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Das Buch

In Frankfurt werden drei Frauen tot aufgefunden. Alle der gleiche Typ: jung, mädchenhaft, sexy. Es riecht nach einem Serientäter, der ein bestimmtes Tötungsritual bevorzugt. Alle Mädchen hatten kurz vor ihrem Ableben Sex und Drogen oder Alkohol im Blut. Die erste Spur führt zu einer Disco. Lauert der Täter dort seinen willigen Opfern auf?

Jörg Rock ist Journalist und arbeitet regelmäßig, quasi undercover, für die Mordkommission. Genauer gesagt für Esther Streit, Hauptkommissarin, und Rock sexuell verfallen. Immer wenn es darum geht, heiße Informationen vor Ort aufzuspüren, engagiert sie ihn. Sein Lohn: Sex.

Und weil die Ermittlungen nicht so recht voranschreiten, schaltet sich die neue und äußerst attraktive Staatsanwältin Angelika Rossmann ein, sorgt für allerlei Wirbel und wirft einen Blick auf Jörg Rock.

Komplikationen sind vorprogrammiert, während sich der Serientäter ein neues williges Opfer sucht.

Der Autor

Harry Hold ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der seit etlichen Jahren Krimis unter seinem richtigen Namen veröffentlicht und nun mit „Willige Opfer – Sex & Crime 1“ eine Reihe startet, die exklusiv als ebook erscheinen wird. Der zweite Teil „Perverse Opfer – Sex & Crime 2“ wird noch im September 2012 veröffentlicht.

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Harry Hold

Willige Opfer

Sex & Crime 1

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Copyright © 2012 mainbook Verlag, mainebook
Herausgeber: Gerd Fischer
Alle Rechte vorbehalten

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Inhalt

Prolog

KAPITEL 1

KAPITEL 2

KAPITEL 3

KAPITEL 4

KAPITEL 5

KAPITEL 6

KAPITEL 7

Prolog

Die junge Frau stolzierte auf hochhackigen Pumps und im Minirock aus der Disco. Schwarze Locken fielen ihr ins Gesicht, die sie mit der linken Hand weg wischte. Sie lutschte an einer Zigarette, als sei sie ein Kondom.

Er beobachtete sie aus einiger Entfernung und zog den Mantelkragen höher. `Ne kleine Schnecke aus Griesheim oder dem Gallus, dachte er, höchstens 25 und einiges intus`. Genau sein Geschmack.

Sie bog um die Ecke Richtung Taxi-Stand. Er heftete sich an ihre Fersen. Das Glück schien auf seiner Seite. Nirgends war ein Taxi auszumachen.

Sie warf die Kippe weg und fluchte. ‚Shit‘, verstand er. Sie schaute sich immer wieder um, wirkte aufgedreht. Aggressiv. Genau seine Kragenweite: Wenn sie sich noch wehrten, bevor er sie nahm.

Sie schaute sich um und hob bei jedem vorbeifahrenden Auto die Hand, scheinbar hatte sie nie zuvor registriert, dass nachts das Schild auf dem Dach leuchtete, wenn das Taxi frei war. Er lachte und nutzte die Situation.

„Hey, Lady. Wo soll‘s denn hingehen?“

„Verpiss dich, Alter!“ Wie geil! Die Kleine machte ihn scharf. Er stellte sich neben sie, holte die Zigarettenpackung heraus und bot ihr eine Kippe an. Ihr Feuerblick funkelte ihn an, doch als sie sein Angebot registrierte, flog ein zartes Lächeln um ihren Mund. Makellose Haut, leicht gebräunt. Spitze Lippen. Die Augen schmal, asiatischer Einschlag. Ganz heißes Eisen. Er gratulierte sich zu seiner Wahl und gab ihr Feuer.

„Könnte dauern mit dem Taxi“, sagte er. „Messewochenende. Außerdem hat die Eintracht gespielt.“

Ihre roten Lippen umschlossen die Zigarette. Welch ein Anblick! Er brannte innerlich. Wieder hob sie den Arm, doch kein Auto hielt. Auf der zweispurigen Straße Richtung Innenstadt war kaum Verkehr um halb eins in der Nacht.

„Keinen schönen Abend gehabt?“, fragte er. Seine Kippe landete in der Gosse.

„Leck mich!“

Nichts lieber als das, aber vorher schwebte ihm etwas anderes vor. „Wie wär‘s mit nem Drink? Ich lad‘ dich ein.“

Sie schaute ihn an. Ihre Augen schimmerten glasig. Könnten Drogen im Spiel sein, dachte er. Ein Autoscheinwerfer erhellte ihr Gesicht. Er erkannte verschmierten Kajal. Entweder hatte ein Typ sie sitzenlassen oder betrogen. In jedem Fall war sie allein. Er durfte jetzt nicht lockerlassen. „Prosecco, Schampus, was du willst. Du kannst doch sicher noch was vertragen. Mir ist irgendwie nach Gesellschaft heute.“ Plötzlich legte sie ihre Hand auf seine Schulter, stützte sich ab und hob das rechte Bein. Sie balancierte auf dem linken und massierte ihre rechte Fessel. Dabei konnte er genau in ihren Ausschnitt schauen. 75B. Alle Achtung!

„Okay“, hörte er aus ihrem Mund. „Und wo?“

„Wenn du Lust hast, bei mir. Kühlschrank ist voll. Oder hast du Angst?“

„Pahhhhh, ey!“, raunzte sie ihn an. „Ich und Angst? Du hast sie wohl nicht alle.“

„Wenn du mir versprichst, nicht abzuhauen, hol ich den Wagen. Vielleicht wird er dich überzeugen.“

Keine zwei Minuten später schoss er mit seinem nagelneuen SLK Cabrio vom Parkplatz und hielt direkt vor ihren Füßen. Er öffnete die Tür. „Bitte einsteigen, die Dame.“

Sie schaute verblüfft und pfiff durch die Zähne. „Nette Karre.“

Er lächelte. In diesem Moment wusste er, dass er sie geknackt hatte. Er war ein Glückspilz. Die Kleine glaubte tatsächlich, mit ihm ein paar lustige Stunden verbringen zu können. In seiner Hose spürte er etwas, das ihm mächtig Auftrieb gab.

„Hab wohl das große Los gezogen, wa?“, sagte sie.

Er konnte es nicht fassen, wie naiv manche Gören waren. Die von letzter Woche war genauso. In wenigen Stunden würde sie ihre Worte überdenken. Nein! Er schüttelte den Kopf: verfluchen!

KAPITEL 1

1

„Schon die zweite junge Frau“, sagte Hauptkommissarin Esther Streit zu Jörg Rock. Der 36-jährige ehemalige Rundschau Redakteur, der seit mehr als fünf Jahren als freier Journalist arbeitete, nahm einen Schluck Sauergespritzten und schaute Esthers dunkle Augen an, die ihm einen Tick zu ernst schienen. „Wieder erdrosselt?“

Esthers Nicken wirkte gequält: „Und wieder am Waldrand entsorgt. Diesmal an der Oberforstschneise. Mit dem Auto angehalten, aus dem Kofferraum gezerrt, liegengelassen, abgehauen. Nach allem, was wir derzeit sagen können, handelt es sich zweifelsfrei um den selben Täter.“ Rock leerte sein Glas und orderte ein neues.

Sie saßen im ‚Gemalten Haus‘, einer der traditionellen Frankfurter Apfelweinkneipen. Gemälde, die die historische Stadt zeigten, schmückten die Wände. Das Mobiliar und Ambiente mutete antik an. Es war voll. Und urgemütlich. Die Gäste, vorwiegend Frankfurter älteren Semesters und einige asiatische Touristen, waren laut und ausgelassen, die Luft stickig und heiß.

Rock wollte gerade eine Vermutung äußern, als ihm Esther in die Parade fuhr: „Geschlechtsverkehr auch wieder. Unmittelbar vor ihrem Tod. Und nicht zu knapp. Die Leiche war halbnackt, Alkohol und Drogen im Blut. Identisches Muster. Ich könnte kotzen!“ Rock nahm das Gerippte – so nennen die Frankfurter ihre Apfelweingläser mit dem Rautenmuster auf dem Glas – von der Bedienung entgegen und entschied sich für eine Rindswurst mit Sauerkraut und Brot. „Möchtest du auch was essen?“

Esther schüttelte den Kopf. „Mir ist der Appetit vergangen. Ich bleibe heute bei flüssiger Nahrung.“

„Auch keine Lösung.“

„Das sagt der Richtige. Du hast doch früher gesoffen wie ein Schwimmbadabfluss.“

„Und jetzt bin ich clean und mach meinen Job. Kapiert?“

„Das seh‘ ich. Der wievielte ist das?“

„Geht dich nix an. Außerdem ist das Ebbelwoi und kein Alkohol.“

„Na dann! Trotzdem. Schadet deiner Kondition.“ Sie grinste über beide Backen. Seine Ausdauer kannte sie gut. Besonders die im Bett.

„Brauch ich für mein inneres Gleichgewicht“, fügte Rock an.

Esther schaute Rock die nächsten Minuten zu, wie er seine Wurst verputzte, das Kraut aß und immer wieder genüsslich am Sauergespritzten nippte. Als Rock satt war, meinte er: „Und was habt ihr jetzt vor?“

„Wir müssen die Ergebnisse der Gerichtsmedizin abwarten. Große Hoffnung habe ich nicht, dass wir was Verwertbares finden. Der Typ hat keine Spuren hinterlassen. Die Mädchen waren sauber geschrubbt. Porentief rein sozusagen. Er hat bestimmt keine DNA hinterlassen.“

„Was hat er eigentlich mit ihnen gemacht?“

„Bist du fertig mit essen?“

„Ja, wieso?“

„Dann kann ich‘s dir ja sagen: Er hat mit ihnen eine Orgie veranstaltet.“

„Sex, Drugs and Rock’n Roll...“

„Ich meinte eine Blutorgie.“ Rock starrte sie an. „Er hat ihnen die Mösen regelrecht zerfleischt. Aber erst post mortem. Willst du noch mehr wissen?“

„Nee, lass mal.“ Rock hob den Kopf. „Einen Sauergespritzten noch“, rief er zur Bedienung. Esther schüttelte heftig den Kopf.

2

Der Typ vorm Roxy hatte nur Blubber von sich gegeben, aber dafür hatte er einen knackigen Arsch. Das entschädigte für den Rest. Auch die Drinks waren nicht zu verachten. Heutzutage zeigten sich nicht alle Aufreißer spendabel. War auch nicht nötig. Schließlich ging es ihr um handfeste Argumente und einen ordentlichen Fick. Wenn sie nur daran dachte, fuhr ihr inneres Gleichgewicht Achterbahn. Schon viel zu lange hatte sie es sich selbst besorgen müssen. Da kam dieser stramme Glückstreffer gerade richtig. Die ganze Nacht vögeln – göttliche Vorstellung. Ausdauer traute sie ihm zu, die Figur in Schuss, sportliches Auftreten. Auch wenn er bestimmt zehn Jahre älter war. Wahrscheinlich einer dieser Typen, die früher mal Leistungssport gemacht hatten. Sie schwankte zwischen Leichtathletik oder Fußball.

Endlich waren sie bei ihm. Sie wusste zwar nicht genau, wo das war, aber es sah nach einer ruhigen Wohngegend aus. Er fuhr den SLK in die Garage.

Auf der Fahrt hatte sie sich andere Dinge ausgemalt. Sie würde ihm erst einen blasen, da wurde sie jedes Mal so spitz, dass sie die Fassung verlor. Und wenn er einmal abgespritzt hatte, würde er in der zweiten und dritten Runde genug Standfestigkeit beweisen, um sie stundenlang nehmen zu können.

Und genau das brauchte sie heute Nacht. Der Alkohol hatte sie noch schärfer gemacht.

Sie stiegen aus, liefen die Treppe zur Haustür hinauf und kaum waren sie drinnen, warf sie sich auf ihn. So feucht war sie lange nicht gewesen. Sie hielt sich nicht lange mit Knutschen auf und öffnete seinen Reißverschluss.

3

Rock ging verschlafen an sein Handy und hörte Esthers Stimme. „Dass man dich auch mal erwischt.“

„Hey Esther, ist doch erst elf. Vormittags is nich meine Zeit. Und außerdem is heut Samstag.“ Rock gähnte und ging in die Küche, um einen Kaffee aufzusetzen.

„Andere arbeiten schon seit vier, fünf Stunden“, empörte sie sich.

„Kann ich was dafür, dass du so einen beschissenen Job hast? Hättest was Anständiges lernen können.“ Er grinste, weil er wusste, dass er Esther an einer empfindlichen Stelle piekte. Sie ließ sich aber nichts anmerken, sondern kam direkt auf den Grund ihres Anrufes zu sprechen: „Sieht so aus, als hätte unser Mann wieder zugeschlagen. Wir haben heute Morgen das dritte erdrosselte Mädchen gefunden.“

„Scheiße, verdammte!“ Trotz seines Gefühlsausbruchs wirkte Rocks Stimme heiser, als hätte er einen Kloß im Hals.

„Außerdem gibt es Neuigkeiten“, fuhr Esther fort. „Die ersten beiden Opfer verkehrten beide im Roxy. Könnte das Bindeglied sein. Kennst du die Disco?“

„Klar, draußen auf der Mainzer Landstraße.“ Er machte eine kurze Pause. „Also, sie verkehrten da? Soll ich das wörtlich nehmen?“

„Nimm’s, wie du willst. Aber du könntest mir einen Gefallen tun. Schau dich dort um. Kollegen können wir nicht rein schicken. Die werden sofort erkannt.“

„An wen soll ich die Rechnung senden?“

„Wie immer. Alles über meinen Schreibtisch, okay?“

„Geht in Ordnung. Hau ich mir eben die Nacht im Roxy um die Ohren. Wollt schon immer mal eine Zwanzigjährige vernaschen.“ Er lachte tief.

„Du sollst dich umschauen“, fuhr ihn Esther an. „Mehr nicht! Hast ja ein gutes Auge für Leute und Situationen. Alles, was dir auffällt, kann interessant für uns sein.“

„Klar, hab ich alles von dir gelernt.“

Das war ihr Deal. Sie beschaffte ihm erstklassige und exklusive Informationen. Und zwar so früh, dass sie kein anderer Frankfurter Schreiber in den Fingern haben konnte. Und er vögelte sie dafür. Regelmäßig. Wie oft genau, war nicht vereinbart. Sie rief ihn an, er sagte ja oder nein.

Dass er sich kaufen ließ, machte ihm nichts aus. Er hatte nicht das Gefühl sich zu prostituieren, denn es machte ihm Spaß. Esther war nicht gerade die Frau, die man von der Bettkante schubsen würde. Dunkles Haar, temperamentvolle Augen, sehr gepflegt. Ein Lächeln, das den Nordpol zum Schmelzen brachte und weibliche Rundungen an den richtigen Stellen. Im Inneren verbarg sich eine Wildkatze, die ab und zu Freigang brauchte. Mit ihren 34 Jahren wusste sie genau, was sie wollte. Außerdem hätte er für geile News sogar Angela Merkel flachgelegt.

Der Deal lief mittlerweile seit fast drei Jahren zur beiderseitigen Zufriedenheit, denn beide profitierten davon. Und sie dachten nicht im Traum daran, ihn zu beenden.

4

Angelika Rossmann setzte sich an den Schreibtisch des Frankfurter Oberstaatsanwalts Kuhn und atmete tief durch. Welch eine Atmosphäre! Und welch erhabenes Gefühl!

Hier wollte sie schon immer sitzen. Von Anbeginn ihrer Karriere war es ihr Traum gewesen, einmal an diesem Schreibtisch Platz nehmen zu können.

Nur leider nicht unter diesen Umständen.

Oberstaatsanwalt Kuhn lag seit vorgestern im Krankenhaus. Ein schwerer Herzinfarkt hatte ihn niedergestreckt und niemand, nicht einmal der Chefarzt seiner Privatklinik, vermochte zu sagen, ob er sie je wieder lebendig verlassen würde. Er schwebte immer noch zwischen Leben und Tod.

Da die Arbeit nicht liegen bleiben konnte, hatten die entscheidenden Stellen rasch gehandelt und Angelika Rossmann kommissarisch als seine Vertreterin eingesetzt. Mit knapp 41 Jahren hatte sie es geschafft, einen der bedeutendsten Posten in der Staatsanwaltschaft übernehmen zu können. Sie war stolz darauf, in diesem ehrwürdigen Büro arbeiten zu dürfen. Kuhn hatte sie jahrelang protegiert. Sie würde es ihm danken und die offenen Fälle zu einem guten Abschluss bringen.

Das war sie ihm schuldig.

Frau Rossmanns imposante Erscheinung erfüllte das großzügige Büro mit einer Note von Eleganz und Schönheit. Sie trug ihre hellblonden Haare lang und glatt, war stets tadellos und klassisch in schwarzem Anzug und heller Bluse gekleidet und ihre dunklen Lederpumps kaufte sie vorzugsweise in Mailand.

Die oberste Akte verursachte ihr Kopfzerbrechen. Ein Serienmörder, oder sollte sie besser sagen Ritualmörder, hatte drei junge Mädchen auf dem Gewissen. Bislang tappte die Mordkommission im Dunkeln.

Esther Streit war die leitende Hauptkommissarin. Ein Besuch bei ihr konnte sicher nicht schaden, dachte Frau Rossmann, um die Befugnisse abzustecken und die Dringlichkeit zu klären. Insgeheim wollte sie ihr schon immer einmal auf den Zahn fühlen, denn ihre Aufklärungsquote lag erstaunlich hoch, obwohl sie nicht mehr Personal beanspruchte als ihre Kollegen. Irgendetwas schien dort nicht mit rechten Dingen vor sich zu gehen. Und sie, Angelika Rossmann, würde herausfinden was.

5

So einfach hatten es ihm die ersten drei nicht gemacht. Ein paar spendierte Drinks an der Bar im Roxy und hier und da ein Kompliment hatten genügt. Was ihm nicht schwerfiel, denn sie war eine Schönheit. Augen, Nase, Mund schienen von Cleopatra entliehen. Die Figur hätte Julia Roberts alle Ehre gemacht. Und die Brüste waren wohlgeformte Knospen, die sich durchs eng anliegende T-Shirt bohrten und direkt seine Lendengegend belebten.

Wow, und nochmals wow!

Die Kleine mit ihren pechschwarzen gelockten Haaren war ganz schön angeschwipst und peilte nicht mehr alles. Jede Nacht schien eine Steigerung bereitzuhalten. Es war atemberaubend und er ärgerte sich, diesen Laden nicht schon früher beehrt zu haben.

Er sah sich bereits draußen, zum Wagen gehen, einsteigen und mit ihr los düsen. Nach Hause.

Ins Blutparadies.

Vorfreude war etwas unsagbar Schönes. Genau wie seine Begleiterin der Nacht. Die Auserwählte, mit der er einen Rausch erleben würde. Einen echten Blutrausch.

Sein eigenes Blut kam immer mehr in Wallung. Und ihres würde bald überkochen.

6

„Was zum Henker willst du, Rock?“ Esther Streits Stimme am Telefon klang ärgerlich und verschlafen. „Hast du mal auf die Uhr geschaut? Es ist kurz nach zwei nachts.“

„Halleluja“, antwortete der Journalist, der vors Roxy getreten war, um in Ruhe telefonieren zu können. „Hier laufen etwa 500 Typen rum, die drauf aus sind, ein Girl abzuschleppen und etwa 300 Girls, die sich abschleppen lassen wollen.“

„Gute Quote. Hast du was anderes erwartet?“ Sie wirkte extrem genervt.

„Ich latsche jetzt seit Stunden hier rum. Die sehen alle gleich aus. Die Typen im Anzug, die Frauen aufgemotzt und kaum was am Leib. Und außerdem halten sie sich für was Besseres. Ehrlich gesagt hab ich keinen Bock mehr.“ Er zögerte und fügte dann hoffnungsvoll hinzu: „Nur auf dich vielleicht. Na, wie wär‘s mit uns beiden heute Nacht?“

„Rock“, schrie Esther und klang aufgebracht. „Ich habe dir den Auftrag gegeben, weil er wichtig ist. Und nicht, damit du dich aufgeilst, um dann bei mir abzuspritzen. Ist das klar?“

„Moment mal“, hauchte er plötzlich ins Handy und war ganz still. Er beobachtete einen Typen, der mit einer Wahnsinnsschnitte aus dem Roxy stolperte. Sie schien betrunken, während er sie unter dem Arm stützte und vorwärts führte. Der Typ trug schwarze kurze Haare, einen trendig geschnittenen Anzug, ein Hemd ohne Krawatte und war braungebrannt.

Rock hatte plötzlich ein merkwürdiges Gefühl. Warum wusste er nicht. Vielleicht war es Instinkt. Das Gespür für Menschen und Situationen. Vielleicht auch nur eine bloße Ahnung, weil er nicht mehr im Heuhaufen rumstochern wollte, um die berühmte Nadel zu finden. „Da ist einer mit einer jungen Lady“, flüsterte Rock ins Handy. „Frag mich nicht warum, aber irgendwie kommt er mir verdächtig vor.“

„Ich wusste, dass ich mich auf deine Nase verlassen kann. Du hast was gut bei mir. Häng dich dran!“

„Noch wissen wir nicht, ob er‘s ist.“

„Finde es raus!“ Esther Streit klickte ihn weg.

7

Die Kleine hatte ein wenig zu viel getankt, die Schwelle zwischen angeheitert und knülle längst überschritten und hing an ihm wie ein nasser Sack. Aber das hatte er erst gemerkt, als er mit ihr an der frischen Luft war.

Sie war schwer, weil sie sich nicht allein auf den Beinen halten konnte, und er musste Kraft aufwenden. Mühevoll erreichte er den SLK, hievte sie hinein, startete den Wagen und fuhr los.

Auf dem Beifahrersitz schlief sie schnell ein. Er hatte Angst, dass sie kotzen und sein Auto versauen würde. In den Kurven ging er vom Gas, damit sie nicht nach rechts oder links fallen würde.

Mist, dachte er, einige Drinks zu viel. Er mochte es nicht, wenn sie zu voll waren. Sie sollten alles mitbekommen. Natürlich hätte er auch so seinen Spaß, aber er wollte sie alles spüren und erleben lassen.

Ihr T-Shirt-Träger war heruntergerutscht, aber sie registrierte nichts mehr. Er überlegte, ob er mit ihr wirklich nach Hause fahren sollte. Gab es eine Alternative? Wie konnte er sie rasch wieder fit bekommen, damit er seinen vollen Spaß genießen konnte? Er hatte keine Lust, bis morgen zu warten. Zu tief steckte das Verlangen nach einem neuen Rausch in ihm.

Im Gedanken daran musste er grinsen.

Sie fuhren Richtung Frankfurter Innenstadt, ließen das Bankenviertel rechts liegen. Er bog ab ins Westend. An einer Parkbucht, die umrandet und geschützt von hohen Bäumen war, hielt er an und zerrte sie aus dem Wagen. Er lehnte sie halb an einen Baumstamm, stützte sie mit der einen Hand und führte einen Finger tief in ihren Mund und Rachen.

„Los!“ sagte er, „raus damit!“ Es dauerte keine fünf Sekunden, bis sie würgte und ein Schwall farbiger Flüssigkeit hervor schoss. Cocktails gemischt mit Sekt und Magensäften. Eklig. Er drehte sich weg, um den Geruch nicht voll abzubekommen. Langsam verging ihm alles.

Nach einer Minute, in der sie still vor sich hin wimmerte, packte er sie unter den Achseln und setzte sie wieder in den SLK. Etwa 100 Meter entfernt bemerkte er einen Wagen, der gerade eingeparkt hatte und das Licht ausschaltete. Während er sich hinters Lenkrad klemmte, beobachtete er den Wagen im Rückspiegel. Der Fahrer stieg nicht aus.

„Verfluchte Scheiße“, rief er.

Waren sie ihm auf die Schliche gekommen? Wie war das möglich? Oder täuschte er sich?

8

Kaum waren die beiden ins Auto gestiegen, hängte sich Rock an den SLK dran. Er versuchte das Kennzeichen zu erkennen, was nicht einfach war, denn Tausende Lichter der Frankfurter Nacht spiegelten sich darin und blendeten ihn. Schließlich hoffte er die richtige Buchstaben- und Nummernfolge zu haben, tippte sie in sein Handy und schickte sie Esther per SMS. War ihm egal, ob sie wieder wach werden würde. Schließlich schlug er sich die Nacht um die Ohren wegen diesem beschissenen Verrückten.

Er verfolgte das Auto weiter und beobachtete aus einigem Abstand, wie er parkte, die junge Frau aus dem Auto zog und kotzen ließ. Der Typ saß danach eine Weile am Lenkrad, scheinbar überdachte er seinen Plan. Oder warum ließ er sich mitten in der Nacht so viel Zeit? Doch nicht etwa, um sein Handwerk im Wagen zu vollbringen? Rock zuckte zusammen. Verdammte Kacke, er musste raus und nachsehen.

Er stieg aus und lief zunächst in die entgegengesetzte Richtung. Ablenkungsmanöver. Dann wechselte er die Straßenseite. Das Auto parkte immer noch. Rock versuchte sich cool und unbekümmert zu geben und an dem Wagen vorbei zu schlendern, ohne auffällig hinzustarren. Im Augenwinkel beobachtete er aber sehr wohl, ob sich etwas tat. Es rührte sich nichts. Durch die getönten Scheiben konnte er auch nicht erkennen, was sich im Wageninneren abspielte. Stattdessen klingelte sein Handy. Esthers Nummer. Er legte einen Zahn zu und bog um die nächste Häuserecke. Er nahm an.

„Endlich“, schallte ihm Esthers Stimme entgegen, „warum gehst du nicht sofort ran?“

„Er parkt“, flüsterte Rock. „Und ich wollte mich vergewissern, was der Typ im Auto mit ihr treibt.“

„Wo ist er jetzt?“

„Keine fünfzig Meter von mir entfernt.“ In diesem Moment hörte er einen Motor anspringen und quietschende Reifen. Der SLK machte einen U-Turn und verschwand in den Nachtlichtern der Stadt.

„Verflucht“, brüllte Rock ins Handy. „Er ist gerade abgehauen. Den erwische ich nie mehr.“

„Brauchst du auch nicht. Wir haben den Halter des Autos ermittelt. Gut gemacht mein Großer. Ich bin dir was schuldig.“

„Ich wüsste auch schon was.“ Er legte einen Hauch Erotik in seine Stimme.

„Aber nicht jetzt. Muss morgen früh raus. Bussi.“ Rock hörte nur noch das Klicken. Dann war es still.

9

Da lief ein verdächtiger Typ mit Handy rum, also entschied er sich vorsichtshalber, die Biege zu machen und schnell davon zu fahren. Im Rückspiegel erkannte er, dass ihm niemand folgte. Glück gehabt. Vielleicht hatte er sich auch getäuscht. Sicher war sicher.

Das Mädchen neben ihm schlief. Was sollte er mit ihr anfangen? Sie hatte sich zwar die Galle raus gekotzt, war aber immer noch zu breit, um richtigen Spaß mit ihr haben zu können.

Er schlug aufs Lenkrad. Der Abend war schiefgelaufen. Diese kleine Fotze, warum musste sie sich so zuschütten? Wut kam auf.

Zorn.

Hass.

Und wie sollte er die Nacht nun auslaufen lassen? Seinen Vorstellungen würde sie sowieso nicht mehr entsprechen. Die Schnalle einfach kalt machen verlieh ihm keinen Kick. Sie war immer noch nicht richtig zu sich gekommen. Er überlegte, sie auf der Stelle rauszuschmeißen. Wollte aber auch nicht zu unfreundlich sein, immerhin war es möglich, dass er ihr im Roxy wieder begegnete. Er brauchte einen Plan, um sie loszuwerden. Sie durfte keinen Verdacht schöpfen.

Inzwischen waren kaum noch Autos auf der Straße unterwegs. Er parkte am Straßenrand, nahm ihr Täschchen und wühlte darin herum. In ihrem Portmonee fand er ihren Perso. Ute Unterwasser. Er lachte. Klang bescheuert. Passte zu ihr. Den Namen prägte er sich ein. Man wusste ja nie. Er las die Straße, in der sie wohnte. War nicht allzu weit entfernt.

Fünf Minuten später hielt er an der Ecke der Ludwigstraße. Er stieg aus, zerrte sie heraus. Sich von seinem ursprünglichen Plan zu verabschieden fiel ihm nicht leicht, aber es musste sein. Er ließ sie einfach auf dem Trottoir liegen. Sie hatte die Augen geschlossen, war noch im Delirium.

Schade um die geilen Titten, schade um den Slip. Aber es half nichts. Und er war sicher, nach dieser Pleite das nächste willige Opfer zu finden. Er setzte sich ins Auto und fuhr in die Nacht.

KAPITEL 2

10

Es klopfte an ihrer Bürotür und Esther Streit beschlich ein ungutes Gefühl. Wer wollte morgens um halb neun etwas von ihr?

Als hätte sie es am Klopfen erkannt, kam Angelika Rossmann langsamen Schrittes zur Tür herein und bahrte ihren Prachtkörper unmittelbar vor ihrem Blickfeld auf. Die kommissarische Oberstaatsanwältin, die eine umwerfende Ausstrahlung hatte, wie Esther neidvoll anerkennen musste, verwirrte sie mit ihrer Präsenz, mit der sie augenblicklich das gesamte Büro einnahm.