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Detlef Scholz
Das 1 x 1 für neue Führungskräfte

Detlef Scholz

Das 1 x 1 für neue Führungskräfte

Erfolgreich führen im Sozial- und
Gesundheitswesen

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Der Autor

Detlef Scholz hat Gesundheitsmanagement studiert, ist Diplom-Fachwirt für Marketing, systemischer Managementcoach und Trainer in der Erwachsenenbildung. Seit mehr als 20 Jahren ist er im Sozial- und Gesundheitsbereich tätig, rund 16 Jahre davon als Führungskraft. In verschiedenen Funktionen rund um das Thema Mensch befasste er sich mit der Umsetzung berufspraktischer Themen, in vielen fachspezifischen Bereichen ist er als Vortragender für den Sozial- und Gesundheitsbereich tätig. Als Trainer leitet Detlef Scholz Gruppen und Teams zu verschiedenen persönlichen Themen an. In allen prozessbezogenen Auseinandersetzungen bringt er seine langjährige Führungserfahrung ein.
2014 schrieb Detlef Scholz bereits ein Fachbuch zum Thema Stressmanagement, „Pflegeleicht“, weitere Projekte sind in Planung. Sein besonderes Interesse gilt der Motivation und Zielfindung von Menschen. Gerade das sieht er auch als Erfolgsrezept in der Führung an.
Sein Motto ist: „Nichts ist schöner, als Menschen erfolgreich zu machen!“

Wegen stilistischer Klarheit und leichterer Lesbarkeit wurde im Text überwiegend auf die sprachliche Verwendung weiblicher Formen verzichtet. Die Verwendung der männlichen Form gilt inhaltlich für Frauen und Männer gleichermaßen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.

Bildnachweise

S. 13, 23, 25, 43, 61, 77, 95, 111, 123, 125, 133, 141, 149, 153, 159, 163, 169: fotolia.com
S 56: © Furgeler/Graz

1. Auflage 2016
Copyright © 2016 Facultas Verlags- und Buchhandels AG
facultas Universitätsverlag, Wien, Österreich
Umschlagfoto: © MH – fotolia.com
Lektorat: Sabine Schlüter, Wien
Satz: SOLTÉSZ
Druck: finidr
Printed in the E.U.
ISBN 978-3-7089-1341-4 print
ISBN 978-3-99030-686-4 epub

Vorwort

Es gibt Themen, mit denen man sich gar nicht oft genug auseinandersetzen kann. Speziell zum Thema „Führung“ haben sich das vor mir schon sehr, sehr viele Autoren gedacht: Die vorliegende Fachliteratur ist schier unüberschaubar. Warum also ein weiteres Buch für Führungskräfte schreiben?
Ganz einfach: Weil Führung ein sehr beanspruchendes Berufsfeld ist, möchte ich Ihnen die Gelegenheit geben, grundlegendes Führungswissen kompakt und leicht verständlich nachzulesen, ohne praxisrelevante Inhalte in mühevoller Recherche aus verschiedenen Einzelwerken zusammentragen zu müssen. Darüber hinaus setzen viele Publikationen auf einem sehr hohen Niveau an, das Berufseinsteiger nicht selten eher abschreckt als motiviert. Das vorliegende Buch sei vor allem neuen Führungskräften im Sozial- und Gesundheitsbereich ans Herz gelegt: Egal, ob Sie eine erfahrene Fachkraft sind, die jetzt Führungsverantwortung übernimmt, oder ob Sie gerade Ihr Studium abgeschlossen haben und nun in führender Position ins kalte Wasser springen – gerade in der ersten Zeit ist es ratsam, sich bewusst an einfache Grundregeln und Tipps zu halten, wie ich sie hier – auch mithilfe von Berufskollegen mit langjähriger Führungserfahrung – gesammelt habe. Neben all jenen, die eigene Erfahrungen erst sammeln werden, profitieren aber auch erfahrene Führungspersönlichkeiten von der Lektüre dieses Buches, denn in der Rückbesinnung auf das Einfache liegt ein ganz besonderes Potenzial, und eine kleine Auffrischung grundlegender Themen führt oft zu völlig neuen Ideen.
Die berufliche Praxis steht ganz klar im Zentrum dieses Buches: Sie finden darin eine Auswahl erprobter Führungsgrundsätze, die überraschend einfach an verschiedene Rahmenbedingungen angepasst werden können. All die Erfahrungen, die Sie an Ihrem Arbeitsplatz und gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern sammeln, werden Sie immer mehr dazu befähigen, selbstständig kreative Methoden zu entwickeln, die Ihnen bei der Bewältigung Ihrer verantwortungsvollen Aufgaben helfen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und im Folgenden eine anregende Lektüre!

Detlef Scholz

Der Weg ist das Ziel

Kurzer Leitfaden für den Umgang mit diesem Buch

Ich möchte Ihnen hier einen raschen Einstieg in dieses Buch ermöglichen, das als Ratgeber angelegt ist und wichtige Themen möglichst kurz und bündig erklärt. Damit Sie schnell den roten Faden aufnehmen können, stelle ich Ihnen vorweg die wesentlichen Bausteine des Buches vor.

Kapitel

Die einzelnen Kapitel gleichen einander in ihrem Aufbau. Dadurch bekommen Sie einen raschen Überblick und der unmittelbare Einstieg wird erleichtert. Die Kapitel beginnen immer mit einer Fragestellung, auf die anschließend erläuternd eingegangen wird. Praxisbeispiele sowie abschließende Tipps finden Sie jeweils am Ende eines Kapitels, gefolgt von Erfahrungsberichten, die Führungskräfte für dieses Buch zu Papier gebracht haben. Sie können das Buch von vorne bis hinten durchlesen oder auch nur einzelne Kapitel, die Sie besonders interessieren, separat durcharbeiten.

Kapitelverbindungen

Innerhalb der einzelnen Kapitel finden Sie immer wieder Hinweise auf andere Teile des Buches. Aus didaktischen Gründen wiederholen sich manche dargestellte Situationen oder Beschreibungen. Manchmal empfehle ich ganz bewusst, zwei Kapitel kombiniert zu lesen.

Beispiele

Die angeführten Beispiele stammen aus verschiedenen Feldern: einerseits aus meiner beruflichen Praxis, aber auch aus Situationen, die ich in unterschiedlichen Fortbildungsmaßnahmen kennengelernt habe. Möglicherweise wird Ihnen das eine oder andere Beispiel auch in anderen Büchern oder Seminaren zum Thema Führung wieder begegnen.

Beispiele aus der Praxis

Die Beispiele aus der Praxis beziehen sich vorwiegend auf den Sozial- und Gesundheitsbereich. Es handelt sich dabei nicht um fiktive Situationen, die bestimmte Theorien illustrieren sollen, sondern sie entspringen stets der Realität. Die eine oder andere Begebenheit werden Sie sicher aus eigener Erfahrung kennen!

Erfahrungsberichte

Erfahrene Führungskräfte berichten in diesem Buch über Themen aus ihrer beruflichen Praxis. Dabei beziehen sie sich sowohl auf ihre Zeit als frischgebackene Führungskraft als auch auf aktuelle Erfahrungen. Einige dieser Berichte enthalten auch wertvolle Tipps und Hinweise!

Tipps und Empfehlungen

In kurzen Zusammenfassungen finden Sie konkrete Ratschläge, die sich inhaltlich auf die jeweiligen Kapitel beziehen. So erhalten Sie einen guten Überblick über mögliche Interventionsmaßnahmen für verschiedene Führungssituationen.

Anhang – Darstellungen und Kopiervorlagen

Abschließend finden Sie Skizzen und Kopiervorlagen für den täglichen Gebrauch. Sie sind herzlich eingeladen, diese Vorlagen direkt zu verwenden oder auch nach Ihren Bedürfnissen weiterzuentwickeln!

Viel Spaß beim Lesen!

Inhaltsverzeichnis

Teil I Grundlegendes
Ausgangslage: Zahlen – Daten – Fakten
Auf die Plätze – fertig – jetzt geht’s los!
Jetzt sind Sie Führungskraft
Erfahrungsberichte von Führungskräften und Vorstellung
Teil II Führungswerk
1 Führungskraft
1.1 Ausgangsposition
1.2 Rahmenbedingungen
1.3 Erwartungen
1.4 Was macht eine Führungskraft aus
1.5 Kompetenzen
1.6 Führungskompetenzen
1.7 Aufgaben der Führungskraft
1.8 Die Rolle als Führungskraft
1.9 Führungspersönlichkeiten
1.10 Lernprozess und Entwicklungen
1.11 Erfahrungsberichte
2 Multi-Management
2.1 „Einfach Management“ oder: Management – einfach gemacht
2.2 Definition von Führung und Management
2.3 Managementmodelle und -konzepte
2.4 Normatives Management
2.5 Managementtechniken
2.6 Management im Sozial- und Gesundheitswesen
2.7 Managementaufbau
2.8 Management in Non-Profit-Organisationen
2.9 Management ohne Führung
2.10 Freiwilligenmanagement
2.11 Unternehmenskultur-Management
2.12 Wertemanagement
2.13 Management in sozialen Systemen
2.14 Diversity Management
2.15 Erfahrungsberichte
3 Führung
3.1 Definition von Führung
3.2 Führung und Leitung
3.3 Führungstheorien
3.4 Führungskonzept
3.5 Führungsmodelle
3.6 Führungsstile
3.7 Führungsziele
3.8 Führungswerte
3.9 Führungsethik
3.10 Laterale Führung – Führen ohne Macht
3.11 Erfahrungsberichte
4 Führungskommunikation
4.1 Kommunikation in der Führung
4.2 Ebenen der Kommunikation
4.3 Kommunikation und Anpassung
4.4 Kommunikation und Struktur
4.5 Sozialkommunikative Kompetenzen
4.6 Fehler in der Kommunikation vermeiden
4.7 Schwierige Gespräche
4.8 Der einfache Dialog
4.9 Mitarbeitergespräche – Mitarbeiterbeurteilungsgespräch
4.10 Feedback
4.11 Interdisziplinäre Kommunikation
4.12 Gespräche in Team
4.13 Ethik in der Kommunikation
4.14 Interkulturelle Kommunikation
4.15 Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
4.16 Erfahrungsberichte
5 Führungsarbeit
5.1 Humanzentrierung
5.2 Fördermethoden und Humanzentrierung
5.3 Mitarbeiterorientierung versus Aufgabenorientierung
5.4 Dimensionen der Humanzentrierung
5.5 Mitarbeiterpotenzial
5.6 Mitarbeiterentwicklung
5.7 Mitarbeiterförderung
5.8 Zielarbeit
5.9 Motivierende Ziele
5.10 Motivation – Motivierung
5.11 Motivationsansätze
5.12 Die Bedeutung von Eigenmotivation
5.13 Die Wirkung von Motivation
5.14 Motivation und Führung
5.15 Motivation in sozialen Organisationen
5.16 Erfahrungsberichte
6 Teamarbeit
6.1 Teamentwicklung
6.2 Fachlicher Ansatz
6.3 Potenzial und Grenzen von Teamarbeit
6.4 Die Phasen der Teamentwicklung in der Praxis
6.5 Teamziele
6.6 Interventionsmöglichkeiten für Führungskräfte
6.7 Teamfähigkeit
6.8 Motivation im Team
6.9 Erfahrungsberichte
Teil III Informationen für den Alltag
1 Reflexion durch Selbstcoaching
1.1 Selbstcoaching – was ist das?
1.2 Warum sollten Sie sich selbst coachen?
1.3 Selbstcoaching als Methode
1.4 Einfache Fragetechniken
2 Zeit- und Selbstmanagement
2.1 Instrumente für das Selbstmanagement
2.2 Schlüsselqualifikation Selbstmanagement
2.3 Zeitmanagement
2.4 Methodenmix
3 Stressmanagement
3.1 Was ist Stress?
3.2 Stressvermeidung
3.3 Stressmanagement
3.4 Zwanzig einfache Sofortmaßnahmen gegen Stress
4 Work-Life-Balance
4.1 Wechselwirkungen
4.2 Beispiele für Maßnahmen
4.3 Fünf Tipps für die richtige Work-Life-Balance
4.4 Work-Life-Balance bei Führungskräfte
5 Samurai-Management
5.1 Samurai-Prinzipien
5.2 Rollen
5.3 Entwicklung
5.4 Vergänglichkeit bewusstmachen
6 Auf die Plätze – fertig – los!
6.1 Der Sprung ins kalte Wasser … jetzt geht's los!
6.2 Die Maßnahmen in der Startposition
6.3 Die Aufgaben der ersten Tag
6.4 Darauf sollten Sie in den ersten Tagen besonders achten
6.5 Von nun an haben Sie die volle Verantwortung
6.6 Der Boxenstopp
6.7 Das Service
6.8 Die Zukunft
7 Beispieltag
Anhang Darstellungen und Kopiervorlagen
Abschluss
Dank
Literaturverzeichnis

Teil I
Grundlegendes

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Ausgangslage: Zahlen – Daten – Fakten

Ich möchte Sie in diesem Buch mit möglichst wenig Zahlen und rein theoretischen Dingen konfrontieren. Ein paar Fakten möchte ich an dieser Stelle dennoch anführen, weil sie zum Einstieg wichtig sind.

Wenn wir von Führung oder Führungskräften sprechen, dann denken wir meist nur an uns selbst und unser Umfeld. Doch hätten Sie jemals gedacht, dass in Österreich mehr als eine halbe Million Menschen in führenden Positionen tätig ist?

Viele Tausend von ihnen arbeiten im Sozial- und Gesundheitsbereich und sind täglich mit zig Millionen Führungssituationen konfrontiert. Aus diesem Grund ist es auch sehr wichtig, dass über dieses Thema, das so viele Menschen betrifft, vielgesprochen und publiziert wird. Google verzeichnet allein zu folgenden Suchbegriffen gigantische Zahlen an Ergebnissen:

Management 2.740.000.000 Ergebnisse
Führung 45.600.000 Ergebnisse
Führung und Leitung 20.900.000 Ergebnisse
Führungskräfte 9.190.000 Ergebnisse
Führung und Leitung in sozialen Organisationen 540.000 Ergebnisse
Leading and Managing People 420.000.000 Ergebnisse
Leading and Managing Nursing 148.000.000 Ergebnisse
Führungsseminare 79.600 Ergebnisse
Universitätslehrgänge für Führungskräfte 10.100 Ergebnisse
Führungskräfteausbildungen 5.260 Ergebnisse
Unilehrgang für Führungskräfte im Gesundheitswesen 5.090 Ergebnisse

Auch wenn man kein Soziologe ist, wird bei einem Blick auf die demografische Entwicklung in Österreich sehr bald klar: Spätestens ab 2020 wird hierzulande so viel Pflege- und Betreuungspersonal beschäftigt sein wie noch nie zuvor. Dementsprechend hoch wird auch der Bedarf an fähigen Führungskräften sein.
Unzählige Ausbildungen, Seminare, Lehrgänge und Bücher für angehende oder erfahrene Führungskräfte gibt es bereits auf dem Markt. Vieles ist relativ neu, anderes hat nur noch historischen Wert. Eine große Zahl an Methoden wird von oben nach unten und von allen möglichen Seiten und Perspektiven beschrieben, bearbeitet und interpretiert. Und wenn Sie erst einige Jahre als Führungskraft erlebt haben, können auch Sie sicherlich einiges berichten!

Auf die Plätze - fertig - jetzt geht's los!

Allen voran stelle ich Ihnen eine Frage: Warum haben Sie die Entscheidung getroffen, Führungsverantwortung zu übernehmen? Ist Ihnen bewusst, was das bedeutet? Ich bin mir sicher, dass Sie sich das gut überlegt haben. Vielleicht ist Ihre neue Aufgabe Teil Ihrer beruflichen Lebensplanung, eine persönliche Herausforderung oder Sie erreichen gerade ein Ziel, das Sie sich gesteckt haben. Es gibt negative Zurufe aus Ihrem Umfeld? Begegnen Sie ihnen nach dem Motto „Jetzt erst recht!“.

Ein paar Tipps gleich zu Beginn:

Ihre neue Rolle als Führungskraft

Zunächst empfehle ich Ihnen, sich mit Ihrer neuen Rolle bewusst auseinanderzusetzen. Machen Sie sich ein Bild davon und grenzen Sie sich zu Ihren bisherigen beruflichen Aufgaben ab. Schreiben Sie sich dieses Bild unbedingt auf und arbeiten Sie mit dieser Grundlage weiter.

Verantwortung

Verantwortung zu haben, ist ein gutes Gefühl, aber auch eine große Herausforderung. Stecken Sie Ihre Verantwortungsbereiche genau ab und ziehen Sie Grenzen. Sensibilisieren Sie sich selbst immer wieder dafür, wo Ihr Verantwortungsbereich beginnt und wo er endet.

Erwartungen

Es ist immer gut, wenn man nicht zu hohe Erwartungen hat. Trotzdem: Setzen Sie sich mit Ihren Erwartungen auseinander und teilen Sie sie auch mit. Fragen Sie auch die Menschen, mit denen Sie zu tun haben werden, was sie von Ihnen erwarten. Erfüllte Erwartungen schaffen Vertrauen!

Vorbereitung

Wenn Sie sich gut vorbereiten, haben Sie bereits einen wichtigen Teil Ihres Weges zum Ziel geschafft. Sie haben eine Ausbildung abgeschlossen oder viele praktische Erfahrungen gesammelt? Was kommt als Nächstes? Stellen Sie sich auf Ihren neuen Aufgabenbereich ein und bereiten Sie sich auf mögliche Herausforderungen vor. Einen wichtigen Schritt setzen Sie gerade: Sie reflektieren Ihre neuen Aufgaben, indem Sie sich mit diesem Buch beschäftigen.

Auf eines sollten Sie besonders achten!

Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden! Teilen Sie sich Ihre Kräfte gut ein und setzen Sie einen Schritt nach dem anderen. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie in kurzer Zeit alles können!

Jetzt sind Sie Führungskraft

Sind Sie bereit für den Neustart? Eine Stelle als Führungskraft zu übernehmen, ist nicht leicht – und es ist ein entscheidender Moment in Ihrem beruflichen Werdegang. In Ihrer neuen Position kommen viele Verpflichtungen und Verantwortungen auf Sie zu. Sie stellen sich spannenden Herausforderungen und gleichzeitig treiben Sie Ihre persönliche Entwicklung voran. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein paar Gedankenanstöße mit auf den Weg geben.

Analyse und Vorbereitung

Wahrscheinlich wissen Sie in etwa, was Sie erwartet. Trotzdem lohnt es sich, im Vorfeld verschiedene Prozesse genau zu analysieren. Betrachten Sie vielleicht noch einmal die verschiedenen Dimensionen Ihrer neuen Aufgabe und machen Sie sich ein genaues Bild davon. Holen Sie möglichst viele Informationen ein, damit Sie sich gut vorbereiten können. Fehler lassen sich auch bei bester Vorbereitung nicht völlig vermeiden, der Tritt in das eine oder andere Fettnäpfchen aber schon. Die folgenden Fragen sollten Sie bei Ihrer Analyse berücksichtigen:

Ich bin sicher, dass Ihnen noch weitere Fragen einfallen.

Schreiben Sie sie auf!

Ihr persönlicher Plan

Mit einem guten Überblick über Ihre neuen Tätigkeiten und mit ausreichend vorhandenen (Insider-)Informationen können Sie sich nun Ihrer persönlichen Planung widmen. Auf dieser Basis stecken Sie sich Ihre Ziele und formulieren Maßnahmen – zum Beispiel für Ihre ersten 100 Tage als Führungskraft. Hierzu gibt es ein schon oft publiziertes einfaches Phasenmodell:

Orientierungsphase

In dieser Phase geht es vor allem darum, direkt aus dem Unternehmen Informationen zu bekommen. Damit erweitern Sie Ihren bereits im Vorfeld eingeholten Wissensschatz zum Beispiel um Kenntnisse der Arbeitskultur, über informelle Strukturen oder interne betriebspolitische Abläufe.

Positionierungsphase

Was ist Ihre Rolle im Unternehmen und welche Aufgaben sind damit verbunden? Finden Sie heraus, welche Spielräume Ihnen zur Verfügung stehen, um sich selbst zu positionieren. Wichtige Elemente in diesem Zusammenhang können auch Fragen der Unternehmenskultur und der Kommunikationswege sein.

Umsetzungsphase

In diese Phase kommen Sie ungefähr nach den ersten 100 Tagen in Ihrer neuen Position. Es bietet sich nun zum Beispiel eine Präsentation an, in der Sie Ihre Visionen beziehungsweise Ihren Fokus für die Zukunft vorstellen. Auf jeden Fall sollten Sie ab dieser Phase Ihre Handlungsfähigkeit als Führungskraft unter Beweis stellen.

Erster Tag als Führungskraft

Schon der erste Tag ist für viele Dinge prägend und entscheidend, weswegen er sorgfältig vorbereitet sein sollte. Ideal ist es, wenn Ihre Vorstellung und Einführung in das Unternehmen in einem feierlichen Rahmen stattfindet. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um sich bei den neuen Kollegen und Mitarbeitern mit einer Rede vorzustellen. Damit Sie dafür den richtigen Ton treffen, erkundigen Sie sich im Vorfeld, was im Unternehmen üblich und geplant ist.

Der erste Bezug zu Ihren Mitarbeitern

Ihre Leistung als Führungskraft wird vor allem anhand der Leistungen Ihrer Mitarbeiter beurteilt, weshalb die Motivation Ihres Teams eine große Rolle spielt. Gerade neue Führungskräfte müssen kommunikatives Geschick beweisen, um darauf Einfluss zu nehmen. Suchen Sie deswegen unbedingt Vier-Augen-Gespräche mit Ihren Mitarbeitern, um herauszufinden, wo diese Menschen stehen, welche Sorgen und Anliegen sowie Ideen und Ziele sie haben. Eine wichtige Frage ist auch, welche Erwartungen an Sie selbst gestellt werden. Bitte formulieren Sie auch möglichst genau, was Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten.

Führungsarbeit

Steuerungs- und Führungsaufgaben zählen ganz klar zu den wichtigsten Schwerpunkten Ihrer neuen Tätigkeit. Hüten Sie sich deswegen vor allem in den ersten Tagen vor Ungeduld und allzu großem Eifer – damit würden Sie sowohl sich selbst als auch Ihre Mitarbeiter überfordern. Bewahren Sie stattdessen den Überblick über die Gesamtsituation, achten Sie auf mögliche Potenziale und Chancen. Gehen Sie bewusst, präsent und offen an Ihre neue Aufgabe heran! Dieses Buch gibt Ihnen wichtige Anhaltspunkte und lässt Sie von den Erfahrungen langjähriger Kollegen profitieren, an denen Sie sich für die erste Zeit gut orientieren können – es wird nicht lange dauern, bis Sie selbst am besten wissen, wie Sie verschiedensten Herausforderungen aus eigener Kraft begegnen.

Erfahrungsberichte von Führungskräften

Quer durch das ganze Buch begleiten Sie Erfahrungsberichte von Führungskräften, die bereits auf eine mehrjährige Berufserfahrung zurückblicken. Diese Berichte spiegeln individuelle Wahrnehmungen und Zugänge wider, die sich nicht notwendigerweise mit meiner eigenen Meinung decken müssen, und auch meine Zugänge werden nicht zwingend jene der Berichtenden sein. Sowohl bei der Lektüre dieses Buches als auch in Ihrer beruflichen Praxis als Führungskraft werden Sie sich immer wieder selbst ein eigenes Urteil bilden – das ist gut und notwendig, denn letztendlich übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Tun.

Diese Erfahrungsberichte sollen Ihnen keineswegs den Eindruck vermitteln, dass es genügt, einfach dieses Buch zu lesen, um anschließend all Ihre Ziele spielend leicht zu erreichen! Führung heißt, immer wieder aufs Neue bestimmte Situationen in ihrem jeweiligen Kontext und ganzheitlich zu betrachten. Dazu ist es manchmal notwendig, auch professionelle Unterstützung hinzuzuziehen, etwa im Rahmen eines Coachings oder in einer anderen Form der angeleiteten Reflexion.

Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse beim Lesen der Erfahrungsberichte!

Vorstellung der Erfahrungsberichter

sometext Elisabeth Grna, MSc, DGKP
Pflegedirektorin eines Pflegeheimes im Bundesland Niederösterreich Nach dem Diplom der Allgemeinen Krankenpflege 1993 bis 2010 Tätigkeiten im akuten Bereich, vorwiegend in der Privatwirtschaft. 2010 Wechsel in die Langzeitpflege. Ab 2006 Positionen im mittleren Management, seit Mai 2014 Pflegedirektorin in einem Pflegeheim.
sometext Hon.-Prof. (FH) Mag. Dr. Dipl.-HTL-Ing. Gerd Hartinger, MPH Geschäftsführer geriatrischer Gesundheitseinrichtungen im Bundesland Steiermark
Gesundheitswissenschaftler (Medizinische Universität Graz), Ökonom (Karl-Franzens Universität Graz), Techniker (BM für Wirtschaftliche Angelegenheiten Wien), 10-jährige Managementerfahrung in internationalen Industriekonzernen – u. a. Geschäftsführer eines österreichisch/tschechischen Groß-Joint-Ventures, langjährige, leitende Funktion in mittleren und großen Krankenanstalten (Univ. Klinikum Graz etc.), Geschäftsführer/CEO der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz – die GGZ sind Staatspreisträger für Unternehmensqualität lt. EFQM 2014 (QA und BMWFW), Aufsichtsratserfahrung bei großen Krankenanstalten-Gesellschaften, Universitäts- und FH-Lektor, Unternehmensberater und Trainer, Autor einschlägiger Fachbücher, Klinik Award 2015 als „Manager des Jahres“ als erster Österreicher (Berlin), Gründungsmitglied zahlreicher wohltätiger und ehrenamtlicher Vereine (Wachkomaverein, Bunte Blätter, VGKÖ etc.)
sometext Beatrix Koch
Direktorin eines Pflegezentrums im Bundesland Steiermark
Industriekauffrau, E.D.E.-Heimleiterin, Zertifiziererin des „Nationalen Qualitätszertifikats“ (NQZ). Zunächst Mitarbeiterin in einem Pflegezentrum, später Heimleiterin der gleichen Einrichtung. Motto: „Wer sich für zu wichtig für kleine Aufgaben hält, ist oft zu klein für wichtige Aufgaben.“ (Jacques Tati)
sometext Ulrike Koller, MBA
Pflegebereichsleiterin in einer Krankenanstalt im Bundesland Wien
Diplom der Kinderkranken- und Säuglingspflege, Sonderausbildung zur Heranbildung von Krankenpflegepersonen für die Pflege von Intensivpatienten, Diplom der Allgemeinen Krankenpflege, Sonderausbildung für basales und mittleres Management. Universitätslehrgang Health Care Management an der Wirtschaftsuniversität Wien.
sometext Dorin-Ioan Limbean, MSc
Heim- und Pflegedienstleitung eines Sozialzentrums im Bundesland Vorarlberg

Diplom der Allgemeinen Krankenpflege, Ausbildung basales und mittleres Pflegemanagement gemäß § 64 und § 72 GuKG, EDE-Heimleiter.
sometext Mag. Johannes Josef Mandl
Geschäftsführer und Hausdirektor einer Altenpflegeeinrichtung im Bundesland Wien

Studium der Betriebswirtschaft (Wirtschaftsuniversität Wien), akademisch geprüfter Krankenhausmanager (WU Wien), diplomierter Projektmanager (WIFI campus Wien), E-Qalin-Prozessmanager (IBG). Seit über 15 Jahren im Management von Gesundheits- beziehungsweise geriatrischen Unternehmungen als Controller, Projektmanager und nun seit fünf Jahren als Geschäftsführer tätig.
sometext Claudia Michalica-Zottl, MSc, aLfGuK Leiterin einer Akademie im Bundesland WienSonderausbildung für Lehraufgaben gemäß § 72 GuKG, ausgebildete Gesundheitsmanagerin. Als Direktorin der Berufsausbildungen zur Pflegehilfe langjährige Unterrichtstätigkeit und Leitungserfahrung. Derzeit Ausbildung im internationalen Universitätslehrgang für Organisationsethik.
sometext Dipl. Ing. Evi Pohl-Iser
Stv. Geschäftsführerin in einer sozialen Dienstleistungsorganisation im Bundesland Wien

Seit 2003 Abteilungsleiterin von „Hilfe und Pflege daheim“, stv. Geschäftsführung seit 2010. Für 500 Mitarbeiter in der mobilen Betreuung und Pflege sowie Freizeiteinrichtungen für Menschen mit Behinderung verantwortlich. Zuvor Ziviltechnikerin in der Landschaftsplanung, Projektmanagement, Organisationsentwicklung. Derzeit Studium der Gerontologie und sozialen Innovation an der Uni Wien.
sometext Josephine Schenk
Pflegedienstleiterin in einem Pflegeheim im Bundesland Burgenland
Ausbildung gemäß § 64 und § 72 GuKG, ausgebildete Sozialmanagerin und geprüfte Praxisanleiterin für die Auszubildenden im Gesundheitswesen. Langjährige Führungserfahrung, im Jahr 2014 ausgezeichnet als „Pflegerin mit Herz“ für das Burgenland.
sometext Susanne Stanzel, MBA
Direktorin in einem Pflegeheim im Bundesland Niederösterreich
Pflegedienstleiterin und Obfrau der Fachgruppe NÖ Pflegeheime. Ausbildung zur akademischen Pflegemanagerin, danach Akademie für Sozialmanagement in Wien und Universitätslehrgang Gesundheitswesen/Healthcare-Management in Krems.
sometext Michael Strozer, MSc
Direktor in einem Pflegeheim im Bundesland Niederösterreich
Matura 1982, danach Tätigkeit beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung (Wohnbauförderung, Arbeitnehmerförderung, Familienreferat). Seit März 2001 in der Abteilung Landeskrankenanstalten und Landesheime für alle niederösterreichischen Landespflegeheime im strategischen Bereich tätig (Budget, Personal und Öffentlichkeitsarbeit, Schwerpunkte: strategisches und taktisches Controlling). Leitung der interdisziplinären Projektgruppe Personalbedarf des Landes Niederösterreich. 2009 bis 2011 berufsbegleitendes Studium „Social Management“. Seit 2014 Leiter eines Pflegeheims.
sometext Mag.a Andrea Wittmann, MSc
Leiterin einer Sozialeinrichtung im Bundesland Niederösterreich
Studium der Theaterwissenschaft an der Universität Wien und des Healthcare-Managements an der Donau-Universität Krems. Sozialmanagerin, Lehrwartin für Behindertensport und Theaterpädagogin. Leitungsfunktionen in verschiedenen Organisationen im Sozialbereich.
sometext Mag. Manfred Wurm, MSc
Leiter eines Altenheims im Bundesland Oberösterreich

Nach dem Studium einige Jahre in der Steuer- und Wirtschaftsberatung tätig, anschließend Leiter einer Betreuungseinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Neben seiner aktuellen Aufgabe als Leiter eines Altenheims in Oberösterreich Beschäftigung mit modernen Führungsansätzen.

Teil II
Führungswerk

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