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Inhaltsverzeichnis
 
 
 

Buch
Tommy Flood liebt seine rothaarige, temperamentvolle Freundin Jody zwar
über alles, aber manche ihrer Gewohnheiten bereiten ihm echte Kopfschmerzen
: Denn Jody ist ein Vampir und hat auch ihn gebissen, damit
sie gemeinsam für alle Zeit die Nacht genießen können. Einige der vampirischen
Eigenheiten bieten durchaus Vorteile. So kann Tommy sich nun
in Luft auflösen und ist unsterblich, – ganz zu schweigen von dem wirklich
Ehrfurcht gebietenden Sex, den Vampire haben -, aber der andauernde
Hunger nach Blut ekelt ihn an. Außerdem fällt es Tommy, der das
Sonnenlicht nun für immer meiden muss, schwer, ausreichende Mengen
Nachschub an Blut zu besorgen. Um solche und andere alltägliche Dinge
, wie etwa Bankgeschäfte, zu bewältigen, heuert er daher eine Dienerin
an. Abby Normal, ein junges Mädchen aus der Gothik-Szene, verehrt das
Leben der Vampire und ist nur allzu gern bereit, sich für Tommy und Jody
aufzuopfern. Alle drei ahnen jedoch nicht, dass ihrer idyllischen Zweckgemeinschaft
schon bald große Gefahr droht: Elijah, ein Vampir des alten
Geschlechts, hatte einst Jody durch einen Biss in den Hals verwandelt,
und nun will er seine ehemalige Gefährtin der Nacht zurückerobern – um
jeden Preis …

Autor
Der ehemalige Journalist Christopher Moore arbeitete als Dachdecker,
Kellner, Fotograf und Versicherungsvertreter, bevor er anfing, Romane zu
schreiben. Seine Bücher stürmen in Amerika bei Erscheinen sofort die
Bestsellerlisten, und auch im deutschsprachigen Raum wächst seine Fangemeinde
beständig. Der Autor lebt auf Hawaii und freut sich unter: www.
auf einen virtuellen Besuch.

Von Christopher Moore außerdem bei Goldmann lieferbar:
Der Lustmolch. Roman (44986) · Die Bibel nach Biff. Roman (54182) ·
Flossen weg! Roman (54208) · Der kleine Dämonenberater. Roman (54217) ·
Der törichte Engel. Roman (54224) · Die Himmelsgöttin. Roman (44397) ·
Ein todsicherer Job. Roman (54225) · Lange Zähne. Roman (46386)

Für meine Leser,
auf besonderen Wunsch

1
Finde dich damit ab -’ne Menge Leute sind tot
 
»Blutsauger – jetzt bin ich tot! Spinnst du?«
Tommy war gerade zum ersten Mal als Vampir aufgewacht. Er war neunzehn und dürr und hatte sein bisheriges Leben überwiegend in einem Zustand der Verwirrung und Verwunderung verbracht.
»Ich wollte nur, dass wir zusammen sind.« Jody: blass, hübsch, langes, rotes Haar, das ihr ins Gesicht fiel, freches Näschen auf der Suche nach einer verirrten Sommersprosse, breites, lippenstiftverschmiertes Grinsen. Sie war selbst erst zwei Monate untot und arbeitete noch an ihrer Gruseligkeit.
»Genau, und deshalb hast du die Nacht mit ihm verbracht.« Tommy deutete zum anderen Ende des Lofts auf eine lebensgroße Bronzefigur von einem Mann im zerlumpten Anzug. In der bronzenen Schale steckte der alte Vampir, der Jody verwandelt hatte. Neben ihm stand eine Bronze von Jody. Als die beiden bei Sonnenaufgang in den Schlaf gesunken waren, hatte Tommy sie den Bildhauern gebracht, die unten im Haus wohnten, und die Vampire dort in Bronze gießen lassen. Er hatte geglaubt, es würde ihm etwas Zeit verschaffen, sich zu überlegen, was er tun wollte, und außerdem musste er verhindern, dass Jody mit dem alten Vampir durchbrannte. Dummerweise hatte Tommy Löcher in die Ohren ihrer Statue gebohrt, damit sie ihn hören konnte. Offenbar hatte ihr der alte Vampir in der Nacht gezeigt, wie man sich in Nebel verwandelte, und so war sie aus den Ohren ins Zimmer geströmt, und nun standen sie sich gegenüber: tot, verliebt und voll genervt.
»Ich musste doch wissen, wer ich bin, Tommy! Und wer sonst hätte es mir sagen können?«
»Ja, aber du hättest mich fragen müssen, bevor du es machst«, sagte Tommy. »Du kannst doch nicht einfach jemanden ermorden, ohne ihn vorher zu fragen. Das tut man nicht.« Tommy kam aus Indiana, und seine Mutter hatte ihm beigebracht, sich anständig zu benehmen und Rücksicht auf die Gefühle anderer zu nehmen.
»Und du hast an mir rumgefummelt, als ich geschlafen habe«, sagte Jody.
»Das ist nicht dasselbe«, sagte Tommy. »Ich wollte nur nett sein, so wie man für einen Fremden Geld in eine abgelaufene Parkuhr steckt. Man kann davon ausgehen, dass er es später zu schätzen weiß, auch wenn er sich nicht persönlich bei dir bedankt.«
»Ach, und du wärst dankbar, wenn du im Pyjama einschläfst und dann total verklebt im Cheerleader-Kostüm aufwachst. Weißt du, Tommy, wenn ich schlafe, bin ich – technisch gesehen – tot. Und jetzt rate doch mal, wie man jemanden wie dich nennt.«
»Also – hm – ja, aber du bist doch gar kein Mensch. Du bist nur irgendein ekliges, totes Ding.« Tommy bereute sofort, dass er das gesagt hatte. Es war verletzend und gemein, und obwohl Jody tatsächlich tot war, fand er sie überhaupt nicht eklig. Im Grunde war er sogar ziemlich sicher, dass er sie liebte, aber diese Nekrophilie/Cheerleader-Geschichte war ihm doch ein bisschen peinlich. Zu Hause im Mittleren Westen verloren die Leute über so etwas kein Wort, es sei denn, ein Hund buddelte irgendwo in einem Hinterhof eine Pumpgun aus und die Polizei stellte fest, dass unter der Hollywoodschaukel eine komplette Pyramide aus Toten vergraben war.
Jody schniefte, wenn auch nur aus Effekthascherei. Eigentlich war sie erleichtert, dass Tommy jetzt in der Defensive war. »Nun denn: Willkommen im Club der Toten Dinger, Mr. Flood!«
»Du hast mein Blut getrunken«, sagte Tommy. »Und zwar nicht zu knapp.«
Verdammt, sie hätte so tun sollen, als kämen ihr gleich die Tränen. »Du hast dich nicht gewehrt.«
»Aus reiner Rücksicht«, sagte Tommy. Schulterzuckend stand er auf.
»Du hast es nur zugelassen, weil du Sex wolltest.«
»Das stimmt nicht. Du brauchtest mich.« Er log. Es lag am Sex.
»Ja, das stimmt«, sagte Jody. »Und ich brauche dich immer noch.« Sie breitete die Arme aus. »Wirklich wahr.«
Er ließ sich von ihr umarmen und drückte sie an sich. Sie fühlte sich einfach unglaublich an, noch unglaublicher als früher. Es war, als wären seine Nerven übersteuert. »Okay, ich hab es zugelassen, weil ich Sex wollte.«
Super, dachte sie, alles wieder im Lot. Sie küsste ihn am Hals. »Wie wär’s jetzt damit?«
»Lieber später. Erst mal hab ich Kohldampf.« Er ließ sie los und rannte quer durchs Loft in die Küche, wo er einen Burrito aus dem Tiefkühler nahm, ihn in die Mikrowelle legte und auf den Knopf drückte, alles in einer einzigen, fließenden Bewegung.
»So was solltest du nicht essen«, sagte Jody.
»Quatsch. Riecht total lecker. Als würde jede noch so kleine Bohne, jedes noch so kleine Stückchen Schweinefleisch giftiges Miasma aushauchen.« Tommy verwendete Wörter wie »Miasma«, weil er Schriftsteller werden wollte. Deshalb war er überhaupt nach San Francisco gekommen – um den Burrito des Lebens mit großen Bissen zu genießen und darüber zu schreiben. Na ja, und um eine Freundin zu finden.
»Leg den Burrito weg und geh ein Stück zurück, Tommy«, sagte Jody. »Damit du dir nicht wehtust.«
»Ha! Niedlich.« Er biss ab und grinste sie kauend an.
 
Aus schlechtem Gewissen half Jody ihm fünf Minuten später, den durchgekauten Burrito vom Kühlschrank zu kratzen. »Es hat sich angefühlt, als wollte jede einzelne Bohne die Fesseln repressiver Verdauung sprengen.«
»Weil es aufgewärmt war«, sagte Jody und strich über sein Haar. »Alles okay?«
»Ich bin am Verhungern. Ich muss was essen.«
»Hunger ist nicht ganz das richtige Wort«, sagte Jody.
»Oh, mein Gott! Dieser Durst! Es fühlt sich an, als würden meine Eingeweide verdörren. Das hättest du mir sagen müssen.«
Sie wusste, wie es sich anfühlte. Tatsächlich war es ihr beim ersten Mal noch schlimmer ergangen. Er wusste wenigstens, was mit ihm los war. »Ja, Liebster, wir werden ein paar Feinjustierungen vornehmen müssen.«
»Was soll ich tun? Wie hast du es denn gemacht?«
»Ich hab mich hauptsächlich von dir ernährt. Wie du dich vielleicht erinnerst.«
»Darüber hättest du nachdenken sollen, bevor du mich getötet hast. Ich bin verloren.«
»Wir sind verloren. Du und ich. Wie Romeo und Julia Teil zwei. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, Tommy.«
»Na, das ist ja tröstlich. Ich komm überhaupt nicht darüber hinweg, dass du mich einfach so umgebracht hast.«
»Nicht einfach so. Ich habe dir übermenschliche Kräfte verliehen. Gern geschehen.«
»Scheiße, meine neuen Schuhe sind voll mit Burritokotze.«
»Du kannst jetzt im Dunkeln sehen«, sagte Jody gut gelaunt. »Willst du es mal probieren? Ich zieh mich aus. Du kannst mich im Dunkeln bewundern. Nackt. Es wird dir gefallen.«
»Jody, ich bin hier echt am Verhungern.«
Sie konnte nicht fassen, dass er ihre Verführungskünste ignorierte. Was für ein Ungeheuer hatte sie erschaffen? »Okay, ich such dir einen Käfer oder so was.«
»Geht’s noch? Einen Käfer!? Ich esse keine Käfer.«
»Ich sagte doch: Wir werden ein paar Feinjustierungen vornehmen müssen.«
Tommy hatte sich schon reichlich feinjustieren lassen müssen, seit er aus seinem Heimatort Incontinence, Indiana, in den Westen gekommen war, nicht zuletzt, weil er eine Freundin gefunden hatte, die zwar schlau, sexy und schlagfertig sein mochte, aber sein Blut trank und dazu neigte, bei Sonnenaufgang einfach umzufallen. Er hatte schon immer den Verdacht gehabt, dass ihre Wahl möglicherweise nur deshalb auf ihn gefallen war, weil er nachts arbeitete und tagsüber vor die Tür konnte, vor allem, da sie einmal gesagt hatte: »Ich brauche jemanden, der nachts arbeitet und tagsüber vor die Tür kann.« Doch da er nun selbst ein Vampir war, konnte er diese Ungewissheit getrost vergessen und sich voll und ganz seiner neuen Welt widmen, die einen bunten Reigen ungeahnter Unsicherheiten für ihn bereithielt. Angemessenerweise sollte ein Vampir vierhundert Jahre alt sein, eine kultivierte, des Lebens überdrüssige Kreatur, die ihre unbedeutenden, menschlichen Ängste entweder überwunden hatte oder mit perversen Spielchen kompensierte. Das Problem bei einem neunzehnjährigen Vampir war, dass er seine ganze postpubertäre Unsicherheit mit in die Welt der Finsternis nahm.
»Ich bin echt blass«, sagte Tommy, als er sich im Badezimmerspiegel betrachtete. Schon vor einer Weile war ihnen aufgefallen, dass Vampire sehr wohl ein Spiegelbild hatten und auch ohne weiteres die Nähe von Kruzifixen und Knoblauch ertrugen. (Tommy hatte einiges an Jody ausprobiert, während sie schlief, unter anderem Cheerleaderkostüme und Gleitmittel.) »Und nicht nur blass wie im Winter in Indiana. Ich bin – na ja – so blass wie du.«
»Ja«, sagte Jody. »Ich dachte, du magst es blass.«
»Klar. Dir steht es gut, aber ich seh nur krank aus.«
»Sieh genauer hin!«, sagte Jody. Sie stand an den Türrahmen gelehnt, in engen, schwarzen Jeans und einem bauchfreien Top, das rote Haar zurückgebunden, das wie ein Kometenschweif über ihren Rücken fiel. Sie gab sich alle Mühe, nicht allzu amüsiert zu wirken.
»Irgendwas fehlt«, sagte Tommy. »Irgendwas anderes als Farbe.«
»Hm-hm.« Jody grinste.
»Ich hab ganz reine Haut! Da ist kein einziger Pickel mehr!«
»Klingeling!«, rief Jody, weil Tommy die Quizfrage richtig beantwortet hatte.
»Hätte ich das gewusst, hätte ich mich schon vor Wochen von dir beißen lassen.«
»Da wusste ich noch nicht, wie es geht«, sagte Jody. »Und das ist noch nicht alles. Zieh die Schuhe aus.«
»Was? Warum soll ich...«
»Zieh einfach deine Schuhe aus.«
Tommy setzte sich auf den Rand der Badewanne und streifte Turnschuhe und Socken ab.
»Was?«
»Sieh dir deine Zehen an.«
»Sie sind alle gerade. Mein kleiner Zeh ist gar nicht mehr krumm. Als hätte ich nie Schuhe angehabt.«
»Du bist vollkommen«, sagte Jody. Als sie diese Nebenwirkung des vampirischen Daseins zum ersten Mal bemerkt hatte, war sie darüber ebenso begeistert wie entsetzt gewesen, weil sie von nun an bis ans Ende aller Zeiten fünf Pfund zu viel drauf hätte – fünf Pfund, die sie nie wieder loswerden würde.
Tommy zog seine Jeans hoch und betrachtete sein Schienbein. »Da ist keine Narbe mehr, wo ich mich mit dem Beil verletzt habe.«
»Und so wird es immer sein«, sagte Jody. »Von nun an bist du makellos. Du bleibst genau so, wie du jetzt bist. Ich hab nicht mal mehr gespaltene Haarspitzen.«
»Ich bleib jetzt immer so?«
»Ja.«
»Genau wie jetzt?«
»Soweit ich weiß«, sagte Jody.
»Aber ich wollte mir doch gerade Muskeln antrainieren. Ich wollte fit werden. Ich wollte einen Waschbrettbauch!«
»Nein, wolltest du nicht.«
»Wollte ich wohl! Ich wollte ein muskelbepackter Schrank von einem Mann werden.«
»Nein, wolltest du nicht. Du wolltest Schriftsteller werden. Du warst auf dem besten Wege, dünne Ärmchen zu bekommen und jedes Mal nach Luft zu schnappen, wenn du nur dreimal hintereinander Enter drücken solltest. Zum Glück bist du gut in Form von deinem Job im Supermarkt. Warte mal ab, wie schnell du jetzt rennen kannst!«
»Findest du wirklich, dass ich gut in Form bin?«
»Ja. Hab ich das nicht eben gesagt?«
Tommy spannte seine Brustmuskeln vor dem Spiegel an, was unter seinem Flanellhemd nicht weiter auffiel. Er knöpfte sein Hemd auf und versuchte es noch mal, ohne größere Wirkung, dann zuckte er mit den Schultern. »Was wird aus der Sache mit dem Schreiben? Verändert sich mein Gehirn? Werde ich schlauer, oder bleibe ich in meiner Entwicklung stehen?«
»Also... Letzteres, aber nur, weil du ein Mann bist. Das hat mit dem Vampirsein nichts zu tun.«
»Du bist eine gehässige, alte Hexe.«
»Ich habe nur gesagt, was ich denke«, sagte Jody.
 
Jody hatte eine rote Lederjacke angezogen, obwohl ihr der kalte Nebel, der von der Bay her aufzog, nichts mehr ausmachte. Sie fand einfach, die Jacke passte gut zu ihrer schwarzen Jeans und dem schwarzen Spitzenmieder, das sie von einem Wühltisch gerettet hatte. »Komm schon, Tommy, wir müssen dir was zu essen besorgen, bevor die Nacht zu Ende ist!«
»Ich weiß, aber ich hab noch was Dringendes zu erledigen. Warte mal kurz.« Er war allein im Bad, hatte diesmal die Tür hinter sich zugemacht.
Jody hörte, wie der Reißverschluss an seiner Jeans aufging, dann einen atemlosen Schrei. Die Tür flog auf, und Tommy hoppelte wie ein Hase – Hose und Unterhose um die Knöchel gewickelt – mit zwei Sätzen durchs Schlafzimmer.
»Guck dir das an! Was mit mir passiert ist! Guck es dir an!« Wild gestikulierend deutete er auf seinen Schwanz. »Als wäre ich ein Freak! Radioaktiv verseucht! Eine Mutation!«
Jody ging zu ihm und nahm seine Hände – hielt ihn fest, sah ihm tief in die Augen. »Tommy, komm runter! Es ist nur deine Vorhaut.«
»Ich besitze keine Vorhaut. Ich bin beschnitten.«
»Nicht mehr«, sagte Jody. »Offensichtlich ist sie durch deine Verwandlung nachgewachsen, genau wie sich deine Zehen begradigt und deine Narben zurückgebildet haben.«
»Oh. Du findest sie also nicht unheimlich?«
»Nein. Die ist okay.«
»Möchtest du sie anfassen?«
»Danke. Vielleicht später.«
»Entschuldige, dass ich eben ausgeflippt bin. War mir alles nicht so klar. Ich – äh – ich glaube, ich muss noch zu Ende bringen, was ich gerade vorhatte.«
»Schon okay«, sagte Jody. »Das ist völlig okay. Mach du nur. Ich warte.«
»Bist du sicher, dass du sie nicht kurz mal streicheln möchtest?«
»Kommen wir denn raus, wenn ich es tue?«
»Wahrscheinlich nicht.«
»Na dann... ab mit dir!« Sie drehte ihn um und gab ihm einen kleinen Schubs. Er hoppelte mit seiner neu entdeckten Vorhaut wieder ins Bad zurück und schloss die Tür.
Ein kalter Schauer lief Jody über den Rücken. Sie hatte sich keine Gedanken darum gemacht, dass Tommy auch nach seiner Verwandlung unstillbar geil sein würde. Sie hatte nur einen Gefährten gewollt, der verstehen konnte, was sie war, wie sie sich fühlte, wie die Welt mit den Augen eines Vampirs aussah. Sollte sich herausstellen, dass er für immer und ewig neunzehn Jahre alt blieb, würde sie ihn vielleicht tatsächlich töten müssen.

2
Der letzte Scheiß
 
»Und das war’s jetzt?«
»Jep.«
»Nie wieder?«
»Nee.«
»Echt nicht?«
»Nein!«
»Vielleicht sollte ich es aufbewahren oder so.«
»Könntest du bitte einfach nur spülen und endlich rauskommen?«

3
Kein Geld, aber einen fetten Kater
 
Jody hielt sich ein, zwei Schritte hinter Tommy, beobachtete ihn, während sie die Third Street hinauf zur Market Street liefen. Sie sah ihm zu, wie er auf seine neuen Sinne reagierte, ließ ihm Raum, sich daran zu gewöhnen, flüsterte ihm zu, worauf er achten sollte. Sie hatte das alles selbst erst vor zwei Monaten durchgemacht, und zwar ohne fremde Hilfe.
»Ich kann die Wärme von den Straßenlaternen sehen«, sagte Tommy, während er aufblickte und sich gleichzeitig umdrehte. »Jedes Fenster hat seine eigene Farbe.«
»Sieh dir eins nach dem anderen an, Tommy. Lass dich davon nicht überwältigen.« Jody wartete darauf, dass er eine Bemerkung zur Aura machte. Nicht eine Aura der Wärme, eher eine der Vitalität. Bisher hatten sie nur Leute gesehen, deren Aura rosig leuchtete – nicht das, wonach sie suchte.
»Was ist das für ein Rauschen? Wasser?«, fragte Tommy.
»Die Kanalisation unter der Straße. Solche Geräusche verblassen nach einer Weile. Du wirst sie immer noch hören, aber nur, wenn du dich darauf konzentrierst.«
»Es ist, als wenn tausend Leute in meinem Kopf durcheinanderreden.« Er sah sich nach den paar Passanten um, die um diese Uhrzeit unterwegs waren.
»Und dazu Fernseher und Radios«, sagte Jody. »Versuch, dich auf eine Sache zu konzentrieren. Verdräng den Rest.«
Tommy blieb stehen, sah zu einem Fenster im vierten Stock hinauf. »Da oben hat einer Telefonsex.«
»Hätte ich mir denken können, dass du darauf anspringst«, sagte Jody. Sie konzentrierte sich auf das Fenster. Ja, sie konnte hören, wie der Mann keuchte und jemandem am anderen Ende der Leitung Anweisungen gab. Offenbar war er der Ansicht, er hätte es mit einer dreckigen, kleinen Schlampe zu tun, die am ganzen Leib mit scharfer Chili-Sauce eingerieben werden müsste. Jody versuchte, die Stimme der Frau zu verstehen, aber sie war zu leise. Wahrscheinlich trug der Mann ein Headset.
»Was für ein Freak!«, rief Tommy.
»Schscht«, sagte Jody. »Tommy, schließ die Augen und hör zu. Vergiss den Chilimann. Nicht gucken.«
Tommy schloss die Augen und blieb mitten auf dem Gehweg stehen. »Was?«
Jody lehnte sich an ein Verkehrsschild und lächelte. »Was ist rechts von dir?«
»Woher soll ich das wissen? Ich hab nach oben gesehen.«
»Ich weiß. Konzentrier dich. Einen halben Meter neben deiner rechten Hand... was ist da?«
»Das ist blöd.«
»Hör genau hin! Wie klingt das Ding rechts neben dir?«
»Okay.« Tommy blinzelte, um zu zeigen, dass er sich konzentrierte.
Ein Pärchen androgyner Studenten ganz in Schwarz, mit aufwendigen Frisuren, wahrscheinlich von der Kunstakademie um die Ecke, stolzierte vorbei und würdigte sie kaum eines Blickes, bis Tommy sagte: »Ich kann einen Kasten hören. Rechteckig.«
»Anfänger«, sagte einer der Studenten, der sich anhörte, als könnte er vielleicht ein junger Mann sein.
»Ich kann mich noch an meinen ersten Trip erinnern«, sagte der andere, bei dem es sich möglicherweise um ein Mädchen handelte. »Ich kam im Metreon in die Herrentoilette und hab sie für eine Installation von Marcel Duchamp gehalten.«
Jody wartete, bis die beiden vorbei waren, dann sagte sie: »Ja, ein Rechteck. Fest, hohl, oder wie?« Sie war ein bisschen übermütig, stand auf Zehenspitzen und wippte. Das war besser als Schuhe kaufen.
»Es ist hohl«, sagte Tommy und neigte seinen Kopf. »Es ist ein Zeitungskasten.« Er schlug die Augen auf, sah den Kasten an, dann Jody, und seine Miene hellte sich auf wie bei einem kleinen Jungen, der zum ersten Mal Schokolade aß.
Sie ließ sich von ihm in die Arme nehmen und küsste ihn. »Es gibt so vieles, was ich dir zeigen möchte.«
»Warum hast du mir nichts davon erzählt?«, fragte Tommy.
»Wie denn? Hast du Worte für das, was du hier hörst? Was du hier siehst?«
Tommy ließ sie los und sah sich um, atmete tief durch die Nase ein, als prüfte er das Bouquet eines Weines. »Nein. Ich weiß nicht, wie man so was beschreiben soll.«
»Siehst du? Deshalb musste ich es mit dir teilen.«
Tommy nickte, machte aber einen etwas verlorenen Eindruck. »Das ist ja auch schön und gut... aber sonst...«
»Was sonst?«
»Die Sache mit dem Totsein, dem Verwesen und dem Blut. Ich hab immer noch Hunger.«
»Hör auf zu jammern, Tommy. Das will niemand hören.«
»Hunger!«, sagte Tommy.
Sie wusste, wie er sich fühlte, denn ihr ging es kaum anders, aber sie wusste nicht, wie sie das Problem lösen sollte. Mit Tommy hatte sie immer ihre eigene Blutbank dabeigehabt. Jetzt würden sie jagen müssen. Sie konnte es, hatte es auch schon getan, aber es gefiel ihr nicht. »Na, komm... das kriegen wir schon hin! Nicht schmollen... sehen wir uns mal die vielen Leute an! Das wird dir gefallen!« Sie nahm ihn bei der Hand und zerrte ihn zur Market Street, durch die sich Ströme von Touristen, Freaks und Einkaufsbummlern schoben. Ströme von Blut.
 
»Die riechen alle nach Pisse und Käsefüßen«, sagte Tommy draußen vor Walgreens, einem Drogeriemarkt. Es war noch früh am Abend, und das Tagungsvolk aus den Hotels trabte die Bürgersteige entlang wie eine Rinderherde auf der Suche nach Futter oder einer Tränke. Links und rechts der Herde versuchten Gauner, Gammler und Obdachlose ihr Glück, pflegten heimlich Blickkontakt mit fremden Handtaschen. Die Herde wehrte sich, indem man die gespannte Aufmerksamkeit seinem Nebenmann, dem Handy oder dem Trottoir widmete.
»Käsefüße und Pisse«, sagte Tommy.
»Du wirst dich daran gewöhnen«, sagte Jody.
»Gibt es auf dieser Straße eine einzige saubere Unterhose?«, rief Tommy. »Ihr seid echt eklig!«
»Wenn du dich vielleicht beruhigen würdest«, sagte Jody. »Die Leute gucken schon. Sie halten dich für verrückt.«
»Falle ich damit irgendwie aus der Reihe?«
Sie sah die Straße hinauf, drei Blocks weit, und pro Block gab es mindestens drei Irre, die, mit wildem Blick und offensichtlich durchgeknallt, Passanten anbrüllten. Sie nickte. Recht hatte er, doch dann nahm sie ihn beim Kragen und zog ihn zu sich herunter. »Das Problem ist, dass du nicht mehr lebst und dich am besten etwas unauffälliger benehmen solltest.«
»Deshalb hast du auch dieses fröhliche Ensemble aus der Nutten-Kollektion von Bordstein & Schwalbe gewählt?«
»Du hast gesagt, es gefällt dir!« Jody kleidete sich etwas provozierender, seit sie ein Vampir war, aber doch eher als Ausdruck ihres neuen Selbstbewusstseins, nicht, um aufzufallen. Lag es daran, dass sie jetzt ein Raubtier war? Ging es um Macht?
»Hat es auch... tut es auch, aber alle Männer, die vorbeigehen, glotzen dir in den Ausschnitt. Ich kann hören, wie ihre Herzen schneller schlagen. Du musstest dich doch in Nebel verwandeln, um in diese Jeans reinzupassen, oder?«
Jemand tippte Tommy an die Schulter. Ein junger Mann mit weißem, kurzärmligem Hemd und schwarzer Krawatte lief neben ihm und hielt ein Flugblatt in der Hand. »Du klingst, als hättest du Sorgen, Bruder. Vielleicht hilft dir das hier.« Auf dem Flugblatt stand FREUT EUCH!, in großer, grüner Schrift.
Jody hielt sich die Hand vor den Mund und drehte sich weg, damit der Mann nicht sah, dass sie kicherte.
»Was?!«, fragte Tommy, als er sich dem Mann zuwandte. »Was? Was? Was? Siehst du nicht, dass ich mich hier gerade mit meiner Freundin über ihre – äh – also, die da unterhalte?« Tommy zeigte auf Jodys Schulter, die jetzt da war, wo die da eben noch gewesen waren. »Zeig sie ihm, Jody!«, sagte Tommy.
Jody schüttelte den Kopf und ging weiter, hielt sich den Bauch vor Lachen.
»Ich bringe gute Nachricht«, sagte der Krawattenmann. »Ich bringe euch Trost und Freude.«
»Tja, also, eben gerade wollte ich dir zwei hübsche Freudenspender zeigen, aber da geht sie hin und nimmt sie mit.«
»Ich meine eine Freude, die über Physisches hinaus...«
»Als ob du was davon verstehen würdest«, sagte Tommy und hielt sich Mund und Nase zu, als müsste er niesen. »Hör zu, mein Freund, ich würde liebend gern mit dir weiterdiskutieren, aber erst mal solltest du NACH HAUSE GEHEN UND DIR DEN ARSCH WASCHEN! Du stinkst, als hättest du ein totes Tier in der Hose!«
Tommy drehte sich um und marschierte hinter Jody her, ließ den Krawattenmann einfach stehen. Der wurde rot und zerknüllte sein Flugblatt.
»Das ist überhaupt nicht komisch«, sagte Tommy.
Jody versuchte so sehr, ihr Lachen zu unterdrücken, dass sie schnaubte. »Doch, ist es.«
»Können die nicht sehen, dass wir verflucht sind? Man sollte doch meinen, sie müssten es merken. Bei dir zumindest. Schließlich sind wir verflucht, oder nicht?«
»Keine Ahnung«, sagte Jody. Darüber hatte sie noch nicht richtig nachgedacht.
»Wurde im Crashkurs beim alten Vampir nicht behandelt, was?«
»Hab vergessen zu fragen.«
»Macht ja nichts«, sagte Tommy und gab sich keine Mühe, seinen Sarkasmus zu verbergen. »Unbedeutendes Detail. Hast du noch irgendwas vergessen?«
»Ich dachte, ich würde noch länger bei ihm zur Schule gehen«, sagte Jody. »Mir war nicht klar, dass uns der Mann, den ich liebe, schon am ersten Abend in Bronze gießen würde.«
»Ja – na ja – okay. Tut mir leid.«
»Wo ist dein Vertrauen geblieben?«, sagte Jody.
»Du hast mich ermordet«, sagte Tommy.
»Jetzt fängst du schon wieder damit an!«
»Leute... gebt mir einen Dollar! Bitte!«, sagte eine Stimme von links. Vor einem protzigen Bankgebäude saß ein Mann am Boden. Er war so dreckig, dass Alter und Hautfarbe nicht zu erkennen waren, und so schmierig, dass er schon glänzte. Auf seinem Schoß lag eine mächtig große, langhaarige Katze. Vor ihm auf dem Gehweg stand ein Becher mit einem handgeschriebenen Schild: ICH BIN ARM UND HABE EINEN FETTEN KATER.
Tommy war relativ neu in der Stadt und hatte noch nicht gelernt, so etwas zu ignorieren. Also blieb er stehen und wühlte in seinen Taschen herum. »Das ist aber wirklich ein fetter Kater.«
»Ja, er frisst viel. Ich kann ihn kaum ernähren.«
Jody stieß Tommy an, wollte ihn wieder zurück in den Strom der Fußgänger zerren. Sie freute sich ja, dass er ein netter Kerl war, aber manchmal nervte er auch. Besonders wenn sie versuchte, ihm die elementaren Grundlagen ihres Lebens als Wesen der Nacht zu vermitteln.
»Ist aber vor allem Fell, oder?«, fragte Tommy.
»Mister, dieser Kater wiegt fünfunddreißig Pfund.«
Tommy stieß einen leisen Pfiff aus und gab dem Mann einen Dollar. »Darf ich ihn mal anfassen?«
»Klar«, sagte der Mann. »Das stört ihn nicht.«
Tommy ging in die Knie und tippte das Tier leicht an, dann blickte er zu Jody auf. »Das ist ein echt fetter Kater.«
Sie lächelte. »Fett. Gehen wir.«
»Fass ihn mal an«, sagte Tommy.
»Nein, danke.«
»Und...«, sagte Tommy zum Katermann, »warum geben Sie ihn nicht in ein Tierheim oder so was?«
»Wovon sollte ich dann leben?«
»Sie könnten ein Schild nehmen, auf dem steht: ›Ich bin arm und habe meinen fetten Kater verloren‹. Von mir würden Sie was kriegen.«
»Da wären Sie wohl eher die Ausnahme«, sagte der Katermann.
»Passen Sie auf...«, sagte Tommy, wobei er aufstand und seine Taschen durchwühlte. »Ich kaufe Ihnen die Katze ab. Ich gebe Ihnen, äh, vierzig...«
Der Katermann schüttelte den Kopf.
»Sechzig...«
Wildes Kopfschütteln.
Tommy schälte Geldscheine von einem Bündel, das er aus der Tasche zog. »Hundert...«
»Nein.«
»Und dreißig... zwei-…«
»Nein.«
»Und siebenunddreißig Cent.«
»Nein.«
»Und eine Büroklammer.«
»Nein.«
»Das ist doch ein Superangebot!«, drängte Tommy. »Das sind fast vier Dollar das Pfund!«
»Nein.«
»Leck mich doch am Arsch«, sagte Tommy. »Ich hab kein Mitleid mit dir und deinem fetten Kater.«
»Ihren Dollar kriegen Sie aber nicht wieder.«
»Vergiss es«, sagte Tommy.
»Schon passiert«, sagte der Katermann.
Tommy nahm Jody beim Arm und wollte gehen. »Das ist ein echt fetter Kater«, sagte er.
»Warum wolltest du ihn kaufen? Wir dürfen im Loft keine Haustiere halten.«
»Dusselchen«, sagte Tommy. »Abendbrot.«
»Bäh.«
»Als Notreserve«, sagte Tommy. »Du weißt, dass die Massai in Kenia das Blut ihrer Kühe trinken, ohne dass es den Tieren schadet.«
»Also, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir laut Mietvertrag keine Kühe halten dürfen.«
»Das ist es!«
»Was ist es?«
»Ein Mietvertrag!«
Tommy machte kehrt und führte Jody zu dem Katermann.
»Ich möchte den Kater mieten«, sagte Tommy. »Sie könnten eine Pause brauchen, und ich möchte ihn meiner Tante zeigen, die schwerbehindert ist und nicht herkommen kann.«
»Nein.«
»Einen Abend. Hundertzweiunddreißig Dollar und siebenunddreißig Cent.«
Der Katermann zog eine Augenbraue hoch, so dass der Dreck über dem Auge feine Risse bekam. »Hundertfünfzig.«
»Sie wissen, dass ich keine hundertfünfzig habe.«
»Dann will ich die Dinger von der Rothaarigen da sehen.«
Tommy sah Jody an, dann wieder den Katermann, dann wieder Jody.
»Nein«, sagte Jody ganz ruhig.
»Nein!«, sagte Tommy entrüstet. »Wie können Sie es wagen, so etwas vorzuschlagen?«
»Ein Ding«, konterte der Katermann.
Tommy sah Jody an. Sie blitzte ihn mit ihren grünen Augen an, als wollte sie sagen: Ich trete dir gleich dermaßen in die Eier, dass du nicht mehr weißt, ob du Männlein oder Weiblein bist.
»Vergiss es«, sagte Tommy. »Die Dinger der Rothaarigen stehen nicht zur Debatte.« Er grinste, sah sich nach Jody um, dann wandte er sich schnell – sehr schnell – wieder ab.
Der Katermann zuckte mit den Schultern. »Ich bräuchte aber irgendeine Sicherheit. Den Führerschein vielleicht...«
»Klar«, sagte Tommy.
»Und eine Kreditkarte.«
»Nein«, sagte Jody und machte ihre Jacke zu, zog den Reißverschluss ganz hoch.
»Aber keine schrägen Sachen«, sagte der Katermann. »So was merk ich.«
»Ich zeig ihn nur meiner Tante und bring ihn morgen Abend zurück.«
»Abgemacht«, sagte der Katermann. »Er heißt Chet.«
 
»Du zuerst«, sagte Tommy. Sie standen im großen Wohnraum ihres Lofts, links und rechts vom Futon, auf dem der fette Kater – eine Kreuzung zwischen Perserkatze, Staubwedel und Bonsaibüffel – vor sich hin haarte. Tommy hatte beschlossen, dass er die Sache mit dem Bluttrinken gelassen nehmen wollte, aber er war so aufgekratzt, dass er die Wände hätte hochgehen können. Womöglich konnte er tatsächlich die Wände hochgehen, und diese Vorstellung machte es auch nicht gerade besser. Allerdings hatte er schon viel zu oft überreagiert, seit er nach San Francisco gekommen war, und das wollte er jetzt auf keinen Fall – nicht vor den Augen seiner Freundin. Am liebsten überhaupt nicht.
»Fang du an«, sagte Jody. »Es ist dein erstes Mal.«
»Aber du hast dem alten Vampir dein Blut gegeben«, sagte Tommy. »Du brauchst es dringender.« Das stimmte. Sie hatte den Vampir von ihrem Blut trinken lassen, um die Verletzungen zu heilen, die Tommy und seine Freunde ihm bei der Sprengung seiner Jacht zugefügt hatten. Trotzdem hoffte Tommy, dass sie ihm den Vortritt lassen würde.
»Non, non, non, nach dir«, sagte Jody mit falschem, französischem Akzent. »Isch beschtee darauf.«
»Gut. Wenn du darauf bestehst...«
Tommy hechtete auf den Futon und beugte sich über den fetten Kater. Er war nicht sicher, wie er es anstellen sollte, aber er sah die kerngesunde, rote Aura, von der Chet umgeben war, und hörte das kleine Katzenherzchen pochen. Es knackte in seinem Kopf wie in einem alten Baum, dann spürte er einen schmerzhaften Druck am Gaumen, und es knackte wieder. Er fühlte, dass der Knochen nachgab und sich ihm etwas Spitzes in die Unterlippe bohrte. Er richtete sich auf und grinste Jody an, die kurz jaulte und vor ihm zurückwich.
»Reifpfähme«, sagte Tommy.
»Ja, das sehe ich«, sagte Jody.
»Wiefo pfuckft bu benn pfurück? Fieht baf befeuert auf, ober waf?«
»Ich hab mich nur erschrocken«, sagte Jody und wandte sich ab wie von einem Schweißer bei der Arbeit, als könnte sie erblinden, wenn sie ihn ansah. Sie winkte, er sollte weitermachen. »Mach schon! Mach! Aber vorsichtig. Nicht zu fest.«
»Okay«, sagte Tommy. Er grinste breit, und wieder schreckte sie vor ihm zurück.
Tommy drehte sich um, packte den Kater – dem das Ganze nicht halb so viel auszumachen schien wie den beiden Vampiren – und biss zu.
»Pfui! Bah! Äh!« Tommy stand auf und pulte an seinen Zähnen herum, um ein Katzenhaar loszuwerden. »Bäh!«
»Halt still«, sagte Jody und wischte ihm das feuchte Katzenhaar aus dem Gesicht. Sie ging zum Küchentresen und kam mit einem Glas Wasser und einem Papierhandtuch zurück, um Tommys Zunge abzuwischen.
»Nur den Mund ausspülen! Nicht runterschlucken! Du kannst es nicht bei dir behalten.«
»Ich fluck befpimmp nikf rumper. Meim gampfer Mump if voller Kapfenhaare.«
Nachdem er gegurgelt hatte, zupfte Jody ihm die letzten Haare aus dem Mund und schnitt sich dabei an einem von Tommys langen Zähnen.
»Autsch!« Erschrocken zuckte sie zurück und lutschte an ihrem Finger.
»Ach, herrje«, sagte Tommy. Zärtlich nahm er ihre Hand und steckte sich den verletzten Finger in den Mund. Dabei verdrehte er die Augen und grunzte durch die Nase.
»Das könnte dir so passen«, sagte Jody. Sie packte seine Hand und biss in seinen Unterarm, sog sich daran fest wie ein Schildfisch an einem Hai.
Tommy knurrte, riss sie herum und warf sie bäuchlings auf den Futon, aber sie wollte seinen Arm nicht loslassen. Sie strich ihr Haar zur Seite, und er schlug ihr seine Zähne in den Hals. Sie schrie, doch ihr Schrei kam erstickt heraus, blubberte an Tommys blutigem Unterarm. Chet, der fette Kater, fauchte erschrocken und schoss einmal quer durch den Raum, um sich im Schlafzimmer unter dem Bett zu verkriechen, während Leder knarrte und Jeans in Fetzen gingen. Grelle Raubtierschreie hallten durch die Wohnung.
Es klang, als kämpften zwei Wildkatzen um ihr Revier, was dem fetten Kater komischerweise gar nicht auffiel.

4
Verliebt, verlobt, verrottet
 
Polsterfüllung und Hühnerfedern lagen in großen, flauschigen Haufen überall herum, dazwischen Kleiderfetzen, der Futonbezug, Stückchen von einem fusseligen Muppetfell-Vorleger und die plattgedrückten Überreste von zwei billigen Papplaternen aus einem Touristenladen auf Pier 1. Funken sprühten von nackten Kabeln über dem Küchentresen, wo einmal die Lampe gehangen hatte. Das Loft sah aus, als hätte jemand eine Handgranate mitten in eine Orgie von Teddybären geworfen und die beiden Überlebenden hätten ihr Fell lassen müssen.
»Ui, was war das denn?«, fragte Jody, immer noch etwas außer Atem. Sie lag quer auf dem Kaffeetisch auf dem Rücken und starrte ins Licht einer Straßenlaterne draußen vor dem Fenster. Sie war nackt, bis auf einen Ärmel ihrer roten Lederjacke. Von Kopf bis Fuß war sie mit Blut beschmiert, und Tommy konnte mit bloßem Auge sehen, wie ihre Kratzer und Bisswunden verheilten.
»Hätte ich das gewusst, hätte ich mir schon längst eine Vorhaut wachsen lassen.« Er lag in der anderen Ecke, wo sie ihn hingeworfen hatte, mitten in einem Haufen von Büchern und Brennholz, das mal ein Regal gewesen war, auch er voll Blut und von Kratzern übersät – mit nur einer Socke am Leib.
Während er einen bleistiftgroßen Splitter aus seinem Oberschenkel zog, dachte Tommy, dass es möglicherweise etwas vorschnell gewesen war, Jody vorzuwerfen, dass sie ihn in einen Vampir verwandelt hatte. Obwohl er sich kaum an irgendwas erinnern konnte, war er doch ziemlich sicher, dass er eben den atemberaubendsten Sex seines Lebens gehabt hatte. Offenbar war alles, was er über Vampirsex wusste, bei dem es angeblich nur um Blut ging, ein Mythos unter vielen – genauso wie die Verwandlung in eine Fledermaus und dass er sich vor fließendem Wasser hüten musste.
»Wusstest du, was kommt?«, fragte Tommy.
»Ich hatte keine Ahnung«, sagte Jody. Sie lag noch immer auf dem Kaffeetisch und sah für Tommy immer mehr wie ein Mordopfer aus, nur dass sie redete und lächelte. »Eigentlich wollte ich vorher mit dir essen gehen und mich ins Kino einladen lassen.«
Tommy warf den blutigen Holzsplitter nach ihr. »Ich meinte nicht, ob du wusstest, dass wir es tun würden. Ich meinte: Wusstest du, wie es sein würde?«
»Woher sollte ich das wissen?«
»Ich dachte, du hast die Nacht vielleicht mit dem alten Vampir verbracht...«
Jody setzte sich auf. »Da ist nichts gelaufen, Tommy. Ich hab die ganze Nacht nur versucht rauszufinden, wie man Vampir ist. Außerdem heißt er Elijah.«
»Ach, ihr seid also schon per du
»Mann, Tommy! Hör endlich auf damit! Du bist drauf und dran, diesen schönen Moment kaputt zu machen.«
Tommy räumte an seinem Holzhaufen herum und wollte schmollen, zuckte aber zusammen, als er seine Unterlippe vorschob und sie an den spitzen Zähnen hängen blieb. Jody hatte recht. Er war schon immer so gewesen, hatte immer zu viel nachgedacht, zu viel analysiert. »Tut mir leid«, sagte er.
»Du musst dich jetzt in die Welt einfügen«, sagte Jody sanft. »Du kannst nicht alles in Kategorien pressen und dich von deiner Erfahrung distanzieren, indem du sie in Worte fasst. Wie es schon in dem Song heißt: Let it be.«
»Tut mir leid«, sagte Tommy noch einmal. Er versuchte, den Gedanken zu verdrängen, schloss die Augen und lauschte seinem Herzschlag – und Jodys Herzschlag in der anderen Ecke des Zimmers.
»Schon okay«, sagte Jody. »So guter Sex schreit geradezu nach einer postmortalen Erörterung.«
Tommy lächelte mit geschlossenen Augen. »Sozusagen.«
Jody stand auf und ging quer durchs Zimmer zu ihm hinüber. Sie reichte ihm die Hand, um ihm aufzuhelfen. »Vorsicht, dein Hinterkopf klebt irgendwie an der Mauer fest.«
Tommy drehte seinen Kopf und hörte, dass Putz abplatzte. »Ich hab immer noch Hunger.«
Sie zog ihn auf die Beine. »Ich fühl mich auch ganz schön ausgelaugt.«
»Meine Schuld«, sagte Tommy. Plötzlich konnte er sich wieder erinnern, wie ihr Blut in ihn hineinpulsiert war – und sein Blut zur gleichen Zeit in sie. Er rieb die Stelle an seiner Schulter, wo die Bisswunden noch nicht ganz verheilt waren.
Sie küsste die Stelle. »Es heilt schneller, wenn du frisches Blut getrunken hast.«
Tommys Magen krampfte sich zusammen. »Ich brauch wirklich dringend was.«
Jody führte ihn ins Schlafzimmer, wo sich Chet, der fette Kater, in eine Ecke drückte und vergeblich hinter einem Bastkorb versteckte.
»Warte«, sagte Jody. Sie tappte wieder in den großen Raum hinaus und kam Sekunden später zurück, bekleidet mit den Resten ihrer Lederjacke (jetzt im Grunde eher eine Weste) und ihrem zerrissenen Slip, den sie auf einer Seite zusammenhalten musste. »Entschuldige«, sagte sie. »Nackt fühl ich mich in Gegenwart von Fremden immer unwohl.«
Tommy nickte. »Er ist doch kein Fremder, Jody. Er ist unser Abendessen.«
»Hm-hm«, machte Jody, nickte und schüttelte gleichzeitig den Kopf wie eine blutverschmierte Wackelpuppe. »Mach du nur. Für dich ist es neu.«
»Ich? Kannst du ihn nicht irgendwie mit hyperanimalischer Gedankenübertragung zu dir rufen?«
»Nein. Geh und hol ihn her. Ich warte.«
Tommy sah sie an. Am Blut auf ihrer blassen Haut klebten hier und da Klumpen der Futonfüllung, und ihr Haar war voll von weißen Daunenfedern aus einem explodierten Kopfkissen. Auch an seiner Brust und an den Beinen klebten Federn und Katzenhaare. »Du weißt, dass wir ihn vorher rasieren müssen, oder?«
Jody nickte, ließ den fetten Kater nicht aus den Augen. »Erst mal unter die Dusche.«
»Gute Idee.« Tommy legte einen Arm um sie.
»Aber nur waschen. Kein Sex!«
»Wieso? Meinst du, wir haben die Kaution schon abgewohnt?«
»Diese Duschkabine ist aus Glas.«
»Okay. Dann wasch ich eben nur deine...«
»Nein«, sagte sie, nahm seine Hand und zerrte ihn ins Bad.
 
Wie sich herausstellte, waren übermenschliche Vampirkräfte ganz praktisch, wenn man einen fünfunddreißig Pfund schweren Kater rasieren wollte. Nach ein paar fehlgeschlagenen Anläufen, bei denen sie das fette, eingeschäumte Katzenvieh, durchs Loft jagten, entdeckten sie die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten eines Klebebandes, konnten ihm deswegen allerdings nicht die Beine rasieren. Als sie fertig waren, sah Chet aus wie ein glubschäugiger, blähbäuchiger Urmensch mit pelzbesetzten Weltraumstiefeln – das Wunschkind von Golem und Doddy, dem Hauself.
»Ich bin nicht sicher, ob es wirklich nötig war, ihn ganz zu rasieren«, sagte Tommy, als er neben Jody auf dem Bett saß und sie den gefesselten Chet betrachteten, der vor ihnen auf dem Boden hockte. »Er sieht gruselig aus.«
»Echt gruselig«, sagte Jody. »Du solltest deinen Hunger stillen, sonst heilen die Wunden nicht.« Jodys Kratzer, Knutschflecken und Prellungen waren allesamt verheilt, und abgesehen von einem Klecks Rasiercreme hier und da im Haar war sie so gut wie neu.
»Wie denn?«, fragte Tommy. »Woher weiß ich, wo ich ihn beißen soll?«
»Versuch es am Hals«, sagte Jody. »Aber taste vorher mit der Zunge nach einer Ader, bevor du zubeißt... und nicht so fest.« Sie gab sich Mühe, zuversichtlich zu klingen, aber sie bewegte sich genauso auf unbekanntem Terrain wie er. Es gefiel ihr, Tommy Anleitung im Vampirismus zu geben, und es machte ihr Spaß, ihm beizubringen, was Erwachsene so machten, zum Beispiel sich um Strom und Telefon für die neue Wohnung zu kümmern. Sie fühlte sich kultiviert und verantwortungsbewusst, und nach einer Reihe von Liebhabern, für die sie kaum mehr als schmückendes Beiwerk gewesen war und deren Lebensstil sie angenommen hatte (von Heavy-Metal-Anarchisten bis zu Börsenyuppies), genoss sie es, zur Abwechslung mal selbst den Ton angeben zu können. Aber wenn es um die Frage ging, wie man sich von Tieren ernährte, hätte sie davon nicht weniger Ahnung haben können, als wenn sie sich in eine Fledermaus verwandeln wollte. Nur ein einziges Mal hatte sie in Erwägung gezogen, Tierblut zu trinken, und zwar als Tommy ihr zwei große, lebende Suppenschildkröten aus Chinatown mitgebracht hatte. Sie hatte sich nicht dazu bringen können, die gepanzerten Tiere zu beißen. Tommy hatte sie auf die Namen Scott und Zelda getauft, was es auch nicht besser machte. Inzwischen diente Zelda als Rasenschmuck in Pacific Heights, und Scott stand in Bronze gegossen neben dem alten Vampir im großen Zimmer. Die bildhauernden Biker hatten die beiden Kröten bronziert, wodurch Tommy überhaupt erst auf die Idee gekommen war, dasselbe auch mit Jody und dem alten Vampir zu machen.
»Bist du sicher, dass es okay ist?«, sagte Tommy und beugte sich über Chet, den fetten, barbierten Kater. »Ich meine, du hast gesagt, wir sollten nur die Kranken und Schwachen jagen – die mit schwarzer Aura. Chets Aura leuchtet rosig.«
»Bei Tieren ist es was anderes.« Dabei wusste sie gar nicht, ob es bei Tieren was anderes war. Einmal hatte sie eine Motte gegessen, im Stück, hatte sie aus der Luft geschnappt und heruntergewürgt, bevor sie es sich anders überlegen konnte. Jetzt wurde ihr bewusst, dass sie Elijah noch viel mehr Fragen hätte stellen können, als Gelegenheit dazu gewesen war. »Außerdem willst du ihn ja nicht umbringen.«
»Stimmt«, sagte Tommy. Er drückte seinen Mund an Chets Katzenhals. »Fo etfa?«
Jody musste sich abwenden, um nicht laut loszuprusten. »Ja, sieht doch gut aus.«
»Er fmeckt nach Rawierfaum.«
»Jetzt mach!«, sagte Jody.
»Ma gup.« Tommy biss zu und fing fast augenblicklich an zu stöhnen. Kein seliges Stöhnen, eher das Stöhnen von jemandem, dessen Zunge an der Eiswürfelschale im Tiefkühlfach festklebt. Chet wirkte ungewöhnlich ruhig, wehrte sich nicht mal gegen seine Fesseln. Vielleicht stimmte es ja doch, dass Vampire Macht über ihre Opfer besaßen, dachte Jody.
»Okay, das reicht«, sagte Jody.
Tommy schüttelte den Kopf und nuckelte weiter an dem rasierten Kater herum.
»Tommy, lass los! Du musst noch was übrig lassen.«
»Vergiff ef«, sagte Tommy.
»Hör auf, den fetten Kater leerzulutschen, Tommy«, sagte Jody trocken. »Das ist mein Ernst.« Dabei war es gar nicht ihr Ernst, nur ein bisschen.
Mittlerweile atmete Tommy schwer, und seine Haut hatte ein wenig Farbe bekommen. Jody sah sich nach etwas um, womit sie seine Aufmerksamkeit erregen konnte. Auf dem Nachtschränkchen entdeckte sie eine Vase.
Sie nahm die Blumen heraus und kippte das Wasser auf Tommy und den fetten Kater. Er wollte einfach nicht aufhören. Ein wohliges Schaudern durchfuhr den Kater, ansonsten rührte er sich nicht.
»Na, gut«, sagte Jody. Tommy hatte die schwere Steingutvase irgendwo besorgt, als er ihr einen Blumenstrauß aus dem Supermarkt mitgebracht hatte, um sich zu entschuldigen. Das tat er öfter, brachte ihr auch mal Blumen mit, bevor er überhaupt was angestellt hatte. Mehr konnte man von einem Mann nun wirklich nicht erwarten, was auch der Grund war, weshalb Jody auf halbe Kraft ging, als sie mit der Vase ausholte, die Tommy an der Stirn traf, so dass er glatt zwei Meter rückwärts taumelte. Chet, der nackte Kater, miaute kläglich. Wundersamerweise blieb die Vase heil.
»Danke«, sagte Tommy und wischte sich das Blut vom Mund. Er hatte eine mondsichelfömige Delle an der Stirn, die sich zügig füllte und verheilte.
»Gern geschehen«, sagte Jody und starrte die Vase an. Prima Vase, dachte sie. Zartes, elegantes Porzellan war schön und gut für Sammlervitrinen und Kaffeeklatsch, aber Mädchen, die kurz mal was brauchten, um jemandem eins vor den Latz zu knallen, schworen auf das robustere Steingut.
»Schmeckt nach Katzenmaulgeruch«, sagte Tommy und deutete auf Chet. Die Bissspuren von Tommys Zähnen waren schon verheilt. »Soll das so sein?«
Jody zuckte mit den Schultern. »Wie riecht denn eine Katze aus dem Maul?«
»Wie eine Thunfisch-Kasserolle, die eine Woche in der Sonne gestanden hat.« Da Tommy aus dem Mittleren Westen kam, dachte er, jeder müsste wissen, wie eine Thunfisch-Kasserolle riecht. Da Jody jedoch im kalifornischen Carmel geboren und aufgewachsen war, kannte sie so etwas nur aus den alten Fernsehserien.
»Ich glaub, ich lass es lieber«, sagte Jody. Sie hatte Hunger, aber nicht auf faulen Fisch. Allerdings wusste sie nicht, was sie sonst tun sollte. Sie konnte sich ja nicht mehr von Tommy ernähren, und obwohl sie den Rausch mochte und das Gefühl hatte, sie diente Mutter Natur, wenn sie nur die Schwachen und Kranken holte, missfiel ihr der Gedanke, auf Menschenjagd zu gehen, selbst wenn es Fremde waren. Sie brauchte Zeit zum Nachdenken, um sich zu überlegen, wie ihr gemeinsames, neues Leben aussehen sollte. Es war alles viel zu schnell gegangen, seit Tommy und seine Freunde den alten Vampir ausgeschaltet hatten. Sie sagte: »Wir sollten Chet heute Abend seinem Besitzer zurückbringen. Du brauchst deinen Führerschein. Könnte sein, dass du dich ausweisen musst, wenn wir eine neue Wohnung anmieten.«
»Neue Wohnung?«
»Wir müssen umziehen, Tommy. Ich hab Inspector Rivera und diesem Cavuto gesagt, dass ich die Stadt verlasse. Das prüfen die doch bestimmt nach.« Zwei Detectives vom Morddezernat waren der Spur der Leichen gefolgt, die der alte Vampir zurückgelassen hatte, und waren schließlich auf Jodys delikate Verfassung aufmerksam geworden. Sie hatte ihnen versprochen, dass sie mit dem alten Vampir die Stadt verlassen würde, wenn man sie laufen ließ.