughlin und die anderen Coaches der Giants.

Ich danke all den Spielern der New York Football Giants, denen ich über die Jahre beistehen durfte, die mich unterstützten und meine Behandlung wertschätzen. Es waren zu viele, um sie alle aufzuführen, doch ich möchte insbesondere Jeff Feagles, Amani Toomer, Michael Strahan, Eli Manning, Tiki Barber, Chase Blackburn, David Diehl, Antonio Pierce und Howard Cross danken.

Danke Chris und Katy Gebhardt, Dr. Marvin und Wendy Lagstein, Howard und Pia Cross, den Llerandis, George und Brooke Perez, Darren Price, Dr. Mark Delmonte, Tom LaTorre, James Carr, Esq., samt ihren Familien sowie Dr. Bob Zimmerman – sie alle haben mich inspiriert, herausgefordert und motiviert.

Ich danke Harlan Schlecter, Geri und Kit Laybourne, Natalie Moody, Mr. John Tishman, Donald Schupak und Schwester Carol Zinn, die mich so viel gelehrt und mich durchs Leben geführt haben.

Mein Dank gilt Pat Manocchia, der mir gestattete, mit ihm, seinen Patienten und seinem Team zusammenzuarbeiten, um in einer wirklich innovativen und integrativen Umgebung zu lernen und mitzuarbeiten, aber auch der ganzen Manocchia-Familie. Außerdem danke ich allen in La Palestra, die mich in den letzten zehn Jahren auf so vielfältige Weise unterstützt haben, besonders Greg Peters, Shannon Plumstead, Mark Tenore, Kofi Sekyiamah, Mike Pardo mit Familie und Greg Cimino, der alle meine Projekte unablässig als kluger Anwalt begleitet hat.

Ich danke meinen Partnern und Mitarbeitern der vergangenen Jahre, vor allem Dr. Kyler Brown, Dr. Keren Day, Dr. Justina Ngo, Dr. Andrew Veech und Dr. Marie-Claude Goyette sowie Kathy Salcedo und allen, die dazu beitragen, dass ich unseren Patienten helfen konnte, und unsere Praxen am Laufen halten.

Danke, Phil und Jim Wahrton, dass ihr mir gezeigt habt, wie wichtig die richtige Dehnung zur rechten Zeit ist, aber auch Joe Brown und Vincent Guida, die mir halfen, den FAST-Stab zu entwickeln.

Danke, liebe Freunde, Kollegen und Lehrer der Active Release Techniques. An dieser Stelle müsste ich noch viele erwähnen, ganz besonders jedoch Dr. Tony Criscuolo, Dr. Joe Pelino, Dr. Tammara Moore, Jan Wanklyn, LMT, Dr. Gerry Ramogida, Dr. Dale Buchberger, Dr. Lawrence Micheli und alle meine Kollegen unter den Dozenten. Danke für eure jahrelange Unterstützung und Freundschaft.

Dem Palmer College of Chiropractic – der Wiege der Chiropraktik – danke ich für einen wunderbaren Beruf und die Möglichkeit, anderen zu helfen. Danke, Palmer Rugby und Eric Seiler, dass ich den Palmer Rugby Club vertreten darf.

Ich danke der Universität Kutztown, dem New York Chiropractic College und Phil Santiago, die mir halfen, als Sport-Chiropraktiker Fuß zu fassen. Meine ersten wissenschaftlichen Schritte ermöglichte mir die Ridgefield Park High School. Bill Weber half mir auf die Sprünge – vielen Dank. Ich danke auch Dr. John Piazza, der mich motivierte und anspornte!

Ein Dank geht an den Triathlonsport, den amerikanischen Triathlon, die World Triathlon Corporation, North American Sports, Gram Fraser mit Familie und Shelly Bamblett mit Familie. Danke Jim Brown, Rich Byrne, Frank Guadagnino und allen meinen Trainern.

Ich danke allen Sportlern aus vielen Sportarten, die ich über die Jahre behandelt habe: Mike Kahn und das olympische Bobprogramm; das olympische Rennrodlerteam; Cami Granaton und dem amerikanischen Damenhockeyteam; den Eislaufweltmeistern Adam Rippon, Miki Ando und Anna Zadorozhniuk sowie den Spielern und der Verwaltung der National Basketball Association und der National Hockey League. Ich danke der Schauspielergewerkschaft SAG und all meinen Freunden aus dem Unterhaltungssektor. Besonders aber danke ich denen, die sich für dieses Buch eingesetzt haben, John McEnroe, Cristie Kerr, Natalie Gulbis, Elisabeth Hasselbeck und Liam Neeson.

Den Leserinnen und Lesern danke ich für ihren Griff zu diesem Buch und das in uns gesetzte Vertrauen auf Hilfe zur Selbsthilfe.

Dr. Bryan Kelly

Zuallererst möchte ich meiner lieben Frau, Lois, und unseren wunderbaren Kindern, Conor, Emma und Jack, meinen Dank aussprechen. Außerdem bedanke ich mich bei meinem Vater, meiner Mutter und meinem Bruder. Ohne eure Liebe und Unterstützung wäre ich in meinem Beruf nie so weit gekommen. Die Betreuung von Patienten und Sportlern kann eine große Belastung für das Familienleben darstellen. Verletzungen geschehen oft zum unpassendsten Zeitpunkt, und ihre Behandlung kann einen von der Familie trennen. Ohne eine verständnisvolle häusliche Basis, die den eigenen Wunsch, solche Verletzungen zu behandeln, unterstützt, wäre dieser Beruf unmöglich und undenkbar. Nur mit dauerhafter Unterstützung stellt es einen wirklich zufrieden, wenn Patienten voll wiederhergestellt werden.

Zweitens bedanke ich mich bei den zwei Ärzten auf dem Gebiet der orthopädischen Chirurgie und der Sportmedizin, die meine Laufbahn am meisten geprägt haben: Dr. Russell F. Warren und Ronnie P. Barnes. Seit über 25 Jahren arbeiten die beiden als oberster Teamarzt und oberster Trainer der New York Giants Hand in Hand. Sie haben mir gezeigt, wie wertvoll solch eine Zusammenarbeit ist, weil ein Team einfach besser für einen Patienten sorgen kann als jeder Einzelne. Sie verkörpern den Grundgedanken dieses Buches, nämlich die enorme Bedeutung eines integrativen Ansatzes zur umfassenden und erfolgreichen Behandlung unserer Patienten und Sportler. Beide waren eine unendlich wertvolle Quelle rein klinischer Erfahrung, die meine Einstellung zu Sportverletzungen und ihrer Behandlung für immer prägen wird. Es vergeht kein Tag in meiner Praxis, an dem ich mir nicht vorzustellen versuche, was diese beiden Ikonen der Sportmedizin wohl zu einem bestimmten Gesundheitsproblem gesagt hätten.

Und zuletzt möchte ich meine Patienten würdigen, die mir gleichermaßen Befriedigung wie Enttäuschungen verschaffen, aber stets Anlass zum Weiterlernen sind. Als junger Arzt lernte ich, man müsse seinen Patienten »nur« sorgfältig zuhören. Sie würden einem die Antwort auf ihr Problem verraten und hätten in vielen Fällen sogar die richtige Lösung. Es ist erstaunlich, welche Intuition Patienten bei eigenen Beschwerden entwickeln. Deshalb ist die Kunst des Zuhörens und Reagierens auf die gelieferte Information von unschätzbarem Wert.

Joe Hooper

Mein erster und tief empfundener Dank gilt meinen Mentoren der »Muskelmedizin«, Rob DeStefano und Bryan Kelly, der Massagetherapeutin Sue Stanley, deren Textbeiträge und Redaktionsarbeit im Endstadium die Fertigstellung dieses Buchs ermöglicht haben, und meiner Frau, Kate Doyle Hooper, die mir half, einen klaren Kopf zu bewahren. Großen Dank schulde ich auch unserem kompetenten Kreis aus Freunden und Kollegen, die großzügig ihr Wissen mit uns teilten, so dass wir es wagen durften, ein so weites Feld zu beackern: dem Sportmediziner und Fußspezialisten Dan Geller; dem überragenden Trainer (und Fitnessmodell) Mike Gostigian; dem Triathleten und Fitnesspapst Mike Llerondi; der Physiotherapeutin Toni McGinley; der Ernährungsexpertin Heidi Skolnik und der Rehabilitationsmedizinerin Jen Solomon. Wertvolle Anregungen kamen auch von der Physiotherapeutin Deanie Barth, der Muskeltherapeutin und Chiropraktikerin Keren Day, der Ergonomiespezialistin Ellen Kolber, dem Facharzt für Komplementärmedizin Frank Lipman, dem Neurochirurgen Ted Schwartz und dem Guru des Stretching Jim Wharton. Wie wir ihre Vorstellungen in diesem Buch verarbeitet haben, liegt natürlich in der alleinigen Verantwortung der Autoren.

Autoren

Rob DeStefano, D.C., ist Sport-Chiropraktiker und begeisterter Triathlet. In den USA gilt er als führender Experte für manuelle Muskeltherapie.

 

Bryan Kelly, M.D., ist orthopädischer Chirurg am Hospital for Special Surgery in New York City. Seine Spezialgebiete sind Sportmedizin und minimal-invasive Eingriffe an Schulter, Hüfte und Knie.

 

Joseph Hooper schreibt als Redakteur für Elle und Popular Science. Seit 1985 beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit den Themen Gesundheit und Ernährung.

KAPITEL 1

Einführung in die »Muskelmedizin«

Als Mitglieder des Behandlungsteams für die New York Giants behandeln wir Athleten jeder Trainingsstufe und wissen recht gut, was der menschliche Körper einstecken und auch austeilen kann. Doch für einen Großteil der Schmerzen und Verletzungen, die wir in unseren Praxen sehen, gibt es keinen vernünftigen Grund, denn sie beruhen auf einer vermeidbaren Hauptursache: Im großen Puzzle der Behandlungsansätze werden die Muskeln einfach übersehen. Schulterschmerzen, ein verspanntes Kreuz oder Knieprobleme sind bei über 30-Jährigen so verbreitet, dass sie achselzuckend als praktisch unausweichliche Folge des Älterwerdens angesehen werden. Doch das stimmt nicht! Ob Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nun von verspannten oder verletzten Muskeln herrühren oder ob die eigentliche Ursache in den Gelenken begründet ist, gibt es doch für solche Probleme das nötige Rüstzeug, um ihnen auf den Grund zu gehen.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie eine Menge über professionelle Selbstbehandlungstechniken für die Muskulatur, aber auch zu Dehn- und Kräftigungsübungen für die typischen Schwachpunkte des Körpers. Hier verschmilzt unser gemeinsames Fachwissen als orthopädischer Chirurg und Facharzt sowie als Sport-Chiropraktiker, der sich auf die manuelle Muskeltherapie spezialisiert hat. Wir möchten Ihnen zeigen, wie wir ernste Muskel- und Gelenkprobleme angehen. Dadurch möchten wir Ihnen das nötige Handwerkszeug für die »Muskelmedizin« in die Hand drücken, damit Sie ein schmerzfreies Leben führen können.

Unsere unterschiedlichen Werdegänge haben uns gezeigt, wie wichtig die gegenseitige Ergänzung ist. Der eine, Dr. Bryan Kelly, ist orthopädischer Chirurg an der führenden orthopädischen Klinik Amerikas, dem Manhattan’s Hospital for Special Surgery, wo er sich auf Sportverletzungen an Hüfte, Knie und Schultern spezialisiert hat. Als assistierender Professor am Weill Cornell Medical College ist er an zahlreichen Forschungsprojekten zur Sportmedizin beteiligt. Der andere, Dr. Robert DeStefano, hat nach seiner Ausbildung zum Doctor of Chiropractic nicht nur florierende Praxen in New Jersey und Manhattan aufgebaut, sondern seinen Blickwinkel durch Lehren und Weiterentwicklung der manuellen Muskeltherapie erweitert. Sowohl klinisch als auch in Forschungsprojekten arbeiten wir gemeinsam an verbesserten Behandlungsstrategien für Patienten mit Sportverletzungen.

Was unseren Ansatz von anderen unterscheidet, ist die Ausgangsbasis: Wir betrachten den Körper als fein abgestimmtes System aus Knochen, Gelenken und Muskeln, das die Natur in dieser Form geschaffen hat. Bei Schmerzen und Bewegungseinschränkungen müssen wir die Beziehungen zwischen diesen drei Elementen klären, damit wir ein Problem des Muskel- und Skelettsystems exakt diagnostizieren und behandeln können. Zugleich möchten wir Ihnen, wo immer möglich, erklären, was Sie selbst für sich tun können.

Das klingt zunächst keineswegs radikal. Doch im Laufe der Entwicklung hat sich die Medizin in immer mehr Spezialgebiete aufgesplittert. Verschiedene Körperteile wurden zum Territorium für unterschiedliche Spezialisten. Physiotherapeuten arbeiten an muskulären Problemen, Traumachirurgen richten die Knochen und retten Leben, und orthopädische Sportmediziner korrigieren die Gelenke. Dabei leistet jeder seinen wertvollen Beitrag, aber mitunter verliert man dabei die Wertschätzung für das reibungslose Zusammenwirken des Ganzen – Muskeln, Knochen und Gelenke – unter ständiger Belastung aus den Augen. (Bei bestimmten Verletzungen werden Sie sehen, wie auch die Nerven mit diesen drei Elementen interagieren und damit zu Schmerzen und Problemen beitragen können.)

DR. KELLY

Was bedeutet es, wenn Sie vom Orthopäden erfahren, Sie hätten kein strukturelles Problem, das mit einer Operation zu beheben wäre? Aus ärztlicher Sicht ist das natürlich korrekt, doch Ihre Beschwerden verschwinden deshalb nicht. Wenn auf MRT oder Röntgenbild keine Ursache erkennbar ist, handelt es sich möglicherweise in erster Linie um ein muskuläres Problem.

WO SIND DIE MUSKELÄRZTE?

Unserer Erfahrung nach zählen die annähernd 600 Muskeln des Körpers, die den Menschen aufrecht und in Bewegung halten, zu den am häufigsten übersehenen Elementen des Körpers. Muskeln sind weiches Gewebe, das kaum zu nähen ist, sondern aus eigener Kraft heilt. Deshalb gibt es keinen gesonderten Medizinzweig zur Diagnose und Behandlung muskulärer Probleme. Natürlich kann jeder Arzt Ihnen erklären, dass die Muskeln bei Schmerzen und Funktionsstörungen eine wichtige Rolle spielen, doch die eigentlichen Protagonisten scheinen die Gelenke, Knorpel und Bänder zu sein, also die Bereiche, an denen in der Magnetresonanztomographie (MRT) Schäden zu erkennen sind. Kleinere Muskelschäden, die ebenfalls erkennbar wären, werden häufig übersehen oder als klinisch irrelevant eingestuft. Zudem handelt es sich hierbei um subjektive Beeinträchtigungen, denn es gibt noch kein objektives Verfahren zur Messung von Muskelverspannungen. Andererseits lehrt uns die Erfahrung, dass Schmerzen oft in erster Linie auf verhärteten, geschädigten Muskeln beruhen. Selbst wenn das Muskelproblem durch eine Gelenkverletzung entstanden ist, ist es häufig der Faktor, der die vollständige Genesung verhindert.

Beispielhaft möchten wir von einem Patienten berichten, den wir vor nicht allzu langer Zeit behandelt haben. Der Manager, der schon am College gern und gut Fußball spielte, zog sich beim Fußball einen Kreuzbandriss zu. Dr. Kelly stabilisierte das Kniegelenk mit einer lehrbuchmäßigen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands. Alles sprach für eine reibungslose Genesung, denn der Patient war jung, fit und motiviert. Aber dennoch konnte er das Bein trotz monatelanger Physiotherapie im Anschluss an die Operation kaum heben. Daraufhin schickte Dr. Kelly ihn zu Dr. DeStefano, der einen Teil des Narbengewebes löste, das sich um den operierten Bereich gebildet hatte, und die Muskeln verlängerte, die sich infolge der operationsbedingten Ruhigstellung verkürzt hatten.

Anschließend kehrte unser Fußballer wieder zu seinen Physiotherapeuten zurück, um die Muskeln zu kräftigen, und konnte nach einigen Wochen wieder rennen. Weder die Operation noch die Physiotherapie hatten hier versagt, beide waren in diesem Fall unverzichtbar. Auch die manuelle Muskeltherapie war kein Wunderwerk. Vielmehr verläuft eine Heilung in festgelegten Abläufen. Verhärtete, entzündete oder vernarbte Muskeln müssen zunächst heilen, bevor man sie erneut kräftigt und ihre Flexibilität erhöht. Ein verletzter Muskel kann auf Beanspruchung (selbst im Rahmen einer Physiotherapie) nicht reagieren, sondern könnte im Gegenteil noch mehr geschädigt werden.

Das Muskel- und Skelettsystem wird sowohl von schweren Traumata wie einem Kreuzbandriss als auch von altersbedingt nachlassender Flexibilität und Kraft von Muskel- und Bindegewebe an den Gelenken in Mitleidenschaft gezogen. Doch ein Teil jener »natürlichen Alterungsprozesse« hat weniger mit der nachlassenden Regenerierungsfähigkeit der Zellen zu tun als mit einer Ansammlung kleinerer Muskelschäden, die nie behandelt wurden. Vielleicht haben Sie Knieschmerzen und können nicht mehr so joggen oder Volleyball spielen wie früher. Oder Ihre Handgelenke melden sich, weil Sie den ganzen Tag am Computer sitzen. Mit der Zeit summiert sich auch der scheinbare » Kleinkram« zu Dauerschmerz, Bewegungseinschränkungen und einem weniger aktiven Leben. Was dann insgesamt kein Kleinkram mehr ist. In diesem Buch wollen wir kurz erklären, wie Muskeln und Skelett zusammenarbeiten (oder mitunter auch nicht), wie Entscheidungen zur Lebensweise den Körper beeinflussen und was man tun kann, um Probleme zu erkennen und in vielen Fällen selbstständig zu beheben.

Muskelmedizin beginnt daher mit zwei Kapiteln zur Biologie von Muskeln, Gelenken und Knochen sowie den Ereignissen und Kräften, die sie schädigen können. Im zweiten Teil geht es dann um Alltagsentscheidungen, die sich auf den Körper auswirken. Vieles liegt nicht in unserer Hand, seien das nun die Gene (haben beide Elternteile bereits eine künstliche Hüfte?) oder Pech (hatten Sie in der Schule mal eine ernste Knieverletzung?). In Teil II behandeln wir jedoch drei wichtige Bereiche, die der Einzelne selbst beeinflussen kann.

In Kapitel 4, »Körper und Psyche«, erfahren Sie, wie fatal sich Stress auf das Muskel- und Skelettsystem auswirken kann und wie man diese Schäden eindämmt, indem man die eigenen Gedanken und Gefühle in den Griff bekommt. In Kapitel 5, »Ernährung«, wird geschildert, wie die Ernährung gesunde Knochen unterstützen und Gelenkentzündungen lindern kann. Außerdem erklären wir, weshalb ein gesundes Körpergewicht die Belastung und Abnutzung der Gelenke hinauszögert. Abschließend erhalten Sie in Kapitel 6 einen allgemeinen Fitnessplan, der Muskeln, Knochen und Kreislauf stärkt und das Verletzungsrisiko verringert.

In Teil III begeben wir uns auf eine Reise zu den sieben »Hot Spots« des Körpers: Hals und Nacken; Schulter; Ellenbogen, Handgelenk und Hand; Kreuz; Hüfte; Knie; Sprunggelenk und Fuß. Dabei konzentrieren wir uns auf die häufigsten Ursachen für Schmerzen und die Entscheidungen, die zum Umgang damit getroffen werden (oder auch nicht). Ignorieren? Das Laufen, Schwimmen oder den Lieblingssport aufgeben? Selbstbehandlung oder Behandlung durch einen Muskeltherapeuten, Physiotherapeuten oder Chirurgen? Wir möchten Ihnen keine Angst machen, aber die Antworten auf solche Fragen könnten ab dem 60. Lebensjahr darüber bestimmen, ob Sie sich für die nächste Tennissaison oder den nächsten Termin bei der Krankengymnastik rüsten.

Für jede Region beschreiben wir die häufigsten Probleme, wie Dr. DeStefano verfestigtes und vernarbtes Gewebe mit manuellen Techniken lockert und was Dr. Kelly bei erheblichen Gelenkschäden raten würde. Am Ende des jeweiligen Kapitels erfahren Sie, mit welchen Übungen man sich vor Verletzungen schützen oder davon genesen kann. Wir beschreiben Selbstbehandlungsmethoden für jede der genannten Körperregionen, die auf den Prinzipien von Dr. DeStefanos Muskeltherapie beruhen. Mit Ihren eigenen Händen und einigen einfachen Hilfsmitteln, zum Beispiel einem Gymnastikball, können Sie gezielt auf die schmerzhaft verspannten Muskeln einwirken, um das Gewebe zu entspannen und so die Heilung zu beschleunigen. Erst wenn der Bereich nicht mehr schmerzt oder die Entzündung abklingt, kommen als nächster Schritt gezielte Dehnübungen zur Wiedergewinnung oder Aufrechterhaltung einer gesunden Beweglichkeit und danach Übungen zum Krafttraining, welche die Spannkraft erhöhen und vor neuen Beschwerden schützen.

Dieses Buch ist also weder ein stures Übungsprogramm noch ein Nachschlagewerk für Verletzungen des Bewegungsapparats. (Bei entsprechendem Interesse gibt es ein breites Angebot mit Einzelheiten zu orthopädischen Behandlungen.) Wir haben unsere Informationen vielmehr nach den drei Kategorien geordnet, nach denen wir selbst mittlerweile diagnostizieren und behandeln:

In der ersten Gruppe, die für die meisten Beschwerden verantwortlich ist, werden die Schmerzen in erster Linie durch den verletzten Muskel erzeugt. Gelenkschäden, die auf dem Röntgenbild oder MRT erkennbar werden, sind hier nur ein zufälliger Nebenbefund. Die Standardempfehlung für diese Gruppe lautet Ruhe und schmerzlindernde Medikamente, wie zum Beispiel Ibuprofen. Wir hingegen ermitteln die Ursache und beginnen anschließend mit der Behandlung und Kräftigung aller wichtigen Muskeln der betroffenen Region.

Bei Problemen in der zweiten Kategorie arbeiten weder die Muskeln noch das Gelenk einwandfrei, doch es ist unklar, wo die Hauptursache liegt. Besteht das eigentliche Problem im geschädigten Meniskus im Knie, oder wird der Patient wieder gesund, wenn wir die Muskeln stärken, die das Gelenk stabilisieren? Solche Probleme müssen exakt analysiert und immer zunächst konservativ angegangen werden, um überflüssige Operationen zu vermeiden.

Patienten der dritten Gruppe, mit orthopädischen Gelenkbeschwerden, haben ernst zu nehmende Gelenkschäden, die medikamentös oder operativ behandelt werden müssen. Hier arbeiten wir vor und nach der Operation an den Muskeln, um die Genesung zu beschleunigen und bessere Ergebnisse zu erzielen. Unsere Unterteilung in diese drei Kategorien – Muskeln, Muskeln oder Gelenk, operative Behandlung – mag ungewöhnlich erscheinen, wird sich jedoch hoffentlich mit der Zeit als Standardmethode etablieren.

Das Gute an derartigen Verletzungen ist, dass es längst ausreichend Experten zu ihrer Behandlung gibt, auch wenn diese selten eng zusammenarbeiten – Orthopäden zur Diagnose und Behandlung geschädigter Gelenke, Chirurgen für operative Eingriffe, manuelle Therapeuten zur Förderung der Muskelheilung und Physiotherapeuten, die mit Ihnen an der Kraft und Flexibilität von Muskeln und Gelenken arbeiten. Benötigt wird das komplette Team. Im Laufe unserer sechsjährigen Zusammenarbeit für die New York Giants haben wir gesehen, was für die Spieler dabei herausspringt, wenn sie zu den besten Vertretern dieser verschiedenen Sparten gehen können. Wir finden, dass auch die Leser dieses Buches Zugang zu unserem Wissen haben sollten, auch wenn sie (hoffentlich) nicht denselben körperlichen Strapazen ausgesetzt sind wie die Spieler der Giants.

SETZEN SIE SICH ZUR WEHR!

Wäre es nicht schön, wenn man einfach nur gesund leben müsste, um sich vor Muskel- und Gelenkproblemen zu schützen? Doch bei jeder Lebensweise haben wir Menschen früher oder später Probleme mit dem Bewegungsapparat. Knochen-, Gelenk-und Muskelbeschwerden belasten drei Viertel aller Beschäftigten. Junge Menschen setzen ihren Körper durch Kontaktsportarten oder bei endlosen Wiederholungen im Leistungssport enorm unter Druck. Ältere leiden unter Beschwerden aufgrund ihrer Bürotätigkeit, von quälenden Kreuzschmerzen durch stundenlanges Sitzen, Nackenschmerzen durch falsch positionierte Bildschirme bis zur Unterarmüberlastung – meist, wenn auch nicht immer korrekt, als Karpaltunnelsyndrom bezeichnet – durch Tippen und Mausbedienung.

Ein echter Tiefschlag ist dabei, dass alternde Freizeitsportler, die sich durch Joggen oder Dauerlauf, Tennis oder Fitnesstraining fit halten, eher noch anfälliger für Muskel- und Skelettschäden sind als Bewegungsmuffel. (Kennen auch Sie die Litanei der »Kriegsverletzungen« bei Festen und Freizeitveranstaltungen?)

Muskelmedizin ist ein Handbuch, in dem wir erläutern, wie Sie sich zur Wehr setzen können: Wie trifft man die richtige Entscheidung, um gesunde und geschädigte Muskulatur anzusprechen, ob auf eigene Faust oder unter professioneller Aufsicht? Das Buch bietet den ersten, wirklich integrativen Ansatz zum richtigen Umgang mit Muskeln und Gelenken und zu ihrer Korrektur. Nehmen Sie uns in Ihr Team auf, ganz gleich ob Sie Spitzensport oder Freizeitsport betreiben oder einfach nur nach einem langen Tag im Büro ohne Rückenschmerzen mit Ihren Kindern oder Enkeln spielen wollen!

DR. DESTEFANO

Jeden Tag behandle ich Patienten, die davon überzeugt sind, dass ihre Schmerzen auf Gelenkschäden beruhen. Sie kommen und sagen: »Können Sie mir helfen? Ich habe einen Meniskusriss. « Meine Antwort lautet dann: »Den Meniskusriss kann ich nicht beheben, aber ich kann Ihnen wahrscheinlich zeigen, was gegen die Knieschmerzen hilft.« Denn kaum jemand weiß, dass es in vielen Fällen ausreicht, wenn die Muskeln rund um das Gelenk wieder richtig arbeiten. Dann funktioniert der Körper nämlich oft auch dann schmerzfrei, wenn das Gelenk nicht hundertprozentig gesund ist. Das ist etwas, das ich sehr zu schätzen weiß. Ich hatte zwei schwere Autounfälle: Einmal wurde ich angefahren, als ich für die Weltmeisterschaft im Ironman trainierte, und einmal kam es in Manhattan zu einem Taxiunfall. Dabei zog ich mir dauerhafte Wirbelsäulenschäden und Bandscheibenvorfälle zu. Vor einem Jahr wurden die Schmerzen so heftig, dass mein Orthopäde mir eine Bandscheibenoperation empfahl. Dennoch machte ich weiter meine Übungen, ließ mich manuell behandeln und behandelte mich auch selbst. Es dauerte einen vollen Monat, aber die Spannung in den kontrahierten Muskeln in Hals- und Lendenwirbelsäule ließ allmählich nach und mit ihnen der Schmerz. Ich bin keineswegs geheilt. Die Bandscheiben sind nach wie vor geschädigt, aber solange ich schmerzfrei bin und gesunde Muskeln habe, geht es mir gut.

KAPITEL 2

So funktioniert der Bewegungsapparat: Muskeln, Knochen und Gelenke

Bevor wir über die Lebensweise sprechen oder uns bestimmte körperliche Probleme im Detail ansehen, sollten wir das Wunderwerk der körperlichen Maschinerie ansehen und ein Grundverständnis für seine Funktionsweise entwickeln. Wie bereits erklärt, bilden die Knochen und Gelenke ein aufeinander abgestimmtes System, in dem kein Teil wichtiger ist als die anderen. Ohne Muskeln wären wir ein regloser Haufen Knochen; ohne Skelett würden wir uns wie Quallen bewegen (und sähen auch so aus); ohne Gelenke zur Stabilisierung und Kontrolle der Knochen würden wir wie die Vogelscheuchen herumstolpern.

DIE MUSKELN

Die Skelettmuskulatur ist als bewusst gesteuerte Muskulatur der Motor des menschlichen Körpers (im Gegensatz zur glatten Muskulatur um die Organe und den Herzmuskel, welche unwillkürlich funktionieren). Dabei arbeiten Muskeln immer im Tandem: Sobald ein Muskel sich verkürzt und damit Zugkraft aufbaut, entspannt sich sein Gegenspieler. Dieser gleichzeitige Ablauf mit einem sich kontrahierenden Agonisten und einem sich entspannenden Antagonisten treibt alle Körperbewegungen an, ob nun ein Sprinter das vordere Bein nach vorn schiebt (wobei sich der kräftige vordere Oberschenkelmuskel zusammenzieht, während sich der hintere Oberschenkelmuskel entspannt) oder ob man den Finger beugt, um sich an der Nase zu kratzen (wobei der Beugemuskel des Zeigefingers kontrahiert und der Streckmuskel sich entspannt).

Die Steuerung so vieler Muskeln ist Präzisionsarbeit, die im Gehirn angestoßen und koordiniert wird. Das erscheint so einfach, als würde man einen Lichtschalter betätigen, beruht jedoch auf einem unablässigen neurochemischen Austausch zwischen Nerven und Muskeln. Das Gehirn hat dabei nur die Oberaufsicht über die Produktion bestimmter Botenstoffe, welche die Muskeln aktivieren. Der eigentliche Ablauf ist folgendermaßen: Das Gehirn schickt den motorischen Nervenzellen im Rückenmark eine Botschaft, die über diese Nervenstränge an den Zielmuskel weitergegeben wird, damit dieser weiß, was zu tun ist. Dort sammeln sensorische Nerven Informationen über den gegenwärtigen Zustand dieses Körperteils und schicken diese über das Rückenmark zurück ans Gehirn, wo diese Botschaften verarbeitet werden. Manche Informationen hingegen sind so grundlegend, dass eine Verarbeitung durch das Gehirn überflüssig ist. Sie wandern daher nur von den Muskeln zum Rückenmark und in einer Rückmeldeschleife, dem Reflexbogen, zu den Muskeln zurück. Solche Reflexe bewahren die Muskeln beispielsweise vor Überstreckung oder übermäßiger Kontraktion oder lassen die Hand vom Herd zurückzucken, noch ehe wir den Schmerz bewusst wahrnehmen.

Die so genannte Propriozeption, durch die der Mensch die räumliche Position des eigenen Körpers wahrnimmt, beruht auf einer komplexeren »Unterhaltung« zwischen Muskeln, Nerven und Gehirn. Damit sind wir (normalerweise) in der Lage, zu rennen, zu springen und uns in der Welt zu bewegen, ohne dabei zu stürzen oder überhaupt darüber nachzudenken. Bei Verletzungen wird dieses Gespräch unterbrochen. Danach muss nicht nur das Muskelgewebe heilen, sondern auch die Kommunikationswege zwischen Muskel und Gehirn müssen neu aufgebaut werden, bis das Gehirn sozusagen wieder auf Autopilot schaltet, wenn man sprinten, den Golfschläger schwingen oder Geige spielen möchte.

An dieser Stelle geht es uns in erster Linie um die Frage, wie die Muskeln miteinander und mit dem Rest des Körpers interagieren. Ein Muskel ist von Kapillaren durchzogen, die ihn mit dem für seine Funktion nötigen Blut versorgen, das Sauerstoff und Nährstoffe liefert. Ein Footballspieler erscheint auf den ersten Blick wie ein grobschlächtiges Muskelpaket, doch das Gewebe selbst (das nicht umsonst als weiches Gewebe bezeichnet wird) ist überraschend empfindlich und besteht größtenteils aus Wasser. Fließende Bewegungen sind dem Menschen nur möglich, wenn die Muskeln, mit denen unser ganzer Körper bepackt ist, nahtlos aufeinander abgestimmt sind.

Vom Kleinen zum Großen geht es um stetige, ungehinderte Bewegung – Bewegung ist Leben. Benachbarte Muskeln müssen sich genauso gegeneinander verschieben können wie die Faserbündel innerhalb der einzelnen Muskeln und wiederum die winzigen Myofibrillen innerhalb der Fasern. Wie eine Muskelkontraktion auf Molekularebene aussieht, ist nur mit dem Elektronenmikroskop zu erkennen: Zwei fadenförmige Proteine innerhalb der Myofibrillen, Aktin und Myosin, ziehen in entgegengesetzte Richtungen.

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Der als »Muskel« definierte Teil des gesamten Muskels ist der Muskelbauch, in dem der größte Teil der Muskelkraft erzeugt wird. Zusätzlich hat die Natur den Muskel glücklicherweise an beiden Enden mit straffem Bindegewebe, den Sehnen, ausgestattet, welche den Muskel an die Knochen anheften. Die Sehnen übertragen die Muskelkraft und üben direkten Zug auf die Knochen aus, während das eigentliche Muskelgewebe sich nicht chirurgisch nähen lässt, geschweige denn einen sich bewegenden Knochen steuern könnte. (Der Begriff Muskel stammt von dem lateinischen Wort mus für »Maus«, weil man die spitz zulaufenden Sehnen auf beiden Seiten des Muskels mit der Schnauze und dem Schwanz einer Maus verglich.)

Ein weiteres Element des Muskelpakets ist das Bindegewebe (Faszie), jene dünne, zähe, durchscheinende Membran, die alles im Körper umgibt: Muskeln, Knochen, Organe, Nerven, alles, was sich bewegt. Diese Membran können Sie sich wie die Pelle um einen Strang Würste vorstellen, oder Sie werfen einen Blick auf eine rohe Hähnchenbrust oder ein Stück Rindfleisch. Die Faszien sind die weißen Häutchen, die den Muskel umgeben und auch durchziehen. Im Körper des Menschen (aber auch des Rinds oder des Huhns) stellt das Bindegewebe eine Art flexibles, inneres Skelett dar, das die Muskeln an Ort und Stelle hält. Es kann sich aber auch mit ihnen verschieben und ihnen helfen, über benachbarte Strukturen zu gleiten.

DIE KNOCHEN

Dass die Muskeln ein lebendes, dynamisches System bilden, ist für uns selbstverständlich. Schon nach wenigen Wochen Training sind ein erkennbarer Kraftzuwachs und – je nach Testosteronmenge im Körper – sichtbarer Muskelzuwachs zu beobachten:

Im Vergleich hierzu erscheint das Skelett vergleichsweise träge und eher wie der willkommene Rahmen, an dem die Muskeln und Organe befestigt sind. Spätestens mit Anfang zwanzig werden die Knochen zwar nach dem endgültigen Abschluss des Wachstums nicht mehr länger, doch das Skelett ist ebenso lebendig wie jeder andere Teil des Körpers. Ein Drittel der Knochen besteht aus lebenden Zellen. Innerhalb der Knochen erzeugen die Zellen des Knochenmarks rote und weiße Blutkörperchen sowie andere Zellen, die das Immunsystem antreiben.

Äußerlich sind die Knochen von einer Faserschicht umgeben, die Blutgefäße und Nerven enthält, dem Periost. (Schmerzen bei einem Knochenbruch beruhen auf dem zerrissenen Periost.) Doch selbst die zwei Drittel des Knochens, die aus harten Mineralien (vor allem Kalziumphosphat) bestehen, sind nicht statisch, denn es findet eine unablässige Erneuerung statt. Spezialisierte Zellen, die Osteoklasten, bauen alte oder beschädigte Knochenmasse ab. Im Gegenzug bauen andere Zellen, die Osteoblasten, neue Knochen auf. Benötigte Knochen werden gestärkt, nicht benötigte werden resorbiert. Da die allgemeine Knochendichte im höheren Alter deutlich zurückgeht (weil die Osteoklasten am Ende die Oberhand gewinnen), ist es Ihre Sache, Ihren Körper auf gesunde Weise zu belasten (also die Osteoblasten durch Kraft-und Ausdauertraining zu aktivieren), damit er den täglichen Belastungen ausreichend Widerstand entgegensetzen kann. Mit anderen Worten: Wer rastet, der rostet.

DIE GELENKE

Damit die Knochen sich in Bewegung setzen, müssen die Muskeln die nötige Kraft aufbringen. Wir brauchen aber noch eine dritte Komponente, nämlich den einfachen Mechanismus, der den Knochen gestattet, sich so gegeneinander zu verschieben, dass tatsächlich eine Leistung – Heben, Bücken und so weiter – stattfinden kann. Diese Mechanik bezeichnen wir als Gelenke. Ein einfaches Beispiel ist das Anheben des Unterarms. Das obere Ende des Bizeps beginnt im Schulterbereich. Dort ist der Ursprung, an dem der Muskel stabil verankert ist. Das andere Ende des Muskels verläuft bis zum Ansatz an dem Knochen, der sich bewegen soll, in diesem Fall bis direkt unter das Ellbogengelenk. Wenn der an der Schulter verankerte Bizeps sich zusammenzieht, hebt er also den Unterarm. Der Bizeps ist hierbei der Agonist, und wenn er aktiv wird, entspannt sich sein Gegenspieler (Antagonist), der Trizeps. Ein Muskel kann nur durch Kontraktion ziehen, nicht »schieben«, so dass die Muskeln immer zusammenwirken müssen. Sobald der erwähnte Unterarm sich wieder senken soll, übernimmt deshalb der Trizeps die Rolle des Agonisten und zieht sich zusammen, während sich der Bizeps als Antagonist entspannt. Und schon ist der Arm unten.

Die meisten Gelenke, um die es in diesem Buch geht, sind Hebelsysteme, das heißt, sie setzen die Bemühungen verschiedener Muskeln in eine präzise, koordinierte Bewegung der Gliedmaßen um. Knie und Ellbogen gestatten als Scharniergelenke nur Bewegungen in ein oder zwei Richtungen, während Sprunggelenk und Handgelenk mehr Bewegungsfreiheit bieten. Die größten Möglichkeiten haben die Kugelgelenke, Hüfte und Schulter. Dabei muss jedes Gelenk eigene Kompromisse zwischen Kraft, Stabilität und Beweglichkeit eingehen.

Ein Gelenk soll den Knochen maximale Beweglichkeit und die nötige Stabilität, aber auch ein Minimum an Reibung gewähren. Die am Gelenk beteiligten Knochen sind von einer Hülle, der so genannten Gelenkkapsel, umgeben, in der die Gelenkflüssigkeit den Spalt zwischen den Gelenken gleitfähig macht. Die Knochenenden innerhalb der Gelenkkapsel sind von weicherem Gelenkknorpel umgeben, der Bewegungen ermöglicht, ohne dass die Knochen aneinander entlangreiben. Außerhalb des eigentlichen Gelenks sorgen Schleimbeutel (Bursae) für eine zusätzliche Polsterung von Muskeln und Skelett.

Die widerstandsfähige äußere Schicht der Gelenkkapsel besteht aus einem anderen Knorpel, dem Bindegewebsknorpel (Faserknorpel). Manche Gelenke besitzen spezielle Stoßdämpfer aus Faserknorpel innerhalb der Gelenkkapsel; hierzu gehören das Labrum in Schulter oder Hüfte und der Meniskus im Knie. Auch die Bandscheiben in der Wirbelsäule bestehen teilweise aus Faserknorpel, der hier mit einem Gallertkern gefüllt ist, welcher zwischen den Wirbeln Stoßbewegungen abfedert.

Innerhalb und manchmal auch außerhalb der Kapsel halten kräftige Gewebestreifen, die Bänder (Ligamente), die beiden Knochen zusammen und an Ort und Stelle, um kontrollierte Bewegungen zu ermöglichen. (Das Gelenk mit den meisten Bändern – und den meisten Bänderrissen – ist das Knie.) All diese Gewebearten, die das ganze System letztlich am Laufen halten, fallen unter den Oberbegriff Kollagen. Kollagen ist das gummiartig feste und rundum faszinierende Material, das den Grundbaustein für das gesamte Bindegewebe darstellt, für Knorpel und Bänder, Faszien und Sehnen.

Der Aufbau der Gelenke ist sehr beeindruckend und im Detail geradezu erschütternd raffiniert. Dennoch sollte man stets bedenken, dass die Muskeln sehr wirksame Stoßdämpfer sind, die bis zur Hälfte der selbst erzeugten Kräfte (oder mehr) abfangen können, ob wir nun auf dem Fußballfeld einen Zweikampf ausfechten oder am Schreibtisch sitzen. Das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken scheint von Natur aus dazu zu dienen, perfekt auf jede Umweltgefahr reagieren zu können, ob im Verkehr oder beim Sport. Spätestens ab 35 oder 40 wissen wir, dass auch dieses System nicht unangreifbar ist. Um dieses Thema geht es im folgenden Kapitel.